Letzte Erweiterung: 23. Februar 1998
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Von Prag aus gesehen liegt Nordböhmen ca. 80 km in nordwestlicher
Richtung. Es grenzt im Norden an die ehemalige DDR. Die nächstgrössere
deutsche Stadt heisst Dresden. Im Süden grenzen Ausläufer des
tschechischen Mittelgebirges den Bezirk ab, im Norden verläuft die
Grenze durch das Erzgebirge. Der Kreis Most gehört zu den kleinsten
Kreisen des Bezirks Nordböhmen. Er hat eine Fläche von 466 km2,
zählt jedoch mit 120'000 Menschen am meisten Einwohner aller nordböhmischen
Kreise. (Zurück zum Anfang)
Der Kreis Most bekam den Namen nach seiner bedeutendsten Stadt, die in ihm während Jahrhunderten eine dominante Stellung hatte. Die ursprünglich slawische Ansiedlung entstand an einem wichtigen Handelspfad. Dieser Pfad überwand bei Most das Flüsschen Bílina und das ausgedehnte Sumpfgebiet des ehemaligen Sees von Komorany über Brücken und Faschinen (Faschinen sind Reisigbündel zur Sicherung von Uferböschungen). Diese Anlagen gaben der Ortschaft den Namen (Most = Brüx/Brücke). Schriftlich wird Most bereits im 10. und 11. Jahrhundert erwähnt. Im 13. Jahrhundert wurde eine Burg gebaut, die zum Verwaltungszentrum der Stadt wurde. Die Stadt brannte zweimal nieder, und zwar 1455 und 1515. Dank der Hilfe der Könige konnte die Stadt aber jedesmal wieder aufgebaut werden. Der Dreissigjährige Krieg hinterliess schreckliche Spuren. Es blieben bloss noch etwa 450 Einwohner zurück, und die Häuser waren schwer beschädigt.
Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts trat eine intensive Entwicklung des Erzbergbaus im Erzgebirge ein. In der Umgebung von Most wurden zahlreiche Bodenschätze entdeckt. Am verlockendsten waren natürlich die Silber- und Kupferadern. In der Katerinská Region wurden Kupfer- und Silbervorkommen gefunden, die 1528 zur Gründung der Bergstadt Hora Sv. Kateriny führten. Dank des Erzbergbaus konnte Most nach der grossen Feuersbrunst von 1515 so erfolgreich wieder aufgebaut werden.
1858 begann man mit dem Bau der Haupteisenbahnstrecke zwischen Ustí nad Labem und Chomutov. Dieses Eisenbahnnetz wurde Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fertiggestellt. Es war das dichteste Eisenbahnnetz Europas! Nun entwickelte sich auch der Braunkohleabbau in der Gegend von Most. Sie lag hier zwar tiefer, ihre Qualität war dafür besser. Für Most und die breitere Umgebung waren von diesem Zeitpunkt an die Fördertürme der Tiefbaugruben charakteristisch. Die ganze Region wurde von einem dichten Eisenbahnnetz mit Grubenanschlussgeleisen durchwoben. Braunkohle prägte das neue Antlitz dieser Region.Mit dieser Entwicklung wurde schon früh der Grundstein für eine ausgedehnte Industrialisierung gelegt. Dies führte übrigens auch zu frühen Erfahrungen mit der Umweltverschmutzung.
Der Tschechoslowakei wurde nun das sowjetische "Eisenkonzept" aufgezwungen. Das Land musste nun eine energie- und rohstoffaufwendige Schwerindustrie aus dem Boden stampfen. Die Folgewirkungen dieses Sachverhalts zeigen sich gegenwärtig, da die Tschechoslowakei ihren Bedarf nur mit wachsenden Finanz- und Umweltbelastungen decken kann. Diese Entwicklung leistete der Umweltzerstörung grossen Vorschub.
Während den 60er Jahren begann man vom Kohleabbau unter Tage auf
die Kohleförderung im Tagbau umzustellen. Im Zuge dieser Umstellung
fiel 1964 der wohl folgenschwerste Entscheid in der Geschichte der Stadt
Most, welche damals gerade etwa 30'000 Einwohner zählte: Die Regierung
beschloss die Liquidierung der Stadt, um an die reichen Braunkohlenvorkommen
im Ausmass von rund 100 Millionen Tonnen zu gelangen. Dasselbe geschah
mit weiteren rund 70 Dörfern, welche der neuen Form der Kohleförderung
weichen mussten. Eine neue Stadt namens Most wurde wenige Kilometer weiter
südlich aufgebaut. Diese Stadt zählt heute ca. 75'000 Einwohner.
Die heutige Stadt Most stellt vor allem eine geordnete Anhäufung riesiger
Wohnsilos dar, welche mit ziemlich wenig Phantasie aufgebaut wurde. Die
sozialistische Regierung sah darin jedoch die "Verwirklichung moderner
städtebaulicher Lösungen und eine Reihe architektonisch interessanter
Bauten." (Zurück zum Anfang)
Heute werden in Nordböhmen immer noch riesige Mengen Braunkohle
gefördert. Das Land ist weiterhin arm und auf diesen schmutzigen Rohstoff
angewiesen. Die Kohle wird vor Ort verbrannt. Damit wird Strom erzeugt,
welcher auch nach Westeuropa exportiert wird. Ganze Städte werden
von zentralen Heizwasserwerken mit Wärme versorgt. Oft sind diese
Fabriken in einem hoffnungslos veralteten Zustand. Seit einigen Jahren
investieren ausländische Stromabnehmer immerhin in Filteranlagen.
Die Probleme der katastrophalen Kohlegewinnung bleiben. (Zurück
zum Anfang)
Ein Flöz ist eine Gesteinsschicht, die einen nutzbaren Bestandteil (Bsp. Erz, Kohle) mitführt oder wesentlich aus einem solchen besteht. F. haben bedeutende horizontale Ausdehnung und geringe Mächtigkeit.
Braunkohleflöze sind aus verschiedenartigen Moorvegetationen hervorgegangen. Wie auch die in der Braunkohle noch erhaltenen holzigen Reste erkennen lassen, haben am Aufbau der Braunkohle naturgemäss andere Pflanzen als beim Torf teilgenommen, und zwar vorwiegend Nadelhölzer (Mammutbäume und Sumpfzypressen). Dazu treten Laubbäume, Palmen, Zykadeen, Zyperazeen und Myriazeen u.a. Die Hauptentstehungszeit der Braunkohle ist der TERTIÄR (vor 50 - 60 Mio. Jahren).
Der Umwandlungsprozess der abgestorbenen Pflanzenreste vollzog sich, indem sie durch Bedeckung mit Wasser und Schlamm der Einwirkung des Luftsauerstoffes entzogen, sich an Kohlenstoff (relativ) anreicherten und in verwickelte Kohlenwasserstoffverbindungen überführt wurden. Dabei spalteten sich Wasser (H2O), später im wesentlichen Kohlendioxyd (CO2) und zum Schluss Kohlenwasserstoff-verbindungen (vorwiegend CH4) ab. Dieser Prozess der Umwandlung der Pflanzen bzw. des Torfs in Braunkohle und Steinkohle ist mit dem bkannten Vorgang der trockenen Destillation vergleichbar (Verbrennung von Holz <-> Erhitzung unter Luftabschluss)
Die Entstehungsdauer eines 100 m mächtigen Braunkohleflözes benötigt ungefährt 125 000 - 250 000 Jahre.
Braunkohlen sind braun bis braunschwarze Kohlen von erdig lockerer bis fester Beschaffenheit mit glanzlosen bis glänzenden Bruchflächen. Nach der petrographischen (-> beschreibende Gesteinskunde) Ausbildung der Braunkohle unterscheidet man Weichbraunkohlen und Hartbraunkohlen.
Zu den Weichbraunkohlen (Braunkohlen mit 45 - 65 % H2O und holzigen Einschlüssen) gehören: Erdbraunkohle (gemeine Braunkohle), z.B. mitteldeutsche Braunkohle und schiefrige Weichbraunkohle, z.B. Westerwälder Kohle.
Zu den Hartbraunkohlen (mit 20 - 30 % H2O, ohne holzige Einschlüsse)
zählen: Mattbraunkohle, d.h. feste Braunkohle mit würfligem Bruch,
brauner Erde, nicht färbend aber staubend, z.B. Böhmische Braunkohle
oder Glanzbraunkohle, steinkohlenähnliche Kohle von schwarzer Farbe
und muschligem Bruch, z.B. Pechkohle in Oberbayern.
Der Charakter einer Braunkohle hängt wesentlich von der Art und Mächtigkeit der überlagernden Schichten, von der Höhe des Gebirgsdruckes und den Temperaturen, denen sie ausgesetzt war. Die durchschnittliche chemische Zusammensetzung der Braunkohle beträgt etwa 70 - 80 % C (Kohlenstoffe), 15 - 25 % Sauerstoff und 5 % Wasserstoff.
Ihr Heizwert schwankt stark zwischen 1900 kcal/kg (Rohkohle) und 6000 kcal/kg (Reinkohle). Unter Heizwert versteht man die Wärmemenge, die bei der vollständigen Verbrennung von 1 kg eines Brennstoffes frei wird. Die Grubenfeuchtigkeit der Braunkohle steigt bis auf 65 %. Die Höhe des Wassergehaltes macht den Transport der rohen Braunkohle auf weite Entfernungen unwirtschaftlich. Deshalb wird die Kohle meist direkt vor Ort verbrannt. Zum Teil wird die Kohle auf Förderbändern direkt an den Ort der Verbrennung transportiert. Es sind dies in Nordböhmen vor allem die Fernheizwerke und die Kohlekraftwerke.
Einige Beispiele für Heizwerte, hier in KJ pro kg: