Studie: Weltbevölkerung verbraucht dramatisch viele Ressourcen
London (AFP) - Die Weltbevölkerung verbraucht nach einer neuen
Studie der Vereinten Nationen so viele natürliche Ressourcen, dass die
Artenvielfalt auf der Erde in den kommenden 50 Jahren "substanziell und
unwiderbringlich" zurückgehen wird. Die grundlegendsten
lebensnotwendigen Ressourcen wie Wasser, Nahrung, Holz, saubere Luft
und ein ausgeglichenes Klima seien bedroht, heißt es in der am Mittwoch
in London veröffentlichten größten UN-Umweltstudie aller Zeiten.
Mittwoch 30. März 2005, 17:31 Uhr
Studie: Umweltschäden gefährden künftige Generationen
Genf/London (dpa) - Der Raubbau an der Natur bedroht die Gesundheit
der Menschheit schon heute und kann in den kommenden 50 Jahren
gravierende Folgen für die Weltbevölkerung haben. Darauf verweist ein
am Mittwoch veröffentlichter Umwelt-Check der Erde, zu dem 1360
Forscher aus 95 Ländern beigetragen haben. Bereits 60 Prozent des
sensiblen Gefüges, das sauberes Wasser und reine Luft und ein relativ
stabiles Klima bereitstelle, seien zerstört oder werde übernutzt,
berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf mit Verweis
auf die Studie. Nach Angaben der führenden britische
Wissenschaftsorganisation Royal Society in London haben die Menschen
bereits in den vergangenen 50 Jahren der Umwelt so großen Schaden
zugefügt, dass die Existenz zukünftiger Generationen gefährdet ist. Vor
allem der verschwenderische Umgang mit Grundwasser «geht auf die Kosten
unserer Kinder», schreiben die Forscher in der Millennium
Ökosystemstudie (Millennium Ecosystem Assessment). Entwaldung und
Klimaveränderung könnten neue Krankheiten entstehen lassen, und das
Risiko, an Malaria oder Cholera zu erkranken, deutlich erhöhen.
Zwischen 10 und 30 Prozent der Säugetiere, Vögel und Amphibien sind
nach Angaben der Studie derzeit vom Aussterben bedroht. In den
Weltmeeren seien bereits 90 Prozent der größten Raubfische verschwunden. Große
Probleme bereite auch die Überdüngung der Meere. Der zusätzliche
Stickstoff fördere den Algenwuchs so stark, dass an den Küsten
sauerstoffarme «tote Zonen» entstünden. Fischsterben sei die Folge. In
Zukunft werde vor allem die globale Erwärmung den Ökosystemen der Erde
den größten Schaden zufügen. «Ökosysteme (...) sind für die
menschliche Gesundheit von grundlegender Bedeutung und für das
Wohlbefinden der Menschen überall auf der Welt unerlässlich», erklärte
WHO-Expertin Kerstin Leitner dazu. Durch den Schutz der Umwelt und der
Menschen vor den Folgen der Veränderung der Ökosysteme könne der
Schaden verhindert, begrenzt oder zumindest gemeistert werden, heißt es
in der Ökosystemstudie. Der Öko-Check wurde 2001 gestartet,
nachdem UN-Generalsekretär Kofi Annan um Unterstützung für die
Millenniums-Entwicklungsziele im neuen Jahrtausend warb. «Die sinkende
Leistungskraft von Ökosystemen wird vermutlich dazu führen, dass die
internationalen Entwicklungsziele (Millennium Development Goals) nicht
erreicht werden», schreibt das Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung (PIK) mit Verweis auf die Studie. Nur vier
Leistungen der Ökosysteme haben sich in den vergangenen Jahren laut PIK
erhöht: die Produktion von Getreide, Vieh und Aquakultur sowie die
Bindung von Kohlenstoff in Ökosystemen wie Wald und Ozean, die zur
Minderung der globalen Erwärmung beiträgt. Millennium Ökosystemstudie: www.millenniumassessment.org