Radtour Herbst 1994 (CH, D, A, CZ)

Luzern - Salzburg - Linz - Prag - Pilsen - Regensburg

1. Tag: Schaffhausen ca. 110km Samstag

Wir waren uns nicht einig, ob wir nun von Luzern aus fahren oder nicht. Da wir das GA hatten, hätten wir billig bis an die Grenze reisen können. Schliesslich fuhren wir am Bahnhof vorbei Richtung Zürich. Wir waren erstaunlich schnell in Zürich. In der Migros im Zentrum holten wir uns einige Leckereien zum Mittagessen. Wir fuhren schliesslich über Eglisau nach Schaffhausen. Dazu mussten wir zweimal die deutsche Grenze überqueren (Rafzerfeld). Sibylle war abends ziemlich müde. Sie war noch nie über 100km an einem Tag geradelt. Wir quartierten uns auf dem Zeltplatz ein. Um uns zu erfrischen gingen wir noch in den kühlen Rhein schwimmen. Abends gingen wir in die Stadt, wo das Altstadtfest stattfand. Wir genossen den ganzen Abend die vielen angebotenen Leckereien, denen man als Radler kaum widerstehen kann.
 

2. Tag: Langenargen am Bodensee ca. 85km Sonntag

Kurz nach dem Start kamen wir durch Diessenhofen, wo auch ein Fest stattfand. Es hatte entlang dem Rhein immer wieder schöne Radwegabschnitte. In Stein am Rhein sahen wir uns die schöne Altstadt an. Mittags waren wir in Konstanz, wo wir uns auch etwas umschauten. Wir nahmen schliesslich die Fähre über den See nach Meersburg, das eine sehr schöne Altstadt hat. Auch auf der deutschen Seite hat es viele Radwege. In Friedrichshafen begaben wir uns in eine Eisdiele, die soviel Auswahl an leckerem Eis hatte, dass wir lange hatten uns zu entscheiden. Wir zelteten schliesslich im Delta des Flusses Argen auf einem Zeltplatz nach Langenargen.
 

3. Tag: Niedersonthofen ca. 75km Montag

Im Gegensatz zu den letzten beiden sonnigen Tagen war es heute bedeckt. Wir verliessen den Bodensee nordwärts in Richtung Allgäu. Wir fuhren über verkehrsarme Nebenstrassen nach Wangen im Allgäu, wo wir uns gleich in eine Bäckerei begaben. Das Terrain war nun nicht mehr so flach wie gestern. In Isny assen wir Lunch. Wir fuhren schliesslich über einige Hügel über teils sehr kleine Strassen nach Niedersonthofen auf einen leeren Zeltplatz.
 

4. Tag: Peissenberg ca. 90km Dienstag

Heute hatten wir wieder schönes und warmes Wetter. Kempten umfuhren wir auf der ostwärts. Das Gelände war stets noch kupiert. Durch dass es parallel eine Autostrasse gab, war der Verkehr lediglich mässig. Wir fuhren über Marktoberdorf nach Schongau. Schongau, ein Städtchen mit einer Stadtbefestigung schauten wir uns etwas an. In Peissenberg schlugen wir schliesslich unser Zelt auf.
 

5. Tag: Bad Feilnbach ca. 85km Mittwoch

Es ging weiter durchs Allgäu. Das Gebiet besteht vorallem aus kleineren landwirtschaftlichen Betrieben. Von unserer Route sieht man stets in die Voralpen hinein. Heute fuhren wir über Bad Tölz nach Bad Feilnbach.
 

6. Tag: Salzburg ca. 95km Donnerstag

Heute hatten wir fast eine flache Etappe, die sich schliesslich dennoch in die Länge zog. Wir konnten immer noch auf kleinen Nebenstrassen durch viele Dörfer radeln. In Grassau, einem kleinen Dorf assen wir Lunch. Den Weg auf den Zeltplatz in Salzburg war leicht zu finden. Wir kamen rechtzeitig. Wir konnten gerade noch auf dem Zeltplatz vor einem starken Gewitter unterstehen. Abends unterhielten wir uns mit einem neuseeländischen Pärchen, die auch zelteten.
 

7. Tag: Salzburg ca. 15km Freitag

Wir machten heute einen Ruhetag, den wir uns redlich verdienten. Wir schauten uns das bekannte Salzburg an. Es hatte relativ viele Touristen. Zum Schloss liefen wir auch hinauf. Obwohl wir einen Ruhetag hatten, waren wir abends wieder ziemlich müde vom vielen Laufen.
 

8. Tag: Altmünster ca. 90km Samstag

Morgens sah das Wetter feuchkalt aus. Von Salzburg ging es erst ziemlich lange hinauf. Anschliessend war das Gelände kupiert. Der Weg führte uns entlang einiger schönen Seen. Unter anderem dem bekannten Wolfgangsee. Leider war das Wetter überhaupt nicht einladend. In Bad Ischl fuhren wir wegen einer konfusen Beschilderung einen längeren Umweg durch die Stadt. In Altmünster wollten wir auf den Zeltplatz und fuhren deshalb auf der Strasse um die Beschilderung nicht zu verpassen. Ein Polizist stoppte uns und forderte uns auf, den Radweg entlang des Sees zu benutzen, da es auf der Strasse zu gefährlich für Radler sei. Nach einer Diskussion liess er uns schliesslich doch noch auf den Zeltplatz radeln, der direkt zwischen Strasse und See lag. Neben uns quartierte sich auch ein junges Radlerpärchen ein.
 

9. Tag: Linz ca. 55km Sonntag

Es war nicht mehr sehr weit nach Linz. Die Strecke war flach und gut rollend. Erst versuchten wir einem Radweg zu folgen, der sich jedoch irgendwo "verlief". Um uns weiteren Ärger zu ersparen, folgten wir der Hauptstrasse. Etwas ärgerlich war, dass der Zeltplatz in Linz sehr weit ausserhalb der Stadt liegt und dann noch im Osten, wo wir sowieso nicht hinwollten. Heute hatten wir warmes, schönes Wetter. Da wir nicht mehr in die Stadt fahren wollten, machten wir uns einen gemütlichen Nachmittag beim Zeltplatz.
 

10. Tag: Cerna ca. 85km Montag

Morgens fuhren wir erst in die Stadt und schauten uns dort etwas um. Man merkte gleich, dass Linz am Donauradweg liegt. Wir sahen die ganze Zeit keine Radler. Hier sahen wir gleich einige. Wir verliessen Linz über die Donau und nahmen den langen Aufstieg nach Zwettl in Angriff. In Bad Leonfelden assen wir Lunch. Kurz nach dem Ort überquerten wir die tschechische Grenze. Am Zoll kriegten wir einen kleinen Stempel in unsere Pässe gestempelt. Laut unseren Abklärungen war es notwendig einen Pass zu haben. Eine rassige Abfahrt führte uns in das erste tschechische Dorf. Der Wechsel von Mittel- nach Osteuropa war deutlich sichtbar. Die Häuser waren ungepflegt. Die ganze Gegend sah sehr ärmlich aus. Im Dorf tauschten wir für 200 SFr tschechische Kronen. Nach dem ersten Besuch in einem Lebensmittelgeschäft sahen wir, dass wir vielleicht noch Probleme haben werden, das Geld auszugeben. Die Lebensmittel sind hier spottbillig! Wir fuhren weiter durch einige kleine Dörfer und viele Wälder an einen Stausee, wo wir uns auf einem Zeltplatz einquartierten. Der Zeltplatz war kaum besetzt.
 

11. Tag: Steken ca. 85km Dienstag

Der Weg führte uns weiter über kupiertes Gelände und viele Wälder. In Prachatice, einem schönen Ort mit altem Dorfkern, gingen wir in einem Restaurant Mittagessen. Für das ganze Menu mit Getränken und Dessert zahlten wir für zwei Personen etwa 7 SFr! Wir hatten typischerweise Knödel. Über viele leere Nebenstrassen fuhren wir nach Steken, wo wir einen Zeltplatz auf unseren Karten eingezeichnet hatten. Im Dorf mussten wir nachfragen, da es nirgends eine Beschilderung hatte. Teilweise ist es schwer hier etwas zu fragen, da die meisten Leute kein Deutsch oder Englisch sprechen. Schliesslich fanden wir den Zeltplatz geschlossen vor. Das Tor war glücklicherweise offen. Also stellten wir unser Zelt auf und konnten eine Nacht gratis zelten. Die WC-Anlagen waren geschlossen. Das Wasser konnten wir aus dem Bach beziehen. Abends kamen noch zwei Kanuten, die auch noch ihre Zelte aufschlugen.
 

12. Tag: Vestec ca. 85km Mittwoch

Heute ging es wieder über viele Nebenstrassen, die in erstaunlich gutem Zustand sind, nordwärts weiter. Das Wetter war kühl und bedeckt. Die Dörfer waren eher ärmlich. Die Leute scheinen vornehmlich von der Landwirtschaft zu leben. Auf unserer Karte hatten wir einen Zeltplatz in einem kleinen Ort an der Moldau gesichtet. In einer schnellen, steilen Abfahrt ging es zum Fluss hinunter. Dort war jedoch kein Zeltplatz aufzufinden. Dieser scheint auf der anderen Moldau Seite zu sein. Also machten wir uns weiter auf den Weg. Bei einem Hotel sahen wir schliesslich ein Zeltplatzschild. Wir konnten das Zelt auf einer kleinen, schönen Wiese hinter dem Gebäude aufstellen. Abends gingen wir im Hotel essen.
 

13. Tag: Prag ca. 65km Donnerstag

Heute fuhren wir über etliche Nebenstrassen nach Prag hinein. Es hatte kaum Verkehr. Es war heute bedeckt und kühler. In den Vororten wurde die Strasse schlechter. Es hatte teilweise riesige Schlaglöcher. Wir quartierten uns auf dem ersten Zeltplatz ein, der im Süden Prags an der Moldau lag. Wir wurden gleich gewarnt gut auf unsere Räder aufzupassen. Es wäre anscheinend nicht das erstemal, dass von hier Velos gestohlen werden. Nachmittags fuhren wir schliesslich noch mit dem Tram in die Stadt hinein. Der Zeltplatz lag ideal. Zu Fuss war man gleich bei der Endstation einer Tramlinie. Wir schauten uns lediglich etwas in der Altstadt um. Beim Heimfahren hatten wir einen Raser als Chauffeur. Ich kann mich nicht erinnern je einmal so schnell mit einem Tram gefahren zu sein!
 

14. Tag: Prag (Praha) Freitag

Vom Zeltplatzwart wurden wir gewarnt, die Velos nicht in die Stadt mitzunehmen. Zudem sagte er uns auch, dass auch schon Velos vom Zeltplatz gestohlen wurden. Deshalb schlossen wir die Räder gut sichtbar an Eisenstangen und fuhren mit dem Tram in die Stadt. Die Innenstadt ist sehr schön. Man könnte hier einige Zeit mit Stadtbesichtigungen verbringen. Da wir jedoch momentan keine grossen Stadtfanatiker sind, genügten wir uns mit einem Tag, an dem man das wichtigste sehen kann. Wir assen den ganzen Tag soviel wild durcheinander, dass wir kein richtiges Abendessen mehr brauchten. Nachts wurde mir dann schlecht, da mein Magen verrückt spielte.
 

15. Tag: N. Straseci ca. 55km Samstag

Ich fühlte mich richtig mies nach einer Nacht mit Erbrechen und Durchfass am laufenden Band. Wir wollten jedoch Prag verlassen. Wir fuhren über die grosse Ringstrasse aus der Stadt. Über grössere Landstrassen radelten wir westwärts weiter. Da ich mich nicht sonderlich fühlte, machten wir einen kürzeren Tag. Wir übernachteten auf einem kleinen Zeltplatz westlich von N. Straseci. Eigentlich hatten wir Pläne in Richtung Nordtschechien und nach Ostdeutschland zu radeln. Wir änderten diese Pläne und wollen nun über einen Loop in Richtung Schweiz zurückradeln.
 

16. Tag: Pilsen (Plzen) ca. 75km Sonntag

Ich fühlte mich heute wieder etwas stärker. Wir fuhren erst über eine einsame Nebenstrasse und schliesslich entlang der Hauptstrasse nach Pilsen. Der Zeltplatz liegt etwas nördlich der Stadt. Da ich mich besser fühlte, dachten wir, dass wir unsere letzten Kronen in ein leckeres Menü stecken. Wir fuhren also bereits früh mit dem Tram in die Stadt um uns erst die Stadt etwas anzuschauen. Schliesslich steuerten wir in ein relativ nobles Hotel um zu essen. Die Speisekarte war und das Klima dort war wirklich vorzüglich. Wir assen Menüs, die wir uns in der Schweiz nie leisten könnten. Dabei kostete uns das ganze Essen nicht mehr als 30-40 SFr. alles in inklusive. Beim Heimlaufen wurde mir trotzdem wieder schlecht und so musste ich mir das gute Essen noch einmal durch den Kopf gehen lassen.
 

17. Tag: Furth im Wald ca. 75km Montag

Mir ging es wieder schlechter. Wir hielten uns südlich von Pilsen an die Nebenstrassen. Da ich wieder Durchfall hatte, wollten wir uns nie länger in den Städten aufhalten. Teilweise musste ich doch ziemlich fix stoppen und in die Büsche springen. Ein weiteres Problem waren meine Radlerhosen mit Träger, die nicht gerade hilfreich waren. In Domazlice hielten wir uns daher nur kurz auf. Wir fuhren durch grosse Wälder zur Grenze hoch. Vor der Grenze fanden wir eine mehrere Kilometer lange LKW-Schlange vor. Es war teilweise gefährlich diese zu überholen, da es lediglich zwei Fahrspuren hatte. Von der Grenze, wo wir ohne Probleme durchkamen, ging es nach Furth hinunter, wo wir uns auf dem Zeltplatz einquartierten und wieder einmal eine westliche Dusche geniessen konnten.
 

18. Tag: Regensburg ca. 90km Dienstag

Es war wieder kühl und bedeckt. In einer Apotheke organisierte ich mir Immodium, das jedoch auch nichts gegen mein Durchfall nützte. Wir waren schnell in Cham. Dann fing plötzlich eine Autostrasse an, die für Radler verboten ist. Wir fuhren schliesslich über relativ viele Hügel über Falkenstein. Durch meine Krankheit war ich am Abend doch ziemlich fertig. In Regensburg regnete es schliesslich noch in Strömen. Typischerweise sahen wir hier in Regensburg seit langer Zeit wieder Radler, die den Donauradweg machen.
 

19. Tag: Luzern Mittwoch

Wir entschieden in Anbetracht meines gesundheitlich angeschlagenen Zustandes und des miserablen feuchtkalten Wetters heimzufahren. Wir räumten ab und fuhren in die Stadt. Das einchecken der Velos klappte problemlos. Wir erwischten gleich einen direkten Zug in die Schweiz (Prag-Bern). So endete unsere erste gemeinsame Radtour etwas frühzeitiger als erwartet. Da ich jedoch jeden Tag schwächer wurde und nächsten Montag wieder arbeiten musste, war es besser aufzuhören. Ich ging daheim zum Arzt und war innert zweier Tage wieder ok. Ich hatte eine Darminfektion erwischt. Schlussendlich fuhren wir doch 1400km in 17 Tagen.