In natura hat er sie in Grünheide noch nicht gesehen, die
Europäische Sumpfschildkröte, die das 1934 verliehenen Wappen des Ortes ziert. Seit 33
Jahren hat Max Tesch ein Gartengrundstück in Grünheide und liebt Wald und Wasser.
Die Sumpfschildkröte galt vor zehn Jahren im Brandenburgischen noch als ausgestorben und
wird nun in der Naturschutzstation Niederbarnim in Zepernick wieder zum Aussetzen
vermehrt. Der 65-jährige promovierte Landwirt Tesch ist überzeugt: «Auch hier in
Grünheide gibt es sie noch.» Immerhin ist er im Besitz einer Fotografie, die ein in
Woltersdorfer Gewässern gesichtetes Tier zeigt.
Der seit dreieinhalb Jahren in Grünheide lebende Berliner wurde gleich nach der Lehre im
Stadtgut Pankow Leiter der Tierproduktion. Gemeinsam mit 140 Leuten betreute er «von der
Biene bis zu 75 Pferden» alle möglichen Tiere und baute die erste Enten-Mastanlage der
DDR auf. Später wurde er an der Humboldt-Universität Berlin, an der er studiert und
gelehrt hatte, verantwortlicher Mitarbeiter für den Institutsneubau für Landmaschinen
und Bauwesen.
In der daraus entstandenen Ingenieurhochschule Berlin-Wartenberg in Blankenburg wirkte Max
Tesch in verschiedenen Leitungsfunktionen und war Institutsdirektor für Umwelt und
Kommunalverfahrenstechnik, bis die Einrichtung 1991 abgewickelt wurde. Dann ging er erst
einmal fünf Jahre lang auf Reisen: «Unser Einfamilienhaus steckt darin», lächelt er,
denn Ägypten, Tunesien, Hawaii, Kanada, Alaska, China und noch andere Länder sind keine
billige Sache. Als ehrenamtlicher Präsident der Deutschen Agrarwissenschaftlichen
Gesellschaft, Landesverband Brandenburg-Berlin organisierte er pro Jahr 20 Studienreisen.
1999 nun gründete er in Grünheide den Freundeskreis Wappentier. 18 Mitglieder hat er
zusammengetrommelt, darunter die Bürgermeisterin, Lieselotte Fitzke (SPD), den
Amtsdirektor Heinz Friedrich, Tierärzte, Biologen, Lehrer, einen Förster, einen
Hobbytaucher und einen Mitarbeiter vom Heimattiergarten Fürstenwalde.
Sie rufen die Grünheider auf, nach der Schildkröte, ihren Gelegen oder Spuren im Sand
Ausschau zu halten. Das im «Artenschutzprogramm Rote Liste» geführte Tier gehört «zu
den scheuesten und heimlichsten Bewohnern unserer Gewässer», heisst es auf einem von
Landesumweltamt Brandenburg herausgegebenen Poster.
Wer eine Sumpfschildkröte entdeckt, soll sich bei Max Tesch melden. Tesch und sein
engster Mitstreiter, der 63-jährige Ernst Bartusch, besuchen jeden Entdecker und
dokumentieren den Fund. Tel.: 033 62/50 06 18 ng |