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Prähistorische Funde

 

Brandenburg

Sonntag, 23. Januar 2000


Exkursion in die Eiszeit

Einzigartige geologische Fundstelle in der Lausitz

Von Beowulf Kayser

    
Metertief bohren sich ihre Spaten in das Erdreich. Dann der lang ersehnte Augenblick. Was Archäologe Peter-Jasper Meerheim und Geologe Karl-Heinz Gratias zwischen den Torf- und Tonschichten im ehemaligen Tagebau Jänschwalde freilegen, ist sensationell: 130 000 Jahre alte Knochenreste von Tieren, Samen und Früchte. Immer wieder stoßen die Graber in der etwa 70 Meter breiten und drei Meter tiefen Fundstelle auf Spuren der Eiszeit.

Der 12 Kilometer östlich von Cottbus liegende Fundort Klinge soll als einzigartiges Naturdenkmal erhalten werden. «Mehr als 500 Funde aus Klinge sind bereits bei uns zu bewundern», sagt der Kustos für geologische Sammlungen im Museum der Natur und Umwelt Cottbus, Rolf Striegler. «Am wertvollsten sind das vollständige Mammut-Skelett, die Teile eines Riesenhirsches und die erst jüngst gefundene, Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis). Die etwa postkartengroßen Überreste wurden aus dem unteren Torf geborgen und wieder zusammengefügt. Sie stammen aus der Eem-Warmzeit, einer Wärmephase mit gemäßigtem Klima vor 128 000 bis 113 000 Jahren.»

Neben Skelett-Resten von Wildpferden, Nashörnern und Rentieren zählen auch Pflanzenreste von 75 Arten sowie Blätter und Baumreste von Linde, Eibe, Ahorn und Hainbuche zu den sensationellen Funden in Klinge. Auch Reste von Hechten, Barschen, Rotfedern und Schleien sind als Zeugen der Eiszeit bereits im Cottbuser Museum. Sogar Biberzähne im angenagten Holz erinnern an die Zeit vor mehr als 100 000 Jahren. Noch bis zum Ende des Jahres sollen die Schätze der Vergangenheit geborgen und für die Nachwelt erhalten werden. «Dann soll die Fundstelle mit den Gräben überdacht und als wissenschaftliche Forschungsstätte sowie als Lausitzer Touristenmagnet geöffnet werden.

«Gemeinsam mit der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) wollen wir den Fundort Klinge unbedingt erhalten», sagt der 57-jährige Museumschef aus Cottbus. Die Chancen stehen gut. «Vielleicht könnte Klinge in eines unserer 22 IBA-Projekte integriert werden», erklärte Geschäftsführer Prof. Rolf Kuhn von der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land GmbH. Klappt es, könnte auch der rund 300 Kilometer lange Fürst-Pückler-Kutsch- und Radweg von Bad Muskau nach Cottbus-Branitz an der historischen Fundstelle vorbeiführen.

Von der Zukunftsvision für die Erhaltung der Eiszeit-Fundstelle Klinge ist man inzwischen an der New Yorker Columbia-Universität genauso begeistert wie an der Technischen Universität Berlin.

Am Sonnabend wandelten viele Lausitzer bei einem Ausflug nach Klinge auf den Spuren der Vergangenheit.

 

© Berliner Morgenpost 2001

 
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letzte Änderung: 7. Mai 2001 / © Fritz Wüthrich

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