Reiseberichte Marokko
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Reisebericht Marokko 1. Teil Reisebericht Marokko 2. Teil
Reisebericht Marokko 3. Teil Reisebericht Marokko 4. Teil
Reisebericht Marokko 5. Teil Schlussbericht
19.12.2003 Dakhla (Marokko/Westsahara) Marokko 6. Teil
Zwölf Tage bin ich nun in Dakhla hängengeblieben.
Eigentlich waren nur 2 Tage eingeplant gewesen, aber dann kam doch noch so
einiges dazwischen. Eine gute Woche vor Ankunft in Dakhla rief ich zu Hause an
und orderte ein Paket mit Ersatzspeichen postlagernd nach Dakhla. Mir brachen
innerhalb von 10 Tagen doch tatsächlich drei Speichen im Hinterrad. Da ich
dieses aber vor der Reise extra noch neu einspeichen liess (mit qualitativ
besseren Speichen), habe ich "nur" deren vier als Ersatz mitgenommen.
Weil mein Rad mit einer Rohloffnabe ausgerüstet ist, habe ich hier in der
Westsahara fast keine Chance, die Richtigen, etwas kürzeren Speichen zu
kriegen. Leider aber traf das Paket auch nach dem fünften Ruhetag noch nicht
hier ein und so entschied ich mich trotzdem weiterzufahren. Ich machte mich also
bereit um am Samstag loszudüsen. Aber das sollte nicht sein, denn plötzlich
kriegte ich Zahnschmerzen. So begab ich mich erst Mal zum Zahnarzt. Die
Hiobsbotschaft war dann, dass ein Zahn gezogen und ein anderer geflickt werden
musste, was mindestens bis Donnerstag dauern würde. (Es sei hier zu sagen, dass
ich noch extra vor der Reise zum Zahnarzt ging, um ein halbes Jahr ohne
Zahnprobleme reisen zu können.) Da ich ja nicht wirklich eine andere Möglichkeit
hatte, entschied ich mich also diese Operationen über mich ergehen zu lassen.
Das Ziehen des Zahnes war gar nicht schlimm, aber als dann die Spritze nachliess,
war die Hölle los in meinem Mund. Hatte nun
48 Stunden ohne Schlaf vor mir, weil die Schmerzen doch recht stark waren. Darum
suchte ich am Sonntag noch einen anderen Zahnarzt auf. Als ich aber in seine
Praxis ging, machte ich doch schnell einen Rückzieher. Da macht unser
Veloabstellraum im Keller noch einen hygienischeren Eindruck. Also lieber noch
etwas Schmerzen, als auch noch eine Infektion.
Wenigstens, so dachte ich, kriege ich so noch das erwartete Paket von der Post.
Kurz darauf erfahre ich aber von zu Hause, dass der Velomechaniker Daniela die
falschen Speichen mitgegeben hat. Na super, und was jetzt?!? Ich kann unmöglich
noch über 1000km durch die Wüste radeln, ohne Ersatzspeichen, zumal mir gesagt
wurde, dass die Speichen weiterhin brechen werden. Zu Hause wurde rotiert und
abgeklärt: Ersatzradbeschaffung, schnellste Versandmöglichkeit, Rad persönlich
vorbeibringen, Heim- oder Weiterreise über die Versicherung mit Bus und
Flugzeug, etc. Ich überlege und habe mit den Tränen zu kämpfen. Die
Schmerzen, der Tablettenkonsum, die Speichenprobleme, die Langeweile hier, das
alles zieht mich in ein tiefes Loch. Ist meine Reise hier schon zu Ende? Nein,
so schnell geb ich nicht auf. Wir entscheiden uns, ein neues Paket mit Speichen
nach Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens zu schicken. Bis dorthin sollte ich
es auch mit weiteren Radproblemen, im Notfall halt mit dem Flugzeug schaffen.
Mittlerweile ist wieder fast eine Woche vergangen und ich habe doch tatsächlich
noch einen Veloladen (der etwa zehnte) gefunden, der die benötigten Speichen
besitzt. Da sie aber auch dort meinen, dass bei meinem Rad weiterhin Speichen
brechen würden, offerieren sie mir, das ganze Rad neu einzuspeichen. Ich denke
nicht lange nach, denn zu verlieren habe ich nicht wirklich viel. Schlechter
kann's ja kaum werden. Die Kosten für die neuen Speichen und die Arbeit
belaufen sich übrigens auf umgerechnet etwa 6.50Fr.
Nun bin ich also abfahrbereit. Die Speichen sind ausgewechselt, die Zähne so
weit wieder in Ordnung und das Paket, welches immer noch nicht angekommen ist,
benötige ich auch nicht mehr wirklich, obwohl noch einige andere wichtige Dinge
darin gewesen wären. Jetzt hoffe ich nur, dass ich nach diesem
Antibiotikakonsum auch genug fit bin, die nächsten 400 km bis Nouadhibou zu
schaffen und mir das Glück etwas mehr zur Seite steht. Bin aber zuversichtlich,
dass ich mich das nächste Mal aus Mauretanien melden kann.
Hiermit möchte ich auch noch speziell meiner Freundin und meinen Eltern danken,
für die Abklärungen und Arbeiten, die sie für mich aus der Schweiz gemacht
haben. Danke.
Bis dann, Michi
08.12.2003 Dakhla (Marokko/Westsahara) Marokko 5.Teil
Von Laâyoune bin ich kurz vor Sonnenaufgang
losgefahren. Ich wollte den Wind ausnützen und die 190km bis Boujdour schaffen.
Leider machte mir dieser aber einen Strich durch die Rechnung und ich stellte
mich dadurch schon aufs zelten ein. Zum Glück habe ich schon damit gerechnet
und genügend Wasser mitgenommen. Am nächsten Tag blies der Wind noch stärker
gegen mich und ich erreichte das gut 50km entfernte Boujdour sichtlich erschöpft
nach fast 4 Stunden Fahrzeit. Ich war doch etwas frustriert, zumal mir auch
schon wieder eine Speiche gebrochen ist. Das dritte Mal seit 2 Wochen!!!
Gleich bei der Ortstafel wurde ich an einer Baustelle zum Tee eingeladen. Ich
nahm dankend an und war sichtlich überrascht, als mir dann auch noch eine
Tajine (eine Art Gemüse-Fleisch Eintopf) serviert wurde. Zu fünft assen wir
also aus diesem Eintopf in einer sehr primitiven Baracke. Gegessen wird hier übrigens
ohne Besteck. Alle nehmen das Essen aus dem gleichen Topf, wobei dem Gast (mir)
meistens noch die besten Fleischstücke zugeschoben werden. Am Abend wurde ich
auf der Strasse zum Tee eingeladen und wir diskutierten über Gott und die Welt
bis fast um Mitternacht.
Am nächsten Tag nahm ich dann die letzten 350 km bis Dakhla in Angriff.
Versorgungsmöglichkeiten waren da: km 145 + km 280 eine Tankstelle mit
Restaurant. Die erste Tankstelle erreichte ich am ersten Tag, obwohl ich erst um
10.30 Uhr losgefahren bin. Der Wind war am Morgen noch zu stark. Dort hab ich
dann gezeltet und gegessen. Wurde dann natürlich noch vom Tankstellenwärter
zum Tee eingeladen. Die Leite sind wirklich fast ausschliesslich sehr freundlich
und man hat manchmal fast ein schlechtes Gewissen, wenn sie einem immer
einladen, man selber aber nichts geben kann. Aber sie sind hier halt so und wir
Schweizer könnten von ihnen noch so einiges positives lernen.
Am nächsten Tag ging's nach einer feinen Omelette weiter. Kurz nach
Sonnenuntergang erreichte ich schliesslich Dakhla, nach einer Fahrt über 206
km. Im Hotel nahm ich erst Mal eine Dusche, die erste seit 8 Tagen und fast 900
km radfahren!!! Das genoss ich so sehr, dass es mir auch gar nichts ausmachte,
dass kein warmes Wasser kam. Die Wäsche gab ich gleich in eine Wäscherei. Hätte
sie wohl eh nicht mehr sauber gebracht.
Die Tage sonst sind doch sehr öde. Die Landschaft ändert sich kaum. Der
Horizont verschwindet irgendwo zwischen Himmel und der topfebenen braunen Steinwüste.
Fotos kann man hier fast nicht machen, da es einfach nichts gibt. Wenn man ein
Auto entgegenkommen sieht, weiss man nicht, ob es 1. Minute oder 5 Minuten
entfernt ist, da man die Distanzen nicht mehr einschätzen kann. Die
Temperaturen steigen nun mittlerweile auch über die 30-Grad-Marke. Man kommt
bei solchen öden Strecken auch so auf diverse Unterhaltungsmöglich- keiten wie
zum Beispiel: das Auto zählen. So sind dies je südlicher man kommt immer
weniger. z.B. Tarfaya - Laâyoune 45-60 Autos/h, Laâyoune - Boujdour 30-40
Autos/h, Boujdour - Dakhla 10-15 Autos/h. Einige sind Touristen, welche dann zum
Teil anhalten und fragen, ob ich etwas brauche. Danach machen sie meist ein Foto
von meiner Wenigkeit. Ich bin hier eine Touristenattraktion. Zum Teil können
sie es fast nicht glauben, hier einen Radfahrer anzutreffen. Die Marokkaner in
den LKWs hupen, winken, halten den Daumen nach oben oder salutieren sogar.
Hier noch was weniges, komisches aus dem Alltag:
1. Schon zweimal ist wegen mir ein Kind vom Fahrrad gestürzt. Vor lauter mich
anschauen, haben sie die Strasse nicht mehr beachtet und sind dann in den
Randstein gebrettert.
2. Die mit gelb gefüllter Flüssigkeit am Strassenrand herumliegenden
Wasserflaschen sind von den LKW-Fahrern. Um nicht anzuhalten, wenn sie pinkeln müssen,
machen sie einfach in die Flasche rein und schmeissen diese dann aus dem
Fenster.
3. Ein Marokkaner der mich ansprach, weil er angeblich auch sehr gerne radfahre,
verplapperte sich damit, als er fragte, ob ich denn etwa 50 km in der Stunde
mache. Da weisst du gleich, das er nur das Gespräch sucht, um dich in eine
Laden zu führen...
4. Wie geht man in der Wüste aufs Häuschen? Man gräbt ein Loch neben dem
Strassenrand, wartet bis links und rechts am Horizont kein Auto in Sicht ist und
hat dann genügend Zeit sein Geschäft zu verrichten. Das Loch wird danach
wieder zugeschaufelt und das WC-Papier verbrannt.
So, das war nun der letzte Reisebericht aus Marokko. Mal schauen, ob ich mich
dann von Mauretanien aus wieder melden kann. Wird schwierig sein, da die meisten
Orte noch gar keinen Strom haben.
03.12.2003 Laâyoune (Marokko) Marokko 4. Teil
Das letzte Mal für lange Zeit musste ich von
Sidi Ifni nach Guelmin nochmals kräftig die Hügel raufkraxeln. Guelmin war
dann sozusagen dass Tor zur Westsahara und zu flacheren Landschaften. Die Etappe
am nächsten Tag nach Tan Tan wurde im Reiseführer folgendermassen beschrieben:
km 0 - Guelmin / km 44.4 - Weiler / km 56 - kleiner Weiler, Tankstelle / km 108
- Oued Draa / km 126 - Torbogen / km 128 - Tan Tan.
Dazu ist zu sagen, dass ich wegen des Nebels am Morgen den ersten Weiler nicht
gesehen habe, die Tankstelle geschlossen war und der Torbogen nicht mehr
existiert. So sehen nun in Zukunft die Streckenbeschreibungen in etwa aus. Für
einen Radfahrer nicht gerade viel Infos. Die Wüste hier besteht hauptsächlich
aus Stein und nur wenig Sand. Richtige Sanddünen gibt es nicht gerade viele und
wenn sind diese meist nur sehr klein.
Bis Laâyoune kam nun gut alle 100km eine Ortschaft, wo ich in einem Hotel übernachten
konnte. Nun werden die Distanzen aber noch grösser und ich werde dann wohl des
öfteren im Zelt die Nacht verbringen müssen. Dies heisst auch, dass ich mehr
Wasser, sprich mehr Gewicht auf meinem Rad transportieren muss. Lieber zuviel
als zuwenig, denn die Wüste kann doch bitterhart mit einem sein. Bis jetzt
hatte ich immer gut 7 Liter Wasser pro Etappe dabei, wovon ich aber meist nur
deren drei brauchte. Der Grund sind die Temperaturen, die hier am Atlantik nur
knapp über 25 Grad Celsius steigen. Zudem kommt man meist gut voran, da einem
der Wind in den Rücken bläst. Bis Tarfaya hatte ich zwar noch etwas zu kämpfen,
aber das wird nun mit grosser Wahrscheinlichkeit besser.
Seit ich in das Gebiet der Westsahara gefahren bin, gerate ich auch des öfteren
in Polizeikontrollen. Diese schreiben dann alle meine Angaben aus dem Pass,
sowie Marke des Fahrrads, Name der Eltern, Beruf, etc. auf irgendein leeres
A4-Blatt. Ob das je wieder jemand liest?!? Wenigstens ist die Polizei sehr
freundlich und macht überhaupt keine Probleme. Sie meinen es sei für meine
Sicherheit und das ist ja auch gut so, zumal dieses Gebiet ja immer noch von der
UN überwacht wird. Vor allem hier in Laâyoune hat man das Gefühl, mehr
UN-Fahrzeuge als andere Autos zu sehen.
Bis jetzt läuft also alles wie geplant. Ich bin gut in meinem Zeitplan
unterwegs, kerngesund, trinke mittlerweile auch das Wasser hier und nicht mehr
nur gekauftes, das Fahrrad hält (ausser den 2 Speichenbrüchen), hatte noch
keinen Platten und mein Hinterteil tut mir auch noch nicht weh.
Interessant sind vor allem die Gemütsschwankungen. An einem Tag würde man am
liebsten alles hinschmeissen und am nächsten möchte man gleich gar nicht mehr
nach Hause. Dies und auch die Durchquerung durch die Wüste sind sicher
Erfahrungen, die man nicht überall haben kann.
Bis zum nächsten Mal. Ich geh jetzt frischen Fisch essen und Whiskey Marrocain
(Tee) trinken.
27.11.2002 Sidi Ifni (Marokko) Marokko 3. Teil
Nachdem ich Daniela schweren Herzens zum
Flughafen nach Casablanca gebracht und verabschiedet habe, bin ich nun auf mich
alleine gestellt. Schon am Tag danach stieg ich wieder auf mein Fahrrad. Trotz
unsicherem Wetter machte ich mich auf den Weg , den Pass Tizi-n-Test zu
bezwingen. Auf etwa
1000 Höhenmeter übernachtete ich das erste Mal. Am Tag danach war dann der
Pass dran. Bis etwa 30 Minuten vor der Passhöhe machte das Wetter noch so mit,
aber dann wurde es doch ein bisschen brutal. Im Nebel mit Sichtweiten von kaum
50m, noch dazu bei 3 Grad Celsius, Regen und Hagel erreichte ich schliesslich
denn 2100m hohen Pass. Eigentlich wollte ich ja da oben zelten, aber bei dem
Wetter wollte ich natürlich nur noch runter. Leider sah ich auch nichts von der
angeblich schönen Landschaft, bei dieser Sicht. Völlig durchnässt und halb
erfroren, gelange ich schliesslich wieder in mildere Gegenden. Da das Wetter
aber auch hier nicht so super ist, möchte ich gerne in ein Hotel. So muss ich
noch bis nach Taroudannt pedalen. Nach 170 km und 1555 gefahrenen Höhenmetern
erreiche ich schliesslich mein Ziel. Erschöpft gehe ich noch etwas essen und
lege mich dann ungeduscht in meinem Hotelzimmer schlafen. Wegen des Regens muss
ich dann auch einen Tag länger in Taroudannt bleiben. Hier entscheide ich mich
auch, meine Route ein wenig zu ändern um nicht nochmals in den Bergen frieren
zu müssen. So fahre ich auf direktem Weg an den Atlantik. In Inezgane
(15 km südlich von Agadir) ist es dann auch wieder etwas schöner. Dort treffe
ich auf der Strasse einen jungen Marokkaner, mit welchem ich etwa 5 Stunden
durch die Märkte ziehe. Diesmal hatte ich das richtige Gespür und er wollte
sich wirklich nur mit mir unterhalten und nicht wie viele andere in einen Laden
führen oder für irgendwelche Hilfeleistungen Geld verlangen.
Allgemein sind hier die Leite nicht mehr so aufdringlich und die Kinder auch
nicht mehr so schlimm. So könnte ich vielleicht noch 20 Kugelschreiber am Tag
verschenken und nicht wie im Südosten über 300... Natürlich aber gebe ich
nichts ohne Gegenleistung. Das begreifen aber viele Touristen leider nicht und
ich bin dann der Leidtragende, weil ich mit dem Fahrrad nicht so schnell fliehen
kann. Jetzt werde ich von Sidi Ifni den Atlantik nochmals verlassen und nach
Guelmin fahren, ehe ich dann endgültig in die Wüste gelange. Aber erst nutze
ich hier die warme Dusche, um endlich seit Marrakech wieder einmal die Haare
waschen zu können.
21.11.2003 Marrakech (Marokko) Marokko 2. Teil
Das erst grosse Etappenziel ist erreicht. Ohne Sturz und ohne Platten oder sonstige Defekte sind wir gesund und munter in Marrakech angekommen.
Von Boumalne du Dades aus erkundeten wir erst die
gleichnamige Dades-Schlucht. Vorbei an schönen Kasbahs und Dörfern erreichten
wir dann Skoura. Hier wurden wir von einem Einheimischen bei seiner Familie zum
Znacht eingeladen. Auf dem Boden sitzend wurde das Mahl eingenommen, Punkt
17.40 Uhr, bei Sonnenuntergang, da ja noch immer Ramadan ist. So konnten wir
auch wieder einmal ein bisschen erfahren wie die Leute hier in Marokko leben und
auch noch zu einer angenehmen Zeit essen. Normalerweise kriegen wir jeweils erst
um ca. 19 Uhr etwas zu futtern, wenn alle Moslems gegessen haben. Das ist dann
doch etwas spät, da wir uns am Tag nur von Brot und Früchten ernähren. Weiter
ging die Fahrt nach Ouarzazate und zum schönen Kasbahdorf Ait-Benhaddou. Hier
hatte ich alle Mühe, ohne Kauf wieder aus einem Teppich- und Schmuckladen
heraus zu kommen. Wenn man mal drin ist, gibt es so leicht kein entrinnen mehr.
Die Verkäufer sind da doch sehr geschickt und lassen sich immer wieder etwas
neues einfallen um einen potenten Käufer in den Laden führen zu können. Von
Ait-Benhaddou nahmen wir eine 30 km lange ungeteerte Piste in Angriff. Diese war
so schlecht, dass wir den ganzen Tag dafür brauchten. Wir schaffen gerade mal
eine Schnitt von 6 km/h!!! Wenigstens war die Landschaft sehr schön. Ab und zu
kam auch ein 4x4WD Jeep mit anderen Touristen entgegen, welche dann nicht
schlecht staunten, uns zuklatschten und aufmunternde Worte zuriefen. Nur die
steilen Passagen gingen dadurch auch nicht leichter. Vor allem wenn man auch mit
schieben kaum mehr vorwärts kommt. Das grössere Problem waren aber wie schon während
der ganzen Reise, die Kinder. So lange sie in Scharen hinter einem herrennen und
Kugelschreiber, Bonbons und Geld verlangen (wir haben nun Mal keine 300
Kugelschreiber pro Tag dabei!) geht es noch. Wenn sie dann aber versuchen etwas
vom Gepäckträger zu reissen oder sogar Steine geflogen kommen, hört der Spass
auf. Da gibt's nur eins: Anhalten, einer passt auf die Fahrräder auf und der
andere versucht den "Täter" zu erwischen, um ihn am Kragen zu packen.
Leider haben wir noch keinen erwischt, aber Angst haben sie schon bekommen und
mussten dadurch schon unsanft einen Abhang hinunterstürzen, was ihnen
sicherlich etwas weh getan hat.
In Marrakech angekommen, wurden wir sogleich von einem "Führer"
abgefangen, welcher uns den Weg ins Zentrum zeigen wollte. Da wir Zeit hatten,
wollten wir es alleine versuchen, durch die vielen Gässchen zu finden. Wir
verzichteten auf seine Hilfe, was er aber nicht wahrhaben wollte. Erst als wir
sagten, dass er von uns kein Geld erhalten werde, spuckte er uns vor die Füsse
und verschwand fluchend. So erlebten wir noch eine angenehme Woche in Marrakech
mit Sightseeing, relaxen und dem ersten Regentag seit fast einem Monat. Für
Daniela war dies das Ende der Ferien und ich werde nun weiterziehen in Richtung
Süden.
05.11.2003 Boumalne du Dades (Marokko) Marokko 1. Teil
Erst mal was zu meiner Homepage vorweg. Das Gästebuch hat aus mir unbekannten Gründen leider etwa 20 Einträge gelöscht. Es würde mich freuen, wenn ihr Euch trotzdem wieder einmal darin meldet.
Nun zum Reisebericht:
Wir sind gut in Casablanca angekommen, hatten
danach aber ein wenig Probleme mit 2 Velokartons und 3 Gepäckstücken von
insgesamt etwa 50kg mit dem Zug in die Stadt und ins Hotel zu gelangen.
Casablanca erkundeten wir danach im Dunkeln und fühlten uns schon von der
ersten Minute an wohl und sicher, auch durch die dunkelsten Gässchen hindurch.
Am nächsten Tag brachte uns dann der Zug nach Fes. Die Fahrräder haben wir
schon am Vortag mit der Bahn verschickt, was auch einwandfrei funktionierte.
Nach einem Tag in Fes, mit der faszinierenden Altstadt, den engen Gässchen und
dem Gerberviertel ging es dann aufs Velo. Die ersten beiden Tage waren nicht
gerade freundlich. Es regnete, der Nebel erlaubte nur Sichtweiten von etwa 100m
und zudem mussten wir auch noch über 1000 Höhenmeter bewältigen. So schaffen
wir jeweils nur gerade 40 km pro Tag. Dann aber wurde das Wetter besser und wir
konnten den Col du Zad (2178 m.ü.M.), welcher uns über den Mittleren Atlas
bringt, in Angriff nehmen. Eine karge Landschaft auf einer Hochebene von ca.
1800 m.ü.M. präsentierte sich uns hier. Langsam merken wir auch, was für uns
gefährlich werden könnte. Es sind die Hunde, welche schon einige Male zähnefletschend
auf uns zurannten. Bis jetzt kam es aber glücklicherweise noch zu keinem Kampf.
Die Folge daraus ist aber, dass ich nun immer ein paar Steine griffbereit und
den Pfefferspray in der Hemdtasche habe. Nach dem Mittleren Atlas musste auch
noch das Gebirge des Hohen Atlas überquert werden. Danach gelangten wir endgültig
in die Wüste. Die Gegend ist doch sehr öde, aber auch wieder faszinierend. Man
fragt sich, wie hier überhaupt Menschen leben können. Durch ein mit
Dattelpalmen geschmücktes Tal (Tafilalet) erreichen wir schliesslich Merzouga.
Für Wüstenneulinge wie uns, ist das ein gewaltiges Erlebnis, türmen sich hier
doch die Sanddünen über 100m hoch auf. Anstrengend ist es aber, eine solche Düne
zu besteigen, 1 Schritt hinauf - ein halber Schritt hinunter.
Langsam aber sicher wissen wir auch was uns zum Essen schmeckt. Da nun der
Ramadan (islamischer Fastenmonat) angefangen hat, ernähren wir uns unterwegs
von Brot, Bananen, Mandarinen, Datteln (beim Kauf sind auch Hunderte von Fliegen
inbegriffen), Schokolade und Wasser. Am Abend gibt's dann zuerst eine nahrhafte
Suppe (Harira) für etwa 80 Rappen, wovon Daniela jeweils schon fast genug hat.
Danach gibt's entweder eine Tajine (Eintopf mit Gemüse und Fleisch) oder
Fleischspiesse mit Pommes Frites. Getrunken wird meistens Grün- oder
Pfefferminztee mit viel Zucker. Auch die Hotelpreise haben wir langsam raus, so
bezahlen wir für eine Nacht 8.- bis 15.- Fr. pro Doppelzimmer. Wobei wir öfters
im Schlafsack schlafen, da man gut erkennen kann, dass die Bettwäsche nicht
gewechselt wurde.
Ab Merzouga ging's weiter zur Gorges du Thodra. Im Gegenwind und leichtem
Sandsturm waren auf ebener Strecke zum Teil nur gerade mit 12 km/h zu schaffen.
So erreichten wir dann auch unser Etappenziel nicht und übernachteten das erste
Mal im Zelt. Etwa 400m von der Strasse entfernt stellen wir unser Zelt auf. Zum
Znacht gab's dann Hörnli an Tomatensauce auf dem Benzinkocher gekocht. Nach dem
Besuch der Thodraschlucht sind wir nun in Boumalne du Dades angekommen, wo wir
nach 12 Radeltagen und schon über 800 km den ersten Ruhetag einlegen.
20.10.2003 Zürich Flughafen
Abflug um 08:40 Uhr via Frankfurt nach Casablanca (Marokko)
18.10.2003 Warth
Das Fahrrad ist bereits in der Kartonkiste verpackt und wartet nur noch darauf bis es endlich losgeht. Langsam wird es auch Zeit. Ich habe alles gepackt, mich von den Freunden verabschiedet und die letzten Kleinigkeiten zusammengekauft. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich beim packen nicht an alles gedacht habe, dafür Sachen mitnehme, die ich wohl nie brauchen werde. Aber das werde ich dann unterwegs schon merken. Die Ausrüstungsliste sollte jetzt auf dem aktuellen Stand sein. Habe mich nun doch durchgerungen, die Reise mit drei statt mit zwei Paar Unterhosen zu beginnen!!! Vielleicht werde ich mich von unterwegs einmal im Gästebuch melden, und ansonsten müsst ihr halt noch einen guten Monat Geduld haben, bis die ersten ausführlichen Reiseberichte folgen. Bis dann also macht es gut und tschüss........