Weltreise
zu Bericht 1:
Gruesse aus Kiev
Wir geniessen im schoenen, bergigen Tirol jede Kehre. Gegen Linz wird es immer flacher und hier treffen wir auf die Donau und all die ueberschwemmten Gebiete. Der Donaupegel ist zwar wieder normal, aber wir sehen, was das Hochwasser alles angerichtet hat. Die Aufraeumarbeiten sind in vollem Gange. Wie zur Untermauerung der gewesenen Katastrophe regnet es diesen Tag immer wieder. Netter begruesst uns hingegen Wien. Eine Stadt mit suessem und verspielten Charakter, einen Besuch immer wert.
Gut, dass wir keinen Camping in der Slowakei finden. Herzlichst werden wir von einer Familie aufgenommen und duerfen im Garten zelten. Wie selbstverstaendlich bemueht man sich um unser Wohlergehen, fuer Unterhaltung sorgt der Cockerspaniel, der auf dem Mofa Gassi gefuehrt wird. Einige Male laesst uns die halsbrecherische Art des Autofahrens die Luft anhalten. Immer wieder muss man sich vor entgegenfahrenden Autos in Sicherheit bringen; die Devise lautet hier ueberholen und nochmals ueberholen und das in allen Stellen auch bei durchgezogener Linie mit Gegenverkehr. Landschaftlich imponiert dieses Gebiet mit riesigen Ackerflaechen, einzelne Huegel versprechen ein paar Kurven in den sonst Geraden.
Es ergibt sich wie von selbst, dass wir an ein Toefftreff am Zemplinska See eingeladen werden. Diese Gelegenheit verpassen wir nicht. Es bietet uns eine willkommene Abwechslung im Reisalltag. Dort sehen wir, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Natuerlich viel Selbstgetuntes und allerlei verschiedene Marken wie MZ und Java. Uns wird einige Male grau vor den Augen, kein Wunder bei all diesen Burnouts und Feuerspeienden Auspueffen.
Wahrend den nur 2 lausigen Geduldsstuendchen am Ukrainischen Zoll, bei denen wir Papier ueber Papier hervorzukramen hatten, und es pingelige Zollerklaerungen auszufuellen gab, gab es auch einen lehrreichen Moment: Die Suche nach den Rahmennummern wurde nach 10 min. erfolgreich beendet. Die Belohnung folgte sogleich in Form einer Hauptstrasse 2ter Ordnung, die uns durch willkommene Huegel und sattes Gruen fuehrt. So werden wir optisch von der schrammigen, teergepflasterten und holprigen Fahrbahn abgelenkt.
Auf der Passhoehe von 899 m passieren wir zum ersten Mal auf unserer Riese, einen Kontrollposten auf erfrischend angenehme Weise. Beide Soldaten interessieren sich fuer unsere Maschinen dabei ist ihre Hoechstgeschwindigkeit der wichtigste Faktor. Wir geben als Reiseziel fuer die naechsten Tage Kiev an, die Reaktion ist ein heftiges, erstauntes Kopfschuetteln. Hier sind Motorraeder kein Luxusartikel, sondern werden tagtaeglich gebraucht. Sie dienen aber nicht als Transportmittel ueber Distanzen. Wir als Fernreisende werden unglaeubig bestaunt.
In dieser und der naechsten Nacht duerfen wir bei Familien uebernachten. Campings gibt es eigentlich nicht in der Ukraine und Motels sind sehr spaerlich. Wir geniessen die fast beschaemend gute Gastfreundschaft. Wir koennen im Wohnzimmer schlafen, bekommen einen reichhaltigen 'Znacht' und noch groesseren 'Zmorgen'. Der Buergermeister besucht uns am Morgen persoenlich. Er spricht sogar deutsch und erzaehlt uns von seinem Land.
Gluecklich und gestaerkt fahren wir weiter, aber nicht ohne Kartoffeln, Karotten, eingemachten Pilzen und Wasser.
Die Ukrainer auf dem Land sind sehr gastfreundlich und hilfsbereit. Man sollte sich aber immer vor Dieben in Acht nehmen, mit gesundem Menschenverstand und ein bisschen Vorsicht ist das Befahren dieses Landes aber ein Genuss.
Durch maerchenhaftes und einsames Gebiet fuehrt uns das Straesschen aus den Huegeln hinaus. So erreichen wir nach zwei Tagen Kilometerfressen auf dem topfebenen Land Kiev, die Hauptstadt.
Der Verkehr und die Polizeikontrollen haeufen sich. In der Stadt finden wir uns anfangs gar nicht mehr zurecht. Die Menschen hier sind missmutig und unfreundlich, sie bringen kein Laecheln zustande, was fuer ein Kontrast zum schonen Wetter ueber all die Tage. Waere nicht der interessante geschichtstraechtige Stadtkern waeren wir wohl gerade weitergefahren.
Nun ruhen wir uns ein paar Tage aus und bringen die Ausruestung in Ordnung. Die Motorraeder machen auch nach 2300 km keine Probleme.
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