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Mail vom 23. September 2005
Seit gegrüsst...wiedermal was von mir.
Mittlerweilen bin ich schon (oder vielleicht auch erst...) drei Wochen hier
in der Ferne. Ich habe mich schon ganz gut eingelebt und fühle mich ganz
schön wohl hier. Nur an die Hitze kann ich mich nicht gewöhnen, aber sie
versprechen mir immer, dass es bald kühler werden wird. Ich jedenfalls
hätte nichts dagegen.
Das erste Mal nach Asien kommen, bringt zwangslaufig einen Kulturschock mit
sich. Da steht man plötzlich in einer total anderen Welt, die mit nichts zu
vergleichen ist, dass man kannt. Aber nach einer ersten Angewöhnungsphase öffnet sich einem eine faszinierende Kultur. Ich staune hier Tag für Tag ab den
verschiedensten Sachen die bei uns nie und nimmer passieren würden.
Nepal, mit seinen vielen verschiedenen Völkergruppen, ist ein faszinierendes
Land. Hier leben, ähnlich wie in der Schweiz, sehr viele verschiedene
ethnische Völkergruppen friedlich miteinander. Nepal war schon immer eine
Verbindungsachse zwischen Tibet (China) und Indien, deshalb treffen sich
hier auch die verschiedensten Völker.
In Nepal geht alles sehr gemöchlich. Alles ist viel ungenauer als in
Europa...natürlich ist das Land auch nicht so sauber und gut entwickelt,
schlisslich ist Nepal eines der ärmsten Länder der Welt. Es braucht schon
sehr viel Flexibilität und Lockerheit wenn man hier Leben will. Alles geht
hier nach "Nepali-Time". Die nepalesische Sprache kennt übrigens keine Wörter für
5vor, 10nach etc. Es ist entweder viertel vor, viertel nach, halb oder
punkt...alles andere wäre viel zu genau.
Pläne machen ist hier nicht sehr ratsam, denn es kommt sicher wiedermal
etwas dazwischen (vielleicht hats gerade kein Licht, kein Wasser, eine Demo,
einen Streik oder es regnet...und dann ist alles wieder anders.)
Ich als Chaotin und als relativ flexible Person, hatte eigentlich keine
Mühe mich an dieses Leben zu geöhnen...umgekehrt wirds dann wohl
schwieriger!
Die Nepalesen (und Nepalesinnen) sind wahnsinnig Gastfreundlich. Wenn man
nur in einen Laden etwas kaufen geht und etwas mit dem Besitzer-in plaudert
hat man schon eine Einladung zum Essen oder auch einfach ein
"Freundschaftsangebot", falls man mal Probleme haben sollte.
Ich bin echt fasziniert von diesem Land und seinen Einwohnern.
Mal ein kleines Kapitel übers Essen, wär vielleicht auch noch interessant,
hab ich mir gedacht: Also ich kann nur für mein Monastery sprechen...in den
Familien ist es wieder anders. Jedenfalls kriegen wir zum Morgenessen immer
einen Tag "Rotis" (eine Art Fladenbrot), dann einmal "Ti-momos" (eine Art
Dampfnudel, natuerlich ohne Vanillsauce) und dann einmal "Reis mit Zwiebeln
und Chili" und dann wieder von vorne...
Zum Mittagessen gibts immer "Daahl Baath" (Reis mit einer Linsen-Bouillonsauce und Gemüse) und zum Nachtessen gibts "Thupa" (eine Suppe mit geschnittenen Noudeln und komischen Buffalofleisch)...die Suppe schmeckt nach nichts und schmeckt mir auch nicht so...aber das Mittagessen ist fein.
Die politische Lage in Nepal ist im Moment stabil. Jedenfalls macht es hier in Pokhara den Eindruck. Das Militär und die Maoisten haben einen Waffenstillstand verreinbart (für drei Monate). Hier gibts überall Check-Points (Strassensperren), an denen das Militär steht und die Autos kontrolliert. Ausländer werden aber nicht kontrolliert.
Jetzt bin ich die einzige Teacherin in dem Kloster (und auch die einzige Frau). Ich habe da schon recht Verantwortung, da ich ganz auf mich selbst gestellt bin. Ich muss eigentlich alles selber machen, schauen was ich den Mönchen beibringen will, das Material zusammensuchen und dann unterrichten.
Das alles ist nicht immer ganz einfach, da ich ja dafür nicht mal eine Ausbidung habe...ich schaue es einfach als Herausforderung an und denke mir immer..."wenn ich nicht da waere hätten sie gar kein Englisch...also"
Die Monastery (Matepani Gumba, heisst sie übrigens) ist eigentlich noch ein
relativ offenes Kloster. Die Mönche haben viel Kontakt mit der Aussenwelt,
dank den vielen Besuchern die ins Kloster kommen, spielen Fussball (Beckham ist
hier so was wie der zweite Buddha) und gehen am Samstag immer in die Stadt.
Mit den Mönchen habe ich es wirklich sehr gut. Am Anfang war ich schon
sehr überrascht wie viel Humor die haben (und wie viel Scheiss die machen)
aber schliesslich musste ich einsehen, dass das halt auch irgendwie einfach
ganz normal Knaben sind.
So, jetzt habe definitiv viel mehr geschrieben als ich eigentlich vor hatte.
Ich hoffe ich habe euch nicht gelangweilt, aber hier passiert so viel
Nennenswertes, dass es mir schwer fällt mich kurz zu halten.
Also, machts gut in der kalten Schweiz und bis zum nächsten Mal.
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