| Die Sumpfschildkröte ist in
Litauen eine vom Aussterben bedrohte Art und nur aus dem Süden der Republik bekannt. Im
Südwesten des Landes nennen die Dorfbewohner Emys orbicularis die "eisernen
Frösche". Früher waren die Schildkröten in fast allen Teichen und sogar am
Wegesrand zu finden, vor allem, wenn die Weibchen sich auf den Weg zu ihren Nistplätzen
begaben. In manchen Dörfern erinnert man sich noch daran, dass die Mäher ihre Sensen an
den Panzern der Kriechtiere wetzten! Vor 20 Jahren wurde die Art in die Roten Listen
aufgenommen. Damals waren rund 30 Fundorte bekannt; die Gesamtpopulation bestand aus 200
bis 300 Tieren. Kleinere Bestände gab es in drei gesonderten, als herpetologische
Schutzgebiete ausgewiesenen Orten. Ohne Schutzmassnahmen hat E. orbicularis
in Litauen keine Überlebenschance. Allerdings sind die Naturschutzgebiete nur ein Teil
des Massnahmenkomplexes. Wichtig ist vor allem, dass die Nistplätze der Art erhalten und
geschützt werden: Es gibt nur noch wenige Hänge, die als Eiablageplätze in Frage
kommen; sie sind heute meistens mit Bäumen bestanden. Der im Schatten liegende Boden ist
aber zu kalt, so dass die Schildkrötenweibchen auf andere, oftmals riskantere Orte
ausweichen, wie Wald- oder Ackerwege. Auch Raubfeinde bedeuten Gefahr: Füchse, Dachse und
Wildschweine vernichten frisch abgesetzte Gelege und geschlüpfte Jungtiere. Um dem
entgegenzuwirken, sind Naturschützer dazu übergegangen, Drahtnetze über den Gelegen zu
installieren. Die wichtigste Maßnahme ist je doch das künstliche Erbrüten der Eier.
Schon seit 20 Jahren erforscht der Biologe E. Snieskus die Lebensweisen der
Sumpfschildkröte. Bis heute hat er rund 300 Eier an unsicheren Brutplätzen gesammelt.
Einige der im Labor geschlüpften Jungen wurden fast zwei Jahre in Gefangenschaft gehalten
und dann, als sie kräftig genug erschienen, in die Natur entlassen. Die übrigen Tiere
wurden direkt nach dem Schlupf an den Nistplätzen wieder ausgesetzt. Heute beobachtet der
Forscher in den Naturschutzgebieten sechs- bis siebenjährige Schildkröten, die nur aus
seinem Labor stammen können.
Literatur: DATZ, Vol. 51, Heft 1, 1998,
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