Die
Burg Alt-Bechburg ist wohl unzweifelhaft der Stammsitz
der Freiherren von Bechburg und muss in ihren
Anfängen ins XII. Jahrh. hinaufreichen. Bei
ihrem urkundlichen Auftreten ist die Veste aber
in fremden Händen; sie ist eine Ganerbenburg;
die sogen. hintere Burg ist freies lediges Eigen
der Froburger, die vordere Burg mit dem Thurm
ist als landgräfliches Lehen in Händen
der Grafen von Falkenstein. Am 10. Mai 1325 verkauft
Graf Rudolf von Falkenstein dem Ritter Heinrich
von Ifenthal: "die alte Bechburg, den Thurm
und das Haus, das darum ist", wie sie mein
Vater sel. und meine Vordern hergebracht haben,
sammt Aeckern, Matten etc. um 500 alter Pfennige.
Die Grafen Rud. von Neuenburg und Joh. von Froburg,
als Landgrafen, belehnen den von Ifenthal damit
(S. W. 1830, S. 668). Eilf Jahre später kaufte
Heinrich von Ifenthal um 130 Mk. Silber Basler
Gewicht von Graf Johann von Froburg auch dessen
Antheil der alten Bechburg, mit Namen den hintersten
Theil, sammt Gütern, Leuten etc. als rechtes
freies lediges Eigen. 1336, 20. Febr. (S. W. 1830,
S. 670). Heinrichs Söhne, Heinrich II. und
Hemmann von Ifenthal folgten ihrem Vater ums Jahr
1353 im gemeinsamen Besitze Alt-Bechburgs, Schnon
am 23. Jan.1366 verkaufte aber Hemmann seinem
Bruder seinen Antheil an der « hintern Bechburg
die wider Balstall liegt (S.W. 1831,S. 20) und
am 22. April 1368 seinen Theil der «vordern
Burg zu Bechburg>>, die Lehen ist von (Graf
Rud. v. Neuenburg, und Güter, Rechte etc.
um 80 Mk. Silbers (S. W. 1831 S. 21). Ritter Heinrich
II. hatte keine Söhne und liess darum am
29. Okt. 1368 die vordere Burg mit dem Thurm durch
Rud. von Neuenburg-Nidau, den Landgrafen, in ein
Kunkellehen verwandeln. (S. W. 1829. S. 752).
Nach seinem Tode beerbten ihn seine Töchter
Regula, vermählt mit Herdegen von Hinwil
und Margaretha, vermählt mit Peter von Eptingen.
In dem höchst merkwürdigen Vertrage
vom 23. Dez. 1376 gewährt Herdegen von Hinwil,
dem die hintere Burg zugefallen, seinem Schwager
Eptingen, dem Besitzer der vordern Burg, einen
steten getreuen Burgfrieden und ein Vorkaufsrecht
auf seinen Antheil und erhält dagegen Weg
und Steg durch die vordere Burg zugesichert (S.
W.1813, S. 246). Als Margaretha von Ifenthal ca.
1391 Wittwe geworden war, heirathete sie in zweiter
Ehe den Ritter Hermann von Landenberg, genannt
Tschudi und brachte am Montag vor der alten Fastnacht
1404 von ihrer Schwester Regula, der Wittwe Herd.
v. Hinwil, die hintere alte Bechburg um 6o Gld.
baar und verschiedene Tauschgüter an sich
(S. W. 1830, S. 417). Die 1405 zum zweiten Mal
verwittwete Margaretha empfing vom Grafen Otto
von Thierstein Freitag vor Palmsonntag 1411 das
vordere Haus mit dem Thurm auf der alten Bechburg
und verschiedene Güter zu Lehen (S. W. 1813,
S 314). Margaretha hatte auch ihrem zweiten Gemahl
keine Söhne, sondern nur zwei Töchter
geschenkt, Verena, Gemahlin Thürings von
Eptingcn, und Suse, später Gattin Hermanns
von Hohenlandenberg. Mit Zustimmung ihres erstgenannten
Tochtermannes verkaufte sie nun der Stadt Solothurn
ihre Veste Alt-Bechburg mit Leuten, Gütern,
Gerichten etc. um 3000 Rh. Gld. Am 12. Mai 1416
ward zu Wigerlis Hofstatt im Buchsgau vor Landgericht
der Kauf gefertigt (S.W. 1820, S. 363). Schon
2 Tage zuvor hatte der Landgraf, Graf Otto von
Thierstein, für sein Lehen in den Verkauf
gewilligt (S. W. 1820, S. 362). Freitag nach Franzisci,
wird die Veste um jährlichen Zins von 5 Heller
als Erblehen dem Ulrich Pfister genannt Koler
aus dem Sarganserland verliehen (Haffner II, S.
359). 1521 kommt Alt-Bechburg als Lehen an den
Solo thurner Schultheissen Hans Stölli um
einen jährlichen Zins von 18 Geldes (Haffner
II, S. 361). 1572, Donst. auf S. Antoni, wird
das Lehen von Alt-Bechburg dem Benedikt Bloch
erneuert (Haffner II, S. 363). 16oo, 26. Juli,
empfängt Jakob Bloch das Lehen (Haffner 1.
c.). Haffner nennt Alt-Bechburg ein "alt
zergehend Schloss" und berichtet, dass ein
Landmann dasselbe sammt den Zehnden und Gütern
zu Lehen habe und bewohne. Als die Stadt Solothurn
das Lehen um 24 Gld. ablösen wollte, habe
sie bei dem "groben Mann" nichts ausrichten
können (I. c. II, S. 355). Zu Anfang des
XVIII. Jahrhdts. ging das Schloss in Feuer auf
und blieb seither Ruine. Dic Steine dienten den
umwohnenden Bauern als Baumaterial (Strohmeier,
S. 217, 218). Ueber den Fund eines Gerippes in
der Höhlung der Mauer 1836 vgl. Strohmeier,
218. Durrer.
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Beschreibung
der Burganlage von J. Zemp 1892
Die von West nach Osten
langgestreckte Burgstelle (Fig. 8 u. Fig. 9)
liegt auf der schmalen Zunge eines Juragrates,
die im Westen jäh abfällt. Eine langgestreckte
Felsbank bildet westlich als höchstgelegener
Theil den eigentlichen Burgfelsen. Ein an seinem
Westende schartig absteigender Grat scheidet
den nahezu senkrechten südlichen Absturz
vom wild zerküfteten Hange der Nordwestseite
Oestlich setzen sich vor dem Burgfelsen zwei
tiefer liegende Terrassen B-C und A ab, deren
Nord- und Südseite als waldiges Gehänge
sich steil abdacht. Ein (künstlicher?)
Einschnitt, der alte Burggraben, isolirt die
Stelle im Osten von dem dahinter sich fortsetzenden
Bergrücken. Nur von Osten ist der Burgfelsen
zugänglich. Der Burgweg führt hier
zunächst über einen aus abgestürzten
Mauersteinen geschichteten Damm, welcher den
ca. 7 m. breiten und ca. 4 m. tiefen Graben
überbrückt und ohne Zweifel die Stelle
der alten Zugbrücke einnimmt. Wo der Weg
auf die Terrasse A mündet, haben sich die
Substructionen eines bei Kauw abgebildeten kleinen
viereckigen Thorthurmes erhalten. Die Terrasse
A ist halbkreisförmig. Von den 0,60 m.
starken, nach Kauw ursprünglich gezinnten
Umfassungen der Peripherie sind nur Bruchstücke
erhalten. Die geradlinige, 30 m. lange westliche
Basis der Terrasse A wird in ihrem südlichen
Theil durch die noch ca. 4 m. hohe und 0.80
m. starke Stützmauer der höheren Terrasse
B gebildet; der nördliche Theil ist Durch
ein Felsstück begrenzt, das durch Mauerung
verstärkt ist. An letzterer Stelle müsste
nach Kauw ein zweiter, längs des Nordhanges
emporführender Weg auf die Terrasse gemündet
haben. Der Aufgang zur zweiten, ca. 5 m. höher
gelegenen Terrasse B-C führt heute über
eine abgestürzte Schuttstelle ihrer östlichen
Stützmauer; den alten Zugang dürfte
südlich davon eine jederseits von einem
runden Balkenloch begleitete, durch Absturz
entstellte Oeffnung bezeichnen. Die Terrassc
B - C umschliesst den Nordostfuss des eigentlichen
Burgfelsens mit einem spitz verlaufenden südlichen
(B) und einem rechteckigen westlichen Schenkel
C. Von den Umfassungen hat sich ausser der östlichen
Stütz- mauer ein an den Scheitel anstossendes
0,80 m. starkes nördliches Stück und
der noch 3,50 m. hohe westliche Abschluss des
rechteckigen Schenkels E erhalten. Derselbe
vermittelte den Aufgang zum Burgfelsen. Dieser
besteht aus einer in den Felsen gebrochenen
Oeffnung (vgl. den Langschnitt Fig. 8); sie
war nach Kauw mit einem über die Stelle
C Gebauten Thorhäuschen geschützt,
das mit einem Pultdache abschloss. Der ca. 3
- 4 m. erhöhte Burgfelsen trug eine Doppelanlage
(vgl. die Urk. von 1325). Eine östliche
"vordere Burg" wird durch einen rechteckigen
Zwinger oder Hof G von der "hinteren Burg"
H getrennt, welche den westlichen Abschluss
bildet. Die vordere Burg war ein langgestrecktes
Rechteck (E-F), aus dessen Nordflanke ein Thurm
D einspringt. Dieser hat als ältester,
vielleicht ins XII Jahrh. zurückgehender
Theil der Anlage zu gelten. Das unregelmässige
Pentagon wendet seine Spitze der Angriffs (Zugangs-)seite
zu. Seine 1,80 m. starken, noch bis zu einer
Höhe von 3 m. erhaltenen Mauern sind aus
kleinen, röthlicen Bruchsteinquadern sorgfältig
aufgeführt und umschliessen einen heute
aufgeschütteten Raum von nur 2,4 m. NS.
Breite und 5,10 m. grösster (OW.) Länge.
Der Thurm war schon 1325 von einem "Haus"
umschlossen. Kauw gibt dasselbe als ein hohes,
polygones, mit Zinnen bekröntes Gebäude.
Von der östlichen Parthie E sind drei Reste
erhalten: die Spuren einer von Nord nach Süd
gerichteten Mauer bei E, ein von Nordwest nach
Südost gerichteter Mauerrest, der die Westseite
des Zwingerschenkels B beherrsehte, und ein
4 m. hohes, 0.75 m. dickes Stück, das an
der Nordostflanke des Thurmes über dem
in den Felsen gebrochenen Eingange ansetzt und
die südliehe Begrenzung des Terrassenschenkels
E bildet. Das aus grauen, unregelmässigen
Bruchsteinen aufgeführte Mauerwerk ist
mit dem Thurme D nicht bündig, und dürfte
bedeutend jünger sein als dieser. Die südliche
Umfassung des "Hauses" ist grösstentheils
abgestürzt. Wagners Abbildung zeigt über
einer rundbogigen Pforte einen Kleinbogenfries
oder eine Reihe von Balkenlöchern. Die
auf die Felskante gebauten Umfassungen des westlichen
Abschnittes F, südlich nur 0,60 m. stark
und ca. 0,80 m. hoch, nördlich als Fortsetzung
der Nordseite des Thurmes auf einen höherragenden
schmalen Grat gebaut, biegen an der Westseite
gleichmässig ein, ohne indessen dieselbe
zu schliessen. Ob sie in ihrer heutigen Gestalt
als Umfassungen des den Thurm umschliessenden
"Hauses » gedient haben, ist fraglich.
Westlich legt sich als Vorhof oder Zwinger der
"hinteren Burg" ein durch Schuttauffüllung
geebnetes Plateau G an. Die sturmfreie Nord-
und Südseite ist von einer 0,60 m. starken,
niedrigen Mauer begrenzt, die sich in der Südost-Ecke
bündig an die eingebogene Umfassung des
Abschnittes F anschliesst. Den westlichen Abschluss
bildet die "hintere Burg" H ein fast
quadratischer Wohnthurm von 10.25 m. nord-südlicher
und 13 m. westsüdlicher innerer Ausdehnung.
Kauw gibt denselben ungenau wieder. Er war nur
von der vorderen Burg her zugänglich (vgl.
die Urk. von 1376). Das Bestehen eines unterirdischen
Ausganges an der jähen Westseite, der heute
durch Stein- blöcke versperrt sein soll,
ist zweifelhaft. Von den bis auf ca. 4 m. Höhe
in ziemlich regelmässiger Bruchsteinmauerung
erhaltenen Umfassungen zeigt die 1.20 m. starke
Nordseite eine kurze Fortsetzung nach Westen.
In der 1,55 m. starken Westseite befinden sich
in ungleicher Höhe zwei einfache Lucken
von 1 m. innerer und 0.25 m. äusserer Öeffnung.
Die 2.40 m. dicke Südseite besteht aus
einer Doppelmauer von je 1.20 m. Stärke.
In ihrer Mittc zeigt Jenny's Abbildung eine
rundbogige Öeffnung, die jetzt nur noch
durch eine Absturzstelle bezeichnet ist.
Zemp 1892.
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