Reiseberichte Mauretanien

 

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31.12.2003 Nouakchott (Mauretanien) Mauretanien 2. Teil

In Nouadhibou sagte man mir, dass ich um 14.00 Uhr am Bahnhof sein soll, um mit dem Eisenerzzug nach Choum fahren zu können. Leider aber hatte der Zug "etwas" Verspätung, wodurch sich die Abfahrt auf 19.00 Uhr verzögerte. Die Wartezeit war nicht so schlimm, aber leider etwas schade, da nun die ganze Fahrt in der Nacht stattfand und man somit nichts von der Landschaft und den gewaltigen Zügen mitbekam. Die Züge sind bis zu 2 km lang und damit die längsten der Welt. Ich schmiss also meine Taschen und das Fahrrad in einen der offenen Wagen und setzte mich dann selbst hinein. Im gleichen Wagen nahm noch ein junger Mauretanier Platz, welcher diese Fahrt ebenfalls das erste Mal machte. Gerumpel und Gerüttel, Lärm, Kälte und der Staub der aufgewirbelt wurde, machten dann diese 11-stündige Reise zu einem wahren Abenteuer. Ich wickelte meinen Schal dreimal um Augen und Mund und legte mich dann hin, so gut es ging. Bei jedem der etwa fünf Halte unterwegs, kreuzten wir einen entgegenkommenden Zug oder Leute stiegen aus. Leider sah man aber nur ein paar Scheinwerfer der Taxis, hatte aber keine Ahnung wo man ist. In Choum, morgens um 06.00 Uhr, schliefen wir dann beide (endlich) tief und fest. Nur per Zufall bemerkte ich, dass der Zug angehalten hat und so weckte ich den Mauretanier, welcher sofort aus dem Wagen sprang und die Leute fragte ob das Choum sei. "Ja es ist Choum!!!" Also schnell Fahrrad und Gepäck raus und schon kurz darauf setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Glück gehabt, sonst wäre ich noch im Erzbergwerk mitten in der Wüste gelandet. Die anschliessend 3-stündige Pistenfahrt nach Atar mit einem Bus für 8 Personen, war dann trotz deren 14 Insassen gerade angenehm zu ertragen. 
Hier in Atar machte ich einen Tag Pause und ging mit einem Holländer, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, etwas die Umgebung anschauen. Auch eine Dusche hatte ich dringend nötig, ich brauchte gerade Mal 4 Ohrenstäbchen, um die Ohren einigermassen sauber zu kriegen!!!. Die Kleider standen ebenfalls vor Staub und Dreck und mussten gewaschen werden. Auch die Fahrradtaschen, welche zwar absolut wasserdicht sind, aber nur bedingt staubdicht, sahen nicht mehr blau, sondern weiss aus. 
Dann war's auch schon bald Zeit, endlich wieder aufs Fahrrad zu steigen. Vor mir lagen 450 km Wüste, mit einer sicheren Versorgungsmöglichkeit nach 180 km. So nahm ich dann 12 Liter Wasser mit und auch so einiges zu essen. Am ersten Tag schaffte ich Dank des Rückenwindes die 180 km bis Akjoujt. Hier konnte ich etwas warmes essen und den Wasservorrat auf 14 Liter aufstocken. Gemüse oder Früchte fand ich aber keine. Die seien halt rar hier, meinte der Verkäufer. Es gibt fast alles nur in Dosen. So kaufe ich 4 Parisette und 1 Pack Guetzli und finde mich damit ab, die nächsten 2 Tage nur Thonsandwiches und Konfibrote zu essen. Am nächsten Tag schaffte ich gut 150 km mit einem Rekordschnitt von 26,9 km die Stunde. Unterwegs hielt mich noch ein Journalist an, welcher einen Artikel über mich in die Zeitung bringen wollte. Mal schauen, ob ich hier in Mauretanien noch berühmt werde?!? Für die Fotos musste ich auf jeden Fall schon Mal in Pose gehen. 
Kurz nachdem die Sonne unterging, stellte ich mein Zelt direkt hinter einer Sanddüne neben der Strasse auf. Danach wollte ich mir eine Büchse Ravioli kochen. Leider aber spuckte der Kocher und so gab es nur ein Konfibrot und eine Banane, die ich noch von Atar her hatte. Diesmal hatte ich wohl genug zu trinken dabei, musste aber mit dem Essen sparsam umgehen. Die letzte Etappe nach Nouakchott war dann aber nicht mehr so anstrengend, da ich ja "nur" noch gut 
100 km zu strampeln hatte. Man sieht hier gut, wie die Stadt richtiggehend in die Sanddünen hineinwächst. Im Westen liegt ja der Atlantik, also bleibt nur die Möglichkeit in die Wüste hinein zu bauen. 
Ich fuhr gleich zum Hotel Park, bezog dort ein teures Zimmer und erhielt auch die Ersatzspeichen, welche mir aus der Schweiz hierher geschickt wurden. Um Geld zu tauschen, musste ich übrigens nicht auf die Bank, da dort der Kurs über 
20 Prozent schlechter ist als auf dem Schwarzmarkt. Da braucht man auch nicht danach zu suchen, weil die Händler gleich selber zu einem kommen und sich gegenseitig mit besseren Kursen überbieten. Nun relaxe ich hier über Neujahr ein bisschen, muss unter anderem noch das Fahrrad reinigen, die Wäsche waschen, meine weitere Route planen und wieder für die nächsten Tage einkaufen. 
Ich wünsche allen noch ein frohes neues Jahr. Bis zum nächsten Mal, vielleicht schon aus dem Senegal.

Reisebericht 2. Teil Mauretanien

24.12.2003 Nouadhibou (Mauretanien) Mauretanien 1. Teil

Jawohl, ich hab's geschafft, ich habe Marokko nach 64 Tagen, 3177 km, 
15875 Höhenmetern und 193 Stunden auf dem Rad hinter mir gelassen. Bin also nach 2 ungewollten Wochen in Dakhla abgefahren. Nach 8 km erreiche ich den Camping Moussafir, welcher bei Mauretanienreisenden beliebt ist. Dort treffe ich per Zufall einen Franzosen (Cyrill) der ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs ist. Wir entscheiden uns schnell, zusammen zu fahren. Wir merkten bald, dass unser grösstes Problem der Wind sein wird. So mussten wir doch recht strampeln, um gerade Mal 100 km zu schaffen. Ich hatte dabei auch noch etwas mit Kopfschmerzen zu kämpfen, was wohl am Antibiotika-, Schmerzmittel- und Malariatablettenkonsum lag. Am Abend stellten wir dann das Zelt gleich 10 m neben der Strasse auf, mit Blick auf den Strand und Ozean. Das rauschen der Wellen hörten wir nicht lange. Zu müde waren wir. Am nächsten Tag dasselbe Spiel. Kaum auf dem Fahrrad, beginnt es wieder zu winden. So schafften wir auch an diesem Tag gerade noch die 100 km. Der dritte Tag aber war dann doch zuviel des guten. Nach drei Stunden hatten wir gerade Mal 30 km zurückgelegt. Dazu waren wir auch schon total erschöpft. Nach 50 km entschieden wir uns zu warten bis die Sonne untergeht, da dann jeweils der Wind nachlässt und in der Nacht die restlichen 45 km bis zur nächsten Tankstelle zu machen. Die Temperaturen machen auch schon klar über 30 Grad Celsius und der Wind trocknet einem zusätzlich aus. Unser Wasservorrat schwand auch immer mehr dahin. Irgendwann gegen 22 Uhr erreichten wir dann die Tankstelle gerade noch vor dem letzten Schluck Wasser. Erschöpft schütteten wir erst mal 1 Liter Cola die Kehle hinunter und assen danach Fisch mit Pommes zum Znacht. Die Nacht verbrachten wir im Hotel der Tankstelle zusammen mit Hunderten von kleinen Nachtfaltern.
Am nächsten Tag machten wir uns auf, einen Autofahrer zu finden, der uns über die Grenze mitnimmt. An der Tankstelle fragen wir einen Marokkaner mit einem Pick-up und er nimmt uns doch tatsächlich mit und erst noch gratis. Die ersten 
90 km bis zum marokkanischen Grenzposten sind auf guter Teerstrasse schnell zurückgelegt. Die Grenzformalitäten erledigen sich auch einfach. Dann geht's weiter auf der berüchtigten Piste durch Niemandsland nach Mauretanien. Alleine hätten wir den Weg durch dieses Gebiet wohl nie gefunden. Wir sind froh, dies nicht mit dem Fahrrad machen zu müssen. Durch Sandpassagen, Schottersteinpisten und mit dem Wissen, das unmittelbar daneben Minen liegen, wären wir wohl nie in Nouadhibou angekommen. Unser Chauffeur kennt sich da aber zum Glück aus und weiss auch in welchen Baracke die mauretanischen Zollformalitäten zu erledigen sind. Er nimmt jeweils auch gleich unsere Pässe mit. So sehen wir zwar nicht wieviel Schmiergeld er jeweils bezahlt, aber für uns ist dies doch recht angenehm zu reisen. Nach über 3 Stunden für die gut 40 km Piste erreichen wir schliesslich Nouadhibou. Wir geben unserem Chauffeur noch ein Trinkgeld und nehmen gleich den erstbesten Camping. Cyrill kauft sich nachher ein Flugticket nach Dakar, da ihn dort über die Festtage die Familie erwartet. Ich relaxe etwas und mache mir Gedanken über das, was ich nun alles zu tun habe. Am Abend gehen wir noch Znachtessen und merken, dass man sich auch in Mauretanien sicher fühlen kann und die Leute freundlich sind. Cyril ist mittlerweile abgeflogen und ich habe mich an eine anderen Campingplatz "verpflanzt", wo es noch andere Touristen gibt und ich Weihnachten nicht ganz alleine verbringen muss. Ich werde das Zelt gar nicht erst aufstellen, sondern gleich unter einer Blache im Sand schlafen. Morgen soll's dann mit dem längsten Zug der Welt ins Landesinnere nach Choum weitergehen und von dort weiter mit dem LKW nach Atar. Die einzige Möglichkeit für einen Radfahrer nach Süden zu gelangen, da andere Strecken nur Sandpisten sind. Zähne und Speichen haben übrigens gehalten. Ich wünsche allen noch schöne Weihnachten. Michi

Reisebericht 2. Teil Mauretanien