Der Graph und die Hyperbärbel

Die meisten Frauen, die den Graphen kannten, hätten ihn als ganz parabel beschrieben. In allem, was er tat, war er stetig koeffizient. Es war an einem Ball, als er zum ersten Mal die Hyperbärbel erblickte. Ihr linkes Auge war mit dem rechten Auge kongruent, die Nase war zwar etwas asymetrisch, doch dies verlieh ihr den besonderen Reiz. Sie tangierte ihn im vorbeigehen. Dies gab ihm Mut, und er forderte sie auf. Sie tanzten zu wilden Logarithmen. Am Ende des Abends verlor er sie allerdings in der Mandelbrotmenge. Doch der Graph hatte von nun an keine ruhige Sekunde mehr. Ständig skizzierte er im Geist ihr kurvenreiches Schaubild. Weil er sie nicht wiedersah, fiel seine Laune exponentiell ab. Als er an diesem Tiefpunkt seines Lebens angelangt war, sagte ihm sein Cosinus, oder Vetter Hans: "Sieh doch nicht alles so negativ, Du bist doch keine Nullstelle, ich weiss, diese Welt besteht aus lauter komplexen Zahlen, doch Du musst zwischen Gutem und Bösem differenzieren und Dich in die Gesellschaft integrieren. Beschränke Dich nur auf die Grundmenge; besinne Dich auf Deine Wurzeln, Du bist ein Graph, das ist Deine Stammfunktion." Doch der Graph entgegnete:"Ich kann den Sinus ihrer Brust nicht vergessen. Ich muss mich mit ihr multiplizieren und kreuzen, ich werde sie erobern!"

Um Hyperbärbel wieder zu treffen, wandte er alle arithmetischen Mittel an. Des öfteren gab er atemberaubende Vorstellungen am Trapez, in denen er sich symmetrisch um die eigene Achse drehte. Schliesslich gelang es ihm, ein Treffen im Wald zu vereinbaren. Es war ein ganz besonderer Abend. Der runde Mond schien auf ihr ellipsoides Gesicht. Die Eulersche Zahl sang ihr dunkles Lied auf dem Hyperbelast. Rauten krochen auf der Erde. Er wartete bei den Wurzeln eines Baumes. Stoch-hastig wickelte er den Mantel um seinen Körper, als er ihr bleiches Gesicht im Prisma des Mondlichts erkannte. Der Graph näherte sich ihr asymptotisch. Er hatte die Fakultät, sich lautlos zu bewegen. Als Hyperbärbel ihn erblickte, rief sie:"Würfel, Kegel, Kreis und Kugel, Sie sinds mein Graph, das ist ja prisma!" Der Erwartungswert stieg ins unendliche. Ebenso des Graphens Vektor, bis er den rechten Winkel erreicht hatte. Doch als er sich schon den Gausschen Glockenkurven seiner Dame nahe glaubte, trat sein Kongruent, der furchtbare Bernoulli, aus dem Dunkeln und verlangte, sich auf dem Laplace mit ihm zu duellieren. Zuerst beschimpften sie sich. "Deine Jugend hast Du auf dem Strich verbracht!" - "Und Du hast Dich schamlos binomialverteilt!" Darauf zückten sie Geodreieck und Zirkel. Sie kämpften nach dem Hornerschema. Doch schliesslich erstach der Graph den Bernoulli mit seinem Zirkel. Auf dieser Ebene hatte er gesiegt. Er brachte sich in die Hess'sche Normalform, wandte sich der erschreckten Hyperbärbel zu und gab ihr einen Mathematikuss. Nichts stand seinem Glück mehr im Wege. Er analysierte die Lage kurz und stellte fest, dass sein Traum eine reelle Zahl geworden war. Kein Parameter trennte ihn noch von seiner Liebsten. Er umfing sie und war entschlossen, den Durchstosspunkt zu finden. Doch kurz vor dem Maximum versagte ihm die Potenz. Hyperbärbel lachte hämisch und leitete ihn wie ein verbrauchtes Stabdiagramm ab. Der Graph, diesen Wendepunkt in seinem Leben nicht verkraftend, gab sich den goldenen Schnitt.

(Autor unbekannt)