Home
 
Börse
   
 

Januar 2001 - Wirtschaft - Unternehmen

Intershop rechnet mit hohen Verlusten - Aktienabsturz   (03.01.2001)

Nach einer Gewinn- und Umsatzwarnung hat die Intershop-Aktie am ersten Handelstag des Jahres 2001 zwei Drittel ihres Wertes verloren. Sie notierte am Dienstagnachmittag bei knapp zehn Euro und belastete damit auch den NEMAX50, der um zwölf Prozent nachgab. Eigentlich hatte das auf Software für E-commerce spezialisierte Unternehmen für 2000 ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis angestrebt. Jetzt werden Verluste in Höhe von 37 bis 39 Millionen Euro erwartet.
Einfluss auf den Neuen Markt
Die massiven Kurseinbrüche eines der Schwergewichte haben sowohl den Neuen Markt als auch die Dax-Standardwerte belastet. Die Hiobs-Botschaft zu Beginn des neuen Jahres drücke nachhaltig auf die Stimmung, hiess es von Händlern. Vor allem die Software-Branche stehe unter Druck. Der NEMAX 50 gab um zwölf Prozent auf rund 2500 Punkte nach.

 

Güterstrassenbahn nimmt Probebetrieb auf    (04.01.2001)

Die neue Güterstrassenbahn "CarGoTram" für das Dresdner VW-Werk hat am Mittwoch ihren Betrieb auf der Teststrecke aufgenommen. Ab Ende März soll der 60 Meter lange Zug Autoteile vom Güterverkehrszentrum (GVZ) Dresden-Friedrichstadt zur Gläsernen Manufaktur am Grossen Garten transportieren. Hier soll die Endmontage der neuen Luxuslimousine D1 erfolgen. Bei vollem Betrieb sind dann rund 35 Fahrten am Tag über normale Strassenbahngleise vorgesehen. Dadurch sollen täglich 65 LKW-Fahrten zur Versorgung der Manufaktur eingespart werden.

 

 

Gerüchte um die Spaltung von Daimler - Chrysler (14.01.2001)

Dem deutsch-amerikanischen Autokonzern droht angeblich die Spaltung. Die größten Aktionäre sollen Vorstandschef Jürgen Schrempp bereits ein Ultimatum gestellt haben. Das Unternehmen dementiert.
"Das sind Spekulationen, die jeder Grundlage entbehren", sagte Unternehmenssprecher Michael Pfister am Sonntag. Angeblich stehe der amerikanisch-deutsche Autokonzern vor einer Aufspaltung, falls Konzernchef Jürgen Schrempp nicht in der Lage sei, die angeschlagene US-Tochter Chrysler innerhalb von sechs Monaten wieder in die Gewinnzone zu führen. Die größten Aktionäre von DaimlerChrysler, die Deutsche Bank und das Kuwait Investment Office, haben Schrempp ein Ultimatum gesetzt.
Die Deutsche Bank ist mit einem Anteil von zwölf Prozent größter Aktionär bei DaimlerChrysler.

Die anderen Autohersteller spitzen schon die Ohren

Die Gerüchte über eine mögliche Aufspaltung von DaimlerChrysler hat andere große Autohersteller wie GM, Ford, Honda oder Volkswagen hellhörig gemacht. Sollte Schrempp aus dem Konzern gedrängt werden, würden einige Unternehmen Interesse an der Übernahme von DaimlerChrysler-Bereichen wie beispielsweise Mercedes oder Jeep bekunden. Mercedes hatte für das Jahr 2000 Rekorde bei Umsatz und Absatz ausgewiesen.

Vorstandvorsitzender Jürgen Schrempp

SchremppAnalysten zufolge würde es bei einer Aufspaltung von DaimlerChrysler jedoch eher zu einer Aufhebung der Fusion mit Chrysler kommen. Schrempp hatte dagegen Anfang des Monats auf der Autoshow in Detroit bekräftigt, ein Verkauf von Chrysler mache keinen Sinn. Man werde alle Ressourcen einsetzen, um bei Chrysler wieder die Profitabiliät früherer Jahre zu erreichen. Ein Restrukturierungsplan für Chrysler soll am 26. Februar präsentiert werden. Analysten hatten Äußerungen von Chrysler-Chef Dieter Zetsche über die "langfristige Perspektive" des Plans als Warnung gesehen, dass es mehrere Jahre dauern werde, bis Chrysler wieder in die Gewinnzone zurückkehren könnte.

Der Aktienwert hat sich im vergangenen Jahr halbiert

Die US-Sparte des Stuttgarter Konzerns war in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres tief in die Verlustzone gerutscht und hatte auch das Konzernergebnis belastet. Im vierten Quartal wird bei Chrysler mit einem Verlust von 1,25 Milliarden Dollar gerechnet, doppelt so viel wie im dritten Quartal. Der Wert der DaimlerChrysler-Aktien hat sich über die letzten zwölf Monate fast halbiert. Am Freitag gingen die Papiere zu einem Kurs von 44,17 Euro aus dem Frankfurter Handel.

 

Opel-Vorstand Hendry geht   (18.01.2001)

Opel-Vorstandschef Robert Hendry wirft nach einem Milliarden-Verlust beim Rüsselsheimer Autohersteller das Handtuch. Bereits Ende März wolle er den Opel-Aufsichtsrat um die Entbindung von seinen Pflichten bitten, kündigte der 56jährige US-Amerikaner in Frankfurt/Main an. Mit einem
Minus von 982 Mio Mark war der operative Verlust im Jahr 2000 deutlich höher ausgefallen als selbst von den grössten Pessimisten im eigenen Haus befürchtet. Im Jahr davor hatte das Minus noch bei knapp 300 Mio Mark gelegen. Als Nachfolge-Kandidat für Hendry gilt der frühere BMW-Produktionsvorstand Carl-Peter Forster.
Hendry nannte als Hauptgründe für das Debakel den "schwachen deutschen Automobilmarkt", von dem die Rüsselsheimer "besonders betroffen" seien. Gestiegene Kraftstoffpreise und ein hoher Gebrauchtwagenbestand hätten das Geschäft mit Neuwagen geschmälert. Besonders bei der Mittel- und Kompaktklasse - dem wichtigsten Opel-Segment - habe das Unternehmen stark Federn lassen müssen. Der Marktanteil von Opel in Deutschland schrumpfte binnen Jahresfrist von 13,8 auf nur noch 12,2 Prozent zusammen. Der Fahrzeugabsatz reduzierte sich von 1,32 auf 1,28 Millionen. Im Inland wurden mit nur noch 409.000 rund 20 Prozent weniger Autos verkauft als im Jahr zuvor.

 

AOL Time Warner (25.01.2001)

Zuerst wurde gefeiert, jetzt wird aufgeräumt. Der neue Medienriese AOL Time Warner legt seine Geschäfte zusammen und spart vor allem im Internetbereich an ca. 2000 Mitarbeitern.
"Lassen Sie uns die Gelegenheit nutzen und sicherstellen, dass das Unternehmen so schlank und zielorientiert wie möglich läuft", sagte einer der Geschäftsführer von AOL, Robert Pittman. Er kündigte an, dass die ersten Pläne die Entlassung von 2025 Mitarbeitern vorsehe. Zusammen mit den 400 Stellen, die bei der AOL-Tochter CNN gestrichen wurden, wird AOL Time Warner damit etwa drei Prozent der rund 84.000 Mitarbeiter auf die Straße setzen.
Den größten Teil des Stellenabbaus muss der Internetbereich verkraften. So wurden bei AOL 725 Arbeitsplätze gestrichen, was rund fünf Prozent der Belegschaft entspricht. Als Grund nannte Pittmann die Integration von Onlineangeboten und Computersystemen. Ähnlich ergeht es der Internetdivision der Warner Bros. Filmstudios. Hier fallen etwas 100 Arbeitsplätze der Fusion zum Opfer. Von massiven Stellenstreichungen sind außerdem die Warner Music Group, das Magazin "Time" und New Line Cinema betroffen. Zu den bisher bekannten Kürzungen könnten noch weitere 3800 Stellen hinzukommen. Der "New York Times" zufolge wird über die Schließung aller 130 Geschäfte nachgedacht, in denen bisher exklusiv die Produkte von Warner Brothers verkauft werden. Eine weitere Wirkung der Fusion wird sich bei nahezu allen Mitarbeitern des Konzerns bemerkbar machen. Der feste Anteil ihrer Bezüge wird zu Gunsten einer stärkeren Beteiligung am Unternehmen zurückgefahren. Details des neuen Aktienoptionsprogramms wurden bisher nicht bekannt.

 

Entlassungen kosten über vier Milliarden Mark   (31.01.2001)

Die Sanierung der defizitären US-Tochter Chrysler wird nicht billig. Allein die geplante Entlassung von 26.000 Mitarbeitern wird den Konzern nach Schätzungen von Analysten umgerechnet mehr als vier Milliarden Mark kosten.
Der Automobilhersteller will den Personalabbau vorwiegend über Vorruhestandsregelungen erreichen, um Geld zu sparen. "Die Entlassung eines Arbeiters würde den Konzern rund 182.000 Dollar kosten". Die Verabschiedung in den Vorruhestand würde dagegen jeweils nur mit 50.000 Dollar zu Buche schlagen.

Welche Summe auf diese Weise eingespart werden könnte, lässt sich nach Auskunft des Analysten allerdings kaum im Voraus abschätzen, weil niemand weiß, wie viele Mitarbeiter sich auf eine solche Regelung einlassen werden.
"Wenn man davon ausgeht, dass die Hälfte der Arbeiter entlassen wird und sich die andere Hälfte in den Vorruhestand verabschiedet, müsste DaimlerChrysler mit rund 2,3 Milliarden Dollar rechnen", erklärt Breitsprecher.

Eines jedenfalls scheint für den Experten sicher: "Die Rückkehr zu akzeptablen Profiten bei Chrysler wird ein langer und schmerzhafter Prozess sein, der sich über mehrere Jahre hinziehen wird".

 

Trotz Abschwung Börsensieger - Inifneon   (31.01.2001)

Der Chipkonzern Infineon hat mit der Marktschwäche im Halbleitergeschäft zu kämpfen. Den Rekordwert des Vorquartals konnten die Münchner nicht halten. Die Anleger kümmert's nicht.

Wie die Siemens-Tochter am Mittwoch mitteilte, ist der Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2001 (01.10. bis 31.12. 2000) zwar um acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Im Vergleich zum Rekordumsatz in den drei Monaten zuvor sei es jedoch ein Rückgang um 30 Prozent. Insgesamt betrug der Umsatz zwischen Oktober und Dezember 2000 rund 1,66 Milliarden Euro.

InfineonDer Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) einschließlich einmaliger Sondereinnahmen von 202 Millionen Euro aus dem Verkauf der Image & Video-Aktivitäten lag nach eigenen Angaben bei rund 446 Millionen Euro. Dies entspreche einer Steigerung von 83% gegenüber dem ersten Quartal des Geschäftsjahres 1999/2000, jedoch einem Rückgang von 45 Prozent gegenüber dem Rekordergebnis des Vorquartals. Der Nettogewinn habe im ersten Quartal rund 280 Millionen Euro betragen.
Infineon erwarte auf Grund seiner Ausrichtung auf Wachstumsmärkte und seiner strategischen Kundenbasis in 2001 ein weiterhin starkes Wachstum.

Anleger positiv überrascht

Trotz des kurzfristigen Abschwungs wurden die Anleger von den Zahlen eher positiv überrascht. Während der Umsatz den Erwartungen des Analysten entsprach, seien die Ergebnisse besser als von ihm und den Anlegern erwartet ausgefallen, sagte Rüdiger Kühnle von der Baden-Württembergischen Bank in Stuttgart.
Die Aktien des Halbleiterherstellers arbeiteten sich denn auch im Laufe des Mittwochvormittags vom Schlusslicht zum vorläufigen Tagesgewinner unter den Standardwerten hoch. Bis 10.13 Uhr verteuerten sich die Papiere um gut drei Prozent auf 47,23 Euro. Gleichzeitig gab der Dax um 0,2 Prozent auf 6.725,92 Zähler ab.

Das weitere Kalkül der Anleger

Im dritten Quartal 2001 sollten die Preise für DRAM-Speicherchips wieder steigen, nachdem bereits eine Bodenbildung sichtbar sei. Viele Mitbewerber bauten zudem ihre Produktionskapazitäten für die Speicherbausteine nicht weiter aus, fügte der Experte hinzu. Bereits vor einer Woche habe er deshalb die Aktie von "Sell" auf "Buy" heraufgestuft.
Der Wachstumsrückgang im Mobilfunkgeschäft belaste die Aktie nicht, weil er von den Anlegern bereits erwartet worden sei. Infineon Technologies werde diese Entwicklung mit Zuwächsen im Netzwerkgeschäft und im Chipkartengeschäft ausgleichen, sagte Kühnle.