5.2 Unter den sieben deutschen KurfŸrsten einigt man sich
mehrheitlich auf den spanischen Kšnig als neuen Kaiser. Franzšsisches Geld
lŠsst den Herzog von Sachsen-Wittenberg dieses †bereinkommen allerdings
brechen. Ein junger Mann wird dann einen Krieg beginnen, ein Volk wird durch
ein bejammertes Oberhaupt geschlagen und die Erde mit "barbarischem"
Blut befleckt sein. In der Wahlkapelle zu Frankfurt wird Blut flie§en und ein
anderer als der Spanier wird Kaiser. Der neugewŠhlte Kaiser kann sein Amt aber
nicht rechtmЧig antreten, Mailand widersetzt sich ihm. Ein Verwandter oder Gefolgsmann
wird Ÿber den Rhein vetrieben. Der mit
franzšsischem Geld gemachte deutsche Herrscher fŸhrt ein hŠssliches und
unwŸrdiges Leben. Aus Sachsen wird es keinen neuen KurfŸrsten mehr geben. Aus
Braunschweig wird man Hilfe anfordern. Hilfe, die ein Falscher dem
"VerfŸhrer-Volk" liefern wird. Der FŸrst, der den deutschen Thron
besteigt, wird wohl ein enger Verwandter des franzšsischen Kšnigs
sein. WŠhrend einer Zeit der Knechtschaft wird es zu †berschwemmungen
kommen und eine "Dame" wird zur "Sklavin" gemacht werden.
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6/15 [1] Dessoubs la tombe1)
sera trouuŽ le Prince, [2] QuÕaura le pris2)
par dessus Nuremberg:3) [3] LÕEspaignol Roy en
Capricorne4) mince5), [4] Fainct & trahy
par le grand6) Vvitemberg7): [1]
WŠhrend des BegrŠbnisses1) wird der FŸrst gefunden werden, [2] der
den Preis2) besitzen wird, der noch den Wert NŸrnbergs
Ÿbersteigt.3) [3] Der
spanische Kšnig [wird] im Steinbock4) arm5)
[werden], [4]
getŠuscht und verraten durch das gro§e6)
[Sachsen-]Wittenberg7). 1) Hier dŸrfte ein Latinismus vorliegen. "Dessoubs la tombe"
entspricht dem lat. "sub sepulcro", was u. a. als "wŠhrend des
BegrŠbnisses" verstanden werden kann. 2) Oder: "Lohn, Preis". NŸrnberg erlebte zur Zeit des
Nostradamus eine politische, wirtschaftliche und kulturelle BlŸtezeit. Die
Stadt war seit 1424 zudem der Aufbewahrungsort der Reichskleinodien, die hier
gemeint sein dŸrften. Mit Blick auf das lat. "pretium" (Geld), kann
aber auch an eine finanzielle UnterstŸtzung durch die Frankenmetropole
gedacht werden. 3) Unklar. Wšrtlich: "der den Preis Ÿber NŸrnberg besitzen
wird". Mit Blick auf die in der Stadt damals aufbewarten
Reichskleinodien ("Preis"), ist die Zeile wohl als "der den
Preis besitzen wird, der noch den Wert NŸrnbergs Ÿbersteigt" zu
verstehen. Liest man "par dessus" als "darŸber hinaus",
kšnnte die Stelle mit "der darŸber hinaus die WertschŠtzung NŸrnbergs
besitzen wird" Ÿbersetzt werden. 4) Nach mittelalterlicher Auffassung dauert die Zeit des Steinbocks vom
18. Dezember bis 17. Januar. 5) Oder: "dŸnn, klein". 6) Falls hier eine Person gemeint sein sollte, vgl. Anmerkung 7), wŠre
die Stelle als "den Gro§en [von] Wittenberg" zu Ÿbersetzen. 7) Wittenberg, die Wiege der (lutherischen) Reformation, war seit 1423
die Residenz der Wettiner, die im selben Jahr das Herzogtum
Sachsen-Wittenberg mit der KurwŸrde gewannen. Gro§e Wettiner waren z. B. KurfŸrst
Friedrich der Weise (1486 - 1525), KurfŸrst Moritz von Sachsen (1547 - 1553)
oder KurfŸrst August (1553 - 1586). Friedrich der Weise war Luthers
Schutzherr. Moritz erhielt zwar die KurfŸrstenwŸrde von Kaiser Karl V., schuf
aber spŠter ein protestantisches BŸndnis gegen den Kaiser. Unter Preisgabe
von Metz, Toul und Verdun gewann der Sachse die Hilfe Frankreichs und fiel so
Karl V. in den RŸcken. Karl V. war von 1516 bis 1556 Kšnig von Spanien. |
Noch wŠhrend des BegrŠbnisses des deutschen Kaisers einigt sich die
Mehrheit der KurfŸrsten auf den spanischen Kšnig als Nachfolger. Doch bei der
Wahl in einem Dezember/Januar verrŠt ihn der Herzog von Sachsen-Wittenberg
und verweigert ihm seine Stimme. In der zweiten Zeile ist von von einem "Preis" die Rede, der
sogar den Wert der Stadt NŸrnberg Ÿbersteigen wird. Damit dŸrfte Nostradamus
auf die Reichskleinodien anspielen, die seiner Zeit in der Hauptstadt
Frankens aufbewahrt wurden. Wie wir in der ersten Zeile erfahren, wird noch wŠhrend eines
BegrŠbnisses jener FŸrst gefunden werden, der die Reichskleinodien erhalten,
d. h. der zum deutschen Kšnig bzw. Kaiser gewŠhlt werden soll. Somit dŸrfte
hier vom BegrŠbnis seines VorgŠngers die Rede sein, bei dem sich die Mehrheit
der KurfŸrsten bereits auf einen Nachfolger einigt. In der zweiten HŠlfte der Strophe geht es um den spanischen Kšnig. Er
wird von Sachsen-Wittenberg getŠuscht und verraten werden. Da der Herzog von
Sachsen-Wittenberg einer der sieben KurfŸrsten war, ist anzunehmen, dass sich
der Kšnig von Spanien um die deutsche Kšnigs- bzw. Kaiserkrone bemŸhen wird.
Und anscheinend wird der Sachse zunŠchst zu den ParteigŠngern des Spaniers
gehšren, diesen aber im entscheidenden Moment der Wahl verraten. Der
dritten Zeile zu entnehmen ist, dass der iberische Kšnig zur Zeit des
Steinbocks (also in einem Dezember oder Januar) "arm" oder
"klein" werden wird. Somit dŸrfte sich die Wahl zum neuen deutschen
Herrscher inklusive des Verrats des Sachsenherzogs zu dieser Zeit zutragen.
Als "arm" kšnnte Nostradamus den spanischen Kšnig deshalb
bezeichnen, weil dieser die "gekauften" Reichskleinodien durch den
Verrat des Sachsen verlieren wird. |
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5/19 [1] Le grand1)
Royal dÕor2), dÕ¾rain3) augmentŽ4), [2] Rompu la pache5),
par ieune ouuerte guerre: [3] Peuple affligŽ par
vn chef lamentŽ,6) [4] De sang barbare sera
couuerre7) terre. [1] Der
zahlreiche1) Royal dÕOr2) [wird] mit Bronze3)
vermehrt4) [sein]. [2] Der
Vertrag5) [wird] gebrochen. Von einem jungen [Mann wird
der] Krieg begonnen [werden]. [3] [Das]
Volk [wird] durch ein bejammertes Oberhaupt geschlagen [sein].6) [4] Mit
barbarischem Blut wird [die] Erde bedeckt7) sein. 1) Das mittelfranzšsische "grand" bedeutet neben
"gro§" u. a. auch "zahlreich, viel". 2) Der "Royal dÕOr" (eigentlich: "der Kšnigliche aus
Gold") war eine mittelalterliche franzšsische GoldmŸnze, auf der u. a.
das kšnigliche Wappen abgebildet war. 3) Damit ist wahrscheinlich Geld gemeint, vgl. lat. "aes" (u.
a. Bronze, Kupfergeld, Vermšgen) und griech. "chalkos" (u. a. Bronze,
Waffe, Kupfergeld). 4) Das mittelfranzšsische "augmenter" bedeutet quantitativ
(oder auch qualitativ) anwachsen bzw. vergrš§ern. CLƒBERT, S. 591, sieht hier
eine MŸnzverschlechterung des Royal dÕOr durch Hinzugabe von Bronze gemeint. Das
dŸrfte aber der Bedeutung von "augmenter" eher widersprechen. Auf
eine Person bezogen, kann "augmenter" auch als "erhšhen,
befšrdern" verstanden werden. 5) Oder auch: "†bereinkommen, Versprechen". Die Zeile passt zu
8/20/2. Wahrscheinlich sollte es hier "rompue la pache" hei§en.
Ohne die weibliche Endung bei "rompue" lie§e sich die Zeile etwa
folgenderma§en verstehen: "Den Vertrag gebrochen [habend, wird der]
Krieg vom jungen [Mann] begonnen [werden]". In diesem Fall wŠre es also
eindeutig der "junge Mann", der den Vertragsbruch begeht. 6) Oder auch: "[Das] Volk [wird] von einem bejammerten Oberhaupt
niedergeschmettert [werden]." Es wŠre zudem mšglich, dass Nostradamus
bei "lamentŽ" ein Wortspiel mit dem lat. "conqueri" (laut
klagen, sich beklagen) betreibt, das an das franz. "conquŽrir"
(erobern) erinnert, obwohl es ihm nicht zu Grunde liegt. In diesem Fall
kšnnte sich "lamentŽ" nicht auf das Oberhaupt sondern auf das Volk
beziehen, das nun einfach von einem Oberhaupt besiegt und erobert werden
wŸrde. 7) Lies: "couverte". Die Zeile erinnert an 6/21/4 (5.16). In
6/21 wird zudem auch ein Neuer in ein Amt gewŠhlt werden. |
Franzšsisches Geld bestimmt die Wahl des deutschen Kšnigs bzw.
Kaisers. Das Abkommen, das die Wahl des spanischen Kšnigs zum deutschen Herrscher
vorsah, wird gebrochen. Ein junger Mann beginnt einen Krieg, ein Volk wird
durch ein bejammertes Oberhaupt geschlagen und die Erde mit barbarischem Blut
bedeckt sein. In der zweiten Zeile ist von einem "gebrochenen Vertrag" die
Rede ("rompu la pache"), was eine †bereinstimmung mit 8/20/2 ist.
Dort lesen wir, dass ein "gebrochener Vertrag erlischt"
("rompue pache arreste"). Strophe 8/20 berichtet dabei von einer Wahl, bei der die Stimmen
gekauft werden. Dies passt zur ersten Zeile von 5/19. Hier ist von
offensichtlich franzšsischem Gold und Geld die Rede, das eine entscheidende
Rolle spielt. Interessant ist, dass Nostradamus hier nicht von Ecus oder
Francs spricht sondern von einer MŸnze, deren Bezeichung auch auf eine Person
verweisen kšnnte ("le grand Royal dÕOr", "der gro§e Kšnigliche
aus Gold"). Au§erdem ist festzuhalten, dass nicht etwa die bereits gro§e
Anzahl der "Royaux dÕOr" einfach noch einmal vergrš§ert sondern der
Betrag mit normalem Geld ("Bronze") vermehrt wird. In 8/20 dŸrfte von einer Wahl zum deutschen Kšnig bzw. Kaiser die Rede
sein. Falls Nostradamus hier also ein sprachliches Doppelspiel betreibt, wŠre
der durch Geld "erhšhte" (vgl. Anmerkung 4) "Kšnigliche aus
Gold" also wohl jener Wahlkandidat, der sich dank franzšsischem Gold oder
Geld durchsetzt. Das kann der franzšsische Kšnig selber sein oder jemand, der
dessen Interessen entspricht. Mšglicherweise jemand aus dem franzšsischen
Kšnigshaus (ein "Kšniglicher"), der sich fŸr Gold bzw. Geld zum
deutschen Herrscher wŠhlen lŠsst um als solcher aber Gefolgsmann des Kšnigs
von Frankreich zu sein? GemЧ 6/15 wird sich wohl der spanische Kšnig um die deutsche Krone
bemŸhen, dabei aber vom Herzog von Sachsen-Wittenberg verraten werden. Das
passt zum "gebrochenen Vertrag" aus 5/19/2. Dass hingegen bei
Nostradamus der spanische Kšnig von Frankreich finanziell unterstŸtzt werden
sollte, ist angesichts der franzšsisch-spanischen RivalitŠt zur Zeit unseres
Sehers mehr als unwahrscheinlich. Ob der "junge Mann" der dritten Zeile mit dem Sachsenherzog
identisch ist, ist unklar, vgl. Anmerkung 5. Jedenfalls wird diese
"junge Mann" einen Krieg beginnen. Der
zweite Teil der Strophe ist noch schwierig einzuordnen. Ein Volk wird durch
ein "bejammertes Oberhaupt" geschlagen sein. Welches Volk? In der
letzten Zeile erfahren wir, dass "barbarisches" (arabisches oder
muslimisch-orientalisches) Blut die Erde bedecken wird. Auch hier fehlt uns
bislang noch der Zusammenhang. Anzumerken gilt es allerdings, dass in 5.8
(10/31) die Wiedererstehung des ršmisch-deutschen Reiches mit einem Vormarsch
der Araber und Iraner zeitlich zusammenfallen wird. |
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8/20 [1] Le faux message1)
par election fainte2) [2] Courir par vrben3)
rompue pache4) arreste, [3] Voix acheptees, de
sang chapelle tainte, [4] Et ˆ vn autre
lÕempire contraicte5). [1] Der
falsche Gesandte1) der Scheinwahl2) [2] [wird]
durch die Stadt3) laufen. [Der] gebrochene Vertrag4)
erlischt. [3] [Die]
Stimmen [werden] gekauft [und] mit Blut [wird die] Kapelle getrŠnkt [sein]. [4] Und [dann
wird von] einem Anderen das Reich beherrscht5). 1) Das mittelfranzšsische "message" bedeutet "Gesandter,
Bote", kann daneben aber auch schon die Botschaft an sich meinen. 2) Oder auch: "der gefŠlschten Wahl". In sŠmtlichen 1568er-Ausgaben
beginnt das Wort mit "f", nur in jener aus Mejanes kšnnte
vielleicht ein "ſ" stehen. Dann hie§e es "sainte"
(heilig), vgl. CLƒBERT, S. 861. 3) Lat. "per urbem" (durch die/eine Stadt). 4) Oder auch: "†bereinkommen, Versprechen". Die Zeile passt zu
5/19/2. 5) Oder: "bedrŸckt, geknechtet". |
Das gebrochene Abkommen mit dem spanischen Kšnig erlischt. Ein
falscher Gesandter der gefŠlschten Wahl zum deutschen Kšnig bzw. Kaiser lŠuft
durch Frankfurt. Die Stimmen werden gekauft und in der Wahlkapelle des
Kaiserdoms wird Blut geflossen sein. Ein Anderer (als der Kšnig von Spanien)
wird Herrscher des ršmisch-deutschen Reiches werden. In der zweiten Zeile ist wieder vom "gebrochenen Vertrag"
("rompue pache") die Rede, vgl. 5/19/2, der nun erlischt. Den ersten beiden Zeilen ist zu entnehmen, dass eine Scheinwahl
durchgefŸhrt wird. Das ist wohl so zu verstehen, dass das Ergebnis mit einem
zuvor festgelegten Wunschresultat in †bereinstimmung gebracht werden wird. Nach der "Wahl" wird ein Gesandter durch die Stadt laufen.
Nostradamus charakterisiert diesen dabei als "falsch"
(betrŸgerisch, hinterhŠltig). Doch wer schickt diesen Boten mit welchem
Auftrag oder welcher Botschaft zu wem? Und in welcher Stadt spielt sich das
ab? Da es sich um einen betrŸgerischen Gesandten handelt, kšnnte er von
jenen Leuten losgeschickt werden, die fŸr die FŠlschung der Wahl
verantwortlich sind. Doch von welcher Stadt ist hier die Rede? Der lateinische Einschub
"per urbem", vgl. Anmerkung 3, scheint auf Rom, die Urbs schlechthin
zu verweisen. Zur Zeit des Nostradamus wurden zwei bedeutende Machtpositionen
durch Wahlen vergeben: das Papstamt und der deutsche Kšnigs- bzw.
Kaiserthron. Sollte hier von Rom die Rede sein, hŠtten wir somit wohl eine
Papstwahl vor uns. In der dritten Zeile lesen wir, dass die Stimmen gekauft sein werden
und am Ort der Wahl - offensichtlich eine Kapelle - Blut flie§en wird. Der
Hinweis auf die Kapelle scheint die Rom-Hypothese zunŠchst zu bestŠtigen. So
wurde beispielsweise Leo X. 1513 in einer Kapelle (der Sixtinischen) zum
Papst gewŠhlt. Allerdings wurden auch die deutschen Kšnige bzw. Kaiser in
einer Kapelle gewŠhlt, der Wahlkapelle des Kaiserdoms St. BartholomŠus in
Frankfurt am Main (seit 1356). Den entscheidenen Hinweis dŸrften wir in der vierten Zeile erhalten.
Nostradamus spricht hier vom "empire" (Reich), das ein Anderer
beherrschen wird. Zwar kann "empire" im Ÿbertragenen Sinne auch
einfach "Herrschaft" oder "Macht" bedeuten, doch ist der
Kontext der Strophe, in dem es um eine Wahl geht, meines Erachtens ein
starkes Indiz dafŸr, dass wir es hier mit der Wahl des deutschen Kšnigs bzw.
Kaisers zu tun haben. Mit der Wahl des Herrschers des Heiligen Ršmischen
Reiches Deutscher Nation, auf Franzšsisch "Saint-Empire (romain germanique)". Der Stimmenkauf (8/20/3) passt zum franzšsischen Geld, das in 5/19 die
entscheidende Rolle spielen wird. Das ZŸnglein an der Waage wird die gekaufte
Stimme des Sachsenherzogs sein, der zunŠchst einen Vertrag oder ein Abkommen
mit dem spanischen Kšnig hat. Ein Vertrag, der jetzt allerdings Makulatur ist
(8/20/2). Neu ist hier, dass in der Wahlkapelle Blut flie§en wird. Das dŸrfte
bedeuten, dass einer oder mehrere der KurfŸrsten angegriffen oder sogar
getštet werden. Wird der Herzog von Sachsen-Wittenberg fŸr seinen Verrat
niedergestreckt? Und wenn ja, wer wird dafŸr verantwortlich zeichnen? Einer
der KurfŸrsten? Oder vielleicht der falsche Gesandte aus der ersten HŠlfte
des Vierzeilers? Falls ja, wŠre sein Lauf durch die Stadt (Frankfurt) wohl
als Flucht zu interpretieren. In
der vierten Zeile erfahren wir, dass ein Anderer das ršmisch-deutsche Reich
beherrschen wird, doch wer? |
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6/87 [1] LÔelection faite
dans Frankfort1), [2] NÔaura nul lieu2)
Milan3) sÔopposera: [3] Le sien4)
plus proche semblera si grand fort [4] Que outre le Rhyn Žs
mareschz5) chassera. [1] Die in
Frankfurt1) durchgefŸhrte Wahl [2] wird
nicht umgesetzt werden2). Mailand3) wird sich
widersetzen. [3] Der
[sich] am nŠchsten [befindliche] Verwandte4) wird als derma§en
stark erscheinen, [4] dass
[man ihn] Ÿber den Rhein in die Sumpfgebiete5) vertreiben
wird. 1) Seit 1356 wurden die deutschen Kšnige (und Kaiser) in Frankfurt am
Main gewŠhlt. Ort der Kšnigswahl war die Wahlkapelle des Kaiserdoms St.
BartholomŠus. 2) Das mittelfranzšsische "avoir lieu" bedeutet neben
"stattfinden" auch "zur AusfŸhrung gelangen, Anwendung finden,
sich erfŸllen". CLƒBERT, S. 770, versteht die Stelle als "wird
annulliert werden". Ob die Wahl im rechtlichen Sinne annulliert wird,
ist hier nicht ersichtlich. Allerdings dŸrfte wohl das Wahlresultat nicht
umgesetzt werden. 3) Das Herzogtum Mailand wurde ab 1525 von Habsburg bzw. Spanien
beherrscht. Der Herzog von Mailand gehšrte nicht zum Wahlgremium der
KurfŸrsten. Denkbar wŠre auch, dass es hier statt "Milan"
"(le) vila(i)n"(u. a. der HŠssliche, Schlechte, Bšse) hei§en
sollte, vgl. 10/46/1. 4) "Les siens" bedeutet "die Seinen"
(Familienmitglieder oder auch Gefolgsleute). Es wŠre denkbar, dass
Nostradamus hier von einem Verwandten oder Gefolgsmann spricht und dafŸr
"le sien" aus "les siens" abgeleitet hat. Ansonsten hei§t
"le sien" einfach "das/der Seine", was sich etwa auf den
Besitz eines Menschen beziehen kann. 5) In der 1557er Ausgabe aus Utrecht steht hier "mareschz", in
jener aus Moskau/Budapest "marestz". In den 1568er Ausgaben
"mareschz" oder "mareschs". Hier scheint von
Sumpfgebieten oder Mooren die Rede zu sein. Falls es "marches"
hei§en sollte, wŠren "Grenzgebiete" oder einfach "Regionen"
gemeint. |
In Frankfurt wird eine Kšnigs- bzw. Kaiserwahl durchgefŸhrt, deren
Resultat aber nicht umgesetzt wird. Mailand wird sich dem Resultat
widersetzen. Der Verwandte oder Gefolgsmann einer Person (des gewŠhlten
Herrschers?) wird als derma§en bedrohlich empfunden werden, dass man ihn Ÿber
den Rhein vertreibt. In 6/87/1f. ist von einer Wahl zum deutschen Kšnig bzw. Kaiser die
Rede. Die Wahl findet in Frankfurt am Main statt, vgl. Anmerkung 1, das
Resultat wird aber nicht umgesetzt, d. h. der gewŠhlte Herrscher wird sein
Amt nicht oder wenigstens nicht regelkonform bekleiden kšnnen. Die zweite
Zeile gibt an, dass sich Mailand widersetzen wird, - wohl dem gewŠhlten Kšnig
bzw. Kaiser (vgl. aber Anmerkung 3). An dieser Stelle muss man sich fragen, warum ein gewŠhlter Kšnig bzw.
Kaiser sein Amt nicht (rechtmЧig) bekleiden kann. Das kšnnte damit zu tun
haben, dass bei der durchgefŸhrten Wahl etwas derart Ungewšhnliches passiert,
dass mindestens Zweifel an ihrer GŸltigkeit aufkommen. Und das wŸrde wiederum
den Bogen zu 8/20 schlagen, wo von einer Scheinwahl die Rede ist, bei der die
Stimmen gekauft sein werden und bei der in der Wahlkapelle Blut flie§t. Im zweiten Teil der Strophe ist anscheinend von einem Verwandten oder
Gefolgsmann die Rede, der so stark (lies: bedrohlich) erscheint, dass man ihn
Ÿber den Rhein in die "Sumpfgebiete" vertreiben wird. Wessen
Verwandter/Gefolgsmann wird hier vertrieben? Der des gewŠhlten Herrschers,
der sein Amt nicht antreten kann? Oder der des unterlegenen Kandidaten? Und
wer genau vertreibt ihn von wo in welche "Sumpfgebiete"? Da
Frankfurt nur unweit rechts des Rheins am Main liegt, wŠre es naheliegend
anzunehmen, dass hier jemand aus der Stadt oder ihrem Umland nach Westen Ÿber
den Rhein vertrieben wird. |
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10/46 [1] Vie sort1)
mort de LÕOR vilaine2) indigne, [2] Sera de Saxe3)
non nouueau electeur4):5) [3] De Brunsuic6)
mandra9) dÕamour8) signe, [4] Faux le rendant au
peuple seducteur. [1] [Das]
Leben, [das] Schicksal1) [und der] Tod des GOLDES [sind]
hŠsslich2) [und] unwŸrdig. [2] [Es]
wird aus Sachsen3) keinen neuen KurfŸrsten4)
geben.5) [3] Aus
Braunschweig6) wird [man7) ein] Zeichen der
Liebe8) herbeirufen9). [4] [Der]
Falsche wird es dem VerfŸhrer-Volk liefern. 1) "Sort" ist im Mittelfranzšsischen der Regel mŠnnlich, kann aber
wie hier gelegentlich auch weiblich sein. 2) Oder u. a. auch "schlecht, bšse". 4) Das KurfŸrstentum Sachsen-Wittenberg wird auch in 6/15/4 erwŠhnt. Es
umfasste nicht nur das heutige Sachsen sondern auch Teile des sŸdlichen
Sachsen-Anhalts und Brandenburgs. 5) Das ršmisch-deutsche Reich kannte sieben KurfŸrsten, denen das Recht
zustand, den deutschen Kšnig bzw. Kaiser zu wŠhlen. Dem Rang nach geordnet
waren dies: 1.) der Erzbischof von Mainz (der aber als letzter abstimmte, um
bei einem Patt die entscheidende Stimme abgeben zu kšnnen), 2.) der
Erzbischof von Trier, 3.) der Erzbischof von Kšln, 4.) der Kšnig von Bšhmen,
5.) der Pfalzgraf bei Rhein, 6.) der Herzog von Sachsen-Wittenberg und 7.)
der Markgraf von Brandenburg. 5) Unklar. Hier kšnnte auch wieder vom "Gold" aus der ersten
Zeile die Rede sein. Dann wŠre Zeile zwei etwa so zu verstehen: "[Das
Gold] wird nicht der neue KurfŸrst aus Sachsen sein." 6) Hier ist wohl das Herzogtum Braunschweig-LŸneburg gemeint, das im
Osten des heutigen Niedersachsens lag. 7) Oder: "er/sie". 8) Oder: "Zuneigung". Hier kšnnte konkret die
"Zuneigung" innerhalb einer Familie, d. h. die Hilfeleistung eines
Verwandten gemeint sein. 9) Oder u. a. auch: "schicken, entsenden". |
Der mit franzšsischen Geld und Gold gemachte deutsche Herrscher fŸhrt
ein hŠssliches und unwŸrdiges Leben. Aus Sachsen wird es keinen neuen
KurfŸrsten mehr geben. Aus Braunschweig wird man Hilfe anfordern. Hilfe, die
ein Falscher dem "VerfŸhrer-Volk" liefern wird. 10/46 ist inhaltlich und sprachlich schwer zu verstehen. In der
zweiten Zeile ist vom Herzog von Sachsen-Wittenberg die Rede. Von jenem
KurfŸrsten also, der gemЧ 6/15/4 den spanischen Kšnig bei der Wahl zum
deutschen Herrscher verraten wird. 10/46/2 spricht dabei von einem
"neuen" KurfŸrsten. Eine Formulierung, die die Frage nach dem
"alten" aufwirft. In 8/20 erfahren wir, dass in der Wahlkapelle Blut flie§t. Es wŠre
denkbar, dass dabei der verrŠterische Sachsenherzog getštet wird. Falls dem
so sein sollte, scheint 10/46/2 auszusagen, dass im Wahlgremium die freie
Stelle des sŠchsischen KurfŸrsten vakant bleibt. Doch wieso? Eigentlich
mŸsste doch der rechtmЧige Erbe des sŠchsischen Throns (zur Zeit des
Nostradamus ein Herzogenthron), auch seinen Platz in Frankfurt einnehmen. In 10/46/1 spricht Nostradamus von jemandem, dem er die Bezeichnung
"Gold" gibt. Es wird jemand sein, dessen Leben, Schicksal und Tod
"hŠsslich" und unwŸrdig sein werden. Damit kšnnte der getštete
KurfŸrst aus Sachsen gemeint sein, der mit franzšsischem Gold und Geld
bestochen werden wird. Oder unser Seher knŸpft vielmehr an 5/19/1 an, wo er
mšglicherweise auch
von einem "Kšniglichen aus Gold" spricht. In diesem Fall wŠre das
"Gold" mit dem neuen Kšnig bzw. Kaiser zu identifizieren, der dank
der franzšsischen Bestechung zum deutschen Herrscher gewŠhlt wird, aber dabei
eine problematische Persšnlichkeit zu sein scheint. Vom Herzogtum Braunschweig-LŸneburg ist wohl in 10/46/3 die Rede.
"Man" (wer?) wird ein Zeichen der Zuneigung ("Liebe")
herbeirufen. Damit ist wohl eine Hilfeleistung gemeint, vgl. Anmerkung 8.
Doch wird man in Braunschweig eine solche Hilfe benštigen oder genau
umgekehrt aus Braunschweig eine solche entsenden, vgl. auch Anmerkung 9? Und
wie steht diese Hilfeleistung in Zusammenhang mit der Wahl zum Kšnig bzw.
Kaiser? In
der letzten Zeile erfahren wir, dass ein "Falscher"
(BetrŸgerischer, HinterhŠltiger) ein solches Zeichen offenbar dem
"VerfŸhrer-Volk" liefern wird. Doch wer ist der Falsche? Der Herzog
von Braunschweig-LŸneburg? Und welches Volk ist mit dem
"VerfŸhrer-Volk" gemeint? Da der Herzog von Sachsen-Wittenberg mit
franzšsischem Gold und Geld bestochen wird, kšnnten damit die Franzosen
gemeint sein. In 1/96/3 (5.99) ist jedoch mšglicherweise von den Sachsen die
Rede, die vom Katholizismus abfallen und Irrlehren folgen. Etwas, das zur
Zeit des Nostradamus bereits einmal geschehen ist (EinfŸhrung des
Luthertums). |
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2/87 [1] Apres viendra des
extremes contrŽes [2] Prince Germain1)
sus le throsne dorŽ2): [3] La seruitude &
eaux3) rencontrees [4] La dame serue4),
son temps plus nÕadorŽ5). [1] Danach
wird aus den entferntesten Gegenden [2] [ein]
eng blutsverwandter1) FŸrst auf den vergoldeten Thron2)
[gelangen]. [3] Die
Knechtschaft und [die] Fluten3) [werden zeitlich]
zusammenfallen. [4] Die
Dame [wird zur] Sklavin4), ihre Zeit [wird] nicht mehr
verehrt5) [werden]. 1) Das mittelfranzšsische "germain" bedeutet in erster Linie
"geschwisterlich, (eng) blutsverwandt". Die Bedeutung
"germanisch/deutsch" scheint erst im 17. Jahrhundert dazu zu kommen
(vgl. DUBOIS/MITTERAND/DAUZAT, S. 337). Dennoch ist es zulŠssig, hier ein
Wortspiel zu vermuten, das auf beiden Bedeutungen beruht, vgl. lat.
"germanus" (leiblicher Bruder, Germane). 2) Mit dem "vergoldeten Thron" ist meines Erachtens die
deutsche KaiserwŸrde gemeint, die durch die KurfŸrsten verliehen wurde. Ein
Verfahren, dass nach Bestechung geradezu geschrieen hat. So konnte sich Karl
V. seinen Kaisertitel 1519 mit dem Geld der Fugger und Welser regelrecht
"kaufen". Der Verlierer bei dieser "Versteigerung" war
Ÿbrigens der franzšsische Kšnig Franz I., dem nicht dieselben Summen zur
VerfŸgung standen. Der Franzose Nostradamus hat die Bezeichnung
"vergoldeter Thron" fŸr den deutschen Kaisertitel also wohl keineswegs
aus Hochachtung gewŠhlt. 3) In der 1557er Ausgabe aus Moskau/Budapest steht hier "En
seruitude & par eaux". BRINDÕAMOUR, S. 318, korrigiert die Stelle
als "La seruitude s feaux", womit die Zeile etwa mit "Die
Knechtschaft wird bei den Getreuen (oder: den Vasallen) anzutreffen
[sein]" zu Ÿbersetzen wŠre. 4) Oder auch: "Leibeigene, Dienerin". 5) BRINDÕAMOUR, S. 318, korrigiert zu "nÕa durŽ", womit die
Stelle etwa mit " ihre Zeit hat nicht lŠnger angedauert" zu
Ÿbersetzen wŠre. Allerdings reimt sich "durŽ" nicht besonders gut
auf "dorŽ". |
Ein FŸrst wird den deutschen Thron besteigen, der aus weit entfernten
Gegenden stammen wird. Er wird ein enger Blutsverwandter sein, wahrscheinlich
des franzšsischen Kšnigs. WŠhrend einer Zeit der Knechtschaft wird es zu
†berschwemmungen kommen und eine "Dame" wird zur
"Sklavin" gemacht werden. Strophe 2/87 zerfŠllt in zwei Teile. Die ersten beiden Zeilen
berichten davon, dass ein FŸrst den deutschen Kšnigs- bzw. Kaiserthron
besteigen wird, der aus weit entfernten Gegenden stammen wird. †ber ihn
erfahren wir in Zeile zwei, dass er offensichtlich ein enger Blutsverwandter
einer hier nicht genannten Person ist, oder dass es sich bei ihm um einen
Deutschen handelt ("Germane"), vgl. Anmerkung 1. Es wŸrde zu Nostradamus passen, dass er hier die Bezeichnung
"prince Germain" u. a. deshalb gewŠhlt hat, um einen Hinweis darauf
zu geben, welchen Thron er als den "vergoldeten" bezeichnet (vgl.
Anmerkung 2). In 5/19/1 kšnnte unser Seher bereits ein Wortspiel mit dem
Begriff "Royal dÕOr" betreiben und mitteilen wollen, dass jemand
aus dem franzšsischen Kšnigshaus es dank franzšsischem Gold und Geld auf den
deutschen Thron schafft. Ein solcher FŸrst wŠre zwar wohl kein Deutscher,
dafŸr aber ein Blutsverwandter des franzšsischen Kšnigs. Dass aus deutscher Perspektive ein franzšsischer FŸrst aus
"entferntesten Gegenden" stammen wird, ist klar. Dies wŸrde wohl
allerdings erst recht auf den verratenen spanischen Kšnig aus 6/15/3
zutreffen. Aus der franzšsischen Sicht des Nostradamus kšnnte die in der ersten
Zeile gewŠhlte Formulierung "die entferntesten (oder auch: Šu§ersten)
Gegenden" vielleicht auch einen Hinweis auf die geografische Herkunft
des neuen deutschen Herrschers liefern. Zur Zeit unserers Sehers verlief die
franzšsische Ostgrenze viel weiter westlich als heute. Das Herzogtum Burgund
war zwischen dem Kšnigreich Frankreich und dem ršmisch-deutschen Reich
aufgeteilt, die Grenze verlief dabei etwas šstlich der Stadt Dijon. Somit
wŠre das Burgund oder der Raum Dijon aus Sicht des Nostradamus tatsŠchlich
eine der Šu§ersten Gegenden Frankreichs gewesen. Interessanterweise liegt
sŸdlich der Senf-Stadt ein Hšhenzug namens C™te dÕOr, der sich auf rund 80 km
LŠnge zwischen Dijon und Beaune erstreckt. Sollte der "Royal dÕOr"
aus diesem Gebiet stammen? Auf der ršmisch-deutschen Seite der Grenze gibt es
allerdings eine wohl ebenso interessante Verbindung. Besanon in der
Freigrafschaft Burgund trug im Mittelalter den †bernamen
"Chrysopolis" (Goldstadt). Dies, weil der Name Besanon an den lateinischen
Satz "besan sum" (ich bin ein Besan) erinnert. Ein Besan(t) war
dabei eine byzantinische Gold- oder SilbermŸnze, was wiederum den Bogen zum
franzšsischen GoldstŸck Royal dÕOr schlagen wŸrde. Der
zweite Teil der Strophe ist ohne Kontext schwer einzuordnen. Es scheint zu
†berschwemmungen zu kommen, doch wo? Die dritte Zeile spricht dazu von einer
"Knechtschaft". Doch wer wird hier geknechtet und von wem? Das
ršmisch-deutsche Reich vom erwŠhnten franzšsischen FŸrsten, vgl. 8/20/4,
Anmerkung 5? In 2/87/4 lesen wir von einer "Dame", die zur
"Sklavin" gemacht und deren Zeit nicht mehr verehrt werden wird.
Wer oder was ist hier gemeint? Ein Staatswesen oder eine Staatsform
(Republik)? Die Kirche? Oder doch eine Person aus Fleisch und Blut? |
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