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Bauprojekt

Mail vom 4. November 2005

namaste

es ist wiedermal zeit fuer neuigkeiten aus nepal.

die zeit, die rast nur so an mir vorbei und in einem monat sitze ich schon
wieder in der winterlichen schweiz. so ganz langsam wird es allerdings auch
hier in pokhara winter. obwohl ich am tag immer noch in flip-flops,
hochgekrempelten jeans und shirt rumlaufe wird es am abend und vorallem in
der nacht empfindlich kalt...und heizungen kennen sie hier ja nicht. da bin
ich schon recht froh um den warmen schlafsack und den faserpelz-pulli. die
eiskalte dusche wird auch immer mehr zur herausforderung...und geschieht
auch nicht mehr so streng wie auch schon (ich schwitze ja auch weniger :-)

im moment ist das wetter hier sehr angenehm. jeden tag blauer himmel und
sonnenschein und natuerlich eine wunderschoene fernsicht auf die
verschneiten gipfel des himalaya. kurz nach meinem letzten mail hatten wir
hier die sintflut...vier tage stroehmender regen nonstop. in dem himalaya
gab das natuerlich auch maechtig schnee und auch schon das erste
lawinenunglueck, nei dem 6 franzoesische und 11 nepalesische bergsteiger ums
leben kamen. hier in pokhara habe die strassen jetzt einfach noch etwas mehr
loecher...

wir haben hier wiedermal ein festival. nepal feiert tihar. das ist ein
hindufestival und wird von den buddhisten eigentlich nicht gefeiert,
jedenfalls nicht im kloster. so sind dann auch die meisten moenche zu ihren
familien heimgekehrt und feiern dort (weil es halt einfach ein festival ist
das spass macht, habe sie mir erklaehrt). nur einige wenige, deren eltern
zuweit weg wohnen (oder nicht mehr leben) sind geblieben und hoeren sich das
gesinge und getanze - genau wie ich - von unserem huegel herab an.
an tihar werden kruehen, kuehe und hunde geehrt. die leute haengen diesen
tieren blumenkraenze um den hals und malen ihnen tikas (rote punkte aus
vermillon puder, reis und yoghurt) auf die stirn und segnen sie...wie das
allerdings bei den kraehen funktionieren soll habe ich nicht rausgefunden.
am abend ziehen dann ueberall tanzgruppen durch die strassen und bekommen
geld und suessigkeiten fuer ihre darbietungen. am letzten tag von tihar
malen sich die geschwister tikas auf die stirn und das ganze endet in einem
grossen familienfest.

ich war wiedermal im kino, diesmal war's ein nepalifilm ohne untertitel und
ich brauchte die unterstuetzung meiner begleiter, dass ich der wirren story
auch folgen konnte. ich habe mich allerdings schon recht gut an diese filme
gewoehnt, denn solche schauen sich die moenche jeden freitag und samstag
abend an. die filme hier gehen alle etwa drei stunden und erzaehlen das
ganze leben von mindestend zehn personen...inklusive allen
schicksalsschlaegen und freudigen erlebnisse. da wird geliebt, verheiratet,
gekaempft, geblutet und tragisch gestorben. am ende siegt dann doch immer
das gute, sprich der hero schlaegt alle boesen tot und das kinopunlikum
jubelt...
ich und irene, eine andere voluntaerin, waren zwei der wenigen frauen und
sowieso die einzigen weissen im kino. da wollte ein ganz mutiger typ
ausnuetzen und hat sich durch die ganze reihe gedraengt und sich genau auf
den freien stuhl neben mich gesetzt. in der dunkelheit des kinos wagte er
sich dann ein bisschen zu weit zu mir rueber...doch nachdem ich ihm
(inspirirt vom actionheld auf der leinwand) meinen ellbogen in die seite
gerammt habe, suchte er in der pause das weite.
solche offensiven sind hier die ausnahme. die nepalesischen maenner schauen
zwar schon, wenn weisse frauen vorbei gehen und rufen auch schon mal was
nach...doch sie sind eigentlich sehr freundlich und zuerueckhaltend.

vor kurzem hatte ich ein lustiges erlebnis in der puja. ab und zu kommen
bettler und setzten sich vors kloster - besonders jetzt in der festivalzeit,
da es jetzt viele besucher hat. ja, jedenfalls kam an diesem morgen eine
bettlerin in die puja - eine alte krumme frau, eingewickelt in unzaehlige
schmutzige tuecher. sie hat ihre runde in der pujahalle gedreht und sich vor
allen gegenstaenden x-mal verbeugt. schlussendlich sogar noch vor jedem
moench einzeln. das war sogar fuer die moenche seltsam und sie konnten das
lachen nur schwer zurueckhalten...und als sie sich dann noch vor mir
verbeugt hat, da konnten sich die moenche beinahe nicht mehr auf das beten
konzentrieren, so mussten sie lachen...war eine heitere stimmung.

ich habe hier, innerhalb von nur zwei monaten, eine zweites zuhause
gefunden. das liegt sicher an der freundlichkeit und offenheit der nepalesen
und der moenche. wenn ich durchs quartier laufe komme ich mir vor wie ich
schon lange hier wohnen wuerde. es gibt zwar immer noch viel neues zu
entdecken aber mittlerweilen bin ich mit dem leben hier vertraut. und man
kennt mich. immerwieder ruft jemand: "hallo simone, how are you" und dann
geht man tee trinken...

und ja die moenche, die wuerden mich wohl am liebsten behalten. obwohl ich
sicher nicht die beste lehrerin bin, lieben sie mich als schwester,
"mutter", best friend...oder was auch immer. ich wuerde einige am liebsten
mitnehmen. ja, der abschied wird sicher nicht einfach werden, aber das sind
abschiede ja nie.

ich genisse hier einfach noch meine letzten wochen und weiss schon jetzt,
dass ich nicht das letzte mal in nepal war...


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