5.293  Schweizer, Deutsche und Burgunder werden von Kräften aus Aquitanien geschlagen werden.
 

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Zusammenfassung
 

In 4/74 geht es offensichtlich um einen Krieg oder sogar nur um eine einzelne Schlacht. Doch wer steht sich in diesem Kampf gegenüber? In der dritten und vierten Zeile erfahren wir, dass Deutsche ("Germanen"), Schweizer und Leute aus dem Maine besiegt werden. Diese drei scheinen also eine der Streitparteien zu bilden. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass die Schweizer zur Zeit des Nostradamus völkerrechtlich noch zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörten, aber seit dem Schweizer- bzw. Schwabenkrieg von 1499 praktisch selbstständig waren. In der ersten Zeile werden Leute vom Genfer See und von den Brannovices erwähnt. Mit den Erstgenannten könnten wieder die Schweizer gemeint sein. Aber "die von den Brannovices"? Die Brannovices bzw. die Häduer (vgl. Anmerkung 3) könnten Burgunder sein. Aber wie passen die Leute aus dem Maine dazu? Es ist natürlich möglich, dass neben Deutschen, Schweizern und Burgundern einfach noch zusätzlich Verbündete aus Nordwestfrankreich beteiligt sein werden. Oder Nostradamus hat fälschlicherweise die Aulerci Brannovices mit den Aulerci Cenomani gleichgesetzt (vgl. Anmerkung 7) und vielleicht angenommen, dass die Brannovices als Teil der Cenomani einst aus dem Maine nach Burgund ausgewandert seien. Der Gegner dieser Allianz scheint aus Aquitanien (Südwestfrankreich) zu kommen, wie der zweiten Zeile zu entnehmen ist. Näheres, etwa wo dieser Kampf stattfinden wird, erfahren wir nicht. Der Vierzeiler passt inhaltlich aber in das Umfeld von 5.54. Hier wie dort kommt es zu innerfranzösischen Auseinandersetzungen, in die die Schweizer und "die vom Genfer See" (Genf, Lausanne) aktiv eingreifen werden. Neu ist in 4/74 allerdings die Beteiligung der Deutschen. Genf taucht zudem noch in 5.53, 5.134, 5.135, 5.212 und 5.269 auf, wobei aber nicht alle Erwähnungen in den gleichen Kontext gehören müssen. (Zu Langres, das in 5.54 ebenfalls als Akteur in Erscheinung tritt, vgl. 5.148.)

Quellen
 

4/74  

Du lac lyman1) & ceux de2) Brannonices3),
[Die] vom Genfer See1) und die von den2) Brannovices3)
Tous assemblez contre4) ceux d’5)Aquitaine6)
[werden] alle gegen4) die aus5) Aquitanien6) versammelt [sein].
Germains beaucoup, encor plus Souisses,
Viele Germanen [und] noch mehr Schweizer
Seront defaictz auec ceux d’Humaine7).
werden geschlagen werden, [und zwar] zusammen mit denen von Maine7).
1) Lies: "lac léman" (Genfer See).
2) Les: "des".
3) Lies: "Brannouices" (Brannovices). Die Aulerci Brannovices werden in Cäsars "Gallischem Krieg" (7, 75) erwähnt. Sie waren ein gallisches Volk, das zum Gefolge der Häduer gehörte. Bei Alesia (52 v. Chr.) stellten die Aulerci Brannovices zusammen mit den Häduern und anderen Stämmen 35 000 Mann zum Kampf gegen Cäsar. Die Häduer wiederum waren das größte gallische Volk. Ihre Hauptstadt war zunächst Bibracte, dann das später in der Nähe gegründete römische Augustodunum (Autun). Andere wichtige Städte der Häduer waren Cabillonum (Chalon-sur-Saône), Matisco (Mâcon) und Nevirnum (Nevers). Die Brannovices werden in der Gegend von Mâcon lokalisiert, vgl. LEONI.
4) Oder auch: "bei, in der Nähe von".
5) Oder: "von, zu ... gehörend".
6) "Aquitanien" bezeichnet je nach Epoche ein unterschiedlich großes Gebiet in Südwestfrankreich.
7) "D’Humaine" bedeutet "von der Guten". Hier dürfte es sich aber wohl um einen Setzfehler handeln. Wahrscheinlich sollte es "du Maine" heißen. Die französische Provinz Maine lag südlich der Normandie, ihre Hauptstadt war Le Mans. CLÉBERT, S. 545, sieht hier die Aulerci Brannovices gemeint. In Cäsars "Gallischem Krieg" (7, 75) ist sowohl von den Aulerci Brannovices als auch von den Aulerci Cenomani die Rede. Letztere lebten im Gebiet von Maine (lat. Cenomanensis ager). Es ist durchaus möglich, dass Nostradamus die beiden Völker verwechselt oder einander gleichgesetzt hat.

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