5.47  Ein nordafrikanischer Fürst, der u.a. Spanien beherrscht, will seine Macht weiter ausdehnen. Er kämpft im Bunde mit den neuen Puniern und den arabisierten Franzosen gegen Papst "Hadrie", das Römisch-Deutsche Reich und die Pannonier. Das Römisch-Deutsche Reich besiegt die Nordafrikaner und vertreibt sie vom Balkan.
 

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Zusammenfassung
 

5/14: In einem Jahr, in dem Saturn und Mars sich im Löwen befinden, wird Spanien von einem nordafrikanischen Machthaber kontrolliert. Der Nordafrikaner scheint dann von einem weiteren Konflikt angezogen zu werden, was wohl bedeutet, dass er sich von der Einmischung in diesen Konflikt Gewinn verspricht. Dabei dürfte es sich um den in 1/9 angesprochenen Krieg zwischen den Neo-Puniern und "Hadrie" handeln. Bei Malta wird "Heredde" gefangen, was vielleicht einfach heißt, dass die Gewässer um Malta unter Kontrolle gebracht werden (vgl. Anmerkung 3). Und dies wahrscheinlich entweder vom Nordafrikaner oder den Neo-Puniern. Gleichzeitig besiegt Frankreich das "römische Zepter". Mit diesem "römischen Zepter" könnte eine italienische Macht gemeint sein. Oder, wenn wir an 5/13 denken, das Römisch-Deutsche Reich bzw. dessen Herrscher.

3/27: Der Nordafrikanische Machthaber (offenbar ein Fürst) wird wohl als "im Westen mächtig" bezeichnet, weil er Spanien beherrscht. Er wird den Franzosen (den Herrscher Frankreichs) stark für das Arabische begeistern. Und dieser französische Herrscher wird die Gelehrten seines Landes dazu bringen, es zu akzeptieren, dass die arabische Sprache ins Französische (wohl das französische Land - Frankreich) gebracht wird. Das könnte man so verstehen, dass dieser französische Herrscher Arabisch als Amtssprache einführen wird. Doch warum tut er das? Bloß weil ihm die arabische Sprache gefällt? Ich vermute, der französische Herrscher ist nicht primär von der Sprache des Nordafrikaners begeistert sondern z.B. von der Weltanschauung oder Religion, der jener anhängt. Und die sprachliche Gleichschaltung mit Nordafrika und dem besetzten Spanien könnte der Einführung nordafrikanischer Lehren in Frankreich dienen. Doch um welche Lehre oder Lehren könnte es sich handeln? Um den Islam? Betrachten wir Vers 1/9, so scheint der Islam zu dieser Zeit nicht mehr zu existieren oder wenigstens erheblich an Kraft verloren zu haben. Des Nordafrikaners Bündnispartner aus dem Irak ist nämlich kein Muslim sondern ein Heide. Ich vermute, das Heidentum feiert zu dieser Zeit nicht nur im Irak sondern auch in anderen Teilen der Welt fröhliche Urständ. Und der Grund, weshalb der Nordafrikaner vom Konflikt zwischen dem Iraker und Papst "Hadrie" angezogen wird, ist möglicherweise die Aussicht, bei einer Niederlage der Christen das nordafrikanische Heidentum auch in Italien ausbreiten zu können.

1/9: (Vgl. 5.46). Der Neo-Punier aus dem Irak marschiert Richtung Rom. Unterstützt wird er dabei von der Flotte des Nordafrikaners. Malta wird angegriffen; die benachbarten Inseln (wohl Pantelleria, Linosa und Lampedusa) sind bereits entvölkert. Ihre Bevölkerung dürfte entweder evakuiert oder - falls sie besetzt wurden - verschleppt bzw. getötet worden sein. Die Allianz des Nordafrikaners und des Irakers hat also die Gewässer um Malta unter Kontrolle gebracht, was zu 5/14 passen würde. Das eigentliche Ziel der Angreifer ist allerdings Rom und Papst "Hadrie".

4/4: Die Franzosen ("Hähne") und Nordafrikaner greifen an und plündern die überfallenen Gegenden. Ein wütender aber machtloser Fürst beklagt bitter diese Situation. Damit dürfte der in 5/13 erwähnte römisch-deutsche König gemeint sein. Machtlos ist er wohl, weil er sich noch nicht von der Niederlage erholt hat, die ihm die Franzosen in 5/14 zugefügt haben (vgl. Anmerkung 3). Auf dem Meer hat es unzählige Schiffe - die Flotte des Nordafrikaners. Der "Große" (der römisch-deutsche König oder auch "Hadrie") sind auf das Festland beschränkt. Den Italienern gelingt es jedoch, die Franzosen zu vertreiben. Wahrscheinlich, weil diese (anders als die Nordafrikaner) vom Festland aus angreifen.

5/48: Der Krieg ist nach der vorläufigen Niederlage des Römisch-Deutschen Reiches noch nicht zu Ende. Zwei Feinde werden "von ihnen" besiegt werden. Die Sieger dürften die Pannonier sein, gegen die die Nordafrikaner in der dritten und vierten Zeile einen grausamen Rachefeldzug durchzuführen scheinen. Doch wer sind die Besiegten? Die Nordafrikaner scheinen noch im Vollbesitz ihrer militärischen Kräfte zu sein, scheiden also wohl aus. Damit kämen ihre beiden Verbündeten, die arabisierten Franzosen und die Iraker, in Frage.

5/23: Dann, wenn die meisten Staaten oder Gegenden sich im Krieg befinden werden (also mit Kriegsgott Mars im Bund sind), gibt es ein Bündnis, das aus zwei "Zufriedenen" besteht. Dieses Zweierbündnis (oder Duumvirat) wird durch eine Flotte getrennt werden. Mit der Flotte kann eigentlich nur die Flotte des Nordafrikaners gemeint sein, der in Schrecken versetzt wurde und zittert. Doch was hat ihn so erschreckt? Die Niederlage der Franzosen und Iraker gegen die Pannonier? In diesem Fall könnte das Zweierbündnis aus dem Römisch-Deutschen Reich und den Pannoniern bestehen, die beide nach dem pannonischen Sieg über Franzosen und Iraker zufrieden sind. Und der Nordafrikaner würde dieses Bündnis nun dadurch sprengen, indem er die Adria hinaufsegelt, landet und durch die Eroberung entscheidender Landstriche die beiden Mächte voneinander trennt. Vielleicht wurde der Sieg der Pannonier ja nur durch massive Hilfe des Römisch-Deutschen Reiches ermöglicht und der Nordafrikaner versucht nun, die Pannonier von jeglicher Unterstützung aus dem Reich abzuschneiden. Das wäre übrigens ein Hinweis darauf, dass sich das Römisch-Deutsche Reich von seiner Niederlage wieder erholt hat und wie in 5/13 beschrieben erneut aktiv in den Krieg eingreift.

5/13: Der "römische und belgische" König müsste der Herrscher des Römisch-Deutschen Reiches sein. Zur Zeit des Nostradamus gehörte die ehemalige Gallia Belgica nämlich zu großen Teilen zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, das sich selber in der Nachfolge Roms sah. In Vers 5/13 hat sich das Römisch-Deutsche Reich bzw. sein Herrscher von der erlittenen Niederlage gegen die Franzosen erholt und eilt nun mit großer "Kampfeswut" (Nostradamus spielt wohl auf den "furor teutonicus" an), den Pannoniern zu Hilfe. Und tatsächlich: der römisch-deutsche König kann die Nordafrikaner aus dem Balkan vertreiben. Vielleicht sogar aus ganz Südeuropa (vgl. dazu Anmerkung 3).
 

Quellen
 

5/14
 
Saturne & Mars en leo Espagne captifue1), Saturn und Mars [befinden sich] im [Sternzeichen] Löwe, [wenn] Spanien gefangen1) [sein wird].
Par chef Lybique2) au conflict attrapé, [Und zwar] vom libyschen2) Staatschef, [der] vom Konflikt angelockt [werden wird].
Proche de Malthe, Heredde3) prinse viue, Nahe bei Malta [wird] "Heredde"3) lebendig gefangen,
Et Romain sceptre sera par coq4) frappé. und [zur gleichen Zeit] wird [das] römische Zepter vom Hahn4) geschlagen werden.
1) Das kann z.B. "besetzt" oder "beeinflusst" bedeuten.
2) Das bedeutet hier einfach "nordafrikanisch", vgl. lat. "libycus".
3) "Heredde" ist eine weibliche Person oder ein weiblicher Name. Es könnte ein Anagramm sein oder ein Hinweis, den erst die Zeitgenossen verstehen werden. Vielleicht geht dieser Begriff auf das lat. "hereditas" (Erbschaft) zurück. Andere vermuten hier "Herodes", doch der wäre wohl kaum weiblichen Geschlechts. Eine etwas umständlichere Erklärung mit einem aber sehr einfachen Resultat wäre folgende: "Heredde" könnte ein vom Drucker falsch verstandenes und falsch gesetztes "Néréide" (Nereïde) sein. Die Nereïden waren im antiken Mythos weibliche Meeresgottheiten. Die bekannteste Nereïde war dabei Thetis, die Mutter von Achilles, der bei der Belagerung von Troja fiel. "Thetis" wurde später im Lateinischen aber auch ein Synonym für "Meer", so dass hier einfach gemeint sein könnte, dass das Meer nahe Malta unter Kontrolle gebracht ("lebendig gefangen") werden wird.
4) Der Hahn steht für Frankreich (lat. "gallus" = "Hahn" und "Gallier").
 

3/27
 
Prince Libyque puissant en Occident [Ein] im Westen mächtiger libyscher Fürst 
Francois d’Arabe1) viendra tant enflammer. wird [den] Franzosen sehr stark für das Arabische1) begeistern.
Scauans aux letres2) fera condescendent, [Er] wird die Gelehrten2) dazu bringen, es zu akzeptieren,
La langue3) Arabe en Francois translater. die arabische Sprache3) ins Französische zu übertragen.
1) Damit kann die Sprache gemeint sein, oder im übertragenen Sinne die "arabische Sache".
2) Hier sind Geisteswissenschaftler und Literaten gemeint.
3) "Langue" kann im Mittelfranzösischen auch "Volk, Nation" bedeuten.
 

1/9
 
De l’Orient viendra le cueur1) Punique  Aus dem Orient wird das punische Herz1) kommen,
Facher4) Hadrie2) & les hoirs Romulides3).  [um] "Hadrie"2) und die Erben [der] Romuliden3) einzuengen4).
Acompaigne de la classe Libycque5),  [Er wird] begleitet von der libyschen5) Flotte.
Trembler Mellites6): & proches illes vuides.  [Die] Malteser6) werden zittern, und [die] nahen Inseln [sind] leer.
1) "Cueur" ("Herz") weist im Mittelfranzösischen eine ganze Reihe von Nebenbedeutungen auf, u.a. "Groll" usw. Vielleicht ist hier auch, analog zu 5/74, das Oberhaupt der Punier gemeint.
2) Als historisches Vorbild für "Hadrie" bietet sich der römische Kaiser Publius Aelius Hadrianus (117 - 138) an. Dieser verzichtete auf die zuvor von Trajan eroberten Gebiete im Nahen Osten und schloss mit den Parthern einen Frieden ab. Er schlug den jüdischen Aufstand unter Bar Kochba (132 - 135) blutig nieder, zerstörte Jerusalem endgültig und vertrieb die Juden aus Judäa. Oder Nostradamus denkt an einen der Päpste, die den Namen Hadrian trugen. Als Kandidat käme in diesem Fall v.a. der Römer Hadrian I. (772 - 795) in Frage, der Karl den Großen gegen die Langobarden zu Hilfe rief.
3) "Romulides" bezeichnet im Lateinischen die männlichen Nachkommen des Romulus, die Römer. Hier könnten die Römer oder Italiener gemeint sein, oder eine Gruppe, die als geistige Nachkommen Roms in Erscheinung tritt.
4) "Fa[s]cher" bedeutet im Mittelfranzösischen u.a.: "anwidern; ermüden, ermatten; stören, einengen; wütend machen".
5) "Libysch" muss man hier etwas großzügiger auslegen. Im Altertum wurden mit "Libya" sehr verschieden große Gebiete Nordafrikas bezeichnet, im Extremfall fast die gesamte Südküste des Mittelmeers.
6) Vgl. lat. "Melita" (Malta).
 

4/4
 
L’impotêt prîce faché1), plainctz & quereles2). Der machtlose Fürst [wird] wütend1) [sein]. Klagen und Bedauern2) [wird man von ihm hören].
De rapts & pilles par coqz & libyques: [Und zwar] über [die] Raubzüge und Plünderungen durch [die] Hähne und [die] Libyschen.
Grand est par terre3), par mer infinies voiles, [Der] Große ist auf [dem] Land3), auf [dem] Meer [sind] unzählige Schiffe. 
Seure4) Italie sera chassant5) Celtiques. [Das] furchtlose4) Italien wird [die] Keltischen vertreiben5).
1) Oder: "verstört, angewidert, ermüdet".
2) "Querele" bedeutet u.a. auch "Streit, Angelegenheit".
3) Oder ebenso möglich: "am Boden", d.h. besiegt.
4) "Seure" wurde auf seinen lateinischen Ursprung "secura" zurückgeführt. Es kann hier u.a. auch "fahrlässig" bedeuten. In späteren Ausgaben steht übrigens an dieser Stelle "seule" ("allein").
5) Oder: "verfolgen".
 

5/48
 
Apres la grande affliction de sceptre1), Nach der großen Niedergeschlagenheit des Zepters1)
Deux ennemis par eux seront defaictz: [werden] zwei Feinde von ihnen besiegt werden.
Classe d’Affrique2) aux Pannons3) viendra naistre, [Eine] Flotte wird aus Afrika2) kommen, [um bei] den Pannoniern3) zu erscheinen.
Par mer & terre seront horribles faictz. Zur See und zu Land werden schreckliche Taten vollbracht [werden].
1) Lat. "sceptrum". Im übertragenen Sinne auch "Herrschaft, Königsherrschaft".
2) Damit ist Nordafrika gemeint.
3) Pannonien war in der Antike ein wechselnd großes Gebiet im nordwestlichen Balkanraum.
 

5/23
 
Les deux contens1) seront vnis ensemble, Die zwei Zufriedenen1) werden zusammen vereint sein,
Quant la pluspart à Mars2) seront conioinct: wenn der größte Teil mit Mars2) verbündet sein wird.
Le grand d’Affrique en effraieur & tremble: Der Große aus Afrika [ist] in Schrecken [versetzt] und zittert. 
DVVMVIRAT3) par la classe4) désioinct. [Das] Duumvirat3) [wird] durch die Flotte4) getrennt.
1) "Content" kann im Mittelfranzösischen auch "Streit, Kampf; der Streitende, der Kämpfende" bedeuten.
2) Hier ist wohl der Kriegsgott Mars gemeint.
3) Ein Duumvirat war im alten Rom eine Kommission oder ein Amt, das von zwei Männern gleichzeitig gebildet wurde. Im weiteren Sinne auch einfach ein "Zweimännerbündnis".
4) Lat. "classis" (Flotte, Heer).
 

5/13
 
Par grand fureur le Roy Romain Belgique1) Mit großer Kampfeswut wird der römische [und] belgische1) König
Vexer vouldra par phalange barbare:  mit [seinem] Heer den Barbaren heimsuchen wollen.
Fureur grisseant chassera gent Lybique [Mit] zähneknirschender Wut wird [er das] libysche Volk vertreiben,
Despuis Pannons2) iusques Hercules la hare3). [und zwar] von [den] Pannoniern2) bis zum Stall3) [des] Herkules.
1) Die ehemalige römische Provinz Gallia Belgica umfasste Teile Belgiens und große Gebiete Nord- und Ostfrankreichs.
2) Pannonien war in der Antike ein wechselnd großes Gebiet im nordwestlichen Balkanraum.
3) Für "hare" gibt es mehrere Deutungsmöglichkeiten. LEONI u.a. sehen darin das lateinische"ara" im Sinne von "Monument" und deuten hier die "Säulen des Herkules", also Gibraltar. Eine andere Interpretationsvariante wäre das lateinische "hara" (Stall, Schweinestall). Herkules hat in der Sage den Stall des Augias, König von Elis (westlichste Peloponnes), gereinigt. In diesem Fall wäre also dieses Gebiet gemeint.
 
 

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