5.134 Genf wird ausgehungert und fällt. Zu dieser Zeit zittert das "Gesetz der Cevennen".
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Zusammenfassung
2/64: Dieser Vers könnte an 5.54 (4/9) anschließen. Dort wird berichtet, dass das bedrängte Genf ("in Tränen und Leid") von seinen Bündnispartnern, Lausanne und den Schweizern, für Gold verraten werden wird. In 2/64 dürfte Genf belagert und ausgehungert werden. Hunger und Durst scheinen seine Bevölkerung dahinzuraffen (erste Zeile). Interessant ist dabei der Durst, da die Stadt ja bekanntlich an der Rhone und am Genfer See liegt. In der zweiten Zeile wird eine "nahe Hilfe" erwähnt, die Genf aber im Stich lässt und verschwindet. Das könnten die Lausanner und die Schweizer sein, die sich ihren Verrat vergolden lassen. In der dritten Zeile erfahren wir, dass das "Gesetz der Cevennen" zu diesem Zeitpunkt zittern wird. Falls damit der Calvinismus gemeint sein sollte (vgl. Anmerkung 2), könnte sich diese Zeile auf die Belagerung der Calvin-Stadt Genf beziehen. Doch warum sollte die ganze Konfession ins Wanken geraten, selbst wenn die Rhonestadt fällt? Ist Genf vielleicht die letzte Hochburg der französischsprachigen Protestanten? Die Cevennen könnten zu dieser Zeit aber auch tatsächlich unter einem eigenen Gesetz leben, d.h. ein eigenes südfranzösisches Staatsgebilde sein. In diesem Fall würden sie wohl angegriffen werden. Doch von wem? Vielleicht von derselben Macht, die Genf belagert? In der vierten Zeile ist von einer Flotte die Rede, die nicht im "großen Hafen" einlaufen kann. Dafür käme z.B. Genf in Frage, vgl. Anmerkung 5. Da die Stadt von Feinden umzingelt ist, wäre auch klar, weshalb z.B. eine Hilfsflotte, die wohl über den Genfer See kommen würde, nicht in der Stadt landen kann. Sollte sich die vierte Zeile auf einen separaten Konflikt in Südfrankreich beziehen, kämen für den "großen Hafen" etliche Städte in Frage.
4/59: In der dritten und vierten Zeile ist wieder von den Genfern die Rede. Ein "alter Vagabund" wird ihnen vom Jura-Gebirge aus (vgl. Anmerkung 4) den Weg weisen. Nostradamus könnte damit vielleicht meinen, dass vom Jura her der Tod über die Stadt kommt, vgl. Anmerkung 3. Jedenfalls wird eine Festung geschliffen, womit die Verteidigungsanlagen Genfs gemeint sein könnten. Kommt der vernichtende Angriff von einer Macht, die aus der Jura-Region stammt? In den ersten beiden Zeilen werden zwei Personen belagert werden. Und zwar währenddem glühende Hitze herrscht, also wahrscheinlich in einem Sommer. Den Belagerten geht irgendwann das Wasser aus und es herrscht großer Durst. Dies scheint die Bevölkerung in der Festung bzw. Stadt zum Aufstand gegen die beiden Personen zu treiben. Die Lage ist so prekär, dass schon die Aussicht auf sehr wenig Wasser ("zwei volle Tassen") ausreicht, um die beiden zu töten. Das könnte 4/59 mit 2/64 verbinden, wo Genf zunächst ausgehungert und dann ausgetrocknet wird. Die erwähnte "glühende Hitze" - wohl einhergehend mit einer Dürreperiode - würde vielleicht erklären, warum in dem an einem Fluss und See gelegenen Genf eine dramatische Wasserknappheit ausbrechen kann. Unklar ist jedoch, wer diese beiden Personen sind. Die Oberbeamten der Stadt Genf (analog den beiden Konsuln Roms)?
Quellen
2/64
1) Oder auch: "Kriegsvolk, Truppe".
Seicher de faim, de soif gent1) Geneuoise
[Das] Genfer Volk1) [wird] vor Hunger [und] Durst dahinwelken.
Espoir prochain viendra au defaillir,
[Die] nahe Hilfe wird dazu kommen zu verschwinden.
Sur point tremblant3) sera loy Gebenoise2).
Zu [diesem] Zeitpunkt wird [das] Gesetz [der] Cevennen2) zittern3).
Classe4) au grand port5) ne se peult acuilir.
[Die] Flotte4) kann nicht im großen Hafen5) einlaufen.
2) Lat. "Gebennae" (Cevennen). Die Cevennen sind ein Gebirgszug in Südfrankreich, auf der rechten Seite der Rhone. Zu Zeiten des Nostradamus waren die Cevennen ein protestantisch-calvinistisches Gebiet.
3) Lies: "tremblante".
4) Lat. "classis" (Flotte, Heer).
5) "Port" kann im Mittelfranzösischen auch einen Flusshafen meinen.
4/59
1) Oder auch: "Wut, Raserei".
Deux assiegez en ardente ferueur1),
Zwei [werden] belagert während glühender Hitze1).
De soif estaincts pour deux plaines tasses:
Wegen [des] Durstes [werden sie] für zwei volle Tassen getötet [werden].
Le fort limé,2) & vn vieillart resueur3),
Die Festung [wird] geschliffen2) und ein alter Vagabund3)
Aux Geneuois de Nira4) monstra trasse.
wird den Genfern von "Nira"4) [aus den] Weg zeigen.
2) Wörtlich: "gefeilt". Das könnte aber auch genau das Gegenteil bedeuten, nämlich "ausgefeilt".
3) Oder auch: "Strolch, Dieb". Nostradamus könnte hier vielleicht das griech. "planes" bzw. "planetes" meinen, das sowohl "Vagabund" als auch "Planet" bedeutet. Mit dem "alten Planeten" müsste dann Saturn gemeint sein, der im Mythos der Stammvater der olympischen Götter ist. Bei Nostradamus steht Saturn für die Juden. In der Astrologie wird dem Saturn, dem "großen Unglück", eher Düsteres zugeordnet: u.a. Armut, Trauer und Leichen. In menschlicher Form dargestellt trägt er entweder eine Sichel oder eine Sense und ähnelt so Gevatter Tod.
4) Bei "Nira" handelt es sich wahrscheinlich um ein falsch gedrucktes Anagramm für den Jura, in dessen Nähe Genf liegt (siehe LEONI). Der Setzer hat vielleicht das handschriftliche Original des Nostradamus ("uira") fälschlicherweise als "nira" gelesen bzw. vorgelesen bekommen und dann als Ortsnamen großgeschrieben. Kaum gemeint sein dürfte hingegen der Iran, der zur Zeit des Nostradamus Persien hieß.