Unter der Alb fließt heißes
Wasser (02.07.2001)
Der Höhlenforscher Jochen Hasenmayer entdeckte Tropfwasserrinnen.
Riesige Mengen an Energie warten auf ihre Erschließung
Höhlenforscher Jochen Hasenmayer in seinem Spezial-U-Boot
Speleonaut. Foto: dpa
Blaubeuren - Unter dem legendenumwobenen Blautopf auf der Schwäbischen
Alb warten nach Ansicht des Höhlenforschers Jochen Hasenmayer
riesige Mengen an Energie auf ihre Erschließung. Seine These
einer "süddeutschen Höhlentherme" sei durch
seinen jüngsten Höhlengang in der Nacht zum Samstag
nunmehr bewiesen worden, erklärte der querschnittgelähmte
Forscher nach der spektakulären Aktion mit einem speziell
für ihn gefertigten U-Boot. "Ich bin 1350 Meter weit
getaucht und habe Hunderte von Tropfwasserrinnen gefunden. Also
war die Höhle auf ihrer ganzen Länge einst Luft erfüllt",
sagte der 59-Jährige. Demnach lägen unter der Schwäbischen
Alb enorme Mengen heißen Wassers. "Diese Therme könnte
ganz Süddeutschland mit Energie versorgen", glaubt Hasenmayer.
Anhand seiner Videoaufnahmen samt Tiefenmesser könne er jetzt
eindeutig belegen, dass der Blautopf früher nicht im Blautal
mündete, sondern im Mittelmeer.
"Die Höhle am Blautopf ist 13 Meter tiefer und damit
rund 200 Mal älter als von Geologen angenommen", beschrieb
Hasenmayer seine Entdeckung. Als besondere Erkenntnis stellte
er heraus, dass das heiße Wasser unter der Alb nicht in
Stein gepresst sei, sondern in breiten Höhlengängen
fließe. Nach seiner Schätzung könne bei jeder
Bohrung am Blautopf mindestens 100 Mal so viel heißes Wasser
gewonnen werden als bei einer Bohrung in gepresstem Stein. Daher
sei diese Energiegewinnung aus dieser Quelle mehr als rentabel.
Der seit 1989 auf den Rollstuhl angewiesene Forscher war bereits
im Jahr 1996 in den laut der Legende von der Wasserfrau "schöne
Lau" bewohnten Blautopf hinabgetaucht. Seinen jetzigen, zehnstündigen
Aufenthalt in der blauen Tiefe wertete er als "riesigen Erfolg".
Jetzt bleibe nur zu hoffen, dass die Wissenschaft seinen Beweis
annehme und die Ressourcen der "süddeutschen Höhlentherme"
zur Energiegewinnung nutze.
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Fruchtbarkeit - Spermien auf dem Küchentisch
(03.07.2001)
Um ihre Fruchtbarkeit zu testen, brauchen sich Männer nicht
länger auf sterilen Ärztetoiletten abzumühen. Britische
Forscher planen, einen Test für die heimischem vier Wände
auf den Markt zu bringen.
Frauen, die ihre biologische Uhr ticken hören, und Männer,
die sich um die Agilität ihrer Samenzellen sorgen, können
womöglich bald ruhiger schlafen. Die Lösung der potenziellen
Probleme ist zwar nicht in Sicht, die Diagnose allerdings könnte
um einiges einfacher werden. Statt des lästigen Ganges zum
Arzt mit peinlichen Fragen und vielsagenden Blicken der anderen
Patienten soll die Fruchtbarkeit zukünftig auf dem heimischen
Küchentisch überprüft werden.
Wissenschaftler der britischen University of Birmingham haben
nach eigenen Angaben ein Testverfahren entwickelt, das die Fruchtbarkeit
von Männern oder Frauen ganz ohne Arzt ermitteln kann. "Fertell",
wie der Test von seinen Schöpfern genannt wurde, soll bereits
im kommenden Jahr über die Theken europäischer Apotheken
gehen.
Der zweiteilige Test, der jetzt auf einem Kongress von Reproduktionsmedizinern
im schweizerischen Lausanne vorgestellt wurde, kann bereits nach
15 Minuten ein Ergebnis liefern. Hierzu wird bei Frauen der Urin
nach einem follikelstimulierenden Hormon untersucht, das im Zusammenhang
mit der Zahl der Eizellen in der Gebärmutter steht. Wird
eine zu hohe Hormonkonzentration entdeckt, könnte die Fruchtbarkeit
beeinträchtigt sein.
Zur Beurteilung der männlichen Zeugungsfähigkeit ist
eine Samenprobe nötig, die im Testgerät ähnliche
Bedingungen vorfindet wie während der Befruchtung. Nach einer
halben Stunde gibt ein roter Balken Auskunft darüber, ob
die Spermien beweglich genug sind, um erfolgreich in eine Eizelle
einzudringen. Für ein positives Urteil müssen die Samenzellen,
so "BBC News Online", mindestens 0,7 Zentimeter zurücklegen.
Der Test, von seinem Erfinder Christopher Barratt als Weltpremiere
gefeiert, hat im Labor bereits gute Erfolge gezeigt. Bei 170 männlichen
und 243 weiblichen Probanden lag die Trefferwahrscheinlich bei
95 Prozent. Zwar könnten nicht alle Ursachen einer Unfruchtbarkeit
erkannt werden, die meisten Fälle würden, so Barratt,
allerdings abgedeckt.
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Kunstherz schlägt komplett im
Menschen (04.07.2001)
Künstliche Herzen müssen nicht länger durch Drähte
oder Schläuche mit der Außenwelt verbunden sein. Das
autonome Kunstherz, das erstmals in einem menschlichen Körper
arbeitet, soll längeres Leben ermöglichen.
Ärzte
in den USA haben zum ersten Mal einem Patienten ein Kunstherz
eingepflanzt, dass keine äußeren Zugänge besitzt.
Der Patient sei nach siebenstündiger Operation wohlauf, sagte
eine Sprecherin des Jewish Hospitals in Louisville.
Das etwa ein Kilogramm schwere Kunstherz AbioCor mit der Größe
einer Grapefruit hat im Gegensatz zu früheren Modellen keine
Drähte oder andere Verbindungen, die aus dem Körper
herausführen, sondern wird durch eine integrierte Batterie
angetrieben. US-Behörden haben Genehmigungen für die
Einpflanzung von neuen Herzen für bis zu 15 schwerstkranke
Patienten erteilt.
Das neue Organ könnte die Herzchirurgie revolutionieren:
Als der 61-jährige Barney Clark im Jahre 1982 das erste Kunstherz
erhielt, führten zahlreiche Kabel und Schläuche von
außen zum Herzen. Das Kunstherz mit der Bezeichnung Jarvik
7 hielt Clark 112 Tage am Leben.
Auch die moderneren Herzen haben weiterhin Zugänge, durch
die Krankheitserreger in den Körper eindringen können.
Kunstherzen werden nur als Übergangslösung eingepflanzt
bis ein Spenderherz verfügbar ist. Wie auch bei anderen Organen,
reicht die Zahl an Spenderherzen aber bei weitem nicht aus.
"Das ist keine Übergangslösung bis zur Transplantation",
sagt Abiomed Vize-Chef John Thero. Das AbioCor sei als Ersatz
für ein krankes Herz entworfen worden, für Patienten
mit einer Lebenserwartung von weniger als 30 Tagen. Vertreter
dieser Gruppe kommen für eine Transplantation nicht in Frage.
"Obwohl das Gerät darauf ausgelegt ist, viel länger
zu arbeiten, wären wir glücklich, wenn wir die Lebenserwartung
der Betroffenen verdoppeln könnten", so Thero. "Unser
Ziel ist es, ihnen eine vernünftige Lebensqualität und
eine Verlängerung des Lebens zu ermöglichen."
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US-Armee bastelt Mutter aller Stinkbomben
(06.07.2001)
Das Pentagon forscht an der ultimativen Bombe, die zwar nicht
tötet oder verletzt, dafür aber Menschen effektiv in
die Flucht schlägt. Schülern dürfte das Prinzip
bekannt vorkommen.
Beißende Gerüche machen das Atmen zu Hölle, bedrohliche
Schwaden ziehen durch die Straßen. Die Menschen geraten
in Panik, rennen, fliehen. Niemand weiß genau, was sich
da ausbreitet. Doch jeder sagt sich: Nichts wie weg. Innerhalb
kürzester Zeit sind die Straßen leer.
Ein Horrorszenario? Wahrlich. Doch ein Szenario, an dem die
US-Armee mit Hochdruck arbeitet. Wie das britische Wissenschaftsmagazin
"New Scientist" in seiner aktuellen Ausgabe schreibt,
arbeitet das Pentagon intensiv an der Mutter aller Stinkbomben
- einer Waffe, die niemanden verletzt, die ihre menschlichen Ziele
aber effektiv in Panik versetzt.
Der Bedarf ist, zumindest in den Augen der US-Strategen, vorhanden:
Egal ob bei der Vertreibung feindlicher Truppen oder beim Schutz
eigener Militäranlagen, das Händchen für den richtigen
Duft könnte einiges bewirken. Auch die Polizei wäre
über eine derartige Waffe wohl alles andere als unglücklich:
Geiseldramen, gewalttätige Demonstrationen oder Unruhen könnten
ohne einen Schuss beendet werden.
Soweit die Theorie. In der Praxis offenbaren sich aber jede Menge
Probleme. Besonders die richtige Mischung zu finden, hat sich
bislang als unlösbares Problem erwiesen. Schon einmal, während
des zweiten Weltkrieges, haben die USA offensiv mit Stinkbomben
experimentiert. Eine verderbliche, übel riechende Flüssigkeit
sollte, wie "New Scientist" berichtet, den deutschen
Offizieren den Rest geben, sie als Abfall brandmarken.
Das neue Kampfmittel hatte allerdings einen entscheidenden Nachteil:
Die Substanz war derart angriffslustig, dass niemand bombardiert
werden konnte, ohne auch die ganze umliegende Region zu kontaminieren
- den Stinkbomber eingeschlossen.
Noch ein weiteres Problem beschäftigt die Geruchsdesigner.
Wie beim Lieblingsessen reagieren Menschen auch auf Gerüche
unterschiedlich. Wer beispielsweise neben einem Reitstall groß
geworden ist, lässt sich vom Geruch von Pferdemist kaum vertreiben.
Deshalb sucht Pam Dalton im Auftrag der US-Armee nach einem Geruch,
der alle kulturellen Eigenheiten einschließt. Nach Angaben
des "New Scientist" konnten bereits erste Testreihen
abgeschlossen werden - mit ernüchterndem Ergebnis. Dabei
wurden Probanden mit unterschiedlichem ethnischen Hintergrund
faulen Gerüchen ausgesetzt und anschließend nach ihren
Reaktionen befragt. Doch weder Buttersäure - eine Mischung
aus ranziger Butter und stinkenden Füßen - noch verbranntes
Haar konnte die gewünschte Reaktion provozieren. Selbst der
Geruch von Erbrochenem blieb eine abschreckende Wirkung schuldig.
Mit zwei anderen Substanzen hatte Dalton dagegen mehr Glück.
Ein stinkendes Mittel, das die US-Armee dazu benutzt, um die Wirksamkeit
ihrer Reinigungsmittel zu testen, provozierte bei einigen Testpersonen
in Sekundenschnelle Schreie und Flüche. Auch die Weiterentwicklung
der Stinkbombe aus dem Zweiten Weltkrieg roch offensichtlich viel
versprechend. Basierend auf Schwefelverbindungen, die auch in
verdorbenem Essen und in Kadavern verkommen, weckt der Geruch
bei den Menschen wahrscheinlichen einen durch die Evolution bedingten
Fluchtreflex.
Ziel der Waffenentwickler muss es nun sein, die richtige Mischung
aus den verschiedenen Gerüchen zu finden, um letztlich zu
der ultimativen Stinkbombe zu kommen. Da es in diesem Bereich
der Forschung keine vernünftigen Theorien gibt hilft dabei,
so Dalton, nur eines: "Trial and Error."
Von der Nase ins Gehirn
Wissenschaftler jedenfalls sind überzeugt, dass Gerüche
das Verhalten der Menschen verändern können und mitunter
sogar intensive Emotionen auslösen. Wenn die übel riechende
Moleküle sich in den Schleimhäuten auflösen, erzeugen
sie Signale, die auf zwei verschiedenen Wegen das Gehirn erreichen
können.
Der eine Pfad führt zum Thalamus und zum Cortex, Regionen
des Gehirns, die für die bewusste Wahrnehmung verantwortlich
sind. Die Alternativroute streift das so genannte limbische System.
Dort, besonders im "Mandelkern", der Amygdala, werden
die Gerüche unbewusst in Gefühle übersetzt. Probanden,
denen ein Gascocktail aus Sulfiden vorgesetzt wird, reagieren
intensiv auf den üblen Geruch. Die Muskelns spannen sich
an, Angst macht sich breit, die Amygdala wird aktiviert.
"Jeder Geruch hat das Potenzial, Angst und Schrecken zu
verbreiten", sagt José Prado. Der Neurologe aus Minneapolis
hat sich intensiv mit der Wahrnehmung neuer Gerüchen beschäftigt.
Prado ist überzeugt: "Wenn jemand einen Geruch nicht
kennt, kann er nicht sicher sein, dass dieser Duft harmlos ist.
Und dann bleibt nichts anderes übrig, als wegzulaufen."
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Plastik löst sich von selbst
auf (15.07.2001)
Die umweltschonenden Kunststofffasern der schwedischen Firma
EcoLean sollen herkömmliches Verpackungsmaterial ablösen
Der
Durchbruch beim Verpackungsmaterial könnte in zwei oder drei
Jahren bevorstehen. Dann will EcoLean seinen neuen Plastikstoff
möglichst weltweit vertreiben. Die schwedische Firma hofft
mit einem Ableger in China noch in diesem Jahr auf den entscheidenden
Impuls.
Die EcoLean-Ingenieure, allen voran Chef-Chemiker Ake Rosén,
haben ein Hybridmaterial entwickelt, das sich - nach etwa 14-tägiger
Sonneneinstrahlung - von selbst auflöst.
Anfangs probierten sie es noch mit Talkum und Stärke als
Hauptbestandteil. Diese Stoffe bauten sich jedoch zu schnell biologisch
ab. Dann machte sich Rosén Gedanken über das Hühnerei
und fand die Lösung: Die Schale besteht zu 95 Prozent aus
Kalk, den natürliche Proteine zusammenhalten. Trotzdem bleibt
die Schale brüchig - für das Schlüpfen der Küken
durchaus sinnvoll, als Verpackungsmaterial jedoch ungeeignet.
Rosén hat sich daher für Polyolefin, eine Plastikkomponente,
die aus natürlichen Gasen oder Öl gewonnen wird, entschieden.
Das EcoLean-Material besteht zu 70 Prozent aus Kalk und 30 Prozent
aus Polyolefin.
Mit dieser Mischung konnte die Firma ein besonders umweltfreundliches
Plastik herstellen: Der Stoff lässt sich mit geringem Energieaufwand
produzieren, mit nur wenig Wasser, Energie und Öl. Außerdem
ist Kalk - in Form von Kalkstein oder Marmor - weltweit verfügbar
und leicht abzubauen. Das EcoLean-Material sieht aus und fühlt
sich an wie normales Plastik. Je nach Polyolefin-Anteil entsteht
ein Stoff, der hart wie Glass oder biegsam wie Gummi ist. Diese
Eigenschaft ermöglicht die Produktion unterschiedlichster
Verpackungsformen: von der Getränkeflasche über Joghurtbecher
bis zu Wickelpapier. Werden die Produkte zusammengefaltet, bleiben
sie in diesem Zustand und nehmen weniger Raum beim Mülltransport
in Anspruch.
Die entscheidende Eigenschaft ist jedoch, dass sich das Plastik
im Sonnenlicht auflöst. In spätestens zwei Monaten hat
sich das Material zersetzt. Übrig bleiben Kohlendioxid, Wasserdampf
und Kalk. Solche kalkhaltige Asche aus den Verbrennungsanlagen
lässt sich einsetzen, um die säurehaltigen Abgase von
Fabriken oder sauren Böden zu neutralisieren.
Noch ist das Produkt größtenteils eine in der Branche
viel beachtete Ingenieursleistung, weniger ein geschäftlicher
Erfolg. Mit Hans Rausing aber, der vor einem halben Jahr 57 Prozent
der Firma übernommen hat, soll sich das ändern. Rausing
hat zum einen die finanziellen Mittel: Er steht unter den Top
40 der "Forbes"-Liste der reichsten Männer der
Welt. Zum anderen verfügt der 75-Jährige über genügend
Erfahrung im Verpackungsgeschäft: Der gebürtige Schwede
hat mit der erfolgreichen Einführung des TetraPaks das Familienunternehmen
zu einem Weltkonzern geformt.
Fünf Jahre, das hatte Rausing mit seinen Verwandten vereinbart,
durfte er sich nicht bei der Konkurrenz engagieren. Als die Frist
ablief, vor einem halben Jahr, kaufte er EcoLean. Die Firma konzentriert
sich vorerst auf Nischenmärkte in Osteuropa und in diesem
Sommer auf China.
Die großen Märkte sind allemal verstopft - durch TetraPak.
Das Unternehmen liefert nicht nur das Material, sondern auch die
Verpackungsmaschinen. Neue Geräte werden sich die Kunden
erst zulegen, wenn sich die von TetraPak erstandenen amortisiert
haben - das kann viele Jahre dauern.
Ein weiteres Problem sind die komplizierten, zum Teil ineffizienten,
aber fest etablierten Systeme der Abfallverwertung. So würde
das EcoLean-Produkt beim deutschen Dualen System pauschal als
"Plastikverpackung" deklariert.
Darüber hinaus bemühen sich auch andere Hersteller,
umweltfreundliches, günstig zu produzierendes Plastik herzustellen.
Dazu kommen weitere biologische Materialien wie Zellulose zum
Beispiel als essbare Folien für Wurstwaren.
Der Vorteil des EcoLean-Produkts, seine Plastizität, ist
zugleich sein größter Nachteil: Dellen in der Verpackung
bleiben. Das birgt Probleme beim Transport und insbesondere beim
Verkauf der Produkte. "Waren mit deformierter Verpackung",
sagt Sonja Hoffmann, Geschäftsführerin der deutschen
Verpackungsverbände, "sind nahezu unverkäuflich."
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Warum die innere Uhr vom 24-Stunden-Rhythmus
abweicht (17.07.2001)
Ein Physiker untersucht biologische Prozesse
Die innere Uhr von Mensch und Tier tickt nur selten im Einklang
mit dem physikalischen 24-Stunden-Erdentag. Ein japanischer Physiker
der Universität von Osaka ging nun mit mathematischen Methoden
den Schwankungen des so genannten circadischen Rhythmus, der zwischen
22 und 28 Stunden variiert, auf den Grund. Dabei zeigte sich,
dass die Abweichungen durchaus Vorteile für den Erhalt einer
Art haben können, berichtet der Forscher im Journal "Physical
Review Letters".
Hiroaki Daido simulierte in verschiedenen Bevölkerungsmodellen
die Auswirkungen der unterschiedlichen Tagesrhythmen. Zum einen
nahm er an, dass sich eine geringe Abweichung positiv auf das
Bevölkerungswachstum einer Art auswirke. Als Beispiel zog
er Lebewesen heran, die das ultraviolette Licht der Sonne nicht
vertrügen und somit bevorzugt seien, je genauer die innere
Uhr mit dem Erdentag übereinstimme. Dagegen setzte er seine
zweite Annahme, dass der Wettbewerb bei der Nahrungssuche deutlich
ansteige, je mehr verschiedene Arten mit dem gleichen Tagesrhythmus
auf die Jagd gingen. In der Simulation zeigte sich, dass die Vorteile
eines 24-Stunden-Rhythmus gegenüber den Nachteilen kaum ins
Gewicht fielen.
Anhand dieser Ergebnisse lässt sich gut nachvollziehen,
warum sich nach Jahrtausenden der Evolution nicht alle Arten an
den 24-Stunden-Rhythmus angepasst haben. Nun will Daido mit seinen
rein mathematischen Modellen auch biologische Jahresabläufe
untersuchen. Parallel ruft er Forscher anderer Fakultäten
auf, seine Ergebnisse durch biologische Experimente und Beobachtungen
der Tierwelt zu überprüfen.
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Nahrhafte Kleidung - Vitamine aus
der Bluse (18.07.2001)
Das Obst kann an den Bäumen bleiben, die Tabletten in der
Apotheke: Geht es nach den Vorstellungen eines japanischen Faserherstellers,
wird Vitamin C künftig über die Kleidung aufgenommen.
Als besonders kontaktfreudig soll sich eine neue, von der Firma
Fuji Spinning entwickelte Faser erweisen: Daraus gewobene Textilien
enthalten eine Chemikalie namens Pro-Vitamin, die sich in Vitamin
C verwandelt, sobald sie in Kontakt mit der menschlichen Haut
kommt.
Wie der asiatische Dienst des britischen Fernsehsenders BBC berichtet,
würde ein aus so genannten V-Up-Fasern hergestelltes T-Shirt
ungefähr so viel Vitamin enthalten wie zwei Zitronen. Spätestens
nach 30 Hauptwaschgängen ist die Vitamindosis allerdings
aus dem Hemd verschwunden.
Das Produkt ziele vor allem auf vitaminbewusste Frauen ab, so
ein Sprecher des japanischen Unternehmens. "Frauen können
problemlos ihr Gesicht pflegen, doch mit anderen Teilen des Körpers
geht das nicht so einfach." Um die Haut an den entsprechenden
Zonen nicht nur in den Genuss von Vitamin C kommen zu lassen,
experimentieren die Japaner nach eigenen Angaben bereits mit anderen
Chemikalien.
Die ersten Vitamin-T-Shirts werden voraussichtlich Anfang 2002
auf den Markt kommen. Und selbst vor Spitzenwäsche schreckt
Fuji Spinning offensichtlich nicht zurück. Entsprechende
Pläne gebe es bereits, berichtet BBC.
Die Japaner sind nicht die Ersten, die mit neuartigen Stoffen
experimentieren. So hat das Deutsche Textilforschungszentrum Nord-West
vor einiger Zeit eine Substanz vorgestellt, mit der Textilien
problemlos imprägniert werden können. Da die Chemikalie
Hohlräume besitzt, gibt sie nach und nach ihren Inhalt an
die Haut ab: Parfüm, Medikamente - oder eben Vitamin C.
Gesundheitsexperten stehen den japanischen Vorstoß allerdings
skeptisch gegenüber. Einerseits kann Vitamin C in zu hohen
Dosen eine schädliche Wirkung haben, andererseits sind Vitamin-Liebhaber
auf keine spezielle Kleiderordnung angewiesen: Die anerkannt beste
Methode, die tägliche Vitamin-Ration zu sich zu nehmen, heißt
nach wie vor Obst und Gemüse.
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Klimaforscher - Die Zeichen stehen
auf Sturm (20.07.2001)
Die Luftmassen über dem Atlantik und der Karibik werden,
so eine aktuelle Studie, auch in den kommenden Jahrzehnten nicht
zur Ruhe kommen. Gleichzeitig warten Forscher mit einer neuen,
erschreckenden Klimaprognose auf.
Über
die Karibik, Florida und andere Südstaaten der amerikanischen
Atlantikküste werden noch Jahrzehnte lang schwerste Hurrikane
hinwegfegen. Das schreiben US-Forscher von der National Oceanic
and Atmospheric Administration in Miami in der jüngsten Ausgabe
des Wissenschaftsmagazins "Science".
Ihren Berechnungen zufolge sind noch mindestens bis zum Jahr
2010 in dieser Region ähnlich verheerende Herbststürme
zu befürchten wie in den vergangenen sechs Jahren. Schlimmstenfalls
könnten die stürmischen Zeiten dort sogar bis 2040 dauern.
Seit 1995 hat sich die Zahl der Hurrikane über dem Atlantik
und der Karibik verdoppelt, berichten Stanley Goldenberg und Kollegen
in "Science". Die Zahl der Killerstürme mit Windgeschwindigkeiten
von mehr als 50 Metern pro Sekunde stieg auf das 2,5fache. In
der Karibik hat sich die Zahl der Hurrikane sogar verfünffacht.
Das US-Team suchte in den Aufzeichnungen vergangener Stürme
nach Anhaltspunkten für eine effektive Prognose. Basierend
auf der Erkenntnis, dass eine höhere Temperatur der Meeresoberfläche
und ein Mangel an Regenfällen die Entstehung von Hurrikanen
begünstigen, gehen die Forscher davon aus, dass sich die
Periode heftigster Hurrikane bis in die nächsten vier Jahrzehnte
fortsetzt.
Dem widerspricht allerdings Lennart Bengtsson vom Max-Planck-Institut
für Meteorologie in Hamburg. Er schreibt in einem Kommentar
in "Science", dass die Voraussetzungen für die
Bildung eines Hurrikans noch nicht ausreichend bekannt seien,
um eine solche Prognose zu wagen.
Fest stehe lediglich, dass Hurrikane heute mehr Schaden anrichten
als in der Vergangenheit. Das liege aber eher an der starken Bebauung
der Küstengebiete als an der Stärke der Stürme.
Während der Verlust an Menschenleben weiterhin relativ niedrig
bliebe, könnte ein einzelner Hurrikan heute bis zu 100 Milliarden
Dollar Schaden verursachen.
Doch nicht nur verheerende Stürme auch die generelle Klimaveränderung
entzweit die Wissenschaftler. Nach einer ebenfalls in "Science"
veröffentlichten Studie wird sich das Weltklima ohne durchgreifende
globale Maßnahmen von 1990 bis zum Ende dieses Jahrhunderts
um 1,7 bis 4,9 Grad Celsius erwärmen. Das entspreche einem
Anstieg um durchschnittlich 0,3 Grad pro Jahrzehnt.
Der vor wenigen Monaten vorgestellte Uno-Klima-Bericht hatte
den Rahmen noch offener gehalten und von 1,4 bis 5,8 Grad Erwärmung
bis 2100 gesprochen. Für den gleichen Zeitraum kündigte
er einen Anstieg des Meeresspiegels um 9 bis 88 Zentimeter an.
Die neue Studie wurde vom National Center for Atmospheric Research
der USA in Boulder, dem Klimainstitut der britischen University
of Norwich und dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und
Meeresforschung in Bremerhaven erstellt. Ihre Autoren strafften
zu erwartende Werte für Emissionen, die Klimasensibilität
und andere Unsicherheitsfaktoren und kamen dadurch zu einem "realistischeren
Ergebnis" als die Uno-Prognose, wie sie in "Science"
schreiben.
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Sanfte Lasertherapie korrigiert
Weitsichtigkeit (22.07.2001)
Erstmals bietet ein neuartiger Eingriff die Möglichkeit
auch schwere Hornhautverkrümmungen wieder zu beheben
Der Abschied von Brille und Kontaktlinse scheint in greifbare
Nähe gerückt. Während sich die Kurzsichtigkeit
schon seit einigen Jahren durch eine Laseroperation korrigieren
lässt, ist das jetzt auch mit der Weitsichtigkeit möglich.
Als thermale Laserkeratoplastik (LTK) bezeichnen Augenärzte
ein völlig neues High-Tech-Verfahren. Es wurde jetzt erstmals
auf der Jahrestagung der America Society for Cataract and Refractive
Surgery vorgestellt.
Der ambulante Eingriff wird mit einem so genannten Holmium-Laser
durchgeführt. Vorteil: Der Laserstrahl kommt erstmals nicht
mit der empfindlichen Hornhaut des Auges in Berührung. Professor
Otto-Ernst Schnaudigel von der Universitäts-Augenklinik Frankfurt
am Main ist einer der ersten Ärzte in Deutschland, die diese
Methode im Rahmen einer Studie anwenden: "Wir beschießen
das Auge punktförmig und kreisrund mit dem Laserstrahl. Die
dadurch entstehende Hitze führt zu einer Schrumpfung und
damit stärkeren Krümmung der Hornhaut. Folge: Die Weitsichtigkeit
wird ausgeglichen und das Auge kann wieder klar sehen."
Obwohl es bei dem operativen Eingriff zur Narbenbildung kommt,
handelt es sich um eine sanfte Korrektur der Fehlsichtigkeit.
Eine lokale Betäubung mit Augentropfen reicht aus. Der Eingriff
dauert nur wenige Minuten. Dabei muss sich der Patient völlig
ruhig verhalten und in der Lage sein, den Blick direkt in das
helle Fixierlicht zu richten. "Das ist aber in der Regel
überhaupt kein Problem, da jeder Laserbeschuss nur Bruchteile
von Sekunden dauert", so der Frankfurter Experte. Nach dem
Eingriff kann es zu leichten Schmerzen kommen, die man aber medikamentös
gut in Schach halten kann. Trotzdem sollte sich der Patient erst
einmal für ein paar Stunden hinlegen. Endgültig verheilt
ist das Narbengewebe nach etwa sechs Monaten.
Was den Ärzten noch fehlt, sind Langzeiterfahrungen. Professor
Schnaudigel: "Bisher sind wir sehr beeindruckt. Die Eingriffe
verlaufen völlig ohne Komplikationen, die Weitsichtigkeit
lässt sich gut korrigieren. Sollten auch zukünftig keine
Nebenwirkungen auftreten, handelt es sich um eine echte Alternative
für alle, die keine Brille mehr tragen möchten."
Auf die Augenärzte kann also noch viel Arbeit zukommen,
denn der scharfe Blick auf Dauer wird nur den wenigsten in die
Wiege gelegt. Vier von fünf Deutschen sind fehlsichtig. Um
trotzdem den Durchblick zu behalten, müssen sie eine Brille
oder Kontaktlinsen tragen.
Bei der Kurzsichtigkeit hat sich in den letzten Jahren vor allem
das so genannte LASIK-Verfahren durchgesetzt. Für diesen
Eingriff sind zwei Schritte nötig. Zunächst muss der
Arzt einen präzisen Schnitt in den nur 0,15 Millimeter großen
Hornhautdeckel vornehmen, um dann ein pfenniggroßes Stück
wie ein Fenster zur Seite zu klappen. Durch diese Öffnung
dampft der Laser hauchdünne Partikel der Hornhaut weg. Dadurch
entsteht, vom Computer gesteuert, eine Krümmung, die der
Brechkraft der Linse ent-spricht. Abschließend wird das
Fenster wieder zugeklappt. Folge: Das Bild kommt wieder scharf
auf der Netzhaut an.
In den USA ist diese Methode sehr beliebt. Rund eine Million
Patienten jährlich nehmen damit Abschied von der Brille.
In Deutsch-land sind es etwa 30.000. Im Gegensatz zu Deutschland,
wo die Brille auch ein modisches Accessoire darstellt, ist die
Brille bei den Amerikanern eher verpönt. Das Verfahren wurde
1990 eingeführt und 1999 als sichere Operationsmethode bis
zehn Diopotrien Kurzsichtigkeit und drei Dioptrien Astigmatismus
von den wissenschaftlichen Verbänden anerkannt.
Sowohl die LASIK- als auch die Holmium-Lasertherapie werden von
den Krankenkassen nicht übernommen. Beim LASIK-Verfahren
müssen der Brille überdrüssige Patienten rund 4.000
Mark pro Auge bezahlen. Bei Holmium werden die Kosten wahrscheinlich
etwas niedriger liegen, da der Aufwand geringer ist.
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Stotterer haben ein unregelmäßiges
Gehirn (24.07.2001)
Lange hielt man Stottern vor allem für ein psychologisches
Problem. Das könnte sich nun ändern: Im Gehirn von Sprachgestörten
haben US-Forscher merkwürdige Anomalien entdeckt.
Als Ursache für das Stottern galten lange psychologische
Faktoren wie zum Beispiel Stress. Doch auch anatomische Besonderheiten
spielen eine Rolle, glauben Neurologen aus New Orleans. Menschen
mit einer bestimmten Form der Sprachstörung weisen Anomalien
im Gehirn auf, berichtet das Team von der Tulane University in
der Fachzeitschrift "Neurology".
Mit Hilfe der so genannten Magnetresonanz-Tomografie hatten die
Forscher um Anne Foundas die Gehirne von 16 Erwachsenen vermessen,
die an einer besonders hartnäckigen Variante des Stotterns
litten. Wie sich zeigte, waren bei diesen Menschen die linken
und rechten Schläfenlappen deutlich größer als
bei Kontrollpersonen ohne Sprachstörung. In den Schläfenlappen
befindet sich neben Hör- und Geruchssinn auch das Sprachzentrum.
Überdies seien bei den Stotterern Unregelmäßigkeiten
in der Form des Gehirns häufiger, so die Wissenschaftler.
Foundas: "Unsere Studie liefert den ersten deutlichen Hinweis
darauf, dass anatomische Unterschiede in Hirnregionen, die das
Sprechen kontrollieren, mit der Entwicklung des Stotterns verbunden
sein könnten."
Dass besondere Merkmale im Gehirn allein für die Sprachstörung
verantwortlich gemacht werden können, wird jedoch von anderen
Experten angezweifelt. Bei den meisten Menschen, so glaubt die
Londoner Logopädin Carolyn Cheasman, entsteht das Stottern
vermutlich durch eine Kombination verschiedener Einflüsse.
"Möglicherweise gibt es einige neurophysiologische
Faktoren, die Kinder anfällig machen", kommentierte
Cheasman die Studie. "Ob sie stottern oder nicht, könnte
jedoch durch andere Faktoren ausgelöst werden, zum Beispiel
durch ihre Persönlichkeit oder bestimmte Ereignisse in ihrem
Leben."
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Das Textil mit IQ (27.07.2001)
Designer haben ein Hemd entwickelt, dessen Ärmel sich
automatisch hochkrempeln
Irgendwann wird alles um uns herum intelligent sein. Der schlaue
Computer ruft: "Na, mein Freund. Gestern gefeiert?",
wenn wir im Büro wieder mal eingenickt sind. Die Kaffeemaschine
berechnet morgens den Koffeinbedarf anhand der geschlafenen Stunden,
die Wasserflasche sagt alle zehn Minuten: "Trink mich!",
und die Cola-Dose bahnt sich selbst den Weg zur Mülltrennung.
Kurz: Die Technik nimmt uns alles ab.
Zukunftsmusik? I wo! Die schleichende Lebenshilfetechnisierung
ist längst in vollem Gange. Luxuslimousinen haben heute Scheinwerfer,
die sich bei Dunkelheit selbst einschalten. Es gibt Fernseher,
die sich automatisch in Richtung des Zuschauers drehen. Und wer
heute keine Rollos mit Timerfunktion hat, outet sich als traditioneller
Technikverweigerer. In eine neue, bislang unerschlossene Galaxie
denkender Dinge sind nun italienische Modedesigner vorgestoßen:
das Textil mit IQ. Die Firma Corpo Nove aus Florenz, bisher vor
allem durch die Entwicklung einer "Antarktisjacke" aufgefallen,
hat ein Oberhemd entwickelt, dessen Ärmellänge sich
der Temperatur anpasst. Und zwar unaufgefordert. Wie das britische
Fachmagazin "New Scientist" berichtet, sorgt die Nickel-Titan-Legierung
Nitinol im Gewebe dafür, dass die "Giacca Magica"
bei Hitze ihre Ärmel selbstständig hochkrempelt, um
sie bei Kälteeinfall lang zu machen. Das verspricht, gerade
in heißen Zeiten wie diesen, eine echte Erleichterung.
Und das Tollste kommt erst: Nie mehr bügeln dank Memory-Effekt!
Die magische Klamotte merkt sich nämlich, wie sie bei Geburt
aussah. Erwärmt man sie, etwa durch In-die-Sonne-Hängen,
um einige Grad, glättet sie ihre Knautscher und findet von
allein zum Fabrikzustand zurück. Wirklich wahr. Sagen die
Hersteller. Praktisch auch, dass das Modell außer 15 Prozent
Metall 85 Prozent Baumwolle beinhaltet und in die Waschmaschine
gesteckt werden kann.
Schlauer Mode also gehört die Zukunft. Das kann lustig werden:
Man stelle sich Hüte vor, die sich in Regenschirme verwandeln.
Schlipse, die zu Lätzchen mutieren, wenn Essen in der Nähe
ist. Harnblasensensible Hosenschlitze. Rollbare Röcke. Oder,
kurz vor Koitus, das sich selbst entblätternde Bustier. Aber
das ist Zukunftsmusik - bislang gibt es das IQ-Hemd erst als Prototyp.
Zudem wird es mit mindestens 8000 Mark ziemlich teuer. Eine Version
für Manschettenträger ist dem Vernehmen nach nicht geplant.
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Erdalter - Deutsche Geologen
drehen die Uhr zurück (27.07.2001)
Die Geschichte der Erde muss womöglich neu geschrieben werden.
Falls die Berechnungen dreier Geologen aus Münster stimmen,
tickt die geologische Uhr wesentlich schneller als bislang angenommen.
Die Jugendjahre des Blauen Planeten sind alles andere als übersichtlich.
Weder sind die genauen internen und externen Prozesse der Planetenentstehung
genau geklärt, noch besteht Konsens über die zeitliche
Entwicklung der Erdkruste und der Kontinente. Eines galt bislang
aber als recht zuverlässig: die geologische Uhr der Erde.
In
Ermangelung eines absoluten Zeitmessers stützen sich die
Geologen seit jeher auf den radioaktiven Zerfall bestimmter Isotope.
Wie bei der Altersbestimmung von Knochen, der so genannten Radiokarbonmethode,
bei der die Stoppuhr mit dem Tod und dem plötzlich aussetzenden
Stoffwechsel zu laufen beginnt, gibt es auch bei Steinen entsprechende
Referenzuhren.
Eine der wichtigsten Zerfallsketten stellt dabei die Lutetium-Hafnium-Uhr
dar: Das radioaktive Isotop Lutetium-176 zerfällt unter Abgabe
eines Elektrons langsam aber beständig in das stabile Hafnium-176.
Da die Halbwertszeit des Isotops mit rund 37 Milliarden Jahren
allerdings extrem lange ist, fällt die exakte Messung der
Zerfallsgeschwindigkeit recht kompliziert aus.
In neunmonatiger Arbeit ist es einem Team um den Münsteraner
Geologen Klaus Mezger nun gelungen, eine kleine Ungenauigkeit
in den bisherigen Annahmen über die Lutetium-Hafnium-Uhr
zu entdecken. Somit könnte das irdische Festland schon deutlich
früher als bislang vermutet entstanden sein - und mit ihm
möglicherweise auch das Leben auf der Erde. Mezger und seine
Kollegen berichten über ihre Entdeckung in der aktuellen
Ausgabe des US-Wissenschaftsmagazins "Science".
Bisher waren die Forscher davon ausgegangen, dass das andauernde
Bombardement mit Meteoritenschauern im jungen Sonnensystem wahrscheinlich
jede feste Kruste auf der Erde zerstört hat. Durch die Korrektur
des Rechenfehlers beim radioaktiven Zerfall von Lutetium zu Hafnium
müssen die ältesten bekannten Minerale jedoch von Kontinenten
stammen, die fast so alt sind wie die Erde selbst.
Zwar tickt die Zerfalls-Uhr nur vier Prozent schneller als bisher
angenommen, sie lässt den Zeitraum zwischen der Entstehung
der Erde vor 4,56 Milliarden Jahren und den ältesten Mineralienfunden
aber auf rund 200 Millionen Jahre zusammenschrumpfen. Mezger:
"Die Funde sind nicht wie bisher angenommen 4,2 Milliarden
Jahre alt, sondern vielleicht schon 4,4 Milliarden Jahre."
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Ameisen entscheiden schneller
als Menschen (29.07.2001)
Computer-Programmierer entwickeln die Software der Zukunft
nach Insekten-Vorbild
Sogar in der Großstadt trifft man jetzt auf fliegende Ameisen.
Große geflügelte Weibchen und kleinere Männchen,
die ebenfalls Flügel tragen, gehen bei gutem Flugwetter auf
die Reise, um sich zu paaren. Anschließend suchen die begatteten
Weibchen einen geeigneten Nistplatz.
Bei der Wahl des geeigneten Orts entscheidet die Königin
allein. Doch es kommt auch vor, dass eine ganze Ameisenkolonie
sich ein neues Nest suchen muss. Dann entscheiden Hunderte von
Tieren darüber, ob ein Platz geeignet ist oder nicht. Wer
einmal versucht hat, mehr als drei Personen auf ein abendliches
Fernsehprogramm einzustimmen, weiß wie schwierig - oft sogar
unmöglich - das ist. Mehrere hundert Ameisen aber schaffen
es immer, sich auf den besten Nestplatz zu einigen. Dabei fällt
die Entscheidung in einer Art Gruppendynamik, wie Stephen Pratt
von der University of Bath (England) beobachtete. Computer-Spezialisten
sind von dieser Entscheidungsfindung so beeindruckt, dass sie
jetzt Programme nach denselben Prinzipien schreiben.
Wird ein Nest unbewohnbar, dann schicken die Ameisen Kundschafterinnen
aus, berichtete Pratt auf einer Zoologentagung über Tierverhalten
in Corvallis (Oregon). Findet eine Kundschafterin eine geeignete
Stelle für ein neues Nest, dann kehrt sie zurück zum
alten Bau, teilt einer Nestgefährtin den Fund mit, und beide
machen sich im Gänsemarsch zu der neuen Stelle auf. Dort
inspiziert das zweite Tier gründlich alle Gegebenheiten und
kehrt dann ebenfalls zurück, um eine weitere Begutachterin
zum neuen Platz zu führen. Das Spiel wiederholt sich etliche
Male, bis Hunderte von Tieren an der neuen Stelle versammelt sind.
Ameisen, die jetzt auf diese Versammlung von Nestgenossen stoßen,
beginnen Eier und Larven aus dem alten zum neuen Nest zu tragen.
Doch die Sache hat einen Haken. Am alten Nest treffen Kundschafterinnen
aus allen Himmelsrichtungen ein, mit Vorschlägen für
neue Nestplätze. Welcher aber ist der Beste? Das entscheidet
zunächst jede einzelne Ameise, letztlich aber doch die gesamte
Kolonie. Denn wer sich von einer Kundschafterin zu einer Inspektion
führen lässt, untersucht den Platz sehr sorgfältig.
Diese Untersuchung dauert umso länger, je weniger sich der
Ort zum Nestbau eignet. Das aber bedeutet in der Konsequenz, dass
an schlechten Orten die Zahl der Begutachter sehr langsam, an
guten jedoch sehr schnell wächst. Das heißt, der Moment
an dem so viele Tiere an dem neuen Platz versammelt sind, dass
das Verhalten in Transportarbeiten umschlägt, ist an guten
Plätzen schneller erreicht als an schlechten. Auf diese Weise
findet eine Kolonie immer den besten aller in der Nachbarschaft
erreichbaren Nestbauplätze. Um diese Entscheidung zu treffen,
waren weder ein hoch entwickeltes Gehirn, noch komplizierte Regeln
notwendig - nur relativ einfache Ameisenhirne und ein simples
Verhaltensmuster.
Computer-Wissenschaftler sind begeistert von der Vorstellung,
dass viele kleine und einfache Gehirne ein Problem besser lösen,
als ein zentrales großes Gehirn. Im Computerbereich, so
die Hoffnung der Experten, sollten sich verwickelte Probleme auf
ähnliche Weise lösen lassen: Indem man einfache Rechenschritte
vorgibt, die mehrfach und unabhängig voneinander immer wieder
in leicht abgewandelten Situationen durchgespielt werden - bis
die Programme ein optimales Ergebnis liefern. Für das Lernen
von Ameisen haben die Fachleute inzwischen den Begriff "Ameisenkolonie-Optimierung-Algorithmus"
erfunden. Nach solchen Algorithmen (Rechenvorschriften) lassen
sich auch schwer lösbare Aufgaben wie das des Handelsvertreters
bearbeiten, der mehrere Orte zu besuchen hat und dazu den kürzesten
Weg sucht. Vor einem Problem wie der Vertreter stehen die Ameisen
bei der Ausbeutung neuer Futterquellen. Nur selten ist der zuerst
entdeckte Weg vom Nest zum Futter der kürzeste. Doch er ist
mit Lockstoffen markiert, und die Tiere folgen ihm. Findet jedoch
zufällig eine zweite Kundschafterin einen kürzeren Weg,
dann wird auch der beschritten, und zwar im Laufe der Zeit immer
häufiger, da die Lockstoffe auf dem kürzeren Weg intensiver
wirken als auf dem längeren. So bleibt der längere Weg
schließlich völlig ungenutzt, er gerät in Vergessenheit.
Und über dritte und vierte Wege optimieren die Tiere ihr
gesamtes Straßennetz. Computer-Wissenschaftler ahmen das
Verhalten mit kleinen Roboter-Ameisen nach, um schwierige Wegprobleme
zu lösen. Für die Mathematiker sind Ameisen zu einem
Paradebeispiel geworden, wie komplizierte Aufgaben sich oft mit
einfachen Methoden besser lösen lassen als mit einem zentralen
Supercomputer.
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Forschung mit Stammzellen endlich
staatlich fördern (30.08.2001)
Kongress-Abgeordnete appellieren erneut an US-Präsident
George W. Bush. Deutsche Wissenschaftler drohen mit dem Weggang
ins Ausland
Mehr als 200 Kongress-Abgeordnete haben US-Präsident George
W. Bush jetzt in einem Brief aufgefordert, staatliche Gelder für
die Forschung mit Stammzellen freizugeben. "Sie haben das
Leben von Millionen Wählern in der Hand", schreiben
die Abgeordneten. Staatliche Förderung und Überwachung
sei die einzige Möglichkeit, sicherzustellen, dass die Stammzellenforschung
unter strikten ethischen und rechtlichen Richtlinien durchgeführt
werde.
Erst in der vergangenen Woche hatten US-Forscher im Wissenschaftsmagazin
"Science" von neuen hoffnungsvollen Experimenten berichtet.
Sie hatten Stammzellen aus dem Nervengewebe eines 15 Wochen alten
abgetriebenen Fötus gewonnen. Diese Zellen markierten sie
mit Farbstoffen und injizierten sie in das Hirn ungeborener Rhesusaffen.
Die Tiere kamen gesund zur Welt.
Untersuchungen zeigten, dass sich ein Teil Stammzellen im Hirn
der Affen zu verschiedenen Typen von Nervenzellen entwickelt hatte.
Die Forscher entdeckten aber auch in verschiedenen Regionen des
Hirns einzelne Depots undifferenzierter Stammzellen, die offensichtlich
für spätere Reparaturen bereit stehen. Die Forscher
sehen darin einen Beleg, dass Stammzellen grundsätzlich genutzt
werden können, um bestimmte Nervenkrankheiten bereits beim
Ungeborenen heilen zu können.
Bereits im vergangenen Jahr hatten US-Forscher vom Childrens
Hospital of Philadelphia in ähnlichen Versuchen mit Schafföten
gezeigt, dass sich Stammzellen aus dem menschlichen Knochenmark
im Körper der Tiere verteilen und zu verschiedenen Zelltypen
wie Knorpel, Sehnen, Muskel- und Fettgewebe entwickeln. Die menschlichen
Zellen ließen sich noch Monate nach der Geburt der Schafe
nachweisen und waren sogar an der Wundheilung der Tiere beteiligt.
Solche Ergebnisse schüren nicht nur in den USA die Hoffnung,
auf der Basis menschlicher Stammzellen schon bald Therapien gegen
Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer oder Diabetes entwickeln
zu können. Bonner Wissenschaftler berichteten erst kürzlich,
Mäuse nach einem künstlich eingeleiteten Herzinfarkt
erfolgreich mit kaum differenzierten Zellen aus dem Herzen von
Mäuseföten behandelt zu haben.
Mit einem eindrucksvollen Video haben US-Forscher der Johns-Hopkins-Universität
in Baltimore daher nun versucht, die Entscheidung von US-Präsident
Bush zur Förderung der Stammzellenforschung positiv zu beeinflussen.
Die Aufnahmen zeigten querschnittsgelähmte Mäuse, die
nach einer Injektion von Stammzellen ins Rückenmark ihre
Beine wieder bewegen konnten.
Die Zellen waren im Rückgrat in jene Bereiche gewandert,
die von Lähmung besonders betroffen waren, und stellten dort
die Funktion der Nervenzellen teilweise wieder her. Bereits vor
zwei Jahren war es dem Neuropathologen Oliver Brüstle von
der Universität Bonn in Versuchen mit Ratten gelungen, Nerven
in Gehirn und Rückenmark mit Hilfe embryonaler Stammzellen
von Mäusen zu reparieren.
Gemeinsam mit Professor Otmar Wiestler will Brüstle nun
menschliche embryonale Stammzellen nach Deutschland importieren,
um seine Forschungsarbeiten fortzusetzen. Der Antrag auf entsprechende
staatliche Fördergelder durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) hat heftige Debatten ausgelöst und ist daher bislang
nicht entschieden worden. Die DFG will am 7. Dezember darüber
beraten.
Er könne sich jedoch nicht vorstellen, dass ein solches
Forschungsprojekt verboten werde, erklärte Wiestler am Wochenende
in einem Interview mit dem Nachrichtensender N-tv. Schließlich
eröffnete die Stammzellenforschung "neue Dimensionen
in der Behandlung schwerster Krankheiten". Mit einem Importverbot
für embryonale Stammzellen würde sich Deutschland von
der Spitze dieses Forschungsgebiets abkoppeln, so Wiestler. "Die
Pioniere auf diesem Gebiet müssten dann überlegen, ob
sie ins Ausland wechseln."
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