5.13  Ein Komet wird am Himmel zu sehen sein, wenn der üble Papst "Mabus" stirbt. "Kastor" und "Pollux" werden die Kirche leiten.

 
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Zusammenfassung


2/46: In der ersten Zeile erfahren wir, dass nach einer großen "Verwirrung" (vgl. Anmerkung 1) unter den Menschen bald die nächste folgt, die noch viel größer sein wird. Gemäß zweiter Zeile wird zu dieser Zeit "der große Beweger" - vermutlich die Zeit selbst, vgl. Anmerkung 2 - die Zeitalter oder Jahrhunderte erneuern. Das könnte als Hinweis auf einen Jahrtausendwechsel verstanden werden, bei dem die Zählung der Jahrhunderte wieder bei "1" beginnt (z. B. ... 18. Jh., 19. Jh., 20. Jh., 21. Jh., 22. Jh., ...). Im Julianischen Kalender kämen dafür die Jahre 2001 (gregorianisch: 14.01.2001-13.01.2002) , 3001 (22.01.3001-21.01.3002) , 4001 (29.01.4001-28.01.4002) und 5001 (06.02.5001-05.02.5002) in Frage. Da Nostradamus nach meinem Dafürhalten aber auch eine eigene Chronologie verwendet, die am 1. März 1555 mit dem Jahr 1 beginnt, könnten gleichfalls die Jahre "1001" (18.03.2555-17.03.2556), "2001" (26.03.3555-25.03.3556) oder "3001" (02.04.4555-01.04.4556) gemeint sein. Als Vorzeichen für die kommenden Übel wird dann ein Komet am Himmel seine Bahn ziehen (vierte Zeile). Auf die Menschen werden Krieg (Nostradamus erwähnt das dem Kriegsgott Mars zugeordnete Eisen), Hunger und Pest zukommen (dritte Zeile). Die ebenfalls in der dritten Zeile erwähnten Begriffe "Regen", "Blut" und "Milch" könnte man so verstehen, dass die bevorstehenden Übel auch noch von weiteren Vorzeichen angekündigt werden (vgl. Anmerkung 4). Der "Regen" ist möglicherweise aber auch in Zusammenhang mit dem Hunger zu sehen (schlechte Witterung, die Missernten hervorruft) und das "Blut" mit dem angekündigten Krieg.

5/22: In der ersten Zeile erfahren wir, dass in Rom ein "Großer" sterben wird. Damit dürfte, wie aus den anderen Vierzeilern von 5.13 zu schließen ist, ein Papst gemeint sein. Zuvor wird wegen den Truppen und dem Hinterhalt bei Parma die "fremde Armee" aber noch in Schrecken versetzt werden (zweite und dritte Zeile). Näheres zu diesem Kampf oder dieser Armee - etwa ob sie jene des "fremden Volkes" (vgl. 5.144) ist - erfahren wir allerdings nicht. Anschließend werden laut vierter Zeile zwei Kardinäle (mit roten Ornaten) zusammen feiern. Wohl den Tod des Papstes und/oder den Ausgang des Kampfes bei Parma. Ich vermute, Nostradamus meint mit den beiden Kardinälen "Kastor" und "Pollux", die weiter unten noch auftauchen werden.

6/6: Die ersten drei Zeilen beschreiben den Kometen, den wir schon aus 2/46 kennen. Er scheint am Nordhimmel aufzutauchen und dann nach Süden zu ziehen. Gesehen werden wird er über dem norditalienischen Susa, über Siena und über Griechenland (Böotien und Eretria). Vielleicht während der Zeit des Krebses, vgl. Anmerkung 2. In der vierten Zeile erwähnt Nostradamus wieder den sterbenden Römer aus 5/22. Wir erfahren, dass er gegen Morgen stirbt, wenn die Nacht vorüber ist.

2/62: Der Komet der vierten Zeile verbindet diesen Vierzeiler mit 2/46 und 6/6. Wie in 2/46 steht er in Verbindung mit gewaltsamen Auseinandersetzungen ("Kampf") und Not ("Durst" und "Hunger"). In der zweiten Zeile erfahren wir, dass der Komet ein Zeichen für kommendes Unheil sein wird, das nicht nur die Menschen sondern auch die Tiere heimsuchen wird. Die Erwähnung der Tiere ist zusammen mit dem "Durst" und dem "Hunger" ein weiterer Hinweis dafür, dass man auch unter naturbedingten Übeln leiden wird (vgl. den "Regen" und den Hunger in 2/46). In der ersten Zeile finden wir wieder den sterbenden großen Römer, was eine Brücke zu 5/22 und 6/6 schlägt. Nostradamus nennt diesen Papst "Mabus", ein Wort, das noch ungeklärt ist (vgl. Anmerkung 1). Gemäß dritter Zeile wird man "die Rache sehen". Das könnte der Tod des Papstes selber sein, der demzufolge aus Rache getötet werden wird. Oder es handelt sich um Vergeltungsmaßnahmen nach dem Hinschied des Kirchenoberhauptes, z. B. gegen dessen Anhänger.

2/43: In der ersten Zeile taucht wieder der schon bekannte Komet auf. In der vierten Zeile der Tod des anscheinend üblen Papstes ("Schlange", vgl. Anmerkung 5). Die gleiche Zeile berichtet, dass Po und Tiber zu dieser Zeit Hochwasser führen werden. Drei große Fürsten werden sich verfeinden, was den Frieden ins Wanken bringt (zweite und dritte Zeile). Angekündigt werden diese Veränderungen durch Vorzeichen. Nostradamus nennt Blitze ("Schläge aus dem Himmel") und Erdbeben.

2/41: Erneut dürften wir den Tod dieses "großen" (= historisch wichtigen) Papstes in der vierten Zeile antreffen (vgl. Anmerkung 5). In der ersten Zeile lesen wir von einem großen Stern, der sieben Tage lang glühen, d. h. sichtbar sein wird. Meines Erachtens handelt es sich dabei um den bereits bekannten Kometen (vgl. Anmerkung 1). Eine "Wolke" - vielleicht meint Nostradamus damit die traurige Lage, in der sich die Kirche befindet, vgl. Anmerkung 2 - wird zwei "Sonnen" erscheinen lassen (zweite Zeile). Damit könnten "Kastor" und "Pollux" gemeint sein, die wir weiter unten noch antreffen werden (vgl. Anmerkung 3). In der dritten Zeile finden wir einen "großen Hund", der die ganze Nacht, in der der Papst im Sterben liegt, heulen wird. Hunde heulen auch in Kapitel 68 des Werkes von Julius Obsequens, das Nostradamus als Vorlage verwendet hat (vgl. Anmerkung 3). Hier dürfte unser Seher damit allerdings eine konkrete Person gemeint haben, die ebenfalls in 5/4 wieder auftaucht. Im Lateinischen wie Griechischen ist "Hund" ein Schimpfwort. Das von Nostradamus verwendete "mastin" bezeichnet im Mittelfranzösischen aber auch spezifisch einen Wachhund. Da dieser "Hund" das Sterben des Papstes beklagt, könnte er dessen Gefolgsmann sein. Vielleicht ein Kardinal mit der Funktion eines Glaubenswächters?

10/12: In diesem Vierzeiler beschreibt Nostradamus Papst "Mabus". In der vierten Zeile erfahren wir erneut, dass er zu morgendlicher Stunde sterben wird (vgl. 6/6). Laut Nostradamus ist die Nacht "Führer seines Todes". D. h. die Nacht nimmt bei ihrem Verschwinden am Morgen den Papst mit sich. In der ersten Zeile lesen wir, dass "Mabus" nach seiner Wahl zum Pontifex die Menschen täuschen wird. Diese Falschheit würde erklären, weshalb unser Seher ihn in 2/43 als "Schlange" bezeichnet. Die zweite und dritte Zeile beschreiben den oder die Attentäter, vgl. 5.35!

5/4: Der "große Hund", den wir aus 2/41 kennen, wird in der ersten Zeile aus der Stadt (wohl Rom) vertrieben werden. Möglicherweise von den Kreisen, die hinter der Ermordung des Papstes stecken. Zuvor wird der "große Hund" von einem fremden oder seltsamen Bündnis in Wut versetzt werden. Damit könnte z. B. ein Bündnis aus "Wolf" und "Bär" gemeint sein, die in den beiden letzten Zeilen auftauchen. Die beiden Raubtiere (vgl. Anmerkungen 5 und 6) jagen dort zunächst gemeinsam den "Hirsch", werden sich nachher aber gegenseitig misstrauen. Wen Nostradamus mit diesem "Hirsch" meint, ist unklar (vgl. Anmerkung 4). Ebenso wenig geht aus dem Vierzeiler hervor, ob "Wolf" und "Bär" ihre Beute auch tatsächlich zur Strecke bringen können. Vielleicht scheitern sie und misstrauen sich dann deshalb gegenseitig, weil jeder den anderen für das Versagen verantwortlich macht?

3/33: In der ersten Zeile taucht wieder der "Wolf" auf (vgl. 5/4). Er wird in eine ungenannte Stadt einziehen. In eine Stadt, der die Feinde schon sehr nah zu sein scheinen. Die "fremde Armee", die wir bereits aus 5/22 kennen, wird das "große Land" verwüsten (dritte Zeile). Da "groß" bei Nostradamus des öfteren für "französisch" steht, könnte damit Frankreich gemeint sein. In der letzten Zeile erfahren wir, dass "Freunde" bei den "Mauern" und den Alpen vorbeiziehen werden. Mit den "Mauern" könnten Stadtmauern gemeint sein, doch von welcher Stadt? Rom? Die "Freunde" sind wohl Partner oder Verbündete. Dafür kommen "Kastor" und "Pollux" oder auch "Wolf" und "Bär" in Frage. Doch wohin ziehen die "Freunde"?

4/90: In der ersten Zeile tauchen wieder "Mauern" auf, mutmaßlich dieselben wie in 3/33. Zwei Armeen können sich dort nicht wie beabsichtigt treffen. Falls damit die Armeen der beiden "Freunde" aus 3/33 gemeint sein sollten, marschieren sie wohl gegen einen gemeinsamen Feind. Mailand und Pavia werden zu diesem Zeitpunkt zittern (zweite Zeile). Vor dem Feind der beiden "Freunde"? Wie in 2/62 wird man gemäß dritter und vierter Zeile unter "Hunger" und "Durst" leiden. In 4/90 könnte damit konkret die Lage in Mailand und Pavia geschildert werden, die vielleicht belagert werden.

2/82: Von einer offensichtlich schlimmen Hungersnot ist auch in der ersten Zeile von 2/82 die Rede. Sie wird derartige Ausmaße annehmen, dass der "Wolf" von denjenigen gestürzt werden wird, die er zuvor besiegt hatte ("Beute"). Noch nicht richtig einzuordnen sind die zweite bis vierte Zeile. Ein Angreifer scheint in große Not zu geraten. Vielleicht einer derjenigen, die sich gemäß 3/33 in der Nähe der Stadt aufhalten, in der der "Wolf" geherrscht hatte? Ein Geborener oder Erschienener (vgl. Anmerkung 1) steht entweder dem "Letzten" gegenüber oder geht vielleicht dem "Letzten" voraus. Doch wer ist damit gemeint? Der letzte Papst vor der Wiederkehr Christi? Ein "Großer" kann sich nicht einer Schlacht entziehen. Leider erfahren wir weder wer dieser "Große" ist, noch ob er die Schlacht gewinnt oder verliert.

2/15: In der zweiten Zeile treffen wir erneut auf den bekannten Kometen sowie  auf "Kastor" und "Pollux" (vgl. Anmerkung 2). Die beiden Dioskuren leiten wohl die Kirche (das "Schiff Petri"). Das bedeutet, der üble Papst "Mabus" ist bereits tot. Zu dieser Zeit wird das Staatsvermögen zu Lande und zu Wasser ausgegeben werden. Doch das Vermögen welches Staates? Italiens? Frankreichs? Und wie und warum wird das Vermögen verschleudert? Das nördliche Italien (Pisa, Asti, Ferrara und Turin) wird "verbotenes Land" sein. Wer erklärt dieses dazu? Vielleicht jene Macht, die Mailand und Pavia in 4/90 zum Zittern bringt? In der ersten Zeile von 2/15 lesen wir, dass kurz nachdem "Kastor" und "Pollux" in der Kirche sein werden, ein Herrscher sterben wird (vgl. Anmerkung 1). Damit könnte z. B. der König aus 9/8 gemeint sein.

9/8: In der vierten Zeile taucht wieder der "Wolf" auf. Er wurde vertrieben (vgl. 2/82) und liegt nun auf dem Bett. Schläft er dort, oder liegt er vielleicht im Sterben? Zu diesem Zeitpunkt wird man jedenfalls eine "Schrift" finden, die einen Verdacht schürt, der wiederum Streit herrvorrufen wird. Näheres dazu erfahren wir leider nicht. In den ersten beiden Zeilen werden Ränkespiele an einem Königshof geschildert. Nach einem Konflikt wird der jüngere Sohn eines Königs (also wohl nicht der erstgeborene Thronerbe) zum König gemacht werden und seinen Vater einem schändlichen Tod überantworten. Auch hier fehlt uns noch der Kontext, um mehr sagen zu können.

2/90: In der vierten Zeile erfahren wir, dass "Kastor" und "Pollux", die beiden führenden Personen in der Kirche, offenbar Feinde geworden sind. Sie scheinen sich öffentlich ("in der Arena", vgl. Anmerkung 4) zu bekämpfen. Zu dieser Zeit wird das Königreich Ungarn ein für allemal verändert werden. Das Land wird einem "Gesetz" unterworfen werden, dass härter ist als Sklaverei. Die große Stadt der Ungarn (heute Budapest) wird von Heulen, Klagen und Schreien erfüllt sein. Budapest gab es zur Zeit des Nostradamus noch nicht sondern entstand erst 1873 durch die Vereinigung von Buda mit Pest und Óbuda. Buda war bis zur osmanischen Eroberung 1541 Hauptstadt des Königreichs Ungarn. 1543 fiel auch Székesfehérvár (Stuhlweißenburg) an die Türken. Székesfehérvár war neben Buda die Krönungsstadt der ungarischen Könige. Ob Ungarn hier erneut unter die Herrschaft von Muslimen fallen wird, ist im Augenblick aber noch nicht zu entscheiden.

Quellen
 

2/46
 
Apres grãdtrouble1) humaî, plus grãd s’aprest Nach [der] großen menschlichen Verwirrung1) bereitet sich [eine] noch größere vor.
Le grand mouteur2) les siecles3) renouuele. Der große Beweger2) erneuert die Zeitalter3).
Pluie, sang, laict4), famine, fer, & peste5). Regen, Blut, Milch4), Hunger, Eisen und Pest5) [kommen auf die Menschen zu].
Au ciel veu, feu6) courant longue estincele Am Himmel [wird ein] Feuer6) gesehen, [das] mit einem langen Funken vorbeizieht.
1) "Verwirrung" im weitesten Sinne, so auch von Krieg, Aufständen usw.
2) Lies "moteur". Mit dem "Beweger" ist möglicherweise "Aufrührer" gemeint, vgl. lat. "movere" (bewegen, in Aufruhr bringen usw.). Das wäre dann eine Anspielung auf Saturn (griech. "Kronos"), der zusammen mit den Titanen die Herrschaft der olympischen Götter stürzen wollte. Und "Kronos" als Verweis auf das griech. "chronos" stände dann für die Zeit, die sehr wohl als "großer Beweger" umschrieben werden kann.
3) Oder auch: "Jahrhunderte", nach lat. "saeculum".
4) Hier könnte das lat. "lac" (Milch) vielleicht als scherzhafte Abkürzung für das ebenfalls lat. "laceratio" (Zerfetzung, Zerreißung) stehen. In der antiken Vorzeichensammlung "Ab anno urbis conditae DV prodigiorum liber" des Julius Obsequens, die Nostradamus offensichtlich benutzt hat (siehe unten z. B. 2/41, Anmerkung 3), taucht die Milch des öfteren als Vorzeichen für kommendes Übel auf (Milchregen in den Kapiteln 14, 28, 30, 31, 35, 36, 39, 40, 41, 43, 50 und 53. In Kapitel 43 wird zudem ein Blutregen erwähnt. Im gleichen Kapitel quillt des Weiteren auch noch Milch aus der Erde). In der "Naturalis Historia" (2, 57, 147) von Plinius d. Ä. wird ebenfalls von einem Milch- und Blutregen berichtet.
5) "Pest" kann entweder jede ansteckende Krankheit mit hoher Sterblichkeit meinen, oder im übertragenen Sinne allgemein für "Unglück, Unheil" stehen.
6) Wahrscheinlich zielt Nostradamus hier (man beachte den "langen Funken", der auf einen Kometen verweist) auf das lateinische "ignis" ab, das u. a. auch "Stern" bedeuten kann. Bei Julius Obsequens finden wir etliches Feuer am Himmel. So in den Kapiteln 3 oder 11, wobei in letzterem am Himmel eine "brennende Fackel" gesehen wurde. Solche Fackeln finden wir auch in den Kapiteln 12, 24, 45, 51, 53, 68 und 71. In Kapitel 52 treffen wir auf eine Flamme aus dem Himmel, währenddem in 54 von einem Feuerball die Rede ist. Der Himmel brennt in 14, 20 und 51. Dem Nostradamus-Vers ähnlicher ist jedoch Kapitel 68 (44 v. Chr.), wo neben einem Kometen auch ein Stern am Himmel erwähnt wird, der sieben Tage lang am Himmel gestanden hat. In Kapitel 20 (147 v. Chr.) berichtet Obsequens von einem Stern, der sogar 32 Tage lang sichtbar gewesen sei.

 
5/22
 
Auant qu’à Rome grand aye rendu l’ame, Bevor in Rom [der] Große den Geist aufgegeben haben wird,
Effrayeur grande1) à larmée estrangere: wird [der] Schrecken in der fremden Armee groß1) sein.
Par Esquadrons2), l’embusche pres de Parme3), Vor [den] Truppen2) [und] dem Hinterhalt nahe bei Parma3).
Puis les deux rouges ensemble feront chere. Dann werden die beiden Roten zusammen feiern.
1) Lies: "grand".
2) "Esquadron" (Schwadron) steht im Mittelfranzösischen für "Bataillon, Truppenteil", egal ob von Infanterie oder Kavallerie.
3) Norditalienische Stadt in der südlichen Poebene.

 
6/6
  
Apparoistra vers le Septentrien1), Erscheinen wird [er] im Norden1) [und]
Non loing de Cancer2) l’estoille cheuelue3): nicht weit vom Krebs2) entfernt, der haarige Stern3).
Suze4), Sienne5), Boece6), Eretrion7), [Und über] Susa4), Siena5), Böotien6) [und] Eretria7).
Mourra de Rome grand, la nuict disperue. Sterben wird [der] Große von Rom, [wenn] die Nacht vorüber [ist].
1) Oder auch: "Sternbild des Großen Bären bzw. Wagen". Nostradamus lehnt sich in den ersten beiden Zeilen wieder an Julius Obsequens, Kapitel 68 an: "[...] stella [...] crinita sub septentrionis [...]".
2) Damit kann entweder das Sternbild gemeint sein oder die Zeit des Krebses vom 17. Juni bis 17. Juli nach mittelalterlicher Auffassung.
3) Vgl. lat. "stella crinita" ("haariger Stern" = Komet).
4) Es gibt mehrere Orte mit dem Namen "Susa". Susa im Südwesten des Iran, Susa in Nordwestitalien, etwa 50 km westlich von Turin, Susa (Sousse) an der tunesischen Ostküste. Hier dürfte wohl das italienische Susa gemeint sein.
5) Stadt in der zentralen Toskana.
6) Landschaft in Griechenland, etwa 50 km nordwestlich von Athen.
7) Stadt auf Euböa, auf der großen der ostgriechischen Küste vorgelagerten Insel.

 
2/62
 
Mabus1) puis tost2) alors mourra, viendra "Mabus"1) wird dann bald2) sterben. [Es] kommt
De gens & bestes vne horrible defaite3): für Menschen und Tiere eine schreckliche Niederlage3).
Puis tout à coup la vengence on verra Dann plötzlich wird man die Rache sehen.
Cêt4), main5), soif, faim, quãd courra la comete. Sehr viel4) Kampf5), Durst [und] Hunger [wird es geben], wenn der Komet [auf seiner Bahn] zieht.
1) Ungeklärter Begriff. Vielleicht eine Zusammensetzung aus "ma buse" ("mein Greifvogel, Bussard", oder: "mein Idiot"). Möglicherweise ist "Mabus" auch ein Anagramm des lat. "absum" (ich bin fern, ich fehle usw.). Und dieses wiederum ein Verweis auf das griech. "anastasis" (u. a. Auferweckung, Auferstehung; Vertreibung, Evakuierung, Umsiedlung, Abzug). Bis zur Zeit des Nostradamus trugen vier Päpste den Namen Anastasius ("der Auferstandene"). Interessanterweise befindet sich dabei Papst Anastasius II. (496 - 498) gemäß Dantes Göttlicher Komödie (1, 11, 7) als Häretiker in der Hölle.
2) Oder auch: "früh", was gut zur morgendlichen Sterbestunde in 6/6 passen würde.
3) Niederlage im weitesten Sinne (Katastrophe usw.).
4) "Cent" bedeutet neben "hundert" auch "unzählige, sehr viel, maximaler Grad an" usw. "Hundert" könnte auch als Anspielung auf "Hekatombe" (griech. für "Hundert-Stiere-Opfer") verstanden werden. Im übertragenen Sinne bezeichnet "Hekatombe" auch ein Blutbad oder Massaker.
5) Nach lat. "manus" (u. a. Handgemenge, Kampf).
 

2/43
  
Durant l’estoyle cheuelue1) apparente, In der Zeit, in der der haarige Stern1) sichtbar [sein wird],
Les trois grãs princes seront fait ennemis, werden die drei großen Fürsten zu Feinden gemacht werden.
Frappes du ciel, paix terre tremulente2). [Es erfolgen] Schläge aus dem Himmel, [der] Friede [und die] Erde [werden] zittern2).
Po, Tymbre3) vndants4), serpant sus le bort5) mis. Po [und] Tiber3) steigen an4), [und die] Schlange [wird] an das Ufer5) gebracht [werden].
1) Vgl. lat. "stella crinita" (haariger Stern = Komet).
2) Vgl. lat. "tremere" (zittern).
3) Nach LEONI u. a.
4) Lat. "undare" (ansteigen, überfluten usw.).
5) "Bord" bedeutet u. a. "Rand" im weitesten Sinne. Hier ist wohl gemeint, dass dieser üble Papst ("Schlange") sinnbildlich am Ufer des Acheron steht und auf den Fährmann Charon wartet, d. h. sich an der Schwelle des Todes befindet. Nostradamus hat sich hier - wie beim ganzen Vierzeiler - an Julius Obsequens, "Ab anno urbis conditae DV prodigiorum liber", Kapitel 68 (44 v. Chr.) angelehnt (vgl. GRUBER, S. 157f.).

 
2/41
 
La grand’ estoile par sept iours bruslera1), Der große Stern wird während sieben Tagen glühen1).
Nuée2) fera deux soleils3) apparoir: [Die] Wolke2) wird zwei Sonnen3) erscheinen lassen.
Le gros mastin toute nuit hurlera Der große Hund wird [die] ganze Nacht heulen,
Quand grand pontife4) changera de terroir.5) wenn [der] große Pontifex4) [das] Land wechseln wird.5)
1) Eigentlich: "brennen". Zum Stern, der sieben Tage lang sichtbar sein wird, vgl. 2/46, Anmerkung 6. Hier könnte Nostradamus aber die Vorlage des Obsequens dahingehend abgeändert haben, dass er mit dem siebentägigen Stern den bereits erwähnten Kometen meint.
2) Das lat. "nubes" (Wolke) bedeutet auch "traurige Lage, Unglück".
3) Die Vorlage dieses Vierzeilers findet sich wieder im Werk des Julius Obsequens, Kapitel 68. Dort ist jedoch von drei Sonnen die Rede, was unser Seher hier abgeändert hat (vgl. auch BRIND’AMOUR, S. 254 - 256 und GRUBER, S. 151). In Kapitel 14 finden wir allerdings zwei Sonnen über Formia (einer Hafenstadt im südlichen Latium). Hier könnte Nostradamus z. B. eine Kirchenspaltung meinen, da die Sonne für das Christentum steht. Allerdings vermute ich vielmehr, unser Seher hat damit "Kastor" und "Pollux" gemeint, die wir weiter unten antreffen werden, wie sie die Kirche leiten. Im Lateinischen kann mit "sol" (Sonne) nämlich auch ein bedeutender Mann gemeint sein, vgl. Cicero, De Natura Deorum, 2, 14 über Publius Cornelius Scipio Aemilianus Africanus minor ("sol alter": die andere Sonne). Im gleichen Kapitel zählt Cicero Vorzeichen und ungewöhnliche Ereignisse auf, die die Menschen dazu bringen, an eine himmlische und göttliche Macht zu glauben. Dazu gehören u. a. Erdbeben, "Fackeln" am Himmel, Kometen und eine doppelte Sonne, vor der ihm sein Vater erzählt habe. Wir dürften hier also eine weitere Quelle gefunden haben, aus der Nostradamus geschöpft haben könnte.
4) Damit ist der Papst (Pontifex Maximus) gemeint.
5) Damit ist wohl die Überfahrt über den Acheron in die Unterwelt gemeint. Dieser Papst stirbt hier.

 
10/12
 
Esleu en Pape, d’esleu sera mocqué1), [Nachdem er] zum Papst gewählt [sein wird], wird [man] vom Gewählten getäuscht1).
Subit soudain esmeu prompt & timide, Plötzlich [und] schnell [ist man] aufgebracht, entschlossen und ängstlich.
Par trop bon doulx2) à mourir prouocqué, Wegen der großen Standhaftigkeit2) [wird er] zum Sterben veranlasst.
Crai[n]te estainte la nuit de sa mort guide. [Die] Angst [ist] erloschen. Die Nacht [ist der] Führer seines Todes.
1) Das mittelfranzösische "estre mocqué" bedeutet u. a. "getäuscht werden".
2) "Doulx" dürfte eine Verschreibung von "doux" sein, vgl. LE PELLETIER. "Par trop bon doux" ist dann seinerseits eine Anlehnung an die mittelfranzösische Wendung "avoir bon dos", wobei im Mittelfranzösischen "doux" eine Nebenform von "dos" darstellt. "Avoir bon dos" ("einen guten Rücken haben") bedeutet "Schwierigkeiten gut ertragen können". 

 
5/4  

Le gros mastin de cité deschassé, Der große Hund [wird] aus [der] Stadt vertrieben [worden sein].
Sera fasché2) de l’estrange1) alliance, [Er] wird vom fremden1) Bündnis in Wut versetzt2) [sein].
Apres aux champs3) auoir le cerf4) chassé, Nachdem [sie] auf den Feldern3) den Hirsch4) gejagt haben,
Le loup5) & l’Ours6) se donront defiance. werden sich der Wolf5) und der Bär6) misstrauen.
1) Oder auch "fremdartig, bizarr" usw.
2) "Fasché" bedeutet im Mittelfranzösischen u. a. auch noch "angewidert, ermüdet, eingeengt, gestört".
3) Falls Nostradamus hier nicht an ganz bestimmte Felder gedacht hat, bedeutet das mittelfranzösische "aux champs" einfach "auf dem Land" (als Gegensatz zur Stadt).
4) Unklar, was Nostradamus mit diesem "Hirsch" (lat. "cervus") meint. Es gibt ein Cervo an der ligurischen Küste, etwa 5 km nördlich von Impera, sowie einen Fluss und ein gleichnamiges Tal im Norden Piemonts. In Kalabrien finden wir ein Cerva etwa 20 km nordöstlich von Catanzaro. Ein Cervo gibt es im nordwestspanischen Galicien, einige km westlich von Burela unweit der Küste. In Frankreich ein Cervens unweit des Genfer Sees, zwei Orte namens Cervières (etwa 50 km östlich von Clermont-Ferrand und in den Westalpen, etwa 5 km südöstlich von Briançon), ein Cerville (wenige km östlich von Nancy) und ein Cervon (etwa 95 km westlich von Dijon). Auf Korsika finden wir noch ein Cervione, das unweit der Ostküste der Insel liegt. Falls Nostradamus an eine Person gedacht hat, gäbe es zwei Namen, deren Patrone mit dem Hirsch eng in Verbindung stehen: die heiligen Hubertus und Eustachius. Einige Grafen von Boulogne trugen den Namen Eustach. Eustach II. (1047 - 1088) kämpfte zusammen mit Wilhelm dem Eroberer 1066 bei Hastings. Eustach III. (1088 - 1125) ging mit seinen beiden Brüdern Gottfried von Bouillon und Balduin von Boulogne auf Kreuzzug nach Palästina. 1125 trat Eustach III. als Graf zurück und ging ins Kloster. Eustache IV. (1151 - 1153) war der Sohn König Stephans von England. Nach dem Tod seines älteren Bruders wurde er zum Erben des englischen Throns, aber als solcher nur von wenigen Baronen anerkannt. Eustach IV. starb 1153 noch zu Lebzeiten seines Vaters. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass sich unser Seher auf den französischen König Karl VI. (1380 - 1422) bezieht. Karl VI. soll auf der Hirschjagd bei Senlis einem Hirsch begegnet sein, der um den Hals eine goldene Kette mit der Inschrift trug: "Caesar hoc mihi donavit" (Caesar/der Kaiser hat mir dies geschenkt). Aus diesen Grund hat Karl VI. seinen persönlichen Insignien einen Hirsch hinzugefügt.
5) Der "Wolf" taucht auch in 2/82, 3/33, 9/8 (alle 5.13) und 10/99 (5.48) auf. Welche Macht oder welches Land/Gebiet hier gemeint ist, ist noch unklar. Allein in Frankreich gibt es Dutzende Orte namens Saint-Loup und eine Vielzahl weiterer Toponyme, die auf den "Wolf" verweisen. In Westspanien finden wir Guadalupe (lat. "Lupiae aquae" oder "Lupi amnis") und den gleichnamigen Fluss, in Italien gäbe es etwa Altamura (lat. "Lupetia" oder "Lupatiae"), eine Stadt etwa 40 km südwestlich von Bari. Das antike Lykien (griech. "lykos" = Wolf) lag an der Südwestküste Kleinasiens. Am Ufer der Lippe (lat. "Lupia") lebte der germanische Stamm der Marser (lat. "Marsi"), was deshalb interessant ist, da der Wolf in der römischen Mythologie dem Mars geweiht war. Mit Blick auf Anmerkung 5 könnte mit dem "Wolf" auch der Süden gemeint sein. Das Sterbild Lupus (griech. Therion) steht nämlich ganz im Süden unseres Himmelszeltes. Allerdings bliebe auch in diesem Fall vorerst unklar, welche Macht Nostradamus konkret gemeint haben könnte.
6) Hier könnte das griech.-lat. "Arctos" (Bär, Norden) gemeint sein. Diese nördliche Kraft entpräche dann möglicherweise "Aquilo", der in anderen Versen auftaucht (vgl. 5.19, 5.75 und 5.141).

3/33
 
En la cité ou le loup1) entrera, Bei der Stadt, [in die] der Wolf1) einziehen wird,
Bien pres de là les ennemis seront: werden die Feinde sehr nahe sein.
Copie2) estrange grand païs gastera. [Die] fremde Armee2) [wird das] große Land verwüsten.
Aux murs & Alpes3) les amis passeront. Bei den Mauern und Alpen3) werden die Freunde vorbeiziehen.
1) Das könnte Rom sein, in Anlehnung an Julius Obsequens, "Ab anno urbis conditae DV prodigiorum liber", wo Wölfe in der Ewigen Stadt als Vorzeichen aufgeführt werden: 165 v. Chr. wurden in Rom mitten am Tag aufgeregte Wölfe beobachtet (Kapitel 13). Gemäß Kapitel 43 soll ein Wolf 104 v. Chr. die Stadt betreten haben, 96 v. Chr. wurde dort ein solcher getötet (Kapitel 49). 93 v. Chr. betraten erneut Wölfe die Tiberstadt (Kapitel 52). Von Wölfen in Rom lesen wir auch in Kapitel 63 (53 v. Chr.).
2) Vgl. lat. "copiae" (u. a. Truppen, Streitkräfte).
3) BRIND’AMOUR, S. 378 - 380, schlägt hier "Haults murs & Alpes" ([Bei den] Mauern der Alpen) vor.

 
4/90
 
Les deux copies aux murs ne pourront ioindre1) Die beiden Armeen werden sich bei den Mauern nicht treffen1) können.
Dans cest instant trembler Milan, Ticin2): In diesem Moment [werden] Mailand [und] Ticin[um]2) zittern.
Faim, soif doubtance3) si fort les viêdra poindre, [Es] werden Hunger, Durst [und] Angst3) kommen, um sie sehr stark zu quälen.
Chair, pain, ne viures n’auront vn seul boucin. [Von] Fleisch [oder] Brot [oder anderen] Lebensmitteln werden [sie] nicht einen einzigen Bissen haben.
1) Im Sinne von "vereinigen" wie auch von "zum Kampfe treffen".
2) Lat. "Ticinum" (Pavia) oder "Ticinus" (Tessin, ein Nebenfluss des Po).
3) Oder auch: "Zweifel, Unsicherheit".
 

2/82
 
Par faim la proye fera loup prisonnier Wegen [des] Hungers wird die Beute [den] Wolf [zum] Gefangenen machen.
L’assaillant lors en extreme detresse. Der Angreifer [wird] dann in sehr großer Not sein.
Le nay1) aiant au deuant le dernier, Der Geborene1) hat den Letzten vor [sich].
Le grand n’eschappe au milieu de la presse. Der Große entkommt nicht der Mitte der Schlacht.
1) Oder: "Erschienene".

2/15
 
Vn peu deuant monarque trucidé?1) Kurz bevor der Herrscher getötet (?)1) [werden wird,
Castor Pollux2) en nef, astre crinite3). befinden sich] Kastor [und] Pollux2) im Schiff [und der] Komet3) [am Himmel].
L’erain publiq4) par terre & mer vuidé [Das] Staatsvermögen4) [wird] zu Lande und [zu] Wasser ausgegeben [werden],
Pise, Ast, Ferrare, Turin,5) terre interdicte. Pisa, Ast[i], Ferrara [und] Turin5) [sind] verbotenes Land.
1) Entweder liegt bei diesem Fragezeichen ein Fehler des Setzers vor, oder Nostradamus wollte damit andeuten, dass auch er nicht ganz sicher ist, ob dieser Herrscher nun eines natürlichen Todes stirbt oder ermordet wird.
2) Die Zwillige Kastor und Pollux, die sogenannten Dioskuren, waren Söhne Jupiters. Sie erscheinen in der antiken Mythologie als ritterliches Paar und Helfer in der Not, v. a. auch bei Seenot (Kastor war der Schutzpatron der Seeleute, sein Tempel in Rom lag auf der Südseite des Forums). Besonders verehrt wurde das Brüderpaar in Rom, seitdem es in der Schlacht am Regillus lacus gegen die Latiner (ca. 500 v. Chr.) für die Tiberstadt Partei ergriffen haben soll. Kastor und Pollux begleiteten Iason auf dem Argonautenzug und wurden von Herkules zu den Leitern der Olympischen Spiele ernannt. In der zweiten Zeile von 2/15 dürften die beiden wohl das "Schiff" durch schwere See manövrieren bzw. die Kirche in einer schwierigen Zeit leiten. In der antiken Mythologie wurde Jupiter u. a. der Donner zugeordnet, ein Beiname des Göttervaters war denn auch "tonans" (Donnerer). Dies könnte uns eine Querverbindung zum Neuen Testament liefern, an die Nostradamus vielleicht ebenfalls gedacht hat, da hier von der Kirche die Rede ist. Unter den zwölf Aposteln gab es ein Brüderpaar, das von Jesus "die Donnersöhne" ("Boanerges") genannt wurde. Es handelt sich dabei um (den älteren) Jakobus und dessen Bruder Johannes (vgl. Markus 3, 17). Zusammen mit Petrus gehörten die Donnersöhne zu den bevorzugten Jüngern Christi. Ihren Beinamen erhielten sie wohl wegen ihres Eifers bzw. ihres impulsiven Charakters (vgl. dazu etwa Lukas 9, 51 - 56). Jakobus wurde 43 n. Chr. von König Herodes Agrippa I. wegen seines christlichen Glaubens enthauptet und starb als erster Apostel den Märtyrertod. Der Legende nach soll sein Leichnam im spanischen Santiago de Compostela bestattet sein (span. "Santiago" = heiliger Jakobus). Johannes war der Lieblingsjünger Jesu, der zusammen mit Maria bei der Kreuzigung noch immer anwesend war, als die anderen Apostel bereits die Flucht ergriffen hatten. Jesus vertraute ihm dabei seine Mutter Maria an. Nach traditioneller Auffassung soll Johannes auch der Autor des Johannesevangeliums und der Offenbarung des Johannes sein. Bei Nostradamus könnten Kastor und Pollux (oder Jakobus und Johannes?) vielleicht zwei Kardinäle sein, die die Kirche etwa während einer Sedisvakanz oder unter einem schwachen Papst de facto leiten.
3) "Astre crinite" ist wohl eine Anlehnung an das lateinische "stella crinita" (Komet).
4) "Erain" wurde hier als "airain" gelesen, was seinerseits wieder auf das lateinische "aes" (u.a. Vermögen) zurückgeht. Möglicherweise hat Nostradamus hier "aerarium commune" (Staatsvermögen) ins mittelfranzösische "erain publiq" übertragen. Es gäbe weiters ein lateinisches "eranus", das "Hilfsverein, Sammlung für die Armen" bedeutet. Dann wäre hier vom Sozialsystem eines Staates die Rede.
5) Pisa liegt in der nordwestlichen Toskana, Ferrara in der östlichen Poebene nahe des Po. Turin und das etwa 40 km südöstlich davon gelegene Asti liegen in Nordwestitalien. Hier scheint einfach Norditalien gemeint zu sein.


9/8
 
Puisnay Roy fait son pere mettra à mort, [Der zum] König gemachte jüngere [Sohn] wird seinen Vater dem Tod überantworten,
Apres conflit de mort tres inhoneste1): nach [dem] Konflikt, [und zwar einem] sehr schändlichen1) Tod.
Escrit trouué soubson donra remort2), [Die] Schrift [wird] gefunden [und der] Verdacht wird Streit2) hervorrufen,
Quand loup chassé pose sus la couchette. wenn [der] vertriebene Wolf auf dem Bett liegt.
1) Lat. "inhonestus" (u. a. schändlich).
2) "Remort" bedeutet im Mittelfranzösischen u. a. "Zerrissenheit, Zwist".

 
2/90
 
Par vie & mort1) changé regne d’Ongrie2): Auf Leben und Tod1) [hat sich das] Königreich Ungarn2) verändert.
La loy sera plus aspre que seruice3), Das Gesetz wird härter sein als [die] Sklaverei3).
Leur grand cité d’vrlemêts plaincts & crie: Ihre große Stadt [ist voll] von Heulen, Klagen und Schrei[en].
Castor & Pollux ennemis dans la lyce4). Kastor und Pollux [sind] Feinde in der Arena4).
1) "Par vie et mort" ist wohl eine Anlehnung an "à la vie et à la mort" (für immer und ewig).
2) Oder auch: "[die] Herrschaft von Ungarn". Ungarn war zur Zeit des Nostradamus weit größer als heute und umfasste Teile Rumäniens, der Slowakei, Kroatiens usw.
3) Oder: "Knechtschaft".
4) Oder auch: "Turnierplatz".

 
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