5.190  Der "Hahn" und ein Kardinal treffen sich in Monaco. Das Resultat dieses Treffens wird den Vatikan täuschen, den "Adler" schwächen und den "Hahn" stärken. Die Antwort, die der Kardinal erhält, wird einen König so verwirren, dass er sich dem "Frosch" (Papst?) und dem "Adler" annähert. Ein Gerechter wird wegen eines Unheils nahe "Nonseggle" erneut ins Exil geschickt.
 

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8/4 - 6/46

8/4  

Dedans Monech1) le coq2) sera reçeu,
Le Cardinal3) de France apparoistra
Par Logarion4) Romain sera deçeu5)
Foiblesse à l’aigle6), & force au coq naistra.

In Monaco1) wird der Hahn2) empfangen werden.
Der Kardinal3) von Frankreich wird erscheinen.
Vom Gerede4) wird [der] Römer getäuscht5) werden.
Schwäche [wird daraus] dem Adler6) und Stärke dem Hahn erwachsen.
1) Lat. "Monaecum" (Monaco).
2) Mit dem "Hahn" dürfte Frankreich oder ein französischer Machthaber gemeint sein, vgl. lat. "gallus" ("Hahn" und "Gallier"). Der "Hahn" taucht auch in 1/31 (5.159), 1/93 (5.159), 2/42 (5.129), 3/52 (5.34), (4/4 (5.47)), 5/14 (5.47), 5/68 (5.169), 6/28 (5.103), 6/54, 8/5, 8/6 (5.212), 8/9 (5.16), 8/46 (5.159) und 8/61 (5.211) auf. Gemäß 8/5 wird der "Hahn" im Sarg liegen, was eher auf eine Person denn ein Land hindeutet.
3) Ein Kardinal ist einer der Bischöfe, die im Konklave den Papst wählen dürfen. Falls Nostradamus an das lat. "cardinalis" (Haupt...) gedacht hat, könnte hier z. B. "die wichtigste Person Frankreichs" gemeint sein.
4) "Logarion" ist die Verkleinerungsform des griech. "logos" (Rede, Erzählung; Buch; Gerücht, Gerede; Gespräch, Verhandlung (Plural); Wort u. a.). Der Ausdruck "logarion dystena" bedeutet "elendes Gerede".
          Denkbar wäre vielleicht noch, dass hier ein Druckfehler vorliegt und "Logmion" gemeint ist, vgl. CLÉBERT, S. 843. Ogmion ist der keltische Herkules, der an anderer Stelle in den Zenturien auftaucht.
          "Romain" ließe sich weiter als ein zu "Logarion" gehörendes Adjektiv verstehen. In diesem Fall wäre die Zeile etwa mit "Vom römischen Gerede wird [er/man] getäuscht werden" zu übertragen.
5) Oder auch: "verraten, enttäuscht".
6) Der französische* "Adler" taucht auch in 1/23 (5.113), 1/31 (5.159), 1/38 (5.113), 2/44, 2/85* (5.34), 3/37 und 5/81 (beide 5.31), 3/52 (5.34), 4/70 (5.130), 5/42 (5.182), 6/46 (5.190), 6/78 (5.31), 8/8 (5.203), 8/9 (5.16), 8/46, 10/27 (5.225) und 5.200 auf. Konkret könnte damit ein französischer Feldherr oder Machthaber gemeint sein, der dem historischen Aëtius (ca. 390 - 454) ähnelt, vgl. griech. "aetos" und "aietos" (Adler). Flavius Aëtius (römischer Feldherr und mehrfacher Konsul) kämpfte gegen die Westgoten, Franken und Burgunder und besiegte 451 die Hunnen auf den Katalaunischen Feldern bei Châlons-en-Champagne. 454 wurde Aëtius von Kaiser Valentinian getötet.


Der "Hahn" und ein Kardinal treffen sich in Monaco. Die Unterredung wird den Heiligen Stuhl täuschen. Sie wird den "Adler" schwächen und den "Hahn" stärken.

In der ersten Zeile erfahren wir, dass der "Hahn" in Monaco eintreffen wird. Dort wird wahrscheinlich auch der "Kardinal von Frankreich" erscheinen (zweite Zeile). In Monaco wird also wohl ein diplomatisches Treffen bzw. eine Unterredung der beiden stattfinden.

Mit dem "Kardinal von Frankreich" ist dabei entweder ein Kardinal französischer Nationalität oder der Repräsentant des Heiligen Stuhls in Frankreich gemeint.

Im zweiten Teil des Vierzeilers dürfte es wieder um dieses Treffen bzw. dessen Auswirkungen gehen.

Nostradamus bezeichnet diese Unterredung in der dritten Zeile wahrscheinlich abschätzig als "Gerede" (vgl. Anmerkung 4). In der gleichen Zeile erfahren wir, dass ein "Römer" durch dieses Treffen getäuscht oder enttäuscht werden wird. Mit dem "Römer" könnte der "Kardinal von Frankreich", also der Abgesandte des Vatikans oder der Papst gemeint sein. Der Heilige Stuhl wird seine Interessen also nicht oder nur vermeintlich durchsetzen können.

Das Resultat des Begegnung in Monaco wird sein, dass der französische "Hahn" gestärkt und der ebenfalls französische "Adler" geschwächt werden wird (vierte Zeile). Das passt insofern zur diplomatischen Niederlage des Vatikans, als dass der "Adler" ein Verbündeter der Römer sein wird (vgl. 5.31: 6/78).















6/46  

Vn iuste sera en exil renuoyé,
Par pestilence1) aux confins de Nonseggle2),
Responce au3) rouge le fera desuoyé4),
Roy rerirant9) à5) la Rane6) & à7) l’aigle8).

Ein Gerechter wird ins Exil zurückgeschickt [werden],
wegen des Unheils1) an den Grenzen von "Nonseggle"2).
[Die] Antwort an den3) Roten wird ihn verwirren4),
[den] sich zum5) Frosch6) und zum7) Adler8) [hin] entfernenden9) König.
1) Das mittelfranzösische "pestilence" bedeutet neben "Seuche, Pest, pestartige Epidemie" auch "Unglück, Unheil; Elend; Massaker".
2) Ungelöster Begriff. "Non" bedeutet "nein, nicht", "seggle" (segle) ist eine Nebenform von "seille" (Eimer, Kübel, Zuber; Krug, Topf). Oder "seggle" könnte als "secle" (langer Zeitraum, Jahrhundert; die profane Welt) zu lesen sein. Eine der vielen Möglichkeiten, "Nonseggle" zu übersetzen wäre somit "die nichtprofane Welt", was die Kirche oder den Kirchenstaat meinen könnte, der zur Zeit des Nostradamus wesentliche Gebiete Mittelitaliens und Teile der südlichen Poebene umfasste. CLÉBERT, S. 730, zieht "Norseggle" in Betracht und denkt dabei an Norwegen, wozu "seggle" aber nicht recht passt. Eine näherliegende Möglichkeit wäre vielleicht Usseglio (Ouseggle?), das rund 40 km nordwestlich von Turin an der italienisch-französischen Grenze ("au confin") liegt.
3) Oder vielleicht auch: "des" (du).
4) Oder auch: "vom (rechten) Weg abkommen lassen".
5) Oder: "vom".
6) Der "Frosch (des Meeres)" taucht auch in 5/3 und 5/95 (beide 5.15) auf. Mit dem "Frosch des Meeres" scheint der Seeteufel (auch: Anglerfisch) gemeint zu sein, ein etwas seltsam aussehender Speisefisch, der u. a. im Mittelmeer vorkommt. Sein lateinischer Name lautet "rana marina". Plinius d. Ä. schreibt in seiner Naturalis Historia (9, 67, 143) über den Seeteufel: nec minor sollertia ranae, quae in mari piscatrix vocatur. eminentia sub oculis cornicula turbato limo exerit, adsultantibus pisciculis praetrahens, donec tam prope accedant, ut adsiliat. (Und von nicht geringerer Geschicklichkeit ist der Frosch des Meeres, der auch Fischer genannt wird. Er streckt aus dem aufgewirbelten Schlamm seine unter den Augen hervorstehenden Hörnchen heraus und lockt damit die heranstürmenden Fischlein an, bis dass sie so nahe herangekommen sind, dass er sie anspringen kann.) Falls Nostradamus bei seinem Meeresfrosch an die Beschreibung des Plinius gedacht hat, hätten wir hier wahrscheinlich einen geschickten oder (hinter)listigen Akteur vor uns. Laut Plinius wird der Frosch des Meeres auch "Fischer" genannt. Hat unser Seher vielleicht dieses etwas ungewöhnliche Symboltier gewählt, weil es für einen Papst (Menschenfischer) stehen soll? Im Lateinischen wie Französischen ist das grammatikalische Geschlecht des Frosches weiblich, weshalb Plinius wortwörtlich "Fischerin" und nicht "Fischer" geschrieben hat. Sollte Nostradamus deswegen mit dem Frosch des Meeres eine Frau gemeint haben, schiede ein Papst allerdings aus.
7) Siehe Anmerkung 5).
8) Der französische* "Adler" taucht auch in 1/23 (5.113), 1/31 (5.159), 1/38 (5.113), 2/44, 2/85* (5.34), 3/37 und 5/81 (beide 5.31), 3/52 (5.34), 4/70 (5.130), 5/42 (5.182), 6/46 (5.190), 6/78 (5.31), 8/4 (5.209), 8/8 (5.203), 8/9 (5.16), 8/46, 10/27 (5.225) und 5.200 auf. Konkret könnte damit ein französischer Feldherr oder Machthaber gemeint sein, der dem historischen Aëtius (ca. 390 - 454) ähnelt, vgl. griech. "aetos" und "aietos" (Adler). Flavius Aëtius (römischer Feldherr und mehrfacher Konsul) kämpfte gegen die Westgoten, Franken und Burgunder und besiegte 451 die Hunnen auf den Katalaunischen Feldern bei Châlons-en-Champagne. 454 wurde Aëtius von Kaiser Valentinian getötet.
9) Lies: "retirant" (u. a. "sich entfernend"). 


Ein Gerechter wird wegen eines Unheils nahe "Nonseggle" wieder ins Exil geschickt. Eine an einen Kardinal gerichtete Antwort wird einen König so verwirren, dass er sich dem "Frosch" (Papst?) und dem "Adler" annähert.

Der zweite Teil des Vierzeilers könnte sich auf das in 8/4 beschriebene Geschehen beziehen.

In 6/46/3 taucht ein "Roter" auf, womit bei Nostradamus ein Kardinal mit rotem Ornat gemeint ist. Dieser Kardinal wird eine Antwort erhalten. Mit der "Antwort" könnte das Verhandlungsergebnis aus 8/4 bzw. der vom "Hahn" durchgesetzte Standpunkt gemeint sein.

Gleichzeitig erfahren wir, dass diese Antwort jemanden verwirren wird. Nämlich einen König, der seine - wohl politische - Position verändern wird.

6/46/4 ist zu entnehmen, wohin sich der erwähnte König bewegen wird: hin zum "Frosch" und zum französischen "Adler", der auch in 8/4 bereits erwähnt wird.

Was für ein König hier gemeint sein könnte, ist nicht auszumachen. Vielleicht der "große König" aus 5.31?

Unklar ist auch, wen der "Frosch" repräsentieren soll. Vielleicht einen listigen Papst, vgl. Anmerkung 6? Passen würde das u. a. deshalb, weil "Adler" und Kirche (Rom) gemäß 5.31 tatsächlich auf der gleichen Seite stehen könnten.

Im ersten Teil des Vierzeilers ist v. a. der Begriff "Nonseggle" ein ungelöstes Rätsel. Er dürfte wohl ein Land oder einen Ort meinen, an dessen Grenze ein Unheil lauern wird. Und wegen dieses Unheils wird ein "Gerechter" ins Exil geschickt werden, in dem er sich anscheinend zuvor schon einmal befunden hat. Wer schickt den "Gerechten" hier erneut in die Verbannung? Die Kirche? Eine weltliche Macht?













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