Reiseberichte Burkina Faso

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05.03.04 Ouagadougou (Burkina Faso) Burkina Faso 2. Teil

Ab Ouahigouya fuhr ich auf einer recht guten Piste durch den burkinesischen Sahel, der ärmsten Gegend Burkinas. Immer wieder machten mir Hinweisschilder über Projekte gegen den Hunger und die Desertifikation klar, mit was für Problemen die Leute hier zu kämpfen haben. Auch touristisch ist hier kaum etwas los und so rannten sogar einmal Teenager vor mir weg, da sie sich vor dem weissen Mann fürchteten. Normalerweise machen das nur Kleinkinder. Vielleicht aber sehe ich mit meinem 5-Monate-Bart und meinen dreckigen Kleidern ja wirklich langsam aber sicher zum fürchten aus!!! Trotzdem erlebte ich hier aber auch positives. So wurde noch nirgends so wenig nach Geschenken gefragt und die Leute winken mir zu und lächeln. 
Am zweiten Tag hatte ich dann wieder eine strenge Etappe zu bewältigen, da auf über 50 km an der Piste gebaut wurde. Umleitungen durch Sandpassagen, welche zu langen Stosspassagen wurden oder mit Wasser befeuchtete Pisten, wessen Dreck dann so an meinen Bremsklötzen haftete, dass die Räder nicht mehr drehten, zerrten an meinen Nerven. Auch die Gegend hier ist sehr öde und ich fragte mich doch so einige Male, wie man hier überhaupt leben, ja sogar überleben kann. Ohne ausländische Hilfe wäre das wohl wirklich nicht mehr möglich und die Leute haben halt einfach keine andere Wahl, als hier zu bleiben. In Kaya schlief ich dann in der katholischen Mission. Es war zwar gratis, aber ich hätte wohl doch besser ein Hotel genommen und ein paar Fränkli bezahlt. Die Matratzen waren total dreckig und sandig und ohne Bettlaken. Dabei so durchgelegen, dass man mit dem Hinterteil 20 cm tiefer lag, als mit dem Oberkörper. Die Dusche stinkte nach Urin, da die Toilette 50 m entfernt war und in der Nacht kam noch ein Sturm auf, weshalb das Blechdach ununterbrochen tschepperte. Ich stellte darum mein Zelt im Zimmer auf und konnte so wenigstens in meinen eigenen vier "Wänden" schlafen und hatte dazu noch mein bequemes Mätteli als Unterlage. Zudem bietet das Zelt auch guten Schutz vor den vielen Moskitos. Am nächsten Tag sah ich dann, dass der Sturm so viel Sand ins Land wehte, dass die Sonne nicht mehr sichtbar war. Sogar die Temperatur stieg dadurch statt auf etwa 45-Grad nur noch auf 33-Grad. Leider aber sah ich dabei auch nichts von der hier anscheinend schönen Landschaft. So machte ich mich also nach vier Milchkaffee und 2 Parisette, für umgerechnet 1 Euro, auf nach Ouagadougou. Die Fahrt ging nun direkt nach Süden und ich kam mit Hilfe des Windes so schnell wie seit Mauretanien nicht mehr vorwärts. 35km vor der Hauptstadt kam mir dann ein anderer Reiseradler entgegen. Ich staunte nicht schlecht, als ich bemerkte, dass es der Japaner Minoru ist, mit welchem ich schon von Bamako nach Segou fuhr. Dort musste er ja dann seine Malaria auskurieren. Er war auf dem Weg in den Niger und brauchte für diese 35 km gegen den Wind, knappe 3 Stunden. Gleichlange wie ich für meine 70 km. Da Minoru auch noch in Richtung Süden wollte, entschied er sich kurzerhand mit mir mitzukommen. So habe ich also für den letzten guten Monat einen Reisepartner. 
In Ouagadougou beantragten wir dann das Visum für Ghana, welches wir mit etwas Schmiergeld noch vor dem Wochenende auch bekamen. Für ausserordentlich schnelle Arbeiten muss halt separat bezahlt werden. Eigentlich geht mir das gegen den Strich, ich machte mir aber die Rechnung, dass der Aufenthalt in Ouagadougou übers Wochenende noch teurer zu stehen käme. So sind wir also bereit, um morgen Samstag aufzubrechen, aber nicht nach Ghana wie in meiner Reiseroute geplant, sondern nach Togo. Ich werde versuchen an der togolesischen Grenze ein Visum zu erhalten und erst in etwa 3 Wochen in Ghana einreisen. Togo ist landschaftlich und kulturell einfach abwechslungsreicher als Ghanas Norden. Den Süden von Ghana werde ich ja sowieso noch sehen. Mal schauen wie das rauskommt. Wenn alles gut läuft bin ich in 4 Tagen im gut 
250 km entfernten Togo. Ich werde dann bis fast an die Küste runterfahren bis ich nach Ghana einreise. Also bis zum nächsten Mal. 

 

01.03.04 Ouahigouya (Burkina Faso) Burkina Faso 1. Teil

Von Mopti fuhr ich über Sévaré ins gut 60km entfernte Bandiagara, der "Hauptstadt" des Dogonlandes. Da ich für eine 2-tägige Wanderung schon am Mittag mit meinem Führer abgemacht habe, musste ich mich etwas beeilen. Wie meistens kommt man am Morgen gut voran, so legte ich in der ersten Stunde
22 km zurück und dachte dabei schon, dass dies eine gemütliche Tagesetappe werden wird. Dann frischte aber der Wind auf und er blies an diesem Tag besonders kräftig. So fiel mein Tempo drastisch und ich legte in der zweiten Stunde noch 14.3 km und in der dritten gar nur noch deren 13 km zurück. Doch recht erschöpft und das nach nur 60km erreichte ich schliesslich rechtzeitig Bandiagara. Da ich dafür aber kräftig in die Pedalen treten musste, holte ich mir doch tatsächlich einen Muskelkater in den Oberschenkeln. Ich dachte nicht, dass dies nach fast 6500 km Fahrradfahren noch möglich sei!!! 
Die Dogon sind ein Volk in Mali, welches ihre traditionellen Riten und überlieferten Vorstellungen noch weitgehend erhalten konnten. Sie leben an und in einer 
140 km langen Felswand von bis zu 300 m Höhe. Ihre Dörfer kleben dabei zum Teil wie Vogelnester in den Felsen, ähnlich wie die Indianerbauten im Mesa 
Verde N.P. in den USA. Schade nur, dass die Traditionen der Dogon, welche Jahrhunderte währten von uns Touristen nun innert weniger Jahre weitgehend zerstört werden. Ich habe seit Marokko nicht mehr so viele Weisse gesehen. Die Dogon merken natürlich, dass sie mit uns gutes Geld verdienen können und verlangen nun sogar etwas dafür, wenn man ein Dorf fotografieren will. Land- schaftlich lohnte sich der Abstecher aber auf jeden Fall. Einmal etwas zu Fuss zu unternehmen, war für mich auch eine willkommene Abwechslung, auch wenn jeder Schritt wegen des Muskelkaters in den Beinen schmerzte.
Innert zwei Tagen fuhr ich danach an die Grenze zu Burkina Faso. Überraschen- derweise verliefen die Aus- und Einreiseformalitäten so schnell wie noch nie. Um einmal etwas die Situation in Burkina Faso zu veranschaulichen, hier ein paar Zahlen, die ich aus dem Reiseführer entnommen habe. Sie stammen zwar aus dem Jahre 2001, dürften sich aber nicht gross verändert haben. Jährliches Pro-Kopf-Einkommen 220 Euro. Nach dem Human Development Index an 
172.
Stelle das drittärmste Land der Welt. 45% leben unter der Armutsgrenze von jährlich 75 Euro Einkommen. Von 1000 Neugeborenen sterben über 100 noch im Kindheitsalter. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei Frauen bei 
47 Jahren und bei Männern bei 46 Jahren. HIV-Infizierte 6-9%. Auf einen Arzt kommen 28'500 Einwohner, auf einen Apotheker gar 156'900 Einwohner. Die Analphabetenrate der über 15-jährigen liegt bei Männern bei 70.5%, bei Frauen sogar bei 90.8%. Da bin ich also gespannt, was mich in diesem Land erwartet. Ich bin aber positiv eingestellt und hoffe weiterhin viele freundliche Begegnungen zu haben. Wie ich dieses Land meistere werdet ihr dann im nächsten Reisebericht erfahren.

Reisebericht Burkina Faso 2.Teil