|
Borgward-Story
im "Zürcher Oberländer" |
Nicht schlecht gestaunt haben wir, als wir am 16. Januar auf der sehr
beachteten letzten Seite des ersten Bundes der Regionalzeitung "Der Zürcher
Oberländer" folgenden Artikel entdeckten:

|
|
Die Schöne Isabella kehrt heim
Drei Bremer kaufen 44 Oldtimer und gründen ein Museum |
|
|
Wenn es um die 1961 in die Pleite gerutschte Bremer Automarke Borgward geht, bekommen
Kenner noch heute feuchte Augen. Den Borgward Isabella Coupé zählen viele Autofreunde zu
den schönsten Nachkriegswagen überhaupt. Nur in Bremen, wo die Borgward-Fabrik stand,
erinnert nichts an die Pleite, in die auch der Bremer Senat verwickelt war. 43 Jahre nach
dem Ende wollen drei Lokalpatrioten das Autoerbe der Stadt wiederbeleben. Hier soll es
losgehen: In einem weitläufigen, ausgedienten Lagerschuppen im Bremer Hafen. Im weiten
Halbkreis stehen sie da, die Borgwards, Lloyds, die Goliaths, die Hansas. Aufgereiht wie
für eine klassische Oldtimer-Schau, 44 Stück. Gerade zehn Autos sind fahrbereit, viele
andere hat der Rost im Griff, bei einigen fehlt die Innenausstattung.
Automobile Legenden
Doch Kenner schauen über Oberflächliches hinweg und entdecken manche Rarität. So
stehen in der Halle nicht nur schmucke Isabellas oder die eigenwilligen, dreirädrigen
Goliaths. Auch Nutzfahrzeuge sind zu finden sowie der aus Holz gebaute Lloyd LP300, als
"Leukoplastbomber" in den Volksmund eingegangen, oder ein Exemplar des Hansa
1500, der ersten Borgward-Konstruktion der Nachkriegszeit. Zur Borgward-Marke Lloyd hatten
die Autofahrer in den 50er Jahren eine wackelige Beziehung: |
 |
| "Wer den Tod nicht
scheut, fährt Lloyd" hiess es damals. Heim nach Bremen
Ein Sammler aus Österreich hatte die Wagen zusammengetragen. Die drei Bremer konnten
die Sammlung, die die grösste in Deutschland sein soll, auf Grund eines Zufalls erwerben.
"Ich habe im Fernsehen einen Bericht über die Autos gesehen, so kam die Sache ins
Rollen", erinnert sich Heiner Hellmann, im Hauptberuf Betreiber eines grossen
Veranstaltungszentrums. Der Sammler war zehn Jahre tot, seine Witwe wollte sich von den
Wagen trennen. "Für einen kleineren sechsstelligen Betrag", erklärt
Hellmann, wurden sie handelseinig und holten die Oldtimer heim.
Ein Stück Geschichte
Warum sie zum Teil vollkommen marode Autos erwarben? |
Borgward-Fans seien sie
nicht, sagt der frühere Lehrer, sie glaubten aber, eine solche Lokalberühmtheit müsse
sich in der Stadt vermarkten lassen. Zudem seien sie als gebürtige Bremer an der
Geschichte ihrer Stadt interessiert, und "dies ist ein Stück
Industriegeschichte". Die Sammlung könne dazu beitragen, sich wieder mit Carl F. W.
Borgward auseinander zu setzen, dessen Vermächtnis in Bremen nicht ausreichend gewürdigt
werde. In der Tat: An den grossen Autobauer, auf dessen Firmengeländen sich heute das
Bremer DaimlerChrysler-Werk und ein Einkaufszentrum erheben, erinnert nur ein versteckter
Gedenkstein. Allerdings war das Ende des Konzerns 1961 auch die bis dahin grösste Pleite,
die die Hansestadt nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt hatte - 23 000 Arbeitsplätze gingen
damals verloren. |
Insider wissen, dass es sich bei der beschriebenen Sammlung um den Nachlass von Helmut
Kröll, dem langjährigen Präsidenten des Borgward Club Austria handelt.
Zurück zur Homepage
|
|