| Der Regen überraschte mich, so musste ich
mir schnell einen Unterstand suchen, in nächster Nähe sah ich
ein altes, leer stehendes Haus, das einsam am Hang des Berges stand.
Ich ging die drei Stufen zur Veranda hoch, nach zwei Schritten erreichte ich die Tür, die sich lautlos öffnen ließ. Das Haus schien schon sehr lange verlassen zu sein, denn der Staub lag fingerdick auf dem Boden und dem Geländer, das an einer Treppe nach oben in den ersten Stock führte. Möbel gab es keine, zumindest hier im Erdgeschoss, dass aus vier Räumen bestand, einer davon war die Küche. Auf dem massiven Spülstein befand sich eine Handpumpe. Im Wohnzimmer, durch einen offenen Kamin erkennbar, stand das einzige Möbelstück, ein Schaukelstuhl, fingerdick mit Staub bedeckt. Auf dem Kaminsims stand eine alte Petroleumlampe, die ich, nachdem ich den Staub entfernt hatte, anzünden wollte, aber das Petroleum war längst verdunstet. Es war ja auch noch nicht dunkel, nur der Himmel war bedeckt. Ich legte meinen Rucksack ab und rollte meinen Schlafsack aus. Ich hatte beschlossen. hier zu übernachten, ein festes Dach über dem Kopf war immer noch besser als ein Zelt. Ich warf einen Blick aus dem dreckigen Fenster, der Himmel hatte sich vollständig verfinstert, es hatte keinen Sinn auf das Ende des Regens zu warten. Ich zog meine Lederjacke aus und hängte sie über die Lehne des Schaukelstuhls, der sich überraschend lautlos ein wenig neigte. Draußen zuckten Blitze und es donnerte. Meine Jeans legte ich über die Armlehnen, damit sie trockneten. Ich wühlte meinen Trainingsanzug aus dem Rucksack, um ihn anzuziehen. Nun musste ich etwas essen, so baute ich meinen kleinen Gaskocher auf. Als ich das Ventil aufdrehte, rauschte das Gas, mit einem „Klick“ meines Gasfeuerzeuges brachte ich aus diesem eine Flamme hervor, mit der ich das Gas in Brand steckte. Ich drehte solange an der Einstellschraube, bis die Flamme blau und rauschend war. Ich öffnete ein Konservendose, leerte den Inhalt in einen kleinen Kochtopf, den ich auf den Kocher stellte, es gab ein metallenes Geräusch, das nicht von den leeren Wänden zurückhallte, wie es sonst in leeren Räumen der Fall ist. Mit einem Löffel rührte ich ab und zu um. Als es kochte, nahm ich es von der Flamme und löschte diese. Ich musste das Essen etwas abkühlen lassen, es war zu heiß, um es verzehren zu können. Währenddessen ging ich mit der Petroleumlampe in die Küche, weil ich glaubte, dort einen Metallkanister gesehen zu haben. Ich fand ihn, lautlos ließ er sich öffnen, ebenso lautlos lief das Petroleum in die Lampe. Nachdem ich den Kanister, er gab kein Geräusch von sich, an seinen Platz gestellt hatte, trug ich die Lampe wieder ins Wohnzimmer, dort entzündete ich sie, da es jetzt recht finster geworden war. Hin und wieder erleuchtete ein Blitz das Zimmer kurz mit seinen Licht, darauf kam gleich der Donner. Ich aß mein Abendessen aus dem Topf. Danach ging ich mit dem Topf, Löffel und Petroleumlampe in die Küche, die Lampe ließ sich lautlos auf den Spülstein stellen. Ich pumpte das Wasser aus der Tiefe des Brunnens hoch. Das Wasser, das aus der lautlosen Pumpe floss, war, zu meinem Erstaunen, nicht braun von Rost in der alten Leitung. Das Wasser lief lautlos aus der Pumpe, aber plätscherte in meinen Topf. Als der Topf sauber war, schüttete ich das im Topf verbliebene Nass in den Spülstein, auf den es lautlos tropfte. Ich nahm noch einen Schluck Wasser, dann ging ich zu meinem Schlafsack zurück. Ich sah auf die Uhr, es war noch gar nicht spät, aber die Dunkelheit machte mich müde. Ich stellte die Lampe neben den Gaskocher und stieg in meinen Schlafsack, der ein raschelndes Geräusch von sich gab. Noch eine Weile lag ich wach und sah die Decke an. In dem Haus waren keine Geräusche zu hören, wie in Holzhäusern üblich, außer dem Donner von draußen und meinem Atem. Kein Knarren, kein Knacken, kein Regenprasseln auf dem Dach war zu hören, ich hörte nur meinen ruhigen Atem. Als ich die Petroleumlampe ausmachen wollte, ich hatte das Einstellrad gerade berührt, als das farblose Petroleum begann grünlich zu schimmern, ein schwarzer Qualmstoß blies aus der Lampe, plötzlich vernahm ich Laute, dessen Ursprung ich nicht vernehmen konnte. Es hörte sich an wie Lachen, das aber einen klagenden Unterton hatte. Ich fuhr zusammen, an der Wand tanzten Schatten von Personen, aber ich war die einzige Person in diesem Raum. Ich wollte etwas sagen, aber irgendetwas hielt mich zurück und ich schwieg. Voll Erstaunen sah ich die tanzenden Schatten an, die mir plötzlich keine Angst mehr machten. Ich kroch aus meinem Schlafsack und stand auf, ich sah mich um, dabei stellte ich fest, dass ich keinen Schatten warf. Vorsichtig ging ich auf die Wand zu und berührte einen der Schatten, er war warm, die Wärme übertrug sich auf meinen ganzen Körper. Als der Schatten meine Hand verlassen hatte, spürte ich die kalte Holzwand. Ich stand in der Mitte des Raumes und die Schatten tanzten mit ihrem klagenden Lachen an der Wand. Ich hatte ihn nicht kommen hören, ich hörte ihn erst, als er im Raum stand und den Regen von seiner Jacke abschüttelte, es war auch ein Tramper. „Verdammter Regen! Ist hier noch 'n Platz?“ Ich drehte mich um, er hatte das Verbotene gewagt! Es war zu spät. Die Wärme wich aus dem Raum und es wurde von einem auf den anderen Augenblick eiskalt. Das Lachen wurde zu einem grauenvollen, dumpfen Brüllen. Die Schatten lösten sich von der Wand, sie wurden zu schwarzem Qualm und ergriffen ihn. Sie zogen ihn in die Wand hinein, doch nicht alles verschwand darin, laut klirrend fielen seine Brillengläser und das Glas seiner Armbanduhr zu Boden. Danach kehrten die Schatten wieder an die Wand zurück, das klagende Lachen setzte von Neuem ein und die Kälte wich wohliger Wärme. Am nächsten Morgen war der Himmel wolkenlos, so konnte ich frühzeitig aufbrechen, das Petroleum in der Lampe war verbraucht. Lautlos schloss ich die Tür des alten, merkwürdigen Hauses. Von Weitem sah ich einen Bauern, der mit einer Sense Gras mäht. Als er mich aus dem Haus kommen sah, hörte er auf und sah mich an, ich sah seine Gedanken, er wollte mich fragen, ob ich in dem Haus übernachtet hätte, aber er fragte mich dann doch nicht, weil er glaubte, dass ich dann wohl jetzt nicht mehr am leben wäre. Ich machte mich auf zur nächsten Stadt, die ich noch vor der Dämmerung erreichen musste, weil es wieder regnen und stürmen würde. - E N D E - |