|
Sa, 31. August
Ankunft.
Schnell habe ich mein Gepäck am Flughafen gefunden und sitze schon bald im Bus Richtung Taksim. Beim Marmara-Hotel warte ich auf Christine. Zu Fuss gehts dann zur Wohnung. Balkon mit Aussicht auf den Bosporus/Üsküdar, die Wohnung ist recht gemütlich. Christine zeigt mir die wichtigsten Dinge (Herd, Kaffeemaschine) und wo's einen Süper-Market gibt zum Einkaufen. Ich richte mich etwas ein.
Später gehe ich noch etwas aus, die Wohnung liegt unweit der 'Istanbul-Vergnügungsstrecke' (Beyoglu / Umgebung der Istiklal Caddesi). Es reiht sich ein Musik-Lokal ans andere. Ich gehe aufs geratewohl irgendwo rein, wo mich die Musik anzieht. Hier wird Baglama Saz und Darbuka gespielt und gesungen - weit und breit sind keine Synthesizers zu hören. Ausländer sind hier wohl auch eher selten. An diesem Abend sind nicht besonders viele Leute da, ein junges Paar lädt mich noch zu einem Drink ein. Sowohl Musik als auch Atmosphäre sind nach meinem Geschmack. Ich bin aber doch müde von der Reise und gehe früh heim/schlafen.
So, 1. September
Am Morgen regnet es in Strömen. Das hilft beim Ausschlafen! Bis ich aufstehe, hat der Regen aufgehört, aber der Balkon ist noch ziemlich nass. Ich geniesse es trotzdem.
Ich suche den optimalsten Spazierweg zu DILMER. Da es in dieser Gegend ziemlich viel rauf und runter geht, ist das der mit dem kleinsten Höhenunterschied. Von Dilmer gehts dann zum Bosporus runter - Saat Kulesi, Dolmabahçe Palast. Da es unterdessen sehr schön geworden ist, will ich nicht in ein Gebäude reingehen. Ich spaziere zum Hafen Besiktas und fahre per Boot nach Üsküdar.
Das dortige Bosporus-Ufer ist wirklich eine Spazier- und Entspannungsstrecke. Schön und gemütlich. Mit Boot/Bus gehts dann wieder zurück nach Taksim. Damit ich in Zukunft beim Essen bestellen keinen Stress mehr habe, schaue ich noch etwas Wichtiges im Wörterbuch nach - Vejetariyen. Kann ich mir merken.
Mo, 2. September
Der erste Schultag besteht aus einem Einstufungstest. Ich werde in die zweite Klasse eingeteilt. Danach habe ich frei.
Mit Bildern und Wörterbuch ausstaffiert mache ich mich auf den Weg zur Elhamra Pasaji. Servets Laden ist zu, ein Nachbar erklärt mir, Servet sei übermorgen wieder da.
Also ziehe ich weiter zur Galip Dede Caddesi, wo es haufenweise Instrumentenläden gibt. Samir hat mal etwas von Darbukas mitbringen gesagt, ich schaue mich etwas um. In einem Laden spielt jemand Ud - ich gehe rein und höre etwas zu. Es kommt noch eine österreichische Familie rein, der Mann spricht türkisch und fragt nach Neys. Der Verkäufer kann selber recht gut deutsch - so wird hin und her geredet. Später habe ich dann selber die Ud in den Fingern. Ich spiele das einzige türkische Lied, dass ich kann - Üsküdara Giderikken. Zum grossen Amusement der Verkäufers natürlich. (Das Stück höre ich in der nächsten Zeit noch ab und zu.)
Di, 3. September
Erste 'produktive' Schulstunde. Wir sind eine international zusammengewürfelte Gruppe. Im Laufe der 4 Wochen gibts auch einige Zu- und Abgänge. Der (gute!) Unterricht wird meist auf türkisch gehalten - es können auch gar nicht alle Englisch. Die Chinesin und der Japaner müssen sich zB. sowieso auf Türkisch unterhalten.
Ich bin ja zu faul, um mir tänzerisch etwas anderes zu suchen. Also gehe ich hier in Istanbul zu meiner schweizerischen Vermieterin Christine ins Modern. Am Abend ist dann die erste Tanzstunde. Kurslokal ist der Übungsraum in einem Theater, das in einem ehemaligen Armenischen Kloster untergebracht ist. Der Tanzraum ist sehr schön - so mit altmodischem Flair. Angenehmes Abmiente! Im Moment sind gerade Ferien - die sanitären Einrichtungen funktionieren gerade nicht. Das stört aber den Unterricht nicht!
Die Umgebung ist übrigens der Treffpunkt der hiesigen Transvestiten.
Mi, 4. September
Zusammen mit meiner schwedischen (Sprach-)Kurskollegin Elisabeth - die tanzt auch orientalisch - gehe ich nach der Schule zu SIM. Wir sind aber nicht so begeistert vom aktuellen Angebot. Immerhin erinnert sich der Chef, dass er mich hier schon einmal gesehen hat (Passions ... rot ist von da).
Elisabeth fühlt sich nicht so gut und geht nach Hause - ich steuere zu Servet. Nach etwas Nachdenken kommt ihm die Erinnerung ... er hat sogar noch unsere Aufträge von damals archiviert.
Mit Bildern und Wörterbuch erkläre ich mein aktuelles Begehren. Es dauert eine Weile! Dafür kriege ich am Ende auch, was ich mir wünsche. Servet arbeitet in TL, und seine Preise sind anscheinend etwa änlich wie vor 2 Jahren - mein Kleid wird ca 130 Mio =^ 120 CHF (ca 80 Euro) kosten.
Servet nimmt mich noch mit zum Essen. Dabei fällt dann auch schon ein Stichwort, das in dieser Zeit die Türkei beschäftigt - Wahlen. - Was der Servet übrigens kann (nebst Nähen und auf Kundenwuensche eingehen) ist Türkisch fuer Anfänger reden, ohne sich dabei auf Banalitäten zu beschränken.
Do, 5. September
Nach den Hausaufgaben weihe ich den grossen Salon definitiv als Übungsraum ein. Viel Platz - und nach und nach ein enstpannt-konzentriertes Tanzen. Hier entsteht ein Teil der Vorstellung im Baran Musikhaus vom 26. Oktober.
Fr, 6. September
Heute steht Ausflug per Metro auf dem Programm. Zuerst fahre ich vom Taksim 2 Stationen bis Sisli/Mecidiyeköy, da ich für Barbara etwas bei Bella vorbeibringen will. Ich habe keine Ahnung, wo es weitergeht, darum nehme ich dann ein Taxi. (Ob ich einen Freund habe in Istanbul etc. - habe ich schon mal vor 2 Jahren beim Taxifahren gehört!) Nach einigem Rumkurven und Nachfragen bei Passanten zeigt mir dann der Fahrer, wo es etwa sein sollte. Tatsächlich - gefunden! Ich schaue mir noch etwas Bella-Kostüme an. Sehr schön und edel entworfen und gearbeitet, bei entsprechenden Preisen. Grundlos dominiert Bella die Szene nicht ...
Nachher frage ich nach einem Plan, Bella liegt in Wirklichkeit ganz nahe bei der Metro - Ausgang Sisli / Fulya Caddesi. Muss man halt von Anfang an wissen.
Nachher gehts noch zwei Stationen weiter mit der Metro - 1. Levent. Ich erwische auch diesmal wieder den ungünstigen Ausgang. Istanbul sieht hier schon fast aus wie irgendeine Grossstadt - mit Hochhäusern, Blocks und so weiter. Ich frage mich erfolgreich zu den Emlak Kredi Bloklari durch - ist auch wirklich nicht weit. Dort befindet sich die Internet-Firma (Nevarts), welche Homepage/Internet-CD-Versand etc. von Kalan Müzik macht.
Am Anfang bin ich etwas erstaunt. Die Leute erklären mir aber, dass vor einer Woche eingebrochen worden ist - deshalb das Durcheinander. Geklaut worden sind PCs (und nicht etwa CDs oder Musikbücher). Und sonst - das ist halt ein Büro, wo viele Leute am PC arbeiten. Ich werde als exotischer Bürogast freundlich aufgenommen. Mein 'Gastgeber' (wir hatten zuvor via E-Mail Kontakt gehabt) hat noch einen anderen Besuch und trinkt Tee, derweil ich einen Haufen CDs anhöre und dann eine schöne Auswahl treffe. Durchschnittspreis ist dann hier auch weniger als etwa in der Istiklal Caddesi. (Tee und Wasser kriege ich natürlich auch - das ist eigentlich immer so in diesem Land).
Den Heimweg per Metro finde ich auf Anhieb. Nicht nur, dass es mir definitiv nicht schlecht wird (das ist bei Taxi / Bus evt. schon mal der Fall) - die Metro ist wirlich praktisch und angenehm. Diese Strecke war übrigens - soweit ich mich erinnere - kurz nach unserem Istanbul-Trip vor 2 Jahren in Betrieb genommen worden.
Sa, 7. September
Ich geniesse den schulfreien Tag! Vier Stunden Unterricht, Hausaufgaben und Lernen sind auch recht anstrengend - ich habe ja sonst auch noch vieles vor (z.B. fast jeden Abend Live-Musik hören).
Gegen Abend habe ich eine Plauderstunde mit Christine. Sie erzählt von ihrer Tänzerischen Laufbahn - und wie es gekommen ist, dass sie in Istanbul hängen geblieben ist. So was kommt halt vor.
|