Glück

Ein schmerzhaft Empfinden,
ein Leid, ein Sichgrämen
verfliegt mit den Winden,
verblaßt wie ein Schemen.

Die gestrigen Sorgen,
so schlimm sie gewesen,
versinken. Der Morgen-
gruß läßt uns genesen.

Doch, was einst beglückte,
geht niemals verloren.
Es strahlt das Entrückte,
wie eben geboren.

Ein Leben lang bleiben,
dem Herzen verbunden,
die Freuden; das Treiben
in glücklichen Stunden.
September 1942

 

Unabweisbare Gedanken

Ich muß hier eines üblen Todes sterben,
erwürgt von Kälte, Hunger, Floh und Laus.
Wie eine Bettlerin muß ich verderben,
erfrieren in dem ungeheizten Haus.

Einst träumte ich von einem schönen Tode,
als Mann, als Held zu fallen im Gefecht
Ein Lämpchen, dessen Lichtschein niemals lohte,
so glimme, blake ich, mehr schlecht als recht.

Es ist mir leider nicht die Kraft geblieben,
zu leben, bis des Sieges Sonne scheint.
"Ich sterbe lachend", hab ich einst geschrieben.
Nun sterb ich gar nicht gern, vernimm es, Freund.

Hab ich im Leben schon genug verrichtet?
Leb ich zu lange schon auf dieser Welt?
Ich hätt es gern verlängert und verdichtet,
mit rechtem Sinn und Fleiß mein Feld bestellt.

Ich ahnte nichts von meines Herzens Schauern,
wie es erbeben kann in Leid und Zorn.
Wie heiß es lieben kann, wie maßlos trauern,
wenn es verletzt wird, wie von einem Dorn.

Nun fühle, spüre ichs im Sichversenken,
wie sehr es flammen kann in seiner Glut.
Ich durfte es nicht meiner Heimat schenken -
hier hilft kein guter Wille und kein Mut.

Für seine Heimat, für ein Länd zu sterben
kann niemals schrecklich sein, ist ein Gewinn.
Doch hungern, frieren, im Verlies verderben
ist schändlich, ist ein Enden ohne Sinn.

Ich möchte leben; schaffen, weiter nützen
mit meiner Kraft; dem Herzen, dem Verstand.
Und wenn ich sterben muß, noch sterbend schützen
mein Volk, die Brüder, unser Vaterland.
September1942

 

Abschied

Wie bitter ist das Voneinandergehen,
wenn man doch weiß: Es gibt kein Wiedersehn!
Wenn du auf Erden und im Zeitgeschehen
nichts andres hast als ein Sichgutverstehn.

Wenn guter Freund den guten Freund gefunden
und beiden war die Bindung ein Gewinn,
verliert das Dasein mit den Abschiedsstunden
für jeden von den Partnern seinen Sinn.

Ein Sturm, gleich einem Pferd mit wilder Mähne
kommt, löst und wirbelt über Stock und Stein
Der letzte Kuß wie auch die letzte Träne,
sie werden ewig unvergessen sein.

Wieviel der guten Freunde und Genossen
der treuen Kampfgefährten ich besaß.
Ich bin allein - die Tränen sind geflossen -
und muß betrauern, was ich nie vergaß.

Was mir an Not bevorsteht und wie lange
ich wehrlos treiben muß - wer kennt die Spur?
Des Freundes Kuß auf meiner welken Wange,
sein Händedruck bleibt spürbar, wird zum Schwur.

Mir ist an Bitternis zuteil geworden
ein Übermaß - es ging durch Schlamm und Schlick.
Gib mir ein Wiedersehn wie einen Orden,
den ich verdient, du widriges Geschick.

Wie viele Jahre ist mir Leid geschehen,
traf mich die Peitsche, hat mich nichts verschont.
Gib ein Minutenglück des Wiedersehens,
du bittres Los, dann fühl ich mich belohnt.
Oktober 1942

 

Wölfe

Menschen gibt es, die auf Kriege setzen,
morden, Blut vergießen in der Schlacht
Menschen, Kriege führend, Recht verletzen -
und die Wölfe heulen in der Nacht.

All das Blut! Der Wölfe Lichter glänzen,
von dem Reichtum trunken und erregt.
Hat der Mensch doch in verrückten Tänzen
ihnen diesen Fraß selbst vorgelegt.

Eines Rudels alter, abgebrühter
Leitwolf sieht sich über Nacht verwöhnt.
Gierig hechelt er, und plötzlich sieht er
den Soldaten, der noch lebt und stöhnt.

An der Birke Stamm lehnt der Verletzte
seinen Kopf und spricht im Fiebertraum.
Wind verhält, der über Wiesen hetzte,
und es ächzt und wiegt sich auch der Baum.

Alle Wiesenblumen sieht man weinen,
und die Wiese ist nicht feucht vom Tau
diese Tränen gleichen Edelsteinen -
auch der Himmel trauert, nebelgrau.

Isegrimm beschnuppert ihn, berührend
den Verletzten, dessen Leib noch warm.
Plötzlich bäumt sich, die Gefahr verspürend,
der Blessierte und bewegt den Arm.

Heißer Atem des bedrohten Helden
schlug dem Tier wie Feuer ins Gesicht.
Und es kehrte um, ich kann vermelden,
es verschonte ihn - erriß ihn nicht.

Später' kamen Feinde,Mordgesellen,
menschenähnlich waren sie und hätten
den Verletzten auf die Beine stellen
können, ihn noch vor dem Tode retten.

Doch sie trieben die gemeinsten Dinge
mit dem Kranken, quälten ihn und zwängten
seinen Kopf in eine hanfene Schlinge -
zogen ab, nachdem sie ihn erhängten.

Menchen liefern sich so manche Schlacht,
morden, Mauern sprengend, mit Getöse.
Wölfe heulen in der Winternacht,
doch die bösen Wölfe sind nicht böse.. -
März 1943

 

Der Verliebte und die Kuh

Ich schenkte der Geliebten Floras Kinder,
zum Strauß gebunden, zärtlich zugedacht.
Sie aber sah nur Futter für die Rinder
und hat den Strauß verschmäht, mich ausgelacht.

Zum Fenster warf sie und hinaus ins Freie
den Blumenstrauß, den bald ein Rindvieh fraß.
Ich stand vernichtet - ob ich ihr verzeihe? -
o Schmäch,o Schimpf, wie überleb ich das?

Verwundert sah die Kuh auf mein Gebaren:
"Ich seh, daß du zwar menschenähnlich bist
doch bist du dir anscheinend nicht im klaren,
daß, was geschehn, durchaus in Ordnung ist.

Ich fraß die Blumen, die ihr zugedachten,
und biete Milch, die doch viel besser schmeckt.
So gibt es hier auf dieser Welt kein Schmachten,
wenn jeder das ihm Nützliche entdeckt.

Sieh, meine Milch läßt deine Liebste blühen,
sieh, meine Milch färbt ihre Wangen rot.
Sieh, meine Milch läßt ihre Augen sprühen,
und töricht scheint mir deines Herzens Not."

Die Kuh hat recht, und daß ich aufbegehrte,
war reichlich dumm, erkenne ich mit Scham.
Wann sie auch je den schönsten Strauß verzehrte,
bezahlte sie mit Milch und süßem Rahm.

Drum hab ichs mit dem Rindvieh ausgehandelt:
was der Geliebten schmeckt, das schmeckt auch mir.
Wann meine Liebe sich in Sahne wandelt,
wird Sahne auch mein Lebenselixier.

Ich werde alle Tage Blumen pflücken,
und auf dem schnellsten Wege werde ich
mit diesen Blumen deine Kuh beglücken -
und mit der Kuh, auf Umwegen, auch dich.
Nicht später als Mai 1943