Mail vom 18. Oktober 2005
hallo alle zusammen...
Es ist schon wieder zwei Wochen her seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe
und mittlerweilen ist auch schon uber die hälfte meines "Nepalabenteuer"
vorbei...und die Zeit rast nur so an mir vorbei.
Ich habe gehört, dass meine Reiseberichte von vielen geschaetzt werden...es
macht mir auch Spass sie zu schreiben.
Ich bin hier gerade in meinem Zimmer und versuche dieses Mail vorzubereiten
(jetzt bin ich natürlich im Internet-cafe), werde aber dauernt von den
kleinen Mönchen abgelenkt. Ich habe die Fotos die ich von ihnen gemacht
habe nachmachen lasse und schenke sie ihnen nun...und das hat sich wie ein
Lauffeuer rumgesprochen. Jetzt stürmt alle paar Minuten Einer ins Zimmer:
"Miss, mero photo...my photo...".
Vor zwei Wochen (scheint eine Ewigkeit her zu sein) war der König hier in
Pokhara und an seinem letzten Tag hier macht er traditioneller Weise einen
Spaziergang und redet mit dem Volk. Daran sollte eigentlich jeder Bürger
von Pokhara teilnehmen...
Die Mönche haben das ernst genommen und so gingen wir alle an diesem
Sonntag in einem gemieteten City-bus zum Königspalast und stellten uns an
die Strasse...es war echt spannend die Leute die da warteten zu
beobachten...dazu hatten wir genügend Zeit, denn der König kam mit vier
stündiger Verspätung!
Tja, Propaganda Material hatten wir schon am Vortag gebastelt und so
schwenkten dann alle ihre Fahnen, Banner, Broschen etc. als der König
schliesslich doch noch kam.
Die Einheimischen mussten hinter eine Abschperrung stehen, aber die
Touristen durften relativ Nahe an den König (oder an seine Bodyguards) ran und
Fotos schiessen. Die Mönche haben mich dann auf die Strasse geschickt um von ihnen und dem König Bilder zu machen...das war ein echt komisches Gefühl...eine grosse
Menge aus Fotografen, Touristen und Fernehleuten die sich fast geprügelt
haben...und ich mitten drin. Schlussendlich kam ich dann noch im Fernseher, in den Nachrichten.
War schon echt spannend was da so abging. Vorallem wenn man weiss, dass der
König eigentlich nicht beliebt ist und alle wohl nur da waren (und so taten
wie der König der Grösste wäre) weil sie mussten.
Mir geht es hier immer noch sehr gut. Ich fühle mich hier total zu Hause.
Im Kloster werde ich wie eine von ihnen behandelt und wenn ich ausserhalb
erwähne, dass ich eine Voluntärin bin und drei Monate bleibe, dann sind
alle gerade meine Freunde...was bei "normalen" Touristen halt nicht ganz so
schnell geht.
Heute ging ich mal in ein westliches Restaurant essen...und habe mich, neben
den Pizzas und Spaghettis etc. trotzdem für ein tibetisches Gericht
entschieden. Ich bin echt abenterlich geworden was das Essen betrifft. Ich
probiere alles...da gibts manchmal schöne Überraschungen. Gestern zum
Beispiel, hatte ich plötzlich ganz kleine Fische (inkl. Augen) auf meinem
Dahl-baath. Die waren echt gut :-)
Das Kloster kommt mir manchmal wie eine oase vor. dort sieht man die armut
der bevoelkerung eigentlich kaum. klar, ab und zu hoert man wieder die
tragische geschichte eines moenches, aber dort geht es eigentlich allen gut.
es wird fuer sie gesorgt.
in der letzten zeit wurde ich aber immer mehr mit dem wirklichen leben der
armen bevoelkerung konfrontiert und das ist nicht immer einfach. ich war
jetzt ein paar man eingeladen bei den familien der moenche. zum teil auch
auf dem land. dort herrschen dann andere bedingungen...die lehmhauser haben
keine toiletten und kein fliessendes wasser...das leben dort muss echt hart
sein. arbeitslosigkeit ist auch hier ein riesen problem und versicherungen
oder sozialdienste etc gibt es hier natuerlich nicht. wenn man zum beispiel
krank ist und kein geld fuer das spital hat...dann stirbt man einfach.
europa ist fuer diese menschen die grosse hoffnung und das paradise. alle
wollen dorthin und arbeiten gehen. ich wurde schon so manchmal mit flehendem
blick angesehen und gefragt wie sie das machen muessen dass sie mitkommen
koennen. es ist hart ihnen sagen zu muessen, dass das praktische unmoeglich
ist. es macht auch keinen sinn wenn man den menschen sagt dass in europa
auch nicht alles gold ist was glaenzt...besser ist es sicher.
viele europaer sagen dann einfach, dass geld ja nicht alles ist und das es
auf andere dinge ankommt im leben. hab ich auch immer gedacht. aber
mittlweilen sehe ich das etwas anders. wenn man gar nichts hat ist geld halt
schon alles und nur wir, wo alles haben, koennen das so sagen.
tja, napal ist halt ein 3 weltland, auch wenn das nicht immer so aussieht
und es schadet sicher nichts das auch mal zu sehen. aber an manchen tagen
ist es schon fast etwas zu viel und dann kann ich das fast nicht ertragen.
klar kann ich etwas helfen...aber wo soll man beginnen.
aber genug gejammert. heute nachmittag gehe ich eine traditionelle
tibetische tanzvorfuehrung schauen. das wird sicher interessant.
gestern waren ich und irene, eine andere voluntaerinn beim nepali-lehrer zum
nachtessen eingeladen. er ist 25 jahre alt und unterrichtet neben seinem job
am abend im kloster. das war echt lustig. da sassen wir in der stube und die
mutter und die grossmutter haben pausenlos auf uns eingeredet (in ihren
dialekt)...obwohl wir nichts verstanden haben, war klar dass die beiden
frauen gerade unsere "qualitaeten" prueften, die hatten uns wohl am liebsten
gerade auf der stelle verheiratet.
(falls mal jemand dringend einen ehemann braucht, die gibts hier zu
tausenden...und europaerinnen werden sehr geschaetzt...!)
so, das wares wieder mal fuer den moment. ich muss gehen. eigentlich bin ich
schon zu spaet, aber ich bin hier ja in nepal...da ist das normal.
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