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Musik von Hans Straub

© Hans Straub

Alle Musikstücke auf dieser Seite sind frei verfügbar unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution-ShareAlike Lizenz.


Mikrotonale Musik

5-Ton-Stimmung

Asîmchômsaia

Das erste erfolgreiche Resultat meiner Versuche auf dem Gebiet der Musik in alternativen Stimmungen. Es kommt eine gleichstufige pentatonische Skala zur Anwendung, d.h. eine Oktave ist in 5 gleiche Teile unterteilt, sowie ein 5/8-Takt. Das ergibt eine weitgehende Symmetrie zwischen Tonhöhe- und Zeitkomponente, die Raum für allerlei mathematische Spinnereien bietet. Details zu letzteren sind unter Musik und Mathematik zu finden.

Asîmchômsaia (SoundClick) - Asîmchômsaia (mx3.ch) - Asîmchômsaia (Jamendo)

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17-Ton-Stimmung

Sharks

Klavierkomposition in gleichstufig-siebzehntönigem Temperament, d.h. eine Oktave ist in 17 gleiche Teile unterteilt. Ferner 17/8-Takt, was ähnliche mathematische Spinnereien erlaubt wie bei "Asîmchômsaia" - diesmal allerdings sind kaum mathematische Methoden eingeflossen. Gespielt von Jacob Barton und Daniel Sedgwick auf zwei entsprechend gestimmten Klavieren, am 26. September 2006 an der Rice University (Houston, Texas), im Rahmen des Seventeen Tone Piano Projects Phase 2.

sharks.mp3 - Sharks (Noten)

One minute prelude

Klavierkomposition, ebenfalls in gleichstufig-siebzehntönigem Temperament. Wurde komponiert für die 2010 60x60 Untwelve-Ausschreibung, bei der mikrotonale Kompositionen mit maximaler Länge 60 Sekunden gesucht wurden. (Das Stück wurde aber leider nicht ausgewählt...) Im Vordergrund stehen hier ein paar der harmonischen Möglichkeiten der siebzehntönigen Stimmung, insbesondere die Möglichkeit von Modulationen in weiter entfernte Tonarten ("Entfernung" hier gemessen als Anzahl Quintenschritte), als es in der zwölftönigen Stimmung möglich ist. Es kommt z.B. eine Modulation über 8 Quintenschritte vor, die grösstmögliche Distanz in dieser Stimmung. (In der zwölftönigen Stimmung gibt es keine grössere Distanz als 6 Quintenschritte.) Innerhalb der jeweiligen Tonart herrscht traditionelles Moll, aber die Modulationsschritte sind mikrotonal.

One minute prelude (SoundClick) - One minute prelude (mx3.ch) - One minute prelude (Jamendo)

Alla Turca

Komposition in gleichstufig-siebzehntöniger Temperatur für Klavier, Mundharmonika (ein Instrument, das von Natur mikrotonal ist) und Perkussion. Wurde ebenfalls komponiert für die 60x60 Untwelve-Ausschreibung, diesmal Ausgabe 2012/2013 (und ebenfalls leider nicht ausgewählt...) Hier verwende ich die Fähigkeit der siebzehnstufigen Stimmung, orientalische Tonleitern mit neutralen Sekunden und Terzen zu spielen (die Siebzehntonstimmung ist das kleinste gleichstufige System, welches dafür geeignet ist). Es kommen die arabischen Skalen Bayati und Rast vor, kombiniert mit kontrapunktischen Linien.

Alla Turca (SoundClick) - Alla Turca (mx3.ch) - Alla Turca (Jamendo)

Rhapsodies for Cairo

Pianoimprovisationen, in sozusagen klassisch-romantischem Stil, doch mit Verwendung von orientalischen Skalen. Für Soloklavier, umgestimmt in eine Teilmenge der gleichstufigen Siebzehntonstimmung.

Rhapsody for Cairo no. 1 (SoundClick) - Rhapsody for Cairo no. 1 (mx3.ch) - Rhapsody for Cairo no. 1 (Jamendo)

neu 2015-12-11: Rhapsody for Cairo no.2 (SoundClick) - Rhapsody for Cairo no.2 (mx3.ch) - Rhapsody for Cairo no.2 (Jamendo)

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19-Ton-Stimmung

Gon-Tanz

Klavierkomposition in gleichstufig-neunzehntönigem Temperament, d.h. eine Oktave ist in 19 gleiche Teile unterteilt. Basiert auf einer Tonleiter aus 9 Ganztönen. Hintergrund war dasselbe mathematisches Modell der musikalischen Modulation wie bei "On-To-Sû, So-Na-Ta". Details siehe Musik und Mathematik.

Gon-Tanz (SoundClick) - Gon-Tanz (Noten)

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22-Ton-Stimmung

Nocturne

Klavierkomposition im romantischen Stil, in gleichstufig-zweiundzwanzigtöniger Stimmung. Die Unterteilung der Oktave in 22 gleiche Teile ergibt vergleichbar gute Approximationen für Quinte und grosse Terz und deutlich bessere für den 7. und 11. Oberton (Naturseptime 7/4 und Alphorn-Fa 11/8). Ich habe den Vierklang, welcher aus den Approximationen des 4., 5., 6. und 7. Obertons besteht (eine Art Dominantseptakkord), sowie dessen Komplement (eine Art Moll mit zugefügter Sexte) als Basisakkorde für die Komposition genommen. Konkret von Bedeutung ist dann die Tatsache, dass diese Basis-Vierklänge aus 7, 6, 5 und 4 (bzw., beim Mollakkord, 4, 5, 6 und 7) Intervallschritten bestehen, was reichhaltige Möglichkeiten bietet, durch minimale chromatische Verschiebungen von einem Akkord zum nächsten zu gelangen. Der Dur- und der Moll-Dreiklang in der üblichen zwölfstufigen Stimmung haben eine analoge Eigenschaft, sie bestehen aus 5, 4 und 3 (bzw. 3, 4 und 5) Intervallschritten. Insbesondere kann man je zwei beliebige Töne fix lassen und durch minimale Verschiebung des dritten zu einem Mollakkord gelangen, von C-Dur etwa zu C-Moll, E-Moll und A-Moll (dies sind die sogenannten neo-Riemannschen Transformationen). In der Zweiundzwanzigtonstimmung gilt nun dasselbe für den Dur-Vierklang: man kann je zwei beliebige Töne fix lassen und durch in der Regel minimale Verschiebung der anderen zwei zu einem Moll-Vierklang gelangen. Die Harmoniefolgen der Komposition entwickeln sich grossenteils auf solchen Dur-Moll-Transformationen.

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Val Fedoz

Auch eine Klavierkomposition in gleichstufig-zweiundzwanzigtöniger Stimmung. Sie ist geschrieben in Porcupine-Temperatur, ein in der Zweiundzwanzigtonstimmung verfügbares alternatives System analog zur bekannten mitteltönigen Temperatur. Die Basisskala besteht aus einem "grossen Ganzton" (4 Schritte im Zweiundzwanzigersystem) und 6 "kleinen Ganztönen" (3 Schritte). Alle Melodien und Harmonien sind strikt in einem der diversen Modi dieser Skala gehalten. Besonderes Augenmerk galt den Modulationen, also Wechseln von einer Porcupine-Skala zur anderen. Das Paradigma der regulären Temperaturen bietet ein natürliches Modulationsmodell an, dessen Realisierung im Falle der historischen mitteltönigen Stimmung der bekannte Quintenzirkel ist. Das Analogon in der Porcupine-Temperatur ist ein "Kleine-Ganztöne"-Zirkel. Wie im mitteltönigen Fall gibt es "benachbarte" Tonalitäten, die sich nur in einem Ton unterscheiden. Die Modulationsmuster sind natürlich verschieden von den herkömmlichen.
Der Takt ist ausserdem 11/8, passend zur Stimmung. Der Titel bezieht sich auf ein Tal in den Bündner Alpen in der Nähe von Sils Maria. Das Hauptthema des Stücks wurde dort auf einer Wanderung komponiert.

Val Fedoz (SoundClick) - Val Fedoz (mx3.ch) - Val Fedoz (Jamendo)

"Val Fedoz" ist auch verfügbar auf der Seite der Untwelve 2014 competition (es war mein Beitrag zu diesem Wettbewerb).

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24-Ton-Stimmung

Sinai

Cembaloimprovisation, hauptsächlich im orientalischen Modus "Husseini". Cis und Fis sind einen Viertelton tiefer gestimmt als Standard, B einen Viertelton höher, die anderen Tasten in Standardstimmung.

Sinai (SoundClick) - Sinai (mx3.ch)

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96-Ton-Stimmung

Morph 96

Ursprünglich geschrieben für Sechzehnteltonklavier (ein Klavier mit 97 Tasten, die aber von unten bis oben nur eine Oktave umfassen). In der vorliegenden Aufnahme kommt allerdings ein mit der Musiksoftware Csound programmierter gitarrenähnlicher Klang zur Anwendung. Das Stück folgt dem Paradigma der Minimal Music mit einem einfachen Grundmuster, das über einen längeren Zeitraum mit leichten Variationen wiederholt wird. Die Variationen in diesem Fall sind graduelle Übergänge, sozusagen "Morphing" zwischen Akkorden, ermöglicht durch die extrem kleinen Tonhöhenschritte, die die 96-Ton-Stimmung anbietet..

Morph 96 (SoundClick)

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Piano-Improvisationen

Die Vorgeschichte der folgenden Klavierstücke begann vor vielen Jahren, wenn ich beim Üben manchmal ein Bedürfnis nach Erholung verspürte und dann zwischendurch einfach drauflos improvisierte, von den jeweiligen zufälligen Positionen der Hände aus. Dabei kamen manchmal Dinge heraus, die überraschend gut in meinen Ohren klangen. Ich begann dann, dies öfter und planmässiger zu tun und die gelungeneren Resultate auch aufzunehmen, woraus sich mit der Zeit ein spezieller Improvisationsstil entwickelte. Im Laufe der Jahre hat sich so eine ganze Menge Aufnahmen angesammelt, die in der folgenden Play List zu hören sind.

Bitonal Piano Play List (mx3.ch)

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Und hier noch etwas aus "grauer Vorzeit"...

Musik mit dem Commodore 64

Bei den folgenden Stücken wurden alle Klänge mit dem Commodore 64 programmiert. Dessen Soundchip machte den Commodore nämlich zu einem veritablen Musikinstrument, das - in Verbindung mit freier Programmierbarkeit - bei mir seinerzeit ein beträchtlichem Kreativitätspotential freisetzte. (Na gut, professionelle Qualität erreichen die Stücke natürlich kaum, nur schon von der Aufnahmeqalität her; sie stehen hier aus Nostalgie, sozusagen in memoriam, da ich meinen Commodore 64 im Jahr 2002 entsorgt habe - *schnüff*).

C64 Random Impression

Zufallsgenerierte Melodien ohne Rhythmus, ohne Struktur oder Entwicklung. Zum "Aktiv-Hören" todlangweilig, jedoch ganz gut geeignet als Hintergrundmusik. Als Grundskala dient eine Ganztonleiter, was ein etwas impressionistisches Klangbild ergibt.

C64 Random Impression 1 (SoundClick) - C64 Random Impression 2 (SoundClick)

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Links

Eine der grossartigen Eigenschaften des Internet ist die Möglichkeit, dass Interessierte an jeglichem noch so exotischen Fach auf einfache Weise zusammenkommen können. So ist es auch mit der mikrotonalen Musik: es gibt eine lebendige und vielfältige Szene im Internet, die sich der Theorie und Praxis (oder besser: den Theorien und Praxen) aller Arten von mikrotonaler Musik verschrieben hat. Das derzeit lebendigste Forum mit einer Menge Diskussionen ist vermutlich die Xenharmonic Alliance II auf Facebook.

Xenharmonic Alliance II (Facebook)

Bevor es Facebook gab, war die beste Anlaufstelle für mikrotonale Musik lange Jahre lang das Tuning-Webforum auf YaHoo, das auch als Mailingliste genutzt werden kann. Heutzutage ist dort leider fast kein Verkehr mehr, doch das eindrückliche Archiv über Jahre von Diskussionen bietet eine Menge Informationen zu allen erdenklichen Themen der mikrotonalen Musik.

Als Plattform für das über die Jahre angehäufte beträchtliche Wissen hat sich das Xenharmonic Wiki etabliert. Man findet dort verständliche Einführungen wie anspruchsvolle theoretische Abhandlungen, jede Menge Links zu existierender mikrotonaler Musik, akademische Arbeiten und vieles, vieles mehr.

© Hans Straub
Datum: 2018-10-05

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