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Schlussbericht Reisebericht Togo 1. Teil
23.03.04 Kpalime (Togo) Togo 2. Teil
Von Kande machte ich einen Abstecher nach Bassar.
Unterwegs erreichte das Thermometer 49-Grad Celsius. Der bisher heisseste Tag
meiner Reise. Dafür entschädigte aber die Landschaft die zusätzlichen
Strapazen. Schone Dörfer und die Berge im Hintergrund, sowie ein recht grünes
Land präsentierte sich mir. Nach Bassar ging es nach Bafilo. Leider verpasste
ich aber den Abzweiger, da in Afrika Strassenschilder rar sind, und musste so 14
km Umweg in Kauf nehmen. Eigentlich hatte ich viel mehr Falschfahrten auf meiner
Tour eingeplant, aber dies ist fast nicht möglich, da zuwenig Strassen dafür
bestehen. Nur von den grösseren Orten aus musste ich mich manchmal etwas
durchfragen, bis ich auf der richtigen Strasse war. Danach war verirren fast
nicht mehr möglich. Die Piste nach Bafilo hatte es dann aber in sich. Sie war
zwar gut zu befahren, nur ging es keinen Meter eben weg. Da mein Körper wohl
auch noch die vorherige heisse und ebenfalls hügelige Etappe spürte, kam ich
wieder einmal an meine Grenzen. Es wird auch immer problematischer Esswaren bei
diesen Temperaturen länger als einen Tag mitzuführen. So bestand das Essen an
diesem Tag aus warmen zerquetschten Bananen, Karotten die so weich waren als wären
sie etwas zu kurz gekocht worden und Brot wie frisch aus dem Ofen. Mit dem Wasser
könnte man auch fast Kaffee kochen und trotzdem schütte ich es literweise die
Kehle runter. Es bleibt mir ja auch gar nichts anderes übrig.
Nach Bafilo erreichte ich wieder die geteerte Hauptstrasse, welche ich für die
Weiterfahrt in den Süden nehmen musste. In fast jeder steileren, kurvigen
Steigung waren dann umgekippte Lastwagen zu "bewundern". An einem
einzigen Tag sah ich gleich drei soeben geschehene Unfälle. Ein Lkw hatte seine
Schiffscontainer auf den Rücken gekehrt, einer stand zertrümmert drei Meter
neben der Strasse und ein Tanklastwagen liess seine ganze Ladung Benzin in die
Erde fliessen. Da halfen auch die paar Blechfässer nicht viel, die zum
Auffangen des Benzins hergebracht wurden. Die Fahrer überschätzen wohl einfach
ihr fahrerisches Können und den Zustand der alten, aus Europa ausrangierten Lkws.
Zum Teil haben die Laster sogar noch die Werbung und Länderkennzeichen aus
Europa drauf. Einmal kam ich da gleich ins träumen, als ein EMMI-Joghurt-Lkw
vorbeibrauste. Ein Joghurt, das habe ich doch schon lange nicht mehr gehabt!!!
Es sind halt die kleinen Dinge, die man wirklich vermisst. Man beginnt, sich
hier ganz andere Massstäbe zu setzen. So bin ich der glücklichste Mensch, wenn
ich in einer grösseren Stadt wieder einmal eine Tafel Schokolade finde, auch
wenn ich dafür mindestens den Schweizer Preis zu bezahlen habe.
Auf meiner Fahrt kam ich dann an der "Faille d'Aledjo" vorbei. Hier müssen
die Lkws zwischen einer so engen Felsschneise hindurch, dass solche mit grossen,
hohen Ladungen (und das sind in Afrika fast alle) richtige Probleme hatten,
nicht an den Felsen zu streifen. Weiter ging die Fahrt nach Sokode, der zweitgrössten
Stadt Togos mit nur 30000 Einwohnern. Da mag sogar unsere kleine Schweiz noch
mithalten. Hier verbrachte ich einen erholsamen Ruhetag, ehe ich von etwas Rückenwind
getragen nach Atakpame weiterfuhr. Nach Monaten gegen den Wind, vom Senegal bis
Burkina Faso, habe ich das Gefühl auch einmal Rückenwind verdient zu haben. In
Atakpame entdeckte ich aber einen weiteren schwerwiegenden Defekt an meinem
Hinterrad. Diesmal sind es keine gebrochenen Speichen, sondern Risse in meiner
Felge bei etwa fünf Speichenansätzen. Das Rad eierte so stark, dass ich sogar
die Hinterradbremse abmontieren musste, um ungebremst weiterfahren zu können.
Ich hoffe nur, ich schaffe es noch meine Reise wie geplant zu Ende führen zu können.
Ab Atakpame änderte sich dann das Landschaftsbild auf einen Schlag. Ich fuhr direkt
in den Dschungel. Nur die vielen Dorfbewohner lichteten das Dickicht etwas durch
die vielen Plantagen. Es war dennoch richtig schwierig einen Platz fürs Zelt zu
finden, da schon neben der Strasse undurchdringliches Gestrüpp wuchs.
Schlussendlich fand ich dann doch noch eine Nische, gerade einmal drei Meter
neben der Strasse. Kaum hatte ich das Zelt aufgestellt, kam auch schon ein kräftiger
Sturm auf und die Mangos vom Baum neben meinem Zelt kamen wie Bomben
heruntergeschossen. Ich hatte doch etwas Angst um mein kleines Polyesterhäuschen.
Kurz darauf setzte auch noch kräftiger Regen ein. Das erste Mal seit über vier
Monaten und trotzdem machte ich keine Freudensprünge, denn am nächsten Tag
beim zusammenpacken war alles ziemlich dreckig. Nun beginnt also langsam aber
sicher die Regenzeit und ich werde wohl bald wieder den Regenschutz von
zuunterst aus der Velotasche kramen müssen. Das Klima ist nun auch tropischer
und man schwitzt trotz etwas tieferen Temperaturen (40-Grad) noch mehr als
zuvor. Hier von Kpalime geht es nun, nachdem ich noch einen kleinen Sonnenstich
auskuriert hatte, weiter nach Ghana. Danach ist eine 20-stuendige Bootsfahrt auf
dem Lake Volta geplant, welche mich wieder etwas mehr in den Norden bringen
wird. Von da geht's zurück an die Küste um noch ein paar Tage Strandurlaub zu
machen. So komme ich dann auch erholt nach Hause. Vorausgesetzt natürlich,
meine Felge hält die restlichen ca. 800 km durch!!! Gut 100 km hat sie ja
einmal gehalten, habe aber keine Ahnung ob mein Rad nach weiteren 50, 500 oder
5000 km zusammenbricht. Die Weiterfahrt wird's zeigen.
13.03.04 Kara (Togo) Togo 1. Teil
Zusammen mit dem Japaner Minoru verliess ich also
Ouagadougou. Ich merkte gleich, dass er noch nicht so viele Kilometer
gestrampelt ist wie ich und zudem hat er ja auch noch eine Malaria hinter sich.
So musste ich hauptsächlich die Führungsarbeit leisten und es war nichts mit
Windschattenfahren. Die erste Nacht verbrachten wir dann wieder einmal im Busch.
Ich geniesse die Ruhe jeweils sichtlich und fühle mich richtig wohl in
meinen eigenen vier "Wänden", dem Zelt, zu schlafen. Da drinnen weiss
ich wenigstens von wem der ganze Dreck stammt, nicht wie in einigen der Hotels,
in denen ich bisher übernachtete!
Nach weiteren drei Tagen in Burkina Faso
erreichten wir schliesslich die Grenze zu Togo. Hier bekamen wir glücklicherweise
ein Visum, welches aber nur für
7 Tage ausgestellt wurde. Man versicherte uns
aber, dass wir auch länger bleiben könnten. Wir müssten bei der Ausreise
einfach erklären, dass wir mit dem Fahrrad mehr Zeit als eine Woche gebraucht
hatten. Na, wenn das einmal gut geht. Den Unterschied zu Burkina Faso merkte man
gleich. Es scheint ein bisschen mehr Geld im Land zu sein. Leider ist aber die
Sicht immer noch sehr trübe und so sehen wir nicht viel von der nun wieder
etwas hügeligeren Landschaft. Ja einmal mussten wir sogar eine Steigung von 16%
bewältigen. So viel hinauf und hinunter bin ich seit Marokko nicht mehr gefahren,
da alle anderen Länder total eben sind. Bei Temperaturen von fast 50-Grad
Celsius und immer tropischerem Klima, kommen wir nun ganz schön ins schwitzen.
So ist auch nichts tun recht anstrengend und auf dem Fahrrad ist man im
blitzschnell durch und durch nass. Dies ist wohl auch ein Grund, warum mir nun
zum ersten Mal das Hinterteil weh tut. Ein aufgeweichter Hintern ist einfach
nicht das Beste zum Radfahren und da häufen sich dann die Furunkel und Rötungen!!!
Mit jedem Tag den wir mehr in den Süden kommen, bemerken wir auch, wie die
Gegend grüner wird. Ja sogar Palmen und zum Teil grünes Gras finden wir hier
vor. Da es sonst nicht viele Neuigkeiten gibt, da sich auch im Radlerleben so
einiges wiederholt, gibt es diesmal nur einen kurzen Reisebericht. Also bis zum
nächsten.