Vor hundert Jahren war Grossbritannien eine Grossmacht. Sie bestimmte zu einem Grossteil die Weltpolitik. England beherrschte ein Viertel der Erde und war sich seiner Macht so sicher, dass es glaubte, dem durch zwei Opiumkriege gebrochenen China nur einen Pachtvertrag aufzwingen zu müssen statt es in einem dritten Krieg niederzwingen.
Für die Dauer von 99 Jahren - und das bedeutete in der damaligen Zeit "für ewig" - sollte Hongkong mit dessen Umland, ohne das Hongkong nicht lebensfähig wäre, an Grossbritannien fallen. Doch die Geschichte kennt keine Ewigkeiten. Jede Zeit, jede Ära versinkt einmal im grossen Fluss der Zeit. Dem viktorianischen Grossreich, dessen Glanzzeit 1840 erst begonnen hatte, mochten 99 Jahre unendlich lang erscheinen. Für China, das bei Vertragsabschluss auf eine 5000jährige Geschichte zurückblicken konnte, auf endlose Blütezeiten und jahrhundertelangen Chaos, waren 99 Jahre bestenfalls ein Wimpernschlag. Am 1. Juli 1997 geht eine Epoche zu Ende: Das britische Empire verliert seine letzte gewinnbringende Kolonie. Es beginnt aber auch eine neue Ära: China wird den Archipel am Südchinesischen Meer in Besitz nehmen, und der Welt die glitzernde Fassade Hongkongs als Visitenkarte des 21. Jahrhunderts präsentieren.
Kaiser Hsüan Tsung, der erkannte welch finanzielle und militärische Bedrohung dies darstellte, beschloss einen kaiserliche Gesandten nach Kanton zu schicken, um dem Opiumhandel ein Ende zu bereiten. Dieser Gesandte liess bei seiner Ankunft in Kanton eine beträchtliche Menge Opium in einem Schauprozess verbrennen. Als diese Nachricht Grossbritannien erreichte, erklärte die britische Regierung China den Krieg. Dies war der Beginn des ersten Opiumkrieges. Nach dem Ende dieses Krieges 1842 war Chinas Regierung gezwungen, den chinesisch-britischen Vertrag von Nanking zu unterzeichnen. Weitere Verträge mit Frankreich und Amerika folgten. Mit jedem dieser Verträge errangen die ausländischen Mächte mehr Privilegien, einschliesslich extraterritorialer Macht, und China fand sich in einem Zustand des Halbkolonialismus wieder.
Ausländische Waren kamen jetzt massenweise durch die 5 Vertragshäfen ins Land, was zu einer ernsten Störung der ländlichen Wirtschaft führte. Gleichzeitig erhob die Regierung Chinas unmässige Steuern von den Bauern, um die ungeheuren Reparationskosten aufbringen zu können.
Armut, Bankrott und Hungersnot zwangen die Bauern zu einem Aufstand. Unter der Führung von Hong Yiuquan organisierten sie sich in einer Rebellenarmee und gründeten das Himmlische Königreich Taiping. Während Chinas Regierung damit beschäftigt war die Taiping zu unterdrücken, versuchten die Franzosen und Briten, das Land zur Herausgabe weiterer Privilegien zu zwingen, und begannen 1856 den zweiten Opiumkrieg, indem sie Tientsin besetzten. Die Führung Chinas war gezwungen einen weiteren Vertrag zu unterzeichnen. Nach dem zweiten Opiumkrieg entwickelte sich Hongkong und China auf zwei verschiedenen Wegen zudem was sie heute sind.
Alarmiert von der grossen Macht dieser fremden Nationen begann eine Gruppe chinesischen Intellektuellen eine Reformbewegung, die vom damaligen Kaiser Kuang Hsü auch unterstützt wurde. Die Gelehrten entwarfen eine ganze Reihe von Reformen, die das Regierungssystem neu strukturieren, die Gesetzes-, Finanz- und Ausbildungseinrichtungen stärken und der Landwirtschaft und Industrie neuen Schwung verleihen sollten. Diese sogenannten "Hundert Tage Reformen", so genannt weil sie nur kurze Zeit andauerten, wurden aber von der Kaiserinwitwe und Tante des Kaisers vehement bekämpft und schliesslich in einem Staatsstreich zu Fall gebracht. Unter ihren strengen und konservativen Herrschaft erzielte China wenig Fortschritte. Die Staatskasse war leer, die Wirtschaft zerstört und politisch war das Land ein Scherbenhaufen.
Das weitere Eindringen der fremden Herren in China loderten schliesslich im Boxeraufstand auf. Ihr Aufstand war der erste, der sich gegen die Ausländer richtete. Die Bewegung, die ihren Anfang in Schantung im Osten nahm, breitete sich ins Landesinnere durch die Gebiete von Peking und Tientsin aus und erstreckte sich über halb China.
Die westlichen Mächte fürchteten den wachsenden Einfluss der Boxer und stellten deshalb eine alliierte Armee auf. Die chinesische Regierung tolerierten bisher die Boxerbewegung stillschweigend, weil sie glaubten, der Boxeraufstand könne die ausländische Präsenz tatsächlich schwächen. Als die Regierung aber erkannte, dass die Boxer mit ihren primitiven Waffen gegen die Gewehre und Kanonen der Europäer unterlegen waren, wechselte sie kurzerhand die Fronten und half den Alliierten den Aufstand niederzuschlagen. Die chinesische Führung war eine hilflose Schachfigur in den Händen der ausländischen Machthabern geworden.
China musste noch manchen Aufstand, Krieg und Ungerechtigkeiten erdulden bis dann Mao 1949 die kommunistische Volksrepublik China ausrief.
In dieser Stadt trifft man teure Prestigeobjekte in einer Dichte an wie sonst nirgends auf der Welt. Doch dieser Reichtum hat auch seine Schattenseiten. Hongkong ist nicht nur eine Stadt des Reichtums und des Erfolges. Eine einigermassen vernünftige Wohnung ist kaum zu bezahlen. Der Glanz des Mammons zieht natürlich auch die Menschen aus dem benachbarten kommunistischen China an. So floriert der Schmuggel mit Waren und Menschen trotz intensiver Überwachung der Grenze. In Hongkong sind nicht nur die Wolkenkratzer riesengross sondern auch die Gegensätze. Man befindet sich in einer Stadt umgeben von riesigen Wolkenkratzern, Reichtum und Glanz, inmitten unzähliger Menschen, dessen Handy etwas Alltägliches ist. Aber ein paar Kilometer weiter weg befindet man sich in einem armseligen Fischerdorf, dessen einfache Wohnungen aus Wellblech bestehen und kaum mehr als ein Stockwerk hoch sind.
Wer jetzt glaubt der westliche Kapitalismus und die chinesische Kultur hätte sich in den beinahe hundert Jahren Kronkolonie Englands miteinander vermischt sieht sich getäuscht. Der Chinese lebt getreu seiner Lebenskultur, dies hindert ihn aber nicht an den Börsengeschäften eifrig mitzuhandeln und möglichst viel Geld zu verdienen. In Hongkong leben mehrere Kulturen nebeneinander ohne sich zu vermischen.
Uns steht es nicht zu dieses Regime zu kritisieren solange wir noch von diesem System profitieren. Denn auch bei uns sind wirtschaftliche Interessen oftmals wichtiger, als das Gemeinwohl der Menschen, dabei bestehen auch noch unterschiedliche Auffassungen darüber was denn das Gemeinwohl sei. Gehören nicht auch wir zu denjenigen, die vom sogenannten "Sextourismus" profitieren beziehungsweise daran teilnehmen?
Es ist leicht China mangelndes Menschenrechtsverständnis vorzuwerfen, dabei aber gleichzeitig die Not dieser Menschen auszunutzen und beide Augen vor Menschenrechtsverletzungen und Ungerechtigkeiten zu verschliessen im Hinblick auf die riesigen Gewinne, die einmal aus diesem Land zu holen seien. Es gibt wohl kein anderes Land welches 1.2 Milliarden hungrige Menschen zu ernähren hat und wir sehen nur die vielen Menschen, die unsere Waren abkaufen könnten, nicht aber die Probleme, die mit einer so grossen Menschenmenge verbunden sind.
Ich will die Regierung Chinas weder verteidigen noch ihre tagtäglich begangenen Menschenrechtsverletzungen gutheissen. Dennoch dürfen wir bei unserer Kritik an fremden Kulturen und Länder unser Handeln nicht einfach vergessen. Denn das was wir im 19. Jahrhundert in China und in vielen anderen Teilen der Welt getan haben und auch heute noch tun verletzte die Menschenrechte oft zutiefst. Ja wir sind sogar am Bild des heutigen Chinas mitschuldig, denn die Europäer haben mit ihrem Eindringen und der Ausbeutung Chinas die letzten 150 Jahren der Geschichte Chinas geprägt und das heutige China mitgestaltet.