5.26  "Narses"
 

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Zusammenfassung
 

2/39 besagt, dass ein Jahr vor einem Konflikt in oder um Italien der Deutsche, der Franzose und der Spanier für den neuen Narses Partei ergreifen werden. Laut Nostradamus wird das „Schulhaus der Republik“ fallen. Damit könnte Rom gemeint sein, das in der Antike ein Musterbeispiel für Aufstieg und Fall einer Republik war.
 7/19 schildert, wie der neue Narses, dessen historisches Vorbild u.a. oströmischer Statthalter in Italien war, vom Feind mit Gold überwunden, d.h. wohl bestochen wird, was den „Bürgern“ (Roms oder Italiens) einen schweren Schlag versetzen wird. In 3/53 erfahren wir, wer Narses besticht. Es sind die Deutschen - wenigstens Teile von ihnen. Köln scheint nämlich aus irgendwelchen Gründen gegen den deutschen Herrscher zu opponieren und ihn zu beschuldigen. Die letzte Zeile von 3/53 scheint einen neuen deutschen Frankreichfeldzug vorherzusagen. Hat Köln sich gegen diese Expedition ausgesprochen? Die Bestechung des Narses könnte aber jedenfalls den Sinn gehabt haben, den Weg nach Frankreich zu ebnen.
 5/50 ist nicht leicht in das Geschehen einzuordnen. Die beiden letzten Zeilen könnten aber einen Italienfeldzug beschreiben, bei dem die Alpen überschritten und der Vertrag mit Narses gebrochen werden wird. In diesem Falle kämen als Invasoren die deutschen Kräfte in Frage, die zuvor noch Narses bestochen hatten, um ungestört nach Frankreich marschieren zu können. Die zweite Zeile von 9/94 beschreibt, dass diese hinterhältigen Feinde aus Deutschland Narses in die Defensive drängen werden.
 Doch nun taucht ein neuer Akteur auf. Während in Italien gekämpft wird, wird Polen von osten her angegriffen und Breslau (oder vielleicht auch Böhmen) zittert. Teile Deutschlands (namentlich Lübeck und Meißen) scheinen sich dabei auf die Seite der Macht aus dem Osten zu schlagen. In 4/82 wird diese Macht etwas näher beschrieben - sie kommt aus dem „Slawenland“, vielleicht aus dem russischen Bereich. Es scheint so, dass ihr Anführer (ein „alter Stinker“?) eine Stadt zerstören wird, wenn gleichzeitig das Latium in Trümmern liegt.
 5/94 schließlich kommt nochmals auf den deutschen Einmarsch in Frankreich zu sprechen. Der deutsche Kriegsherr wird große Teile Belgiens und den äußersten Norden Frankreichs dem Deutschen Reich einverleiben - dank dem „vorgetäuschten“ (erkauften) Waffenstillstand mit Narses. Doch der von Deutschland ausgegangene Krieg wird zu seinem Ursprungsort zurückkehren. Nach einer langen Phase der Defensive wird Narses zuerst seine Feinde aus Italien vertreiben und schließlich zum Gegenschlag ausholen und das Deutsche Reich bei Köln und Wien angreifen.
 

Quellen
 

2/39
 
Vn an deuant le conflit Italique1), Ein Jahr vor dem italischen1) Konflikt
Germain, Gaulois, Hespagnols pour le fort:2) [werden der] Germane, [der] Gallier [und die] Spanier für den Starken2) [sein].
Cherra l’escolle maison de republique, Das Schulhaus der Republik wird fallen,
Ou3), hors mis peu, seront suffoqués morrs4). wenn3), außer wenigen, die Toten4) erstickt [sind].
1) Die Italiker besiedelten v.a. Süd- und Mittelitalien.
2) „Fort“ könnte auch „Festung“ bedeuten.
3) Könnte auch „wo“ heißen.
4) „Morrs“ wurde hier als „morts“ gelesen. Natürlich kann ein bereits Toter nicht noch nachträglich ersticken. Hier dürfte gemeint sein, daß es sich bei den Toten um Erstickte handelt.
 

7/19
 
Le fort Nicene1) ne sera combatu, Der siegreiche1) Starke wird nicht bekämpft werden.
Vaincu sera par rutilant2) metal Besiegt wird [er] mit goldglänzendem2) Metall.
Son faict sera vn long temps debatu, Seine Tat wird [noch] eine lange Zeit diskutiert werden.
Aux citadins estrange espouuantal3). Den Bürgern [wird sie] befremdlich [und] erschreckend3) [erscheinen].
1) „Nicene“ dürfte sich nur scheinbar auf Nizza (Nice) beziehen. Da hier wahrscheinlich vom neuen (armenischen) Narses die Rede ist, muss eine andere Erklärung gefunden werden. Ich sehe darin ein nostradamische Wortschöpfung, die wohl das griechische „nikaios“ (siegreich, siegverleihend) enthalten dürfte (griech. „nike“ = Sieg/Siegesgöttin).
2) Vgl. lat. „rutilare“ (u.a. rötlich schimmern, wie Gold glänzen).
3) Oder genau das Gegenteil: „wunderbar“.
 

3/53
 
Quand le plus grand emportera le pris1) Wenn der Größte das Geld1) davontragen wird,
De Nurêberg d’Auspurg, & ceux de Basle2) [das] von Nürnberg, Augsburg und denen aus Basel,2)
Par Aggripine3) chef Francqfort4) repris [wird] von Agrippina3) [das] Oberhaupt [von] Frankfurt4) beschuldigt.
Transuerserõt par Flamans iusques en Gale5). [Sie] werden durch [das Gebiet der] Flamen bis nach Gallien5) vordringen.
1) „Pris“ wurde auf das lat. „pretium“ (u.a. Geld) zurückgeführt.
2) Diese drei zu Zeiten des Nostradamus noch deutschen Städte (die Schweiz gehörte bis 1648 völkerrechtlich zum Deutschen Reich) haben v.a. zwei Dinge miteinander gemeinsam. Erstens die Einführung der Reformation (Nürnberg 1524, Augsburg 1537, Basel 1529) und zweitens ihre wirtschaftliche Bedeutung zu dieser Zeit. Hier ist besonders auf das Augsburg der Fugger und Welser zu verweisen (Jakob Fugger der Reiche finanzierte u.a. die Kaiserwahl und Kriege Karls V.). Nostradamus meint in dieser Zeile wohl einfach das deutsche Kapital.
3) Köln.
4) Wohl Frankfurt am Main, das seit 1356 Wahlstätte der deutschen Könige und Kaiser war. Hier ist also vom deutschen Herrscher die Rede.
5) „Gale“ ist wohl eine aus Gründen des Reimes vorgenommene Abwandlung von „Gaule“ (Gallien).
 

5/50
 
L’an que les freres du lys seront en aage,  [Im] Jahr, in dem die Brüder der Lilie im Alter sein werden,
L’vn d’eux tiendra la grande Romanie1):  [wird] der eine von ihnen die große „Romanie“1) halten.
Trembler les monts, ouuert Latin passage Die Berge [werden] zittern, [der] latinische Durchgang [ist] geöffnet.
Pache macher, contre fort d’Armenie2).  [Den] Vertrag [wird man] verletzen, gegen [den] Starken von Armenien2).
1) Mit „Romanie“ ist wohl kaum Rumänien gemeint, das es zu Zeiten des Nostradamus noch gar nicht gegeben hat. Man muß vielmehr an Italien denken. Das Land um Rom hat zwar noch nie Romania geheißen, sondern immer Latium, dennoch könnte hier eine nostradamische Sonderkonstruktion vorliegen, die dieses Gebiet meint. Eine andere Möglichkeit wäre die Emilia-Romagna in Norditalien.
2) Armenien umfaßte in der Antike weit größere Gebiete als heute. U.a. die Osttürkei und Transkaukasien. Mit dem „Starken aus Armenien“ ist wohl der byzantinische Feldherr Narses gemeint, der um 478 im persischen Armenien geboren wurde. Als Oberbefehlshaber Justinians schlug er 552 bei Taginae die Goten unter Totila und zwei Jahre später in Kampanien den Gotenkönig Tejas. Narses wurde im gleichen Jahr oströmischer Statthalter von Italien, was er bis 567 blieb. Franken und Alamannen wurden von ihm aus Italien vertrieben. Narses starb 573 in Rom.
 

9/94
 
Foibles galleres1) seront vnies ensemble, Schwache Galeeren1) werden zusammen vereint sein.
Ennemis faux2) le plus fort en rampart: [Die] falschen2) Feinde [werden] den Stärksten in [die] Defensive [drängen].
Faible3) assaillies Vratiflaue4) tremble, [Die] Schwachen3) [sind] angegriffen [und] Vratislavia4) zittert.
Lubecq & Mysne tiendront barbare part. Lübeck und Meißen werden [für die] barbarische Seite Partei ergreifen.
1) Im Mittelalter waren Galeeren Ruderkriegsschiffe. Die „vereinten schwachen Galeeren“ könnten hier aber eine Anspielung auf Polen-Litauen sein. Lat. „Polonia“ lässt sich durch das Weglassen des A als Anagramm des griech. „ploion“ (Schiff) verstehen und „Lituania“ als das des griech. „naytilia“ (Schifffahrt), wobei hier in der Hellenensprache das Y dem lateinischen U entspräche. Als „schwach“ würden diese „Galeeren“ dann wohl v.a. deshalb bezeichnet, weil es sich bei Polen um eine politisch eher schwache Adelsrepublik gehandelt hat, die seit 1386 in Personalunion mit Litauen stand.
2) Auch im Sinne von „hinterhältig, betrügerisch“ usw.
3) „Faible“ sollte wohl „faibles“ heißen.
4) „Vratislavia“ ist der lateinische Name für Breslau, das heutige Wroclaw. Bratislava, das frühere Pressburg, hat damit nichts zu tun, denn sein lateinischer Name lautet „Posonium“. Denkbar wäre allerdings, dass hier von Böhmen die Rede ist, dessen Herzog Wratislaw (894 - 921) Breslau gründete. Einer seiner Nachfolger wurde 1086 von Kaiser Heinrich IV. zum König von Böhmen gemacht (Wratislaw I.).
 

4/82
 
Amas s’approche venant d’Esclauonie1), Aus [dem] Slawenland1) kommend, nähert sich [eine] große Armee.
L’Olestant2) vieux cité ruynera:  Der alte Stinker2) wird [die] Stadt zerstören.
Fort3) desolee verra sa Romanie4). [Der] Starke3) wird seine „Romanie“4) zerstört sehen
Puis la grand flamme5) estaindre ne sçaura.  [und] dann nicht wissen, [wie er] die große Flamme5) löschen [soll].
1) Das griechische „sklabos/sklabenos“ bedeutet „Slawe“ und „Sklave“.
2) LE PELLETIER und LEONI zerlegen diesen Begriff in griechische Wörter, kombinieren sie neu und erhalten so „der Zerstörer“ („olluo“ und „thanatos“). Ich sehe in „olestant“ aber eher eine Zusammensetzung aus dem lat. „olens“ (duftend, stinkend) und dem mittelfranzösischen „estant“ (seiend, existierend) und erhalte so „der stinkend Seiende“ oder besser ausgedrückt „der Stinkende“.
3) „Fort“ kann auch als Verstärkung von „desolee“ interpretiert werden. Dann müßte die Zeile etwa „[Man] wird seine ,Romanie’ stark zerstört sehen“ heißen.
4) Mit „Romanie“ ist wohl kaum Rumänien gemeint, das es zu Zeiten des Nostradamus noch gar nicht gegeben hat. Man muß vielmehr an Italien denken. Das Land um Rom hat zwar noch nie Romania geheißen, sondern immer Latium, dennoch könnte hier eine nostradamische Sonderkonstruktion vorliegen. Dann wäre die Stadt aus der zweiten Zeile als Rom identifiziert. Eine andere Möglichkeit wäre die Emilia-Romagna in Norditalien.
5) Auch im Sinne von „Feuer“.
 

5/94
 
Translatera1) en la grand Germanie2), Überführen1) wird [er] ins große Germanien2)
Brabant & Flãdres, Gand, Bruges, & Bolongne3): Brabant und Flandern, Gent, Brügge und Boulogne-sur-Mer3).
La traifue fainte, le grand duc4) d’Armenie, Der Waffenstillstand [wird nur] vorgetäuscht [sein]. Der große Feldherr4) aus Armenien
Assaillira Vienne & la Coloigne. wird Wien und Köln angreifen.
1) Lat. „transferre“ (u.a. hinüberbringen).
2) Das „große Germanien“ spielt auf das lat. „Germania Magna“ an, womit die Römer das nur zeitweise von ihnen beherrschte Germanien östlich des Rheines bezeichneten.
3) Aus dem Kontext heraus ist mit „Bolongne“ wohl eher das nordfranzösische Boulogne-sur-Mer als das italienische Bologna gemeint.
4) Nach lat. „dux“ (Feldherr). Möglich wäre auch die Übersetzung als „Herzog“.
 

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