5.135  Nachtrag zu 5.134: In Genf werden zwei Personen, ein Vater und ein Kind, hingerichtet.
 

Zurück / Zurück zur Startseite
 

Zusammenfassung
 

In 4/59 (5.134) wird Genf belagert. Die anscheinend unter Durst leidende Bevölkerung tötet daraufhin zwei Personen, da sie sich von deren Tod etwas Wasser verspricht. 10/92 berichtet ebenfalls von der Tötung zweier Personen und vom Genfer Volk, das sich wohl im Kampf befinden wird (dritte Zeile, vgl. Anmerkung 3). Wir erfahren hier, dass es sich bei den beiden Opfern um einen Vater und ein Kind - wohl dessen eigenes Kind - handelt (erste Zeile). Das Kind, über dessen Alter oder Funktion wir nichts erfahren, wird als erstes sterben. Die zweite und die vierte Zeile beschreiben den offensichtlich grausamen Tod des Vaters. Er könnte öffentlich hingerichtet werden (vgl. Anmerkung 5). Und zwar auf eine Art und Weise, dass ihm nachher Kopf, Arme und Beine fehlen werden (vgl. Anmerkung 4). Dazu wird man den Vater gemäß zweiter Zeile zunächst "inmitten von Seilschlingen" bringen (vgl. Anmerkung 2), d.h. wahrscheinlich, ihm um Kopf und Gliedmaßen Stricke binden. Fünf Stricke, an denen zu Nostradamus’ Zeiten wohl gleichzeitig fünf Pferde oder Pferdegespanne mit aller Kraft gezogen hätten. Wir wissen nicht, warum dieser Mann derart brutal zu Tode gebracht werden wird. Es könnte aber als Hinweis auf die verzweifelte Lage verstanden werden, in der sich die Genfer befinden. Eine Verzweiflung, die sich in einer derartigen Hinrichtung entladen wird. Über die genauen Hintergründe dieses Geschehens können wir nur spekulieren. Sind Vaten und Kind (Sohn) vielleicht die Oberbeamten der belagerten Stadt, die um keinen Preis kapitulieren wollen? Oder sind es Flüchtlinge, die in Genf Schutz gesucht haben? Dann bräuchten sie die Genfer allerdings nicht zu töten sondern nur den Belagerern auszuliefern.
 

Quellen
 

10/92
 
Deuant1) le pere l’enfant sera tué:
Vor1) dem Vater wird das Kind getötet werden.
Le pere apres entre cordes de ionc2),
Der Vater [wird sich] nacher inmitten von Seilschlingen2) [befinden].
Geneuois peuple sera esuertué3),
[Das] Genfer Volk wird angestrengt3) sein,
Gisant le chief au milieu5) comme vn tronc4).
[wenn] das Oberhaupt wie ein astreiner Stamm4) in der Mitte5) liegt.
1) "Deuant" (vor) kann sowohl zeitlich ("vorher") wie auch räumlich ("vor den Augen von") verstanden werden.
2) "Corde" (Seil, Strick; Schlinge), "ionc" (Binse, Schilf). Mit "ionc" dürfte Nostradamus auf das griech. "schoinos" anspielen, das neben "Binse" und "Dickicht" auch "Seil" oder "Strick" bedeutet. Mit den "cordes de ionc" sind also wohl "Seilschlingen" gemeint. Ansonsten wäre diese Stelle mit "Seilen aus Binse" zu übersetzen.
3) Oder auch: "aufs Spiel gesetzt". Möglicherweise hat Nostradamus an das lat. "contendere" (u.a. sich anstrengen; kämpfen) gedacht. Dann hätten wir hier wohl ein im Kampfe stehendes Genfer Volk vor uns.
4) "Tronc" bezeichnet im Mittelfranzösischen entweder einen Baumstamm, von dem alle Wurzeln und Äste abgetrennt wurden, oder einen menschlichen Rumpf ohne Kopf und Gliedmaßen.
5) Vielleicht im Sinne des lat. "medium" (u.a. Öffentlichkeit, Publikum, menschliche Gesellschaft) zu verstehen.

Zurück / Zurück zur Startseite