5.54  Genf und Langres werden bei Montélimar von Chartres, Dole und Grenoble besiegt. Genf wird von seinen Verbündeten, der Schweiz und Lausanne, für Gold verraten.
 

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Zusammenfassung
 

4/42: Beim südfranzösischen Montélimar stehen sich die Truppen von Genf und Langres auf der einen Seite und die Verbände aus Chartres, Dole und Grenoble auf der anderen Seite gegenüber. Dabei unterliegt das Bündnis von Genf und Langres, deren Truppen in die Gefangenschaft gehen. Wie wir auch aus 4/9 wissen, werden die Schweiz und Lausanne die Stadt Genf verraten. Es stellt sich jetzt nur die Frage, wie und in welchen Zusammenhang dieser Verrat geschieht. Haben die Schweizer und Lausanne das Genfer Expeditionsheer nach Montélimar begleitet und dieses dort im Stich gelassen? In 4/42 erfahren wir nur, dass sich die Schweiz und Lausanne diesen Verrat mit Gold bezahlen lassen. Interessant ist dabei der Betrag. Nach heutigem Ermessen ist der gezahlte Judaslohn (über 14 Kilogramm Gold im Wert von über 150’000 Euro) für einen Normalverdiener ein beachtliches Vermögen. Doch hier stehen sich Staaten und Gemeinwesen in einem Krieg gegenüber und nicht Privatpersonen in einem zivilrechtlichen Streit. In diesem Zusammenhang erscheint die genannte Summe für heutige Maßstäbe doch eher bescheiden. Man darf sich also die Frage stellen, ob das Gold das Hauptmotiv für diesen Verrat der Schweizer und Lausanner ist. Allerdings wissen wir natürlich nicht, ob der heutige Wohlstand in West- und Mitteleuropa auf Dauer aufrecht erhalten werden kann. Vielleicht wird zum Zeitpunkt des hier beschriebenen Krieges die alte Armut nach Europa zurück gekehrt sein und 14 Kilogramm Gold werden wieder ein Vermögen darstellen, über das nur Staaten, Gemeinwesen oder Fürsten verfügen. Das würde erklären, weshalb die heute reichen Schweizer bereits mit 14 Kilogramm Gold "gekauft" werden können. Die Schweiz aus der Zeit dieses Krieges scheint sich aber auch in anderer Hinsicht von der heutigen Alpenrepublik zu unterscheiden. So spricht Nostradamus von Genf, Lausanne und der Schweiz als drei unabhängigen Kräften oder Staaten, die durch ein Bündnis vereint scheinen. Das entspricht nur teilweise der Situation, die Nostradamus aus seiner Zeit gekannt hat. Genf hatte zwar schon 1526 ein Bündnis mit den eidgenössischen Orten Bern und Fribourg geschlossen, war aber tatsächlich noch kein "Vollmitglied" der Schweiz. Allerdings wurden Unabhängigkeit und Sicherheit der Rhonestadt zu einem nicht unwesentlichen Teil erst durch das Bündnis mit den beiden Eidgenossen (v.a. Bern) gewährleistet. Lausanne und das umliegende Gebiet (Waadtland) wurden 1536 von Bern erobert und kamen so als Teil Berns zur Schweiz. Ein Bündnispartner der Schweizer war Lausanne aber nicht. Sollten sich vielleicht in der Zukunft einmal Teile der französischsprachigen Schweiz abspalten (Genf, Lausanne), die aber durch ein Bündnis mit der restlichen Schweiz verbunden bleiben?

4/9: Der Anführer einer Armee wird in einer Schlacht verwundet. Leider erfahren wir aber nicht, welche Armee er in welcher Schlacht befehligen wird. Sollte es sich um die Schlacht bei Montélimar handeln? Zu dieser Zeit wird sich die Stadt Genf in Tränen und Leid befinden. Doch weshalb? Sicher wird die in 4/42 beschriebene Niederlage der Genfer Truppen bei Montélimar in der Rhonestadt keine Freudenstürme entfachen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sich Genf möglicherweise in einer weit prekäreren Lage befindet. Vielleicht wird die Stadt direkt angegriffen und belagert. Dann müssten aber die verbündeten Schweizer und Lausanner der Stadt zu Hilfe kommen. Und der erwähnte Verrat würde dann eben daraus bestehen, dass die beiden Alliierten Genf im Stich lassen und sich die unterlassene Hilfeleistung mit 14 Kilogramm Gold bezahlen lassen.
 

Quellen
 

4/42
 
Geneue & Langres1) par ceux de Chartres2) & Dolle3) Genf und Langres1) [werden] von denen aus Chartres2) und Dole3)
Et par Grenoble4) captif au Mõtlimard5) und von Grenoble4) bei Montélimar5) gefangen [genommen].
Seysset6), Losanne par fraudulante dole, [Die] Schweiz6) [und] Lausanne werden [sie] mit betrügerischer List
Les trahiront par or soyxante marc7). für sechzig Mark7) Gold verraten.
1) Ort und Gebiet in Ostfrankreich, nordöstlich von Dijon. Die Festungsstadt Langres gehörte zum Herzogtum Burgund.
2) Stadt in Nordfrankreich, etwa 75 km südwestlich von Paris. Es gäbe noch ein Chartres-de-Bretagne, etwas südlich von Rennes.
3) Dole, die ehemalige Hauptstadt der Freigrafschaft Burgund, liegt in der Bresse am Fluss Doubs, etwa 40 - 45 km südwestlich von Besançon. Es gäbe noch ein Dol-de-Bretagne, etwa 50 km nördlich von Rennes.
4) Stadt in Südostfrankreich.
5) Stadt in Südfrankreich nahe der Rhone, etwa 70 km nördlich von Avignon.
6) Aufgrund der inhaltlichen und formalen Ähnlichkeit zu 4/9 halte ich "Seysset" für eine Verschreibung von "Souysse(s)" (Schweiz, Schweizer). Es gäbe aber noch zwei Orte mit dem Namen Seyssel, die nebeneinander an der Rhone liegen, etwa 35 km südwestlich von Genf. Des weiteren ein Seyssinet-Pariset und ein Seyssins, nur wenige Kilometer südwestlich von Grenoble. Möglicherweise hat der Buchdrucker diese Orte gekannt und so diesen Setzfehler begangen.
7) Mit der "Mark" ist hier ein altes französisches Gewichtsmaß gemeint, das 244,75 Gramm entspricht. 60 Mark sind also umgerechnet 14,685 Kilogramm. Am 27. Mai 2004 hatte ein Kilogramm Gold einen Wert von etwa 10’314 Euro oder 15’738 Schweizer Franken. 60 Mark Gold also etwa 151’461 Euro oder 231’112 Schweizer Franken.
 

4/9
 
Le chef du camp au milieu de la presse1) Der Anführer der Armee [wird] mitten in der Schlacht1)
D’vn coup de fleche sera blessé aux cuisses, von einem Pfeilschuss an den Lenden verwundet [werden].
Lors que Geneue en larmes & detresse Dann, wenn Genf in Tränen und Leid [sein wird],
Sera trahie par Lozan & Souysses. wird [die Stadt] von Lausanne und [den] Schweizern verraten werden.
1) "Presse" bedeutet im Mittelfranzösischen u.a. "Schlacht, Volksmenge".
 

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