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So, 15. September
Wir wiederholen so etwa die Tour, die ich vor zwei Wochen gemacht habe. Per Schiff nach Üsküdar, rumspazieren. Damit wir dann auch mal noch die legendäre erste Bosporusbrücke überquert haben, nehmen wir ein Taxi retour. Die Brücke ist wirklich ein beeindruckend gigantisches Bauwerk. In einem Teegarten beim Taksim warten wir nachher auf die Ankunft des nächsten Gastes - Evelyne kommt noch, eine Freundin von Claudia und Alex.
Kaum hat sie sich etwas eingerichtet in der Wohnung, will ich schon losrasen - wir schaffen es gerade rechtzeitig zu einer Vorstellung der 'Drehenden Dervische' im Mevlevihanesi Müsezi. Alte Musik, so wie ich sie mag. Und eben die wirbelnden Derwische, natürlich versuche ich, mir einiges davon zu merken. Aber mir wird's schon vom Zuschauen fast schwindlig. Die Stimmung ist bis zum Ende recht feierlich, obwohl das ja ein eigens zu touristischen Zwecken aufgeführtes Ritual ist.
Wir spazieren zum Galataturm und fahren mit dem Lift zum Aussichtsbalkon (noch etwas für den Schwindel). Das Wetter ist immer noch nicht optimal, aber wesentlich besser als bei der Ankunft von Claudia und Alex. Auf jeden Fall geniessen wir die Aussicht. Wir fragen im Club nach den Preisen und melden uns spontanentschlossen an, zu einem reduzierten Preis. Danach spazieren wir noch über die Galatabrücke (die war vor 2 Jahren eine Baustelle) und etwas dem Wasser entlang.
Im Night Club ist so das übliche Programm - Musik, Volkstänze aus Anatolien und dem Kaukasus, Orientalischer Tanz. Alle Tänze übrigens mit Live- Musik. Natürlich wird Claudia zum Tanz auf die Bühne geschleppt - und sie konkurrenziert die Tänzerin gewaltig. Die zweite Orientalische Tänzerin hat ein wesentlich interessanteres Repertoire - für meinen Geschmack geht zwar alles zu schnell, aber die Qualität ist iO. Am Ende kommt dann noch der obligate Schlagersänger, der so ca. aus jedem Land, aus dem Gäste da sind, ein Lied kennt.
Der Club läuft scheints im Moment nicht so gut, es sind nicht sehr viele Gäste da. Aber so bekloppt touristisch die ganze Sache sein mag - wir haben uns wirklich amüsiert. Und die Volkstänze haben mir gut gefallen.
Mo, 16. September
Wieder ein Abend mit türkischer Unterhaltung fuer Türken. Meine Besucher haben im Reiseführer einen Tipp für ein Restaurant gefunden. Per SMS/Handy koordinieren wir uns - ich muss mich aber zur angegebenen Adresse durchfragen. Es gibt wieder Live-Musik, und es sind zwei grössere Gruppen von Gästen da, die etwas feiern - und dabei selber Tanzen und nach Möglichkeit mitsingen.
Mi, 18. September
Ich kann endlich mein Kleid bei Servet abholen. Meine nächste Bestellung bei ihm ist aber bereits in Planung.
Während Servet die letzten Haken anpasst, kommt eine weitere Kundin mit ihrer Mutter, welche scheints ihr Manager ist, ins Geschäft. Servet zeigt mir ein paar Zeitungsbilder von Auftritten der jungen Dame, die als Sängerin und Tänzerin gross rauskommen möchte. Ihr Outfit ist doch ziemlich anders als meines - und auch wesentlich knapper (dabei ist doch von mir im Fernsehen auch meistens va. der Bauch zu sehen). Servet näht auch Auftrittskostüme für Travestiekünstler, Theaterkostüme und Bühnenvorhänge - und sonst noch allerhand, was gewünscht wird!
Ich sehe auf der Strasse einen Aushang einer Tanzschule.Ich bin neugierig, ich gehe rein und frage nach Auskunft. Die Managerin vom Hollywood Café (eine Amerikanerin) erklärt mir das Stilgemisch - 'Modern' - dominiert. Das pflege ich jetzt aber in Istanbul bereits.
Am Abend gehen wir zusammen ins Yaga - das ist eine Disco/Bar mit Live-Musik in der Gegend vom Taksim. Ich habe auf einem Plakat gesehen, dass da jeden Mittwoch eine Frauenband mit einer ziemlich schrägen Instrumentierung spielt. Das Konzert beginnt erst so ca 23:00. Im ersten Set spielen sich 'Feminem' quer durch bekannte Stücke aus ganz verschiedenen Sparten, das ist recht interessant. Im zweiten Teil gibt es dann vor allem amerikanische und westeuropäische Pophits. Dazwischen und danach ist einfach Disco. Wir tanzen, und wir trinken Raki, damit das alle Besucher aus der Schweiz mal gesehen haben. Evelyne fährt schliesslich morgen schon wieder zurück.
Do, 19. September
Bei DILMER treffe ich die Julie vom Hollywood Café wieder - die lernt auch da Türkisch.
Da meine Besucher den Transport der Darbukas übernehmen (Evelyne hat bereits eine mitgenommen), kaufe ich grad noch eine. Im Laden ist einer am Trommeln, der etwas von der Sache versteht. Er hilft mir beim Aussuchen - und verpasst mir gerade noch eine kleine Darbuka-Lektion! Regulär unterrichte er an zwei Theatern in Istanbul, erklärt er mir.
Müde und hungrig komme ich am Nachmittag mit meiner neuen Errungenschaft nach Hause - und kann die Türe nicht öffnen! Langsam wird mir klar, was passiert ist ... da das obere Türschloss extrem schwer geht, habe ich es selber nicht benützt und auch den Schlüssel nicht mitgehommen. Und jetzt war offenbar jemand vom Immobilienbüro da und hat doppelt geschlossen. Im ersten Moment könnte ich heulen. Christine kann ich telefonisch nicht erreichen. Darauf stehe ich so verzweifelt auf der Strasse, dass die Leute vom Laden vis à vis fragen, was los sei. Nach etwas Überlegung bitte ich drum, einen Schlosser anzurufen, und die Leute sind sehr hilfsbereit. So lasse ich sozusagen in meine eigene Wohnung einbrechen. Harte Arbeit, aber es klappt. Am Ende ist das obere Schloss definitiv nicht mer brauchbar, aber die Türe sieht doch noch iO. aus.
Genug Abenteuer für einen Tag. Und wir sind noch müde vom langen Ausgang. Wir bleiben zu Hause. Alex ist ein praktischer Mensch, der kann den Kühlschrank öffnen, und er hat eine Idee, was man kochen könnte!
Fr, 20. September
Immer noch müde. Wir gehen aber trotzdem kurz raus - etwas Kleines essen und etwas Musik hören.
Sa, 21. September
Wir gehen zu dritt auf den Basar - ich möchte noch ein paar Besorgungen machen. Vor dem eigentlichen Basar gehen wir schon mal zum Stand, den ich mir vor 2 Wochen gemerkt habe. Wir betrachten und besprechen. Claudia ist sehr gut im Verhandeln - man merkt das Tunesien - Training.
In Begleitung eines Mannes unterwegs zu sein, das ist etwas Neues für mich! Und zudem läuft mir Alex den Rang ab im exotisch bzw. einheimisch Aussehen.
Nach dem Einkaufen sind wir nicht mehr besonders unternehmungslustig. Es ist eine Hals/Nasenkrankheit im Anzug, Claudia und Alex sehen schon ziemlich mitgenommen aus (mich erwischt es erst eine Woche später).
Am Abend gehe ich wieder zu Servet, das Stoffmuster für das zweite Kleid ist jetzt da. Rot! Wir besprechen nochmals das Modell (ich habe es auf einem CD-Cover gesehen), Probetermin und Preis.
Auf dem Weg zum Vegi-Restaurant höre ich aus einem Musikladen ein Stück von Burhan Öçal, welches ich im Rahmen von 'Passions Orientales' tanze. Ich fühle mich wieder wohl hier.
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