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Schlussbericht Reisebericht Ghana 1. Teil
15.04.04 Accra (Ghana) Ghana 2.Teil
Nachdem ich einen Monat mit Minoru zusammen
reiste, war ich nun wieder alleine unterwegs, da mein Reisegefährte ja wieder
eine Malariaerkrankung auskurieren musste. Von Kumasi reiste ich in einem 1.
Kl.-Schlafwagen an die Atlantikküste ins knapp 300 km entfernte Takoradi. Der
Schlafwagen war in etwa mit unseren
2. Klasse Liegewagen zu vergleichen. Einziger Unterschied bestand darin, dass es
nur 2 Betten pro Abteil gab und somit recht ruhig war. Auch der Preis (Ticket
und Reservation) von insgesamt etwa fünf Franken war nicht mit den unseren zu
vergleichen! Die Fahrt dauerte dann wieder erwarten nicht 12 Stunden, sondern
deren 17 Stunden. So entschied ich mich die Nacht in Takoradi zu verbringen, da
es schon fast 15 Uhr war. Um diese Zeit wäre ich ja auch nicht mehr weit
gekommen, bis zum Einbruch der Dunkelheit.
Am nächsten Tag war ich dann aber richtig fit und sobald ich auf dem Rad sass,
kam auch wieder das Reisefieber und der Entdeckungsdrang in mir auf. Ruhetage
sind zwar gut und wichtig bei diesen Temperaturen, um dem Körper etwas Erholung
zu geben, machen mich aber psychisch auch gleichzeitig träge und faul. So
erreichte ich das Städtchen Elmina, dass sich mit seinen zwei Forts und den
vielen Fischerbooten richtig fotogen präsentierte. Der Ozean, die Palmen, die
Schlösser und die Fischerhäfen sind wirklich schön anzuschauen und vor allem
ist hier alles viel abwechslungsreicher, als einige andere Strecken die ich während
meiner Reise durchfuhr. Über Cape Coast pedalte ich in zwei Tagen nach Apam.
Auch hier hatte es ein Fort zu besichtigen, welches auch gleichzeitig ein
Guesthouse war. Dies war die billigste Unterkunft, die ich in ganz Ghana kriegte
und es verwunderte mich dadurch nicht, dass ich es vorzog auf meinem Mätteli
auf dem Boden zu schlafen, statt auf dem "Bett". Dafür hatte ich die
beste Aussicht auf Stadt, Fischerhafen und Strand, was auch nicht zu verachten
war.
Die Weiterfahrt war mit zunehmendem Verkehr und schlechter schmaler Strasse
nicht wirklich angenehm. Ich hatte sogar das Gefühl, hier den gefährlichsten
Teil meiner Reise zu absolvieren. Vor allem Taxi- und Busfahrer kennen keine
Skrupel und hupen nur kurz, bevor sie haarscharf an einem vorbeirauschen.
Ausweichen war für mich kaum möglich, da der Strassenrand bis zu 20 cm tiefer
lag und zudem noch zu sandig war. Trotzdem habe ich auch dieses Abenteuer überlebt
und erreichte schliesslich erschöpft Krokobite Beach. Hier erholte ich mich für
drei Tage. Dies war aber mehr als genug, denn es wurde mir schon langweilig,
zumal es hier nichts zu unternehmen gibt, als herumzuhocken. Auch kein
Beachvolleyball oder sonst irgendeine Tätigkeit war möglich. Ich kann halt
einfach nicht lange an ein und demselben Ort bleiben (vor allem alleine), da
mich dann gleich wieder das Reisefieber packt. Viel zu reisen gab es für mich
aber nicht mehr. Die anschliessenden 30 km in die Millionenstadt Accra hinein,
waren dann noch einmal ein Kampf gegen den stockenden Verkehr und nicht wirklich
ein Vergnügen. Zudem irrte ich noch in der halben Stadt herum, da doch tatsächlich
erst das fünfte Hotel ein Zimmer für mich frei hatte. Hier in Accra sitze ich
nun noch die Zeit ab, bis ich am Sonntagabend den Rückflug in die Schweiz
antreten werde. Zu Hause werde ich dann, sobald die Fotos entwickelt sind, noch
ein paar davon auf meiner Homepage präsentieren und einen Schlussbericht über
die Reise schreiben. Also bleibt dran. Bis bald.
04.04.04 Kumasi (Ghana) Ghana 1.Teil
Von Kpalime ging's mit Durchfall und nun auch
noch beissendem Ausschlag auf der Haut (vor allem am Kopf) mit dementsprechend
langsamem Tempo an die Togolesische/Ghanaische Grenze. Mein schon über eine
Woche abgelaufenes Visum für Togo machte bei der Ausreise überraschenderweise
null Probleme. Die Erklärung, dass ich mit dem Fahrrad halt langsam unterwegs
sei und nicht nach Lome fuhr um eine Verlängerung zu beantragen, reichte dem
Angestellten und ich kriegte meinen Ausreisestempel umgehend. Auch die
Einreise nach Ghana war problemlos. So habe ich nun also 8 Grenzübergänge
hinter mir, was ja immer eine Aus- und Einreise beinhaltet. Dabei wurde mein Gepäck
nie kontrolliert und man versuchte nur einmal, mir Geld abzuknüpfen. Das ist
wirklich nicht das, was ich vor der Reise so alles über Zollprobleme in Afrika
gelesen hatte. Ich bin halt wohl doch nur ein armer Fahrradfahrer.
Als Problem stellte sich dann aber die Geldbeschaffung dar. Bei dem kleinen
Grenzübergang den ich nahm, gab es keine Bank und niemand der meine restlichen
CFA in Ghanaische Cedis wechseln wollte. So musste ich dann in der nächsten, 30
km entfernten Stadt, den Schwarzmarkt aufsuchen. Dies war ein Schuhladen. Den
Tipp bekam ich von einem Sicherheitswächter einer Bank. Zusammen mit meinem
Reisegefährten Minoru wechselte ich etwa 150 Euro und bekam dafür beinahe 2
Millionen Cedis. Ich musste fast eine Stunde warten, bis genügend Geld
aufgetrieben werden konnte. Und wenn man dann diesen riesigen Betrag hauptsächlich
in der hier gängigsten 5000-er Note bekommt, kann man sich wohl leicht
vorstellen, dass das ganze Geld nicht in einen Hosensack passte.
Zwei Tage später ging ich unterwegs in ein Spital. Der Ausschlag wurde
schlimmer und damit auch der Durchfall. Vor allem beim Schwitzen, was bei dem
feuchtem Klima fast immer ist, juckten mich die roten Pickel doch sehr. Wie ich
es mir gedacht habe, wurde dem Klimawechsel die Schuld gegeben, welchen ich
nicht verkraftet habe. So kriegte ich eine Spritze in den "Arsch",
welche mich gleich einmal für 5 Stunden flach legte. Mit einem Plastiksack
voller weiterer Tabletten nahm ich darum einen Bus ins 40 km entfernte Akosombo,
um in einem angenehmen Hotel übernachten und ausruhen zu können. Nach einem
Ruhetag besichtigte ich den Staudamm von Akosombo. Durch den Bau dieses Dammes
entstand der über 10'000 km2
grosse Lake Volta, welcher damit der grösste von Menschenhand geschaffene See
ist.
Um noch etwas von Ghana zu sehen, nahm ich danach eine Fähre, die mich wieder
etwas zurück in den Norden brachte. Die angeblich 20-stündige Fahrt dauerte
dann schlussendlich aber 28 Stunden. Aber was sind schon 8 Stunden in Afrika.
Auf diese lange Zeit betrachtet kann man sagen, war die Fähre doch recht pünktlich.
So war ich sichtlich froh, als ich endlich wieder festen Boden unter mir hatte.
Das war doch meine bisher längste Reise in ein und dem selben öffentlichen
Verkehrsmittel. Nach der ganzen Zeit auf einer Holzbank tat mir der Hintern mehr
weh, als manchmal nach einer längeren Fahrradetappe. Auch die ersten Gewitter
finden nun statt. Zum Glück noch meistens in der Nacht, so dass ich weiterhin
ohne Regenbekleidung radfahren kann. Brauchte den Regenschutz bis jetzt nur
einmal.
Die nächsten vier Tage nach Kumasi verliefen relativ ohne grosse Ereignisse.
Aufstehen, Kaffee- und Omelettenstand suchen, Fahrrad fahren mit mehreren
Fantapausen, Hotel suchen, Essen suchen, schlafen. So in etwa sieht der
Radleralltag aus. Ist ja fast wie zur Arbeit gehen. Hahaha!!!
Trotz der Freundlichkeit der Leute hier, nerven mich nun aber die Dutzenden von
Osama Bin Laden-Rufe, die ich auf meiner Fahrt durch die Ortschaften über mich
ergehen lassen muss. Die Leute sind einfach zu wenig informiert, um wirklich zu
Wissen was da auf der Welt abgeht. Wenn ich manche darauf anspreche, wissen sie
nichts darüber zu sagen. Sie kennen halt nur das bärtige Gesicht Osamas und
dass er ein Problem mit George Bush hat. Damit hat sich's wohl auch schon. Einer
fühlte sich auf mein Nachhaken aber so verletzt, dass er am Abend sogar noch
ins Hotel kam, um sich persönlich dafür zu entschuldigen, dass er mich Osama
genannt hat. Ich möchte einfach nicht mit solchen Leuten verglichen werden.
Egal auf welcher Seite diese betreffende Person steht. Da ich nun nur noch knapp
2 Wochen zu überstehen habe, kann ich ja auch noch damit leben, ansonsten würde
ich mich wohl doch bald einmal rasieren lassen. Übrigens wurde ich mit offenen
Haaren auch schon Jesus Christus gerufen!!! Dennoch gefällt es mir hier in
Ghana und es ist hier nochmals um etwas billiger als in den Ländern
zuvor.
Für die letzten zwei Wochen habe ich nun eine Zugsfahrt an die Küste geplant
um danach noch die restlichen 250 km bis Accra mit dem Rad zurückzulegen. An
einem schönen Strand werde ich dann noch ein paar Tage ausruhen, was ich mir
nach dieser Reise wohl auch gönnen darf. Vielleicht muss ich aber auch andere
Wege gehen, da ich nie weiss, wann meine kaputte Felge zusammenbricht (das Rad
eiert je länger je mehr). Auch die Zugsstrecke ist zur Zeit unterbrochen,
sollte aber in 2 Tagen wieder offen sein. Mal schauen, sonst fahr ich einfach
Rad bis es zusammenbricht und nehme dann für den Rest den Bus.