Meine Lieder

Lieder aus feurigem Herzen geboren,
die ihr wie keimende Saat euch entfaltet.
Lieder, dem Lande der Väter verschworen
Glut euch beseelt, daß ihr niemals erkaltet.

Meine Gefühle, wie Runen und Kerben
sind sie geprägt, um mein Lied zu befreien.
Sollte es sterben, dann muß ich verderben,
wenn es am Leben bleibt, kann ich gedeihen.

Rot ist die Flamme, mein Lied zu erproben,
Kälte und Unrecht, sie müssen erliegen.
Mit meinem Lied hab ich Freunde erhoben,
mit meinem Lied könnt ich Feinde besiegen.

Schales Vergnügen des kleinen Genießers,
billige Freuden, ihr locktet vergebens
Wahrheit und Recht, diese Feinde des Spießers,
sind, wie die Liebe, der Sinn meines Lebens.

Tod oder Leben, ich muß es erdulden,
treu dem der Heimat gegebnen Versprechen.
Mit meinen Liedern versuch ich die Schulden-
last zu begleichen, den Eid nicht zu brechen.

Bin in den Lenz meines Lebens geschritten,
habe das heilige Schlachtfeld durchmessen
Daß ich als Mann für die Heimat gestritten,
will ich auch unter dem Beil nicht vergessen.

Hast mir geholfen, Lied, mich zu bewahren,
Lied, auch beim letzten Gang, kämpfend zu fallen.
War doch mein Leben ein Weg durch Gefahren,
mahnend sollst du nach dem Tode erschallen.
26. November 1943

 

Kleines Tuch

Als ich Abschied nahm, in letzter Stunde
gab mir die Geliebte dieses Tuch,
das ich heute sorgsam auf die Wunde lege
und den Quell zu stilln versuch.

Niemals will ich von dem Tuch mich trennen,
unsrer Liebe ists als Pfand geweiht.
Nun verfärbt es sich, und ich erkenne
meiner Herzensfreundin Zärtlichkeit.

o Geliebte, eins nur kann mir nützen:
vor dem Feind nicht weichen; voller Mut
dich und unser Heimatland zu schützen.
Dieses Tuch bezeugts mit meinem Blut.
Juni 1942

 

Die Freiheit

Wohin ich meinen Kopf auch immer lege,
mich dreh und wende, irgend etwas quält.
Gleich, ob ich still bin oder mich bewege,
ein Mangel foltert mich: die Freiheit fehlt.

Ich habe alles an der rechten Stelle,
die Hände, Füße - ganz und gar normal.
Doch seh ich mich gefangen in der Zelle,
die Freiheit fehlt, und das ist meine Qual.

Ich seh mich willenlos und seh die Wände,
in diesen Wänden lebend, ohne Sinn.
Was nützen mir die Füße und die Hände,
wenn ich an Hand und Fuß gefesselt bin?

In meiner Heimat wurde ich geboren.
War ich dort, Elternloser, abgespeist?
Erst in der Fremde habe ich verloren
mein Vaterland und fühle mich verwaist.

Hier bin ich Sklave, ewig an der Kette,
und gleich dem Hunde ich die Peitsche spür.
Selbst wenn ich Vater und auch Mutter hätte,
mein Platz wär immer "draußen vor der Tür".

Wohin bist du, mein Adler, fortgeflogen,
die Freiheit nutzend, König im Revier?
o hättest du den Atem eingesogen,
der mir noch bleibt - ich wär erlöst mit dir.

Als ich noch frei war, wußt ich da zu schätzen,
die goldne Freiheit, kannt ich ihren Wert?
Erst hier im Lager spür ich mit Entsetzen,
daß ich ein Sklave bin, verhöhnt, entehrt.

o sollte ich noch eine Chance haben
und sollte mich der Freunde Kraft befrein.
Die Freiheit ist die schönste aller Gaben,
dem Freiheitskampf würd ich mein Leben weihn.
Juli 1942

 

Wär ich frei

Wenn ich eine Schwalbe wär,
flügelleicht, nicht erdenschwer,
nach der Nacht mit ihrem Dunkel
und dem goldnen Stergefunkel,
flöge ich, ein Pfeil, geschwind,
mit dem Morgenrot, dem Wind,
hin zu euch, mein Haus, mein Kind.

Als ein goldgeschuppter Fisch,
in den Wellen, kühl und frisch,
eilte ich, den Strom entlang,
schnell zu dir, im Wogendrang;
wenn das Wasser zornig kocht,
sich die Ufer unterjocht...
meine Lilie, zierlich schlank.

Wäre ich ein feurig Pferd,
stolz und aller Ehren wert -
wärest du mir noch so fern -
wenn der Tau den Rasen näßt,
Wind die Zügel fallen läßt,
Tschulpan du, mein Morgenstern,
käme ich zu dir so gern.

Nein, das stimmt nicht: Wär ich frei,
wäre ich bestimmt dabei.
Mit dem Säbel, dem Gewehr,
ist auch Sterben nicht zu schwer.
Heimat du, mein Vaterland!
Mit der Waffe in der Hand
schützt' ich dich, im Feuerbrand.
1941

 

Der Wald

Die Sonne sinkt, ich aber steh noch immer
und schau versonnen zu des Waldes Rand.
Der große, stille Wald; im Mondenschimmer
scheint er zu wachsen, wird zur schwarzen Wand.

In seinen Tiefen werden Partisanen
am Lagerfeuer sich ihr Mahl bereiten.
Von Kämpfen ausruhn, neue Taten planen,
vor ihm, dem "Alten", ihre Skizzen breiten.

Der Partisan, Genosse "T" vielleicht,
wird listig, sorgsam seinen Plan entwerfen.
Ich sehe ihn: Gebräunt, das Haar gebleicht,
die Stunde nutzend, seinen Säbel schärfen.

Herrlicher Wald, des Feindes Mordbefehle,
der Stacheldraht, sie suchen uns zu trennen.
Er zwingt den Körper, aber nicht die Seele.
Sie darf dich lieben, sich zu dir bekennen.

Es geht mein Geist auf Pfaden, die versteckt
zu Wundern führen, die Natur sich schuf.
Und ob ich raste, ob ein Tag mich weckt,
zu allen Stunden hör ich deinen Ruf.

Du rufst mich, Wald, in dem Geäst dich wiegend,
zu frischen Quellen, zu verschwiegnem Bache
Du lehrst mich, rauschend, jeden Tod besiegend,
ein Lied des Kampfes und das Lied der Rache.

o Wald, mein Wald, wie schwer ist zu ertragen
die Schmach und Schande der Gefangenschaft.
In welche Winkel hast du sie verschlagen,
die Freunde und Genossen, ihre Kraft?

Führ mich zu diesen Stellen, hilf, enthülle
mir ihre Lager, schenk mir ein Gewehr.
Wenn ich im Kampfe meinen Schwur erfülle,
den reinen Schwur, ist auch der Tod nicht schwer.
Juli 1942

 

Rote Kamille

Tag erwacht, Aurora
grüßt die junge Flora.
Droht noch lächelnd den gescheuchten
Nebeln... die Kamillen leuchten.

Wind weht schönes Wetter,
küßt die Blütenblätter.
Morgenröte, sanft wie Seide,
bietet silbriges Geschmeide

Bei den gutgelaunten,
strahlenden, erstaunten
gibt es plötzlich ein Erschrecken,
weil sie Seltsames entdecken.

In dem Licht-Vereine
sehn sie eine Kleine,
deren Kleid nicht weiß, nicht reinlich,
sondern rot - und das ist peinlich.

Alle weiß wie Schnee.
Nur die kleine Fee
zeigt ein blutigrotes Röckchen,
rote Söckchen, rote Löckchen.

Und die Schwestern fragen:
Willst du uns nicht sagen,
was dich, Törichte, bewogen,
daß du rot dich angezogen?

Sprach die Rotgeschmückte,
daß es sie beglückte
Ein Soldat, ein Held, verwegen,
hat heut nacht bei mir gelegen.

Hat gekämpft, geschossen,
dann ist Blut geflossen.
Hat die Feinde überrundet,
doch dann wurde er verwundet.

Ja, sein Blut, es fiel
auf den Kelch, den Stiel.
Doch, ich will mein Kleid nicht bleichen,
will dem Morgensterne gleichen.

Der Dshigit ging fort,
ich bleib hier im Ort.
Will mich still zu ihm bekennen,
in der Morgensonne brennen.
Juli 1942