So, 8. September

Noch ein freier Tag. Ich fahre per Taxi zum 'Spiegelschlösschen', da sich dort gemäss Reiseführer das Musikinstrumentenmuseum befinden soll. Auf alle Fälle ist die Anlage am Sonntag geschlossen (das gesuchte Museum ist scheints wirklich dort - am gleichen Ort wie das Koç Müzesi).
Jedenfalls lasse ich mich vom Taxi zur Süleymaniye - Moschee bringen. Dieser Fahrer ist übrigens sehr hilfsbereit (das war der vom Freitag auch) und sehr korrekt.
Ich besichtige die Moschee - sie beeindruckt v.a. durch ihre Grösse! - und spaziere in Beyazit herum. Ich merke mir noch einen Verkausfsstand, den ich mit Claudia zusammen aufsuchen will, weil es da Tribal-geeignete Stücke gibt.
Nachher gehts durch Laleli (ich könnte aber nicht mehr genau sagen, wie ich zum Hotel Zürih komme!) nach Aksaray - und per Bus wieder heim.

Mo, 9. September

Am Abend gibt es Kostümprobe bei Servet. Es wird wunderschön - Farbe und Form wie ich es mir vorgestellt hatte!

Di, 10. September

(Heute wird die Schweiz in die UNO aufgenommen!)
Wieder Tanzstunde. Christine war usprünglich Ballettänzerin, sie hat für sich selber den Weg zum Modern nochmals durchgemacht. In den Stunden machen wir vor allem Übungen - nur kurze Abläufe. Placement, maximale Anspannung, maximale Entspannung. Sehr anspruchsvoll und anstrengend - und es tut mir sehr gut!

Do, 12. September

Heute kommt der Makler mit einem potentiellen Mieter vorbei, als ich am Üben bin. Der wundert sich wohl ...

Fr, 13. September

In der Pause schreiben wir mal 'meine Augen' in allen Sprachen/Schriften, die wir zu bieten haben, an die Wandtafel - Arabisch, Chinesisch, Deutsch, Farsi, Japanisch, Russisch, Ukrainisch - das kann sich sehen lassen! (die Schwedin ist heute nicht da).
Am Nachmittag gehe ich zum Mevlevihanesi - Museum. Am Eingang lese ich noch zwei junge Frauen auf, die nicht so ganz wissen, wo sie hinwollen. Sie merken nicht gleich auf Anhieb, dass ich eine Ausländerin bin. Wir spazieren zusammen herum, und sie erzählen mir ihre Probleme. Sie sind mit ihren Freunden zusammen per Auto in die Stadt gekommen, dann hat es Streit gegeben, und so sind sie hier abgesetzt worden. Ohne Geld etc.
Die eine erzählt, sie habe als Model gearbeitet, bis ihr Vater das gesehen habe. Dann habe er sie geschlagen - und sie musste aufhören. Der Vater wünscht auch, dass sie ein Kopftuch trägt. Sie wickelt ihre Tücher so um ihren Kopf, dass ihr apart-schönes Gesicht noch besser zur Geltung kommt. Auch die Kleidung - züchtig abdeckend und figurbetont sexy.
Die andere sagt, dass ihr Vater noch ander Frauen habe als ihre Mutter und denen das Geld gebe.
Was für Aussichten - kein Job, finanzielle Abhängigkeit, familiäre Einschränkungen.
Sie kommen noch mit ein meine Wohnung. Ich möchte sie aber schon nicht über Nacht hier behalten. Das funktioniert dann aber auch ohne Vorwürfe/Ressentiments. Bevor sie gehen, wollen sie sich noch frisch schminken - mit meinen Utensilien natürlich, sie haben ja nichts dabei. Die eine schafft es dann auch noch, einen Haufen Puder über die ganzen Sachen zu leeren - das ist ihr aber schon auch unangenehm. Ich glaube ja schon, dass sie nette Mädchen sind, aber irgendwie ziehen sie glaubs auch Ärger an. Heute bin ich ganz froh, dass wieder der Immobilienmensch mit Begleiter kommt - ich kann die jungen Damen mit etwas Bargeld verabschieden.
Der heutige Mietinteressent sucht eine Wohnung mit Frau (Französin) und Bébé. Aber sehr kurzfristig, und ich will ja nicht schon in einer Woche ausziehen.
Schminken tue ich mich übrigens in der nächsten Zeit nicht mehr.

Sa, 14. September

Als ich am Vormittag am Üben bin, kommt nochmals der Mietinteressent von gestern vorbei - er will die Wohnung einer Freundin zeigen. Noch einer (bzw. zwei), der sich wundert ...
Am Nachmittag kommen Claudia und Alex an. Es regnet in Strömen. Erste Aktion - sie kaufen noch eine Schirm beim Verkäufer neben dem Marmara-Hotel. (Der weiss auch, wie man das Geschäft macht). Von der Aussicht von meiner Wohnung aufs Quartier meint Alex, das sähe so aus wie Lissabon. Und ich versuche zu behaupten, Istanbul sei doch etwas ganz Besonderes.
Am Abend gehen wir zuerst ins vegetarische Restaurant 'Nature and Peace' (das heisst wirklich so!) essen. Nachher gehts weiter in mein Lieblings- Türkü Evi (Hayyam, das vom ersten Abend). Heute ist der Tag der älteren Herren. Obwohl nicht sehr viel Platz vorhanden ist, wird immer wieder mal getanzt - von jung und alt. (Das sei so wie in Tunesien, meint Claudia.)
Die Musik macht Pause, und einer der Älteren wird aufgefordert, eine Geschichte zu erzählen. Offenbar kennen ihn die Leute hier. Ich verstehe ehrlich gesagt nichts - aber Gestik, Erzählrhythmus etc. sind auch so interessant! Nachher steht ein noch etwas älterer auf und deklamiert inbrünstig ein Gedicht - so tönt es jedenfalls. (Ich verstehe immer noch nichts). Beim Tanzen schwingt der Rezitator übrigens mit jugendlicher Begeisterung das Becken - beim Rausgehen humpelt er fast und sieht wieder so aus wie ein alter Mann!
Ein Ausgehabend alla turca.