Travelogue in English 

 

Reisebericht Bangladesh 2000

 

Rita Müller + Andi Hefti (16.9 -19.10.2000)

'Come to Bangladesh before the tourists'

Eigentlich ist Bangladesch wie Indien, nur anders.
Touristisch noch nicht sehr entwickelt (auf jeden Fall nicht für „westliche„ Touristen), ist doch die Infrastruktur vorhanden. Wir haben in den ganzen 4 1/2 Wochen, ausserhalb Dhakas, nur 9 andere Touristen gezählt. Wir konnten immer dort hingelangen wohin wir wollten (mit Rickshaw, Babytaxis ( 3-rädrige Vespas, made in India) Boot oder Bus), fanden an jedem Ort einen Platz zum schlafen. Wo es kein Hotel hatte, in Lama Bazar, einem kleinen Ort in den Bandarban Hill Tracts (der hügeligen Gegend im Südosten, nahe der Grenze zu Myanmar) konnten wir in einem Gesthouse des Forestry Department übernachten, wir mussten vorher nur die (schriftliche) Bewilligung des Direktors einholen. Auch zu Essen fanden wir immer etwas, vor allem Reis mit Dal (Linsensuppe), Ei oder
Fisch und Gemüse, ab und zu ein NaanRoti (Fladenbrot aus dem Lehmofen), doch die Qualität war bei weitem nicht so gut wie in Indien. Wir hatten aber, wegen dem Essen, ausser je einmal, keine grössere Probleme mit der Gesundheit. Es hatte nicht annähernd so viele Moskitos wie befürchtet, nicht dass wir verschont geblieben wären, aber für ein Land, mit so viel Wasser … Die Leute waren sehr hilfsbereit und gastfreundlich, oft wurden wir zu einem Tee (Cha) oder zum Essen eingeladen. In Lama Bazar, wo wir zwei Tage länger bleiben mussten als vorgesehen (es war ein Bussstreik, bis wir herausfanden, dass kleine Boote hinunter an die Küste fuhren) zeigte uns Mohammad Ali, Blocksupervisor vom Agriculture Office, die Umgebung, den buddhistischen Tempel (Bara Khyang), die kleinen Dörfer der tribal people (ursprüngliche Volksstämme der Hill Tracts) mit ihren Bambus Häusern auf Stelzen. Wir sahen viele Reisfelder (wo hat's keine Reisfelder in Bangladesch ?), Bananenbäume und Wälder in dieser hügeligen Umgebung. Die kleinen Strassen und Wege bestehen oft aus Backsteinen, da es nur wenige Steine gibt in Bangladesch. Alles ist Sand oder Lehmboden. Am Markttag in Lama strömten Leute aus allen Richtungen herbei. Sie trugen riesigen Lasten auf dem Kopf oder in 2 Körben, die sie an einer Bambusstange hängend ,über der Schulter trugen. Am Flussufer werden Bambusstämme zu Flossen zusammen gebunden. Viele dieser Flosse zusammen ergeben einen riesigen Teppich, der den Fluss hinunter treibt, bis zur nächsten grossen Strasse, wo sie auf Lastwagen verladen werden. Nachts war es sehr ruhig, nur die Zikaden zirpten, die Frösche quakten ,Tausende von Glühwürmchen schwirrten in den Reisfeldern herum. Die Kommunikation war nicht einfach. Nur wenige Leute sprachen englisch und unser Bangla war auch nicht besser ! Oft, wenn wir an einem kleinen Stand einen Tee oder eine Cola tranken, standen ca. 10 Leute rundherum. Einer fragte woher wir kämen (your country ?), wie wir hiessen, ob wir verheiratet seien und Kinder hätten, und dann übersetzte er den anderen Zuschauer. Oft wurde dabei gelacht; die Leute waren immer sehr neugierig, aber auch immer sehr freundlich zu uns. In grossen Städten, wie Dhaka und Chittagong herrscht ein totales Verkehrschaos. Die Strassen sind verstopft mit Rickshaws, Babytaxis und Bussen. Es wird ständig gehupt und geklingelt. Auf den Strassen herrscht das Recht des Stärkeren: Lastwagen haben vortritt, dann die Busse, Autos, Babytaxis, Rickshaws, Velos und am Schluss die Fussgänger. Die Busse fahren hupend mit Vollgas durch die Dörfer, verlangsamen nur, wenn jemand ein oder aussteigen will. Wir haben bei unseren Bussfahrten oft Fastzusammenstösse erlebt. Wie schön ist es da mit einem Schiff zu fahren. Von Teknaf (ganz im Südosten, direkt an der Grenze zu Myanmar) fuhren wir 3 Stunden mit einem grösseren Holzboot (zusammen mit etwa 40 Leuten und einem Wasserbüffel) nach St.Martin's Island, einer kleiner Koralleninsel, wo es keine Autos oder Rickshaws gibt, nur ein paar Fahrräder (!). Die Insel ist voller Kokospalmen, Reisfelder und Fische, die am Strand zum Trocknen ausgelegt werden. Das Leben ist sehr ruhig und einfach, es gibt keinen Strom (mehr) auf der Insel. Nach dem Sonnenuntergang, so um 18 Uhr wird und bleibt es grösstenteils dunkel. Mit Petroleumlampen oder Kerzen hatten wir (wenigstens für uns ) zu wenig Licht um zu Lesen. So sind wir oft sehr früh schlafen gegangen. St.Martin's hat schöne Strände mit hohen Wellen. Wir haben lange Strandspaziergänge unternommen, aber in fünf Stunden ist die Insel umrundet. Als ein Sturm aufzog mussten wir zwei Tage länger bleiben als geplant, da die Boote bei dem schlechten Wetter nicht fahren konnten. Mit einem grossen Schiff fuhren wir von Chittagong nach Barisal ins eigentliche Delta des Ganges. Die 1.Klassekabine hatte 2 Fenster und eine Türe mit Fliegengitter. Es hatte immer Leute, die durch die Fenster oder die Türe in die Kabine gafften. Wir fühlten uns wie im Zoo. Es ist für Touristen in Bangladesch beinahe nicht möglich alleine zu sein. Mit einem kleinen Boot (ein umgebautes Rettungsboot vom Schiffsfriedhof in Chittagong) unternahmen wir in Mongla einen Tagesausflug in den Sundarbans Nationalpark, einem riesigen Gebiet mit Mangrovenwald, Dschungel und vielen Flüssen. Bis Mongla, obwohl 80km vom Meer entfernt, herrscht immer noch Ebbe und Flut, fahren die grossen Hochseeschiffe, um ihre Güter in kleinere Schiffe umzuladen. Leider konnten wir nicht sehr tief in die Sundarbans hineinfahren, da wir vom Officer der Forest Station die Erlaubnis dazu nicht bekamen. Sie hätten Probleme mit Überfällen auf Boote, wurde uns gesagt. Wir hatten trotzdem einen kleinen Eindruck des Waldes bekommen. Alles war so grün, ich wusste nicht, dass es so viele verschiedene Arten von Grün gibt. Der Schiffsfriedhof in Chittagong (wo das kleine Boot in Mongla herkam) befindet sich 45 Minuten mit dem Babytaxi von der Stadt entfernt. Schon bei der Anfahrt sieht man an der Strasse Läden, die Schiffsküchen, Stühle, Lavabos und WCs, Leitungen und Rohre, ganze Schiffsschrauben und Metallschrott verkaufen. Die Schiffe werden bei Flut auf Grund gefahren, um dann ausgeräumt und von vielen Männern mit Schweissbrennern in grosse Stücke geschnitten zu werden, die dann mit Hilfe einer Winde ans Ufer geschleift werden. Diese Stücke werden wiederum in kleinere Platten zerschnitten, die von bis zu 10 Männern auf Lastwagen verladen werden (handmade in Bangladesh). Eine andere Schiffahrt machten wir mit der „Rocket„ (Rakete), einem Raddampfer aus den 30er Jahren, mit dem wir von Khulna zurück nach Dhaka fuhren. Die 1.Klasse hatte ein eigenes Deck mir Stühlen und Aircondition. 30 Stunden lang fuhr die Rocket durch Flüsse und Kanäle , vorbei an Reisfeldern (!) ,kleinen Dörfern, bis wir schlussendlich im Zentrum von Dhaka ankamen. Es wimmelte von grossen Passagierschiffen und Frachtern, kleinen Fischerbooten, und Fähren, die die Leute ans gegenüberliegende Ufer brachten. Wir verbrachten nur so viel Zeit wie nötig in Dhaka. Es ist laut, die Luftqualität ist schlecht, überall herrscht ein Verkehrschaos. Doch in den besseren, ruhigeren Quartieren werden viele Wohnhäuser gebaut .

Wir hatten eine sehr interessante Reise in Bangladesch. Vieles war anders als erwartet. Wir hatten nie das Gefühl die Armut des Landes überrolle uns (anders als zum Teil in Indien). Die Leute leben nicht im Überfluss, aber haben das Nötigste zum Leben. Vor allem überraschten uns die Leute positiv. Die Landschaft war überwältigend :

So grün und flach und so viel Wasser.

© Andi Hefti 2000



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