Die Beschreibung aus dem Buch
Baudenkmäler des Kantons Soloturn
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Alt - Bechburg

 

 

 

 

Die linke Abbildung wurde um 1840 von J.F. Wagner gezeichnet. Der Zeichner steht unter der Burg von Südwesten her betrachtet.

Burgruine im Amt Balsthal, eine Viertelstunde südöstlich von Holderbank.
Originaltext

Die Burg Alt-Bechburg ist wohl unzweifelhaft der Stammsitz der Freiherren von Bechburg und muss in ihren Anfängen ins XII. Jahrh. hinaufreichen. Bei ihrem urkundlichen Auftreten ist die Veste aber in fremden Händen; sie ist eine Ganerbenburg; die sogen. hintere Burg ist freies lediges Eigen der Froburger, die vordere Burg mit dem Thurm ist als landgräfliches Lehen in Händen der Grafen von Falkenstein. Am 10. Mai 1325 verkauft Graf Rudolf von Falkenstein dem Ritter Heinrich von Ifenthal: "die alte Bechburg, den Thurm und das Haus, das darum ist", wie sie mein Vater sel. und meine Vordern hergebracht haben, sammt Aeckern, Matten etc. um 500 alter Pfennige. Die Grafen Rud. von Neuenburg und Joh. von Froburg, als Landgrafen, belehnen den von Ifenthal damit (S. W. 1830, S. 668). Eilf Jahre später kaufte Heinrich von Ifenthal um 130 Mk. Silber Basler Gewicht von Graf Johann von Froburg auch dessen Antheil der alten Bechburg, mit Namen den hintersten Theil, sammt Gütern, Leuten etc. als rechtes freies lediges Eigen. 1336, 20. Febr. (S. W. 1830, S. 670). Heinrichs Söhne, Heinrich II. und Hemmann von Ifenthal folgten ihrem Vater ums Jahr 1353 im gemeinsamen Besitze Alt-Bechburgs, Schnon am 23. Jan.1366 verkaufte aber Hemmann seinem Bruder seinen Antheil an der « hintern Bechburg die wider Balstall liegt (S.W. 1831,S. 20) und am 22. April 1368 seinen Theil der «vordern Burg zu Bechburg>>, die Lehen ist von (Graf Rud. v. Neuenburg, und Güter, Rechte etc. um 80 Mk. Silbers (S. W. 1831 S. 21). Ritter Heinrich II. hatte keine Söhne und liess darum am 29. Okt. 1368 die vordere Burg mit dem Thurm durch Rud. von Neuenburg-Nidau, den Landgrafen, in ein Kunkellehen verwandeln. (S. W. 1829. S. 752). Nach seinem Tode beerbten ihn seine Töchter Regula, vermählt mit Herdegen von Hinwil und Margaretha, vermählt mit Peter von Eptingen. In dem höchst merkwürdigen Vertrage vom 23. Dez. 1376 gewährt Herdegen von Hinwil, dem die hintere Burg zugefallen, seinem Schwager Eptingen, dem Besitzer der vordern Burg, einen steten getreuen Burgfrieden und ein Vorkaufsrecht auf seinen Antheil und erhält dagegen Weg und Steg durch die vordere Burg zugesichert (S. W.1813, S. 246). Als Margaretha von Ifenthal ca. 1391 Wittwe geworden war, heirathete sie in zweiter Ehe den Ritter Hermann von Landenberg, genannt Tschudi und brachte am Montag vor der alten Fastnacht 1404 von ihrer Schwester Regula, der Wittwe Herd. v. Hinwil, die hintere alte Bechburg um 6o Gld. baar und verschiedene Tauschgüter an sich (S. W. 1830, S. 417). Die 1405 zum zweiten Mal verwittwete Margaretha empfing vom Grafen Otto von Thierstein Freitag vor Palmsonntag 1411 das vordere Haus mit dem Thurm auf der alten Bechburg und verschiedene Güter zu Lehen (S. W. 1813, S 314). Margaretha hatte auch ihrem zweiten Gemahl keine Söhne, sondern nur zwei Töchter geschenkt, Verena, Gemahlin Thürings von Eptingcn, und Suse, später Gattin Hermanns von Hohenlandenberg. Mit Zustimmung ihres erstgenannten Tochtermannes verkaufte sie nun der Stadt Solothurn ihre Veste Alt-Bechburg mit Leuten, Gütern, Gerichten etc. um 3000 Rh. Gld. Am 12. Mai 1416 ward zu Wigerlis Hofstatt im Buchsgau vor Landgericht der Kauf gefertigt (S.W. 1820, S. 363). Schon 2 Tage zuvor hatte der Landgraf, Graf Otto von Thierstein, für sein Lehen in den Verkauf gewilligt (S. W. 1820, S. 362). Freitag nach Franzisci, wird die Veste um jährlichen Zins von 5 Heller als Erblehen dem Ulrich Pfister genannt Koler aus dem Sarganserland verliehen (Haffner II, S. 359). 1521 kommt Alt-Bechburg als Lehen an den Solo thurner Schultheissen Hans Stölli um einen jährlichen Zins von 18 Geldes (Haffner II, S. 361). 1572, Donst. auf S. Antoni, wird das Lehen von Alt-Bechburg dem Benedikt Bloch erneuert (Haffner II, S. 363). 16oo, 26. Juli, empfängt Jakob Bloch das Lehen (Haffner 1. c.). Haffner nennt Alt-Bechburg ein "alt zergehend Schloss" und berichtet, dass ein Landmann dasselbe sammt den Zehnden und Gütern zu Lehen habe und bewohne. Als die Stadt Solothurn das Lehen um 24 Gld. ablösen wollte, habe sie bei dem "groben Mann" nichts ausrichten können (I. c. II, S. 355). Zu Anfang des XVIII. Jahrhdts. ging das Schloss in Feuer auf und blieb seither Ruine. Dic Steine dienten den umwohnenden Bauern als Baumaterial (Strohmeier, S. 217, 218). Ueber den Fund eines Gerippes in der Höhlung der Mauer 1836 vgl. Strohmeier, 218. Durrer.


Beschreibung der Burganlage von J. Zemp 1892

Die von West nach Osten langgestreckte Burgstelle (Fig. 8 u. Fig. 9) liegt auf der schmalen Zunge eines Juragrates, die im Westen jäh abfällt. Eine langgestreckte Felsbank bildet westlich als höchstgelegener Theil den eigentlichen Burgfelsen. Ein an seinem Westende schartig absteigender Grat scheidet den nahezu senkrechten südlichen Absturz vom wild zerküfteten Hange der Nordwestseite Oestlich setzen sich vor dem Burgfelsen zwei tiefer liegende Terrassen B-C und A ab, deren Nord- und Südseite als waldiges Gehänge sich steil abdacht. Ein (künstlicher?) Einschnitt, der alte Burggraben, isolirt die Stelle im Osten von dem dahinter sich fortsetzenden Bergrücken. Nur von Osten ist der Burgfelsen zugänglich. Der Burgweg führt hier zunächst über einen aus abgestürzten Mauersteinen geschichteten Damm, welcher den ca. 7 m. breiten und ca. 4 m. tiefen Graben überbrückt und ohne Zweifel die Stelle der alten Zugbrücke einnimmt. Wo der Weg auf die Terrasse A mündet, haben sich die Substructionen eines bei Kauw abgebildeten kleinen viereckigen Thorthurmes erhalten. Die Terrasse A ist halbkreisförmig. Von den 0,60 m. starken, nach Kauw ursprünglich gezinnten Umfassungen der Peripherie sind nur Bruchstücke erhalten. Die geradlinige, 30 m. lange westliche Basis der Terrasse A wird in ihrem südlichen Theil durch die noch ca. 4 m. hohe und 0.80 m. starke Stützmauer der höheren Terrasse B gebildet; der nördliche Theil ist Durch ein Felsstück begrenzt, das durch Mauerung verstärkt ist. An letzterer Stelle müsste nach Kauw ein zweiter, längs des Nordhanges emporführender Weg auf die Terrasse gemündet haben. Der Aufgang zur zweiten, ca. 5 m. höher gelegenen Terrasse B-C führt heute über eine abgestürzte Schuttstelle ihrer östlichen Stützmauer; den alten Zugang dürfte südlich davon eine jederseits von einem runden Balkenloch begleitete, durch Absturz entstellte Oeffnung bezeichnen. Die Terrassc B - C umschliesst den Nordostfuss des eigentlichen Burgfelsens mit einem spitz verlaufenden südlichen (B) und einem rechteckigen westlichen Schenkel C. Von den Umfassungen hat sich ausser der östlichen Stütz- mauer ein an den Scheitel anstossendes 0,80 m. starkes nördliches Stück und der noch 3,50 m. hohe westliche Abschluss des rechteckigen Schenkels E erhalten. Derselbe vermittelte den Aufgang zum Burgfelsen. Dieser besteht aus einer in den Felsen gebrochenen Oeffnung (vgl. den Langschnitt Fig. 8); sie war nach Kauw mit einem über die Stelle C Gebauten Thorhäuschen geschützt, das mit einem Pultdache abschloss. Der ca. 3 - 4 m. erhöhte Burgfelsen trug eine Doppelanlage (vgl. die Urk. von 1325). Eine östliche "vordere Burg" wird durch einen rechteckigen Zwinger oder Hof G von der "hinteren Burg" H getrennt, welche den westlichen Abschluss bildet. Die vordere Burg war ein langgestrecktes Rechteck (E-F), aus dessen Nordflanke ein Thurm D einspringt. Dieser hat als ältester, vielleicht ins XII Jahrh. zurückgehender Theil der Anlage zu gelten. Das unregelmässige Pentagon wendet seine Spitze der Angriffs (Zugangs-)seite zu. Seine 1,80 m. starken, noch bis zu einer Höhe von 3 m. erhaltenen Mauern sind aus kleinen, röthlicen Bruchsteinquadern sorgfältig aufgeführt und umschliessen einen heute aufgeschütteten Raum von nur 2,4 m. NS. Breite und 5,10 m. grösster (OW.) Länge. Der Thurm war schon 1325 von einem "Haus" umschlossen. Kauw gibt dasselbe als ein hohes, polygones, mit Zinnen bekröntes Gebäude. Von der östlichen Parthie E sind drei Reste erhalten: die Spuren einer von Nord nach Süd gerichteten Mauer bei E, ein von Nordwest nach Südost gerichteter Mauerrest, der die Westseite des Zwingerschenkels B beherrsehte, und ein 4 m. hohes, 0.75 m. dickes Stück, das an der Nordostflanke des Thurmes über dem in den Felsen gebrochenen Eingange ansetzt und die südliehe Begrenzung des Terrassenschenkels E bildet. Das aus grauen, unregelmässigen Bruchsteinen aufgeführte Mauerwerk ist mit dem Thurme D nicht bündig, und dürfte bedeutend jünger sein als dieser. Die südliche Umfassung des "Hauses" ist grösstentheils abgestürzt. Wagners Abbildung zeigt über einer rundbogigen Pforte einen Kleinbogenfries oder eine Reihe von Balkenlöchern. Die auf die Felskante gebauten Umfassungen des westlichen Abschnittes F, südlich nur 0,60 m. stark und ca. 0,80 m. hoch, nördlich als Fortsetzung der Nordseite des Thurmes auf einen höherragenden schmalen Grat gebaut, biegen an der Westseite gleichmässig ein, ohne indessen dieselbe zu schliessen. Ob sie in ihrer heutigen Gestalt als Umfassungen des den Thurm umschliessenden "Hauses » gedient haben, ist fraglich. Westlich legt sich als Vorhof oder Zwinger der "hinteren Burg" ein durch Schuttauffüllung geebnetes Plateau G an. Die sturmfreie Nord- und Südseite ist von einer 0,60 m. starken, niedrigen Mauer begrenzt, die sich in der Südost-Ecke bündig an die eingebogene Umfassung des Abschnittes F anschliesst. Den westlichen Abschluss bildet die "hintere Burg" H ein fast quadratischer Wohnthurm von 10.25 m. nord-südlicher und 13 m. westsüdlicher innerer Ausdehnung. Kauw gibt denselben ungenau wieder. Er war nur von der vorderen Burg her zugänglich (vgl. die Urk. von 1376). Das Bestehen eines unterirdischen Ausganges an der jähen Westseite, der heute durch Stein- blöcke versperrt sein soll, ist zweifelhaft. Von den bis auf ca. 4 m. Höhe in ziemlich regelmässiger Bruchsteinmauerung erhaltenen Umfassungen zeigt die 1.20 m. starke Nordseite eine kurze Fortsetzung nach Westen. In der 1,55 m. starken Westseite befinden sich in ungleicher Höhe zwei einfache Lucken von 1 m. innerer und 0.25 m. äusserer Öeffnung. Die 2.40 m. dicke Südseite besteht aus einer Doppelmauer von je 1.20 m. Stärke. In ihrer Mittc zeigt Jenny's Abbildung eine rundbogige Öeffnung, die jetzt nur noch durch eine Absturzstelle bezeichnet ist.

Zemp 1892.

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