Unsere Fremdwörter

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ie begegnen uns überall. In Zeitungen, Illustrierten, Vorträgen und in vielen anderen Bereichen der geschriebenen und gesprochenen Sprache. Hin und wieder benutzen wir sie auch selber. Und versuchen so unsere gute Bildung zu betonen. Von den Schülern sind sie verhasst, da ihre Orthographie oft anders als gewohnt ist. Die Rede ist von Fremdwörtern. Einige Lehrer bauen diese Wörter bevorzugt in ihre Diktate ein, um so den Schwierigkeitsgrad ihrer Schreibübung etwas zu erhöhen. Doch für die Geplagten Schüler taucht ein Hoffnungsschimmer auf: „Die deutsche Rechtschreibereform“. Damit soll, ausser anderen Neuerungen, auch der Umgang mit Fremdwörtern erleichtert werden. Die eingedeutschten Fremdwörter wirken auf den ersten Blick schon etwas sonderbar. Aber auch diese Vereinfachung hat seine Nachteile, so verliert das eingedeutschten Fremdwort die Beziehung zur Herkunftssprache. Doch wichtiger als die Vereinfachung der Schreibweise von Fremdwörtern erscheint mir der bewusste Umgang mit denselben.

„Essentiell signifikanter wird ergo evident, dass exempli causa minimierter spezifiziertes Auditorium, das der Oratio eventualiter dito auditiert, konkludent instruiert wird.“

Die meisten Personen werden von diesem Satz wenig bis gar nichts verstehen. Aber nur wenige werden es zugeben, dass sie diesen Satz nicht deuten können. Je nach Bildungsstand dürften die Bedeutung einzelner Wörter bekannt sein. Hätte ich auf die teilweise sehr seltenen Fremdwörter verzichtet, so hätte jeder, der des Lesens mächtig ist verstanden was ich meine.

„Wesentlich bedeutsamer ist also, dass z.B. weniger fachkundiges Publikum, das die Rede vielleicht ebenfalls hört, überzeugt wird.“ Alles klar oder?

„Kontinuierliche Zufuhr von Flüssigkeit, die in kleinen Quanten abgegeben, durch Gravitationseinwirkung zum Erdmittelpunkt hin beschleunigt wird um schliesslich auf der Oberfläche eines geologischen Fundstücks aufzutreffen, erzeugt durch permanente Auswaschung kleinster Materialteilchen auf Dauer eine sich immer mehr vertiefende Mulde in dem Objekt.“ Beim erstmaligen Durchlesen finden sich keine so exotisch anmutende Fremdwörter mehr wie im ersten Satz. Dennoch werden die wenigsten Leser beim erstmaligen Lesen herausfinden, dass es sich bei diesem Satz um ein bekanntes Sprichwort handelt, welches lautet: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“

Mit diesen zwei Sätzen will ich den Leser beziehungsweise den Schreiber aber keineswegs entmutigen seinen Wortschatz zu beweisen und eifrig seine gesammelten Fremdwörter einzusetzen. Im Gegenteil, ein Fremdwort an der richtigen Stelle im Text, macht ihn erst Interessant. Aber beim Schreiben sollte man dennoch ein paar Gedanken an den Adressaten verlieren. Wer liest den Text? Was will ich mit dem Text aussagen? In einem Text, den viele Leute lesen, zum Beispiel einen Zeitungsbericht, sollte der Verfasser doch etwas sparsamer mit Fremdwörtern umgehen beziehungsweise nur diejenigen Fremdwörter benutzen von denen man annehmen kann, dass sie allgemein bekannt sind. In einem Bericht, der einem engeren Kreis von Lesern vorbehalten ist, welche von der zu beschreibenden Materie ein bestimmtes Mass an Hintergrundwissen besitzen, kann die Benutzung von Fremdwörtern beziehungsweise von Fachausdrücken die Kommunikation zwischen Schreiber und Leser erleichtern. Da gerade ein Fachausdruck einen Sachverhalt gezielt und genau zu umschreiben vermag und so das mühsame Umschreiben der Sachlage mit vielen deutschen allgemein verständlichen Wörtern überflüssig macht. Aus diesem Grunde soll man die Fremdwörter als eine schöne Bereicherung der deutschen Sprache ansehen. Sie auch gezielt und mit Mass anwenden, denn nur durch ihre Verwendung verlieren die Fremdwörter ihre Fremdheit.