5.220 Nachtrag zu 5.13.
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Zusammenfassung
10/62 dürfte 2/90 (5.13) vorausgehen. Man will Ungarn angreifen und hat dazu in der Nähe von Serbien Stellung bezogen (erste Zeile). Gemäß zweiter Zeile wird ein Botschafter (Herold) aus der ungarischen Hauptstadt kommen, um "sie" zu warnen. Das könnte so verstanden werden, dass der Botschafter die Angreifer zur Abschreckung vor den Folgen einer Attacke warnt. Oder etwa auch dahingehend, dass der ungarische Herold zunächst zu den Angreifern geschickt wird um durch Verhandlungen einen Krieg zu vermeiden, mit seinen Bemühungen aber scheitert und dann bei seiner Rückkehr nach Budapest (vgl. Anmerkung 4) die eigenen Machthaber warnt, dass die Feinde zum Angriff fest entschlossen sind. In der dritten Zeile dürften wir erfahren, wer Ungarn angreifen wird. Es handelt sich um einen byzantinischen Anführer, der entweder aus Solin bei Split stammt oder dort - also in der Nähe von Nostradamus’ Serbien (vgl. Anmerkung1) - seine Streitkräfte in Stellung gebracht hat. Als historisches Vorbild hat unser Seher hier vielleicht den türkischen Sultan Suleiman II., den Prächtigen (1495 - 1566) im Auge gehabt, der zwar nicht aus Solin stammte, aber unter dessen Herrschaft im 16. Jahrhundert die osmanische Expansion auf dem Balkan vonstatten ging. Der sunnitische Muslim Suleiman II. regierte das islamische Osmanische Reich. Den Islam könnte Nostradamus in der vierten Zeile auch mit dem "Gesetz der Araber" gemeint haben, der dem zu erobernden Ungarn aufgezwungen werden soll (in 3/95 (5.60) nennt er Muhammads Lehre das "maurische Gesetz"). Allerdings scheinen die Araber gemäß 5.46 und 5.47 (3/27) in Zukunft auch einmal einer neuheidnischen Religion zu folgen, die somit als zweite Möglichkeit in Frage käme.
Quellen
10/62
1) Wahrscheinlich als "Sorbia" zu lesen. Mit "Sorbia" ist entweder das Land der Sorben (lat. "surbi" oder "sorabi") oder der Serben gemeint, deren Bezeichnung den gleichen Ursprung hat. Denkbar wäre auch, das Nostradamus an die Sorbische Mark des Karolingerreiches gedacht hat, die zur Hauptsache im heutigen Sachsen-Anhalt und Thüringen lag. Aufgrund des geografischen Kontextes dürfte hier jedoch mit ziemlicher Sicherheit Serbien gemeint sein (vgl. die erste und dritte Zeile). Serbien gehörte zur Zeit des Nostradamus zum Osmanischen Reich und umfasste das heutige Serbien südlich der Save sowie Teile Mazedoniens, Albaniens und Bosnien-Herzegowinas.
Pres de Sorbin1) pour assaillir Ongrie2),
Nahe bei Serbien1) [sind sie], um Ungarn2) anzugreifen,
L’herault3) de Brude4) les viendra aduertir:
der Herold3) von Buda4) wird kommen, um sie zu warnen.
Chef Bizantin, Sallon5) de Sclauonie6),
[Der] byzantinische Anführer, [wird aus] Salonae5) im Slawenland6) [kommen],
A loy d’Arabes les viendra conuertir.
um sie zum Gesetz der Araber zu bekehren.
2) Ungarn war zur Zeit des Nostradamus weit größer als heute und umfasste u. a. Teile Rumäniens, der Slowakei und Kroatiens sowie die heute serbische Vojvodina. Nach dem osmanischen Sieg bei Mohacs (1526) gehörte der größte Teil Ungarns zum Osmanischen Reich.
3) Ein Herold war ein Gesandter in offizieller Mission, ein Vorläufer des heutigen Diplomaten.
4) Buda (heute Teil Budapests) war von 1361 bis 1541 Hauptstadt des Königreichs Ungarn. 1541 wurde Buda von den Osmanen erobert. Eine andere Möglichkeit wäre, hier Brundisium (Brindisi) zu sehen, vielleicht in Kombination mit dem mittelfranzösischen "rude" (u. a. plump, ungeschickt). Wir könnten also z. B. auch einen ungeschickten Herold aus Brindisi (oder Buda) vor uns haben.
5) Das lat. "Salonae" bzw. "Salona" bezeichnet das heutige Solin an der kroatischen Adriaküste, wenig Kilometer nordöstlich von Split. Zur Zeit des Römischen Reiches war Salonae das politische und wirtschaftliche Zentrum Dalmatiens. Es war Residenzstadt des letzten von Ostrom anerkannten weströmischen Kaisers Julius Nepos (ermordet 480). In der ersten Hälfe des siebten Jahrhunderts wurde Salonae von Awaren und Slawen verwüstet und verlor daraufhin seine Bedeutung an das benachbarte Split.
6) Die "Esclavonie" bezeichnete früher etwa den Raum Ostkroatien-Südungarn. Hier hat Nostradamus aber wohl an die Slawen im weiteren Sinne gedacht, in deren Siedlungsraum eben auch Solin liegt (vgl. griech. "sklabos/sklabenos" = Slawe und Sklave).