5.215  "Attila" erobert eine reiche Stadt und plündert sie aus.
 

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Zusammenfassung
 

5/32: Nostradamus berichtet in den ersten beiden Zeilen von einem reichen Ort, der Gold und Silber im Überfluss besitzt. Doch diesem Ort (oder dem dortigen Reichtum) steht der Untergang bevor. In der dritten Zeile erfahren wir, dass derjenige, der dem ungenannten Ort seine Reichtümer wegnehmen wird, "vom Himmel" kommen wird. Das erinnert an 2/29 und 10/72 (beide 5.6), wo der neue "Attila" ebenfalls "vom Himmel" über Italien bis nach Frankreich vorstoßen wird. Der heimgesuchte Ort dürfte nach dieser Invasion seine Bedeutung verlieren (vgl. Anmerkung 4).

6/98: In der zweiten und dritten Zeile berichtet Nostradamus wohl wieder vom selben Ort wie in 5/32, aus dem Gold und Silber geraubt werden. "Attila" wird dabei auch die Kirchen schänden sowie die Stadt "beschmutzen" und "verseuchen". Was wir unter diesen "Verunreinigungen" zu verstehen haben, ist jedoch unklar. Möglicherweise hat Nostradamus hier an den kultisch-religiösen Bereich gedacht (vgl. 5.70: 4/94 und 8/21), was auch gut zur Schändung der Kirchen passen würde. Der Angreifer könnte etwa eine fremde, nichtchristliche Religion mitbringen und deren Kult in den Kirchen feiern. In der vierten Zeile erfahren wir, dass die Eroberung blutig vonstatten gehen wird. Zwei Flüsse in oder bei der Stadt werden vom vergossenen Blut rot gefärbt sein. Um welche Stadt es sich hier handelt, hat unser Seher in der ersten Zeile niedergeschrieben: es ist die große Stadt der Volsker - wohl Aquino. Allerdings besteht die realistische Möglichkeit, dass hier ein Druckfehler vorliegt und nicht von den Volskern sondern von den Volcae die Rede sein sollte. In diesem Fall wäre die Stadt Nîmes "Attilas" Opfer (vgl. Anmerkungen 1 u. 3). Ich tendiere eher zur südfranzösischen Lösung.

Quellen
 

5/32  

Où tout bon est tout bien Soleil & Lune1),
[Dem Ort,] wo alles gut ist [und] wohlauf, [wo] Sonne wie Mond1)
Est abondant sa ruine s’approche:
im Überfluss [vorhanden] ist, nähert sich sein Untergang.
Du ciel s’aduance vaner3) ta fortune2),
Vom Himmel nähert [er] sich, um deine Reichtümer2) zu vertreiben3),
En mesme estat que la septiesme roche4).
[und sie] in den gleichen Zustand wie den siebten Hügel4) [zu bringen].
1) In der Astrologie wird der Sonne das Gold und dem Mond das Silber zugeordnet, was hier wohl gemeint sein dürfte.
2) Oder auch: "Schicksal".
3) Das mittelfranzösische "vanner" bedeutet "Getreide mit einer Schwinge reinigen", im übertragenen Sinne auch "belästigen, vertreiben, prellen". Möglicherweise liegt hier aber auch ein Druckfehler vor und es sollte "varier" (verändern) heißen, vgl. LEONI.
4) Das mittelfranzösische "roche" bedeutet "Berg, Hügel; Felsen, steiniger Abhang, Höhle, Klippe, Riff", bezeichnet daneben aber auch das Rotauge (Plötze), einen Karpfenfisch. Falls Nostradamus hier einen Hügel oder Berg gemeint hat, könnte er an die sieben Hügel Roms gedacht haben: Aventin, Caelius, Kapitol (Capitolium), Esquilin, Palatin, Quirinal und Viminal. In alphabetischer Reihenfolge ist der siebte und letzte der Viminal, der traditionell unbedeutendste der sieben Stadthügel, auf dem sich nur wenige Monumente befanden (PLATNER/ASHBY).


6/98  
 
Ruyné aux Volsques1) de peur si fort terribles,
Zerstört [wird] den Volskern1) mit sehr großen [und] furchtbaren Schrecken
Leur grand cité taincte, faict pestilent:
ihre große Stadt, [die] beschmutzt und verseucht [werden wird].
Piller sol, Lune2) & violer leurs temples:
[Es] werden Sonne [und] Mond2) geraubt und ihre Tempel geschändet.
Et les deux fleuues3) rougir de sang coulant4).
Und die beiden Flüsse3) werden vom fließenden4) Blut rot gefärbt werden.
1) Die Volsker waren eine altitalische Völkerschaft, die im südlichen Latium beheimatet war. Sie gehörten vom sechsten bis vierten Jahrhundert v. Chr. zu den gefährlichsten Gegnern Roms. Auf ihrem Gebiet liegt Aquino, aus dem der römische Dichter Juvenal und der mittelalterliche Kirchenlehrer Thomas von Aquin stammten. Eine andere Möglichkeit wäre, dass es hier analog zu 7/21 (5.204) "Volsicques" (die Volcaeischen) heißen sollte. In diesem Fall wäre mit der in der zweiten Zeile erwähnten Stadt Nîmes gemeint, das in römischer Zeit u. a. eine wichtige Münzprägestätte war.
2) Vgl. 5/32, Anmerkung 1).
3) Das Land der Volsker wird vom Garigliano durchflossen, der mehrere Zuflüsse hat. Aquino selber liegt allerdings nicht an zwei Flüssen. Dasselbe gilt für Nîmes, jedoch fließen in der Nähe der Stadt der Gard (im Norden) und der Vistre (im Süden) vorbei.
4) Oder das "coulant" bezieht sich auf die Flüsse: "[...] die beiden fließenden Flüsse werden vom Blut [...]".

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