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GEOSKOP Ihr Panzer schützt sie nicht Die letzten in Deutschland heimischen Populationen von Sumpfschildkröten sind stark bedroht |
GEO MAGAZIN |
| Schildkröten sind beliebt. Als Hausfreunde krabbeln sie durch Terrarien; als Plastiktierchen schlüpfen sie aus Überraschungseiern. Und als "Ninja Turtles" kämpfen sie auf Kinoleinwänden ums Überleben - so wie in der freien Wildbahn: Die Europäische Sumpfschildkröte, Deutschlands einziger bodenständiger Vertreter der Tierordnung ist akut bedroht. Nur in Brandenburg und Mecklenburg finden sich alles in allem höchstens 400 Tiere, schätzt der Biologe Norbert Schneeweiss, Leiter der vom "Landesumweltamt Brandenburg" betriebenen Naturschutzstation Niederbarnim. "Die meisten streunen allerdings wie die letzten Mohikaner allein herum. Junge Sumpfschildkröten finden wir fast gar nicht mehr." Dass es überhaupt noch heimische Populationen von Emys orbicularis gibt, wissen die Forscher um Schneeweiss erst seit kurzem. Seit vier Jahren stellen sie den Sumpfschildkröten nach und versehen gefundene mit Peilsendern, um die Eiablageplätze aufzuspüren. Wenn das Gelege gefährdet zu sein scheint, übernehmen sie sogar die Brutpflege. Infolge intensiver Flächennutzung und Aufforstung finden die wechselwarmen Sumpfschildkröten kaum noch Feuchtgebiete mit freien, sonnigen Sandflächen, in denen sie ihre Eier vergraben können. "Oft legen die Tiere ihre Eier auf Äckern und Waldwegen ab", sagt Schneeweiss, "und da hat der Nachwuchs natürlich sehr schlechte Chancen." Doch selbst wenn es reichlich Brutplätze gäbe: Am Ende könnte gerade ihre Beliebtheit der Europäischen Sumpfschildkröte den Garaus machen. Statt der heimischen Unterart, die bis zu 20 Zentimeter gross wird, stossen Naturschützer häufig auf Abkömmlinge südeuropäischer Sumpfschildkröten - ehemaliger Haustiere, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden oder sich davongemacht haben. "Solche Schildkröten haben andere Brutgewohnheiten. Manche legen weniger Eier als die heimischen ab, dafür aber mehrmals pro Jahr", sagt Peter Lenk vom Institut für Pharmazeutische Biologie der Universität Heidelberg. Und wenn sich verschiedene Unterarten vermischen, könne das bei kleinen Populationen schnell zu Problemen mit der Vermehrung führen, indem beispielsweise die Eier zum falschen Zeitpunkt abgelegt werden. Per Augenschein sind die fremdländischen Tiere allerdings nicht immer einzuordnen. Deshalb hat Lenk ein Verfahren entwickelt, mit dem sich die Herkunft aufgrund des Erbmaterials eindeutig bestimmen lässt. "Wir haben einen genetischen Marker gefunden, der Aufschluss darüber gibt, woher das Tier stammt." Das Ergebnis von Untersuchungen im Naturschutzgebiet Enkheimer Ried bei Frankfurt am Main bestätigt Lenks Befürchtungen: Die ursprüngliche Population ist ausgestorben. Alle untersuchten Tiere weisen Eigenschaften südländischer Unterarten auf. "Überleben können diese Schildkröten hier schon", sagt Lenk, "aber dass sie funktionierende Populationen aufbauen können, halte ich für ausgeschlossen." Um die hiesige Sumpfschildkröte zu retten, sei es in erster Linie wichtig, ihren Lebensraum zu erhalten, betont der Forscher. Zudem schlägt er vor, Eier aus gefährdeten Gelegen künstlich auszubrüten und die Tiere später wieder auszuwildern. Norbert Schneeweiss plädiert ausserdem dafür, aufgefundene Fremdtiere vorsorglich einzusammeln. Und in Gegenden, wo die heimische Art dank geringer Bevölkerungsdichte noch eine Nische finden könnte, "muss man ja nicht alles entwässern und jede Waldlichtung aufforsten." |
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