Emys - die Schildkrötenseiten von Fritz Wüthrich
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Situation in Litauen

 

Die Sumpfschildkröte ist in Litauen eine vom Aussterben bedrohte Art und nur aus dem Süden der Republik bekannt. Im Südwesten des Landes nennen die Dorfbewohner Emys orbicularis die "eisernen Frösche". Früher waren die Schildkröten in fast allen Teichen und sogar am Wegesrand zu finden, vor allem, wenn die Weibchen sich auf den Weg zu ihren Nistplätzen begaben. In manchen Dörfern erinnert man sich noch daran, dass die Mäher ihre Sensen an den Panzern der Kriechtiere wetzten! Vor 20 Jahren wurde die Art in die Roten Listen aufgenommen. Damals waren rund 30 Fundorte bekannt; die Gesamtpopulation bestand aus 200 bis 300 Tieren. Kleinere Bestände gab es in drei gesonderten, als herpetologische Schutzgebiete ausgewiesenen Orten. Ohne Schutzmassnahmen hat  E. orbicularis in Litauen keine Überlebenschance. Allerdings sind die Naturschutzgebiete nur ein Teil des Massnahmenkomplexes. Wichtig ist vor allem, dass die Nistplätze der Art erhalten und geschützt werden: Es gibt nur noch wenige Hänge, die als Eiablageplätze in Frage kommen; sie sind heute meistens mit Bäumen bestanden. Der im Schatten liegende Boden ist aber zu kalt, so dass die Schildkrötenweibchen auf andere, oftmals riskantere Orte ausweichen, wie Wald- oder Ackerwege. Auch Raubfeinde bedeuten Gefahr: Füchse, Dachse und Wildschweine vernichten frisch abgesetzte Gelege und geschlüpfte Jungtiere. Um dem entgegenzuwirken, sind Naturschützer dazu übergegangen, Drahtnetze über den Gelegen zu installieren. Die wichtigste Maßnahme ist je doch das künstliche Erbrüten der Eier. Schon seit 20 Jahren erforscht der Biologe E. Snieskus die Lebensweisen der Sumpfschildkröte. Bis heute hat er rund 300 Eier an unsicheren Brutplätzen gesammelt. Einige der im Labor geschlüpften Jungen wurden fast zwei Jahre in Gefangenschaft gehalten und dann, als sie kräftig genug erschienen, in die Natur entlassen. Die übrigen Tiere wurden direkt nach dem Schlupf an den Nistplätzen wieder ausgesetzt. Heute beobachtet der Forscher in den Naturschutzgebieten sechs- bis siebenjährige Schildkröten, die nur aus seinem Labor stammen können.

 

Literatur: DATZ, Vol. 51, Heft 1, 1998, p.63

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letzte Änderung: 13. Juni 2001 / © Fritz Wüthrich

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