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Schlussbericht Reisebericht Mali 1. Teil
22.02.04 Mopti (Mali) Mali 2. Teil
Obwohl ich eigentlich in Bamako etwas relaxen
wollte, fuhr ich schon nach
2 Ruhetagen weiter, da der Smog einfach unerträglich war. Da ich sowieso schon
am kränkeln war, hustete ich mich richtiggehend durch den Tag. Durch den Smog
sah man kaum 300m weit, wobei man aber schon auf 20m keine klare Sicht mehr
hatte. So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt. Die 3 Tage nach Ségou fuhr ich
zusammen mit Minoru, einem Japaner, den ich in Bamako kennenlernte. Am zweiten
Tag suchten wir wie immer für die Mittagspause einen kühlen Platz unter einem
schattenspendenden Baum. Den Baum den wir dieses Mal auswählten war aber
zugleich auch Schattenplatz einer Kobra. Als diese uns dann anbrausen hörte,
verschwand sie aber glücklicherweise ohne zu zögern ins nahe Gebüsch. So
konnten wir uns also doch hinsetzen und uns erholen. Die Nächte verbrachten wir
jeweils im Busch draussen, war sehr erholsam, da es sehr ruhig ist. In den Dörfern
ist halt jeweils nicht gross an Schlaf zu denken. Erst einmal ist bis fast
Mitternacht meistens etwas los und danach gehören die nächsten Stunden den
ununterbrochen bellenden und heulenden Hunden, ehe sie dann um 4 Uhr von den krähenden
Hähnen abgelöst werden. Vor Sonnenaufgang muss dann auch noch der Muezzin
unter Mithilfe von Lautsprechern darauf aufmerksam machen, dass es Zeit zum
beten ist.
Nach 3 Fahrtagen erreichten wir schliesslich Ségou. Der Himmel war auch hier
immer noch sehr trüb, weil der Harmattan die ganze Zeit Saharasand von Norden
her hereinweht, was für uns auch noch täglich Gegenwind bedeutete. Hier
leisteten wir uns auch ein etwas besseres Hotel, da wir ja den Zimmerpreis durch
zwei teilen konnten. Minoru hatte auch wieder Fieber, wie schon in Bamako. Er
dachte sich aber nichts dabei, da er meinte, dass er wohl einfach zu heiss
hatte, draussen beim Fahrradfahren bei 45-Grad Celsius. Ich aber wurde hellhörig
und machte ihn auf die Anzeichen einer Malaria aufmerksam. Nachdem ich ihm das
Fieber gemessen habe, merkte auch er, dass bei 39.2 Grad Körpertemperatur etwas
nicht stimmen kann und willigte ein, einen Arzt kommen zu lassen. Dieser
diagnostizierte dann schnell Malaria und schickte ihn deswegen zum Bluttest. Das
Resultat war dann ernüchternd. Er hatte Malaria tropica, was unbehandelt zum
Tod führt und dazu noch Typhus im Anfangsstadium. Sein Glück war, da er kein Französisch
und fast kein Englisch spricht, dass er in Bamako in der Apotheke ohne sein
Wissen, keine Tabletten zur Malariavorbeugung, sondern zur Behandlung der
Krankheit erhielt. So begann er schon sehr früh mit der Behandlung. Ich blieb
darum 2 Tage bei ihm und kümmerte mich um ihn so gut es ging. Danach ging es
ihm wieder besser und ich konnte Minoru nun alleine lassen. Er braucht nun
mindestens noch eine Woche bis er wieder ans Fahrradfahren denken kann.
Ich fuhr also alleine weiter, über San nach Djenne. Vor der Stadt wollte mir
der dortige Polizeiposten noch 100 CFA (Fr. 2.50) für eine "tax
touristique" abknöpfen. Sie hatten sogar Quittungen und Stempel dafür
bereit. Obwohl ich viele andere Touristen sah, die ohne mit der Wimper zu zucken
bezahlten, kam mir das doch etwas skeptisch vor. Wieso soll ich dafür bezahlen,
wenn ich in eine Stadt hineinfahren will? Nach über einer Stunde diskutieren
liess man mich dann schliesslich ohne Bezahlung in die Stadt hinein. Manchmal
nervt das schon, wegen für uns so kleinen Beträgen, so lange diskutieren zu müssen.
Ich fragte mich da auch, ob es mitunter einen Zusammenhang gibt, dass Mali,
sowie auch Burkina Faso, welches als drittärmstes Land der Welt gilt,
gleichzeitig die Länder sind, welche auf der Liste der korruptesten Ländern
einen Top-Ten Platz einnehmen. Des weiteren viel mir auf, dass an fast jedem
Dorf ein Plakat hängt, welches auf die Problematik von AIDS aufmerksam macht.
Auch in Westafrika nimmt diese Krankheit immer grössere Ausmasse an. Zudem wird
auch auf das Verbot der Beschneidung der jungen Frauen aufmerksam gemacht. Dabei
wird den Mädchen mit einer Glasscherbe die Klitoris abgetrennt. Leider wird es
aber noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis dieses Verbot die Traditionen
verdrängen kann.
Die Stadt Djenne ist vor allem bekannt wegen seiner riesigen Lehmmoschee, welche
schon faszinierend aussieht und als eines der grössten Sehenswürdigkeiten
Westafrikas gilt. Jedes Jahr in der Trockenzeit muss die Moschee wieder neu
verputzt werden, da der Regen dem Lehm zu stark zu schaffen macht. Die
Stadt selber besteht auch ausschliesslich aus Lehmhäusern. Es ist interessant
und faszinierend zwischen den engen und verwinkelten Gassen
hindurchzuschlendern. Hier hatte ich mir auch wieder einen Ruhetag und meine
Kleider nach 12 Tagen eine Wäsche verdient. Danach fuhr ich weiter auf einer
Piste nach Kouakourou. Jedes Mal, wenn mir jemand begegnete fragte ich nach, ob
ich noch auf dem richtigen Weg sei. Die Pisten sind hier eben nicht
gekennzeichnet und es gibt dutzende von Wegen, da sich jeder selber den besten
Weg durch den Busch sucht. In Kouakourou war gerade Markttag und ich konnte dem
hektischen Treiben etwas zuschauen. An diesen Tagen tragen jeweils alle die schönsten
Kleider und Gewänder, was ein prächtiges Farbenspiel gibt. Es geht wohl wie
bei uns nach dem Motto: sehen und gesehen werden.
Am nächsten Tag konnte ich dann mit einer Pinasse auf dem Niger für nur
Fr.2.50 ins knapp 50 km entfernte Mopti fahren. Das ist aber mindestens so
anstrengend wie auf dem Fahrrad. Die Fahrt dauerte sechs statt deren vier
Stunden und man wird da einfach zwischen Fässern, Schüsseln und Reissäcken
eingepfercht, als ob man selber ein Gepäckstück wäre. Ich werde nun in
Richtung Burkina Faso fahren, wobei ich noch durchs "Dogonland" komme,
welches landschaftlich sehr schön sein soll. Danach geht's nach Ouagadougou der
Hauptstadt Burkinas um das Visum für Ghana zu besorgen. Ich bin also immer noch
nicht müde vom Radeln und bin gespannt, was mich im nächsten Land erwartet.
09.02.03 Bamako (Mali) Mali 1.Teil
In Kedougou nahm ich also das Abenteuer Mali in
Angriff. Nach zwei Tagen und gut 90 km übernachtete ich das letzte Mal im
Senegal. Hier in einem Dorf wurde mir dann klar, dass ich meine Ausreiseformalitäten
für den Senegal schon in Kedougou hätte erledigen sollen. Aber deswegen
nochmals zurück? Nein, nach Mali einreisen und hoffen, dass nichts beanstandet
wird, war meine Taktik. Ich machte mich am nächsten Tag also auf in den Busch
nach Mali. Die Piste war so schmal und zum Teil steinig, dass man sie ohne
weiteres mit unseren Wanderwegen vergleichen kann. Zudem wimmelte es hier von Fliegenähnlichen
Insekten, welche unerbittlich versuchten mich zu stechen. Ich wickelte darum
mein Halstuch um den Kopf und zog mir meine Wollenhandschuhe trotz der fast
40-Grad Celsius an. Die Biester waren einfach die Hölle.
Nach 30 km setzte ich dann mit einer Piroge über den Grenzfluss Faleme nach
Mali über. Die Fliegen hatten sich mittlerweile verzogen, dafür sah ich nun
Warzenschweine, Paviane und viele bunte Vögel vor mir davonrennen. Auch in den
wenigen Dörfern, die ich passierte, rannten viele Kinder weg, da sie vor dem
weissen Mann zu viel Angst hatten. Der Weg war alles andere als leicht zu
finden. Man stelle sich bei uns die Wanderwege vor, aber keine Wegweiser. Man hätte
auch keine Ahnung welcher Weg auf welchen Berg führt. So fragte ich einfach
jeden, der mir im Busch begegnete, ob ich auch wirklich immer noch auf dem
richtigen Weg bin. Am Nachmittag erreichte ich schliesslich Kenieba. Da an
diesem Tag das Tabaski-Fest (ein muslimisches Fest) gefeiert wird und darum der
Polizeichef mit dem wichtigen Einreisestempel schon im Feierabend war, wurde ich
auf den nächsten Tag vertröstet, da es sonst den Umständen entsprechend etwas
kosten würde. Da ich aber sowieso hier übernachten wollte, machte mir das
nichts aus. Zu meiner Überraschung wurde dann am nächsten Tag die Einreise
ohne Probleme vollzogen. Ich kriegte meinen Stempel in den Pass und somit war
die Sache schon erledigt. Nach meiner illegalen Ausreise aus dem Senegal hat
keiner gefragt. Weiter fuhr ich auf gleich schlechter Piste, dafür aber in schöner
Gegend, mit vielen Felsen und kleineren Bergen innert zwei Tagen nach Mahina.
Unterwegs durfte in einem Dorf schlafen, wo mir auch zu essen gegeben wurde. Es
gab Reis mit Wasser und eine Art Gerste mit Wasser. Alles sehr fade und nicht
wirklich so nährhaft um einen Radfahrer sättigen zu können. Die Kinder haben
hier von der einseitigen Ernährung auch richtige sogenannte aufgeblähte
"Hungerbäuche". Zu kaufen gibt es hier auch nichts. Keine Früchte,
kein Brot, keinen Kaffee, nichts. Als ich einem Gleichaltrigen wieder einmal
erklären musste, dass die Schweiz sehr teuer ist und ihm daraufhin den Preis
eines Brotes sage, fragte er mich, was denn ein Brot in Mali koste. Da wurde mir
schnell klar, dass nur schon Brot, was für uns zum Alltag dazugehört, hier ein
Luxusartikel ist. In fast jedem Dorf kamen übrigens Kinder und Frauen
hergerannt um mich zu sehen. Dann musste jedem die Hand geschüttelt werden, was
bei einer Menge von sicher über 50 Leuten um mich herum dann jeweils dazu führte,
dass ich den Leuten auf der linken Seite des Fahrrads die linke Hand gab und auf
der anderen Seite gleichzeitig die Rechte. Massenabfertigung, sozusagen!!!
Ab Mahina wurde die Piste dann doppelspurig und ich hatte dadurch keine
Orientierungsprobleme mehr. Ausser den ersten 100 km war die Piste aber auch
schwierig zu befahren, da sie zum Teil steinig, manchmal ein Waschbrett und
manchmal auch zu sandig war, um bequem vorwärts zu kommen. Am schlimmsten aber
war der Wind, der Harmattan, welchen ich in der Westsahara noch so vermisst
hatte, der mir nun auf diesen letzten 450 km bis Bamako kräftig entgegenblies.
Ich hatte doch stark mit mir zu kämpfen. Zu wenig zu essen, Gegenwind,
schlechte Pisten und zu allem habe ich mir auch noch eine Erkältung eingefangen
und fühlte mich dadurch nicht gerade gut. In solchen Situationen kommen einem
dann jeweils auch Gedanken an zu Hause. Man könnte jetzt vor dem Fernseher
sitzen, ein Glas Milch oder ein kühles Bier trinken, ein Schinkensandwich, ein
Steak, eine Schokolade, etc. essen und müsste sich nicht hungernd jeden Tag
weiterkämpfen. Das Wasser in meinen Petflaschen erreicht jeweils auch fast
Aussentemperatur!!! Mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 12-14 km/h sass ich
also jeden Tag 5-8 Std. auf dem Fahrrad. Schliesslich erreichte ich aber doch
sichtlich erschöpft Bamako. Hier ruhe ich mich jetzt ein paar Tage aus, ehe ich
dann weiterziehe. Ich muss noch so einiges erledigen: Fahrrad reinigen (Kette
wechseln, Hinterrad zentrieren, Zahnkränze kehren), Wasserfilter reparieren, Wäsche
waschen, Visa für Burkina Faso besorgen, Tagebuch nachschreiben, Stadt
besichtigen, etc. Danach geht's weiter in Richtung Nordosten von Mali, ehe ich
dann nach Burkina Faso radle. Die nächsten gut
500 km sind wieder Asphalt und die Versorgungsmöglichkeiten sind wieder um
einiges besser. Yuppieh!!!