5.36  Ein neuer Herzog von Alba kämpft in Italien.

Ein Nachfahre des Eisernen Herzogs von Alba (1507-1582) wird sich gegen die Kirche und/oder Spanien wenden. Ein neuer Franz I. von Guise wird ihn zum Schluss jedoch besiegen. Dann, wenn sich ein König samt Hof entweder in Albano Laziale oder in Alba im Piemont aufhält, werden der neue Herzog von Alba und ein neuer Heerführer von Mantua zusammen von Kampanien aus hinterrücks Rom und die Kurie angreifen. Dieser Angriff wird zu einer Zeit stattfinden, wenn die Kirche sich in einer schweren Krise befindet: die Kardinäle werden gegen einen neugewählten Papst mit Scheinargumenten und Spitzfindigkeiten vorgehen und innerkirchliche Spaltungen hervorrufen. Die Papstgegner werden dabei auf Argumente zurückgreifen, die ursprünglich aus dem akademischen Bereich stammen. Der Herzog von Alba wird eines abends Rom angreifen, die Kardinäle gefangen nehmen und verschleppen. In dieser Zeit kommt es nächtens auch zu einer Rebellion von Truppen gegen ihr Oberhaupt. In Rom werden der Herzog von Alba und der neue Heerführer von Mantua mit Hilfe von Langres (oder jemandem aus Langres - dem Papst?) die Kardinäle aufspüren. Zu dieser Zeit wird man irgendwo auch von Krieg, Gewalt, Seuchen, Dürre und Hunger heimgesucht. Zur Zeit des Angriffs des Herzogs von Alba auf die Ewige Stadt wird ein arabisch-islamisches Reich, das in etwa dem Osmanischen Reich des 16. Jh. entspricht, endgültig vernichtet sein. Die Jagd nach den Kardinälen wird in der Nacht nach Albas Angriff stattfinden. Menschenmengen werden die Purpurträger ergreifen und in ein Massengrab werfen. Toulouser Truppen werden später nach Rom marschieren, als Rache für die getöteten Kardinäle die Juden der Stadt ermorden und ebenfalls in ein Massengrab werfen. Anschließend greifen die Toulouser die Verbände von Alba an. Albas Streitkräfte werden aber in der Nähe des Massengrabs der Juden die Truppen aus Toulouse vernichten. Sieben Monate nach dem Judenmord wird der Herzog von Alba in der Nähe des jüdischen Massengrabs auch die Spanier vernichtend schlagen und so Verrat an seinen großen spanischen Vorfahren üben. 


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7/29 - 9/22 - 5/46 - 5/91 - 6/68 - 4/98 - 7/7 - 8/40 - 8/94                   


7/29

[1] Le grand Duc1) d’Albe2) se viendra rebeller
[2] A ses grans peres3) fera le tradiment4):
[3] Le grand de Guise5) le viendra debeller,
[4] Captif mené & dressé monument6).

[1] Der große Herzog1) von Alba2) wird sich erheben.
[2] An seinen großen Vorfahren3) wird [er] Verrat4) begehen.
[3] Der Große von Guise5) wird ihn besiegen.
[4] [Der] Gefangene [wird dann] weggeführt und [ein] Denkmal errichtet6) [werden].

1) Neben "Herzog" kann "duc" im Mittelfranzösischen auch "Anführer, Feldherr" bedeuten, vgl. lat. "dux".
2) Bei Nostradamus finden wir den Begriff "Albe" in 6/68/3, 7/29/1 und 9/22/3f., "halbe" taucht in 9/22/1 auf. "Alban(n)ois" erscheinen in 4/98/1, 5/46/4, 5/91/4 und 8/94/3, "Albanins" in 8/40/4.
          Das mittelfranzösische Substantiv "albe" bedeutet "Silber-Pappel" ("Weiß-Pappel") oder "weißes Holz". Den Ortsnamen "Alba" bzw. "Albe" finden wir in Europa einige Male. In Italien gibt es ein Alba im Piemont, etwa 50 km südlich von Turin, im Gebiet der Langhe. Das antike Alba Fucens lag 105 km nordöstlich von Rom am Fuciner See (1876 trockengelegt), nahe des heutigen Massa d’Albe. Die Mutterstadt Roms, Alba Longa, befand sich rund 20 km südöstlich der Ewigen Stadt. Vermutlich dort, wo heute das Castel Gandolfo steht, die Sommerresidenz der Päpste. Alba Longa wurde der Sage nach von Iulus, dem Sohn des Trojaners Aeneas, gegründet. Romulus und Remus waren die Enkel von Numitor Silvius, des Königs von Alba Longa. 665 v. Chr. sollen die Römer Alba Longa zerstört und dessen Bewohner in Rom auf dem Caelius-Hügel angesiedelt haben. Der Überlieferung zufolge soll die Auseinandersetzung der beiden Städte durch einen Kampf zwischen den römischen Horatiern und den albanischen Curiatiern entschieden worden sein. Frankreich hat ein Alba-la-Romaine (lat. Alba Augusta Helvorum, im Mittelalter "Aps"), 12 km westlich von Montélimar. In Spanien gibt es ein kleines Alba in Aragon, etwa 44 km nordwestlich von Teruel, Nostradamus wird aber mit Blick auf 7/29/1 und 9/22/3f. sicher an Alba de Tormes gedacht haben.
          Alba de Tormes liegt in Westspanien, etwa 26 km südöstlich von Salamanca. Aus Alba de Tormes stammt das Haus Álvarez de Toledo. Diese Familie des spanischen Hochadels stellte von 1465-1755 die bekannten Herzöge von Alba. Der Herzogstitel wurde nach 1755 in weiblicher Linie weitervererbt. Durch Erbfall gelangte der Titel Herzog von Alba schließlich 1802 an das Haus Fitz-James Stuart. Zur Zeit (2017) ist Carlos Fitz-James Stuart (geb. 1948 in Madrid) der 19. Herzog von Alba. Bis zur Zeit des Nostradamus hatte es zwei Herren, zwei Grafen und drei Herzöge von Alba gegeben. Gutierre Álvarez de Toledo (1374-1446) war u. a. Bischof, Erzbischof und erster Herr von Alba. Sein Verwandter Fernando Álvarez de Toledo y Sarmiento (1390-1460) war zweiter Herr und erster Graf von Alba. García Álvarez de Toledo y Carillo de Toledo (ca. 1424-1488) war zweiter Graf und erster Herzog von Alba. Er kämpfte auf Seiten der kastilischen Königin Isabella I. im Erbfolgekrieg von 1474-1479. Sein Sohn Fadrique Álvarez de Toledo (1460-1531) war der zweite Herzog von Alba. Er kämpfte 1492 bei Granada und 1503 gegen die Franzosen im Roussillon. 1512 eroberte er für Spanien in nur zwei Wochen das Königreich Navarra. Nach dem vorzeitigen Tod seines Sohnes wurde sein Enkel Fernando Álvarez de Toledo (1507-1582) dritter Herzog von Alba, der "Herzog von Alba" schlechthin. Der "Eiserne Herzog" war ein bedeutender spanischer Feldherr und Staatsmann. Schon in jungen Jahren militärisch aktiv (1525 Pavia, 1535 Tunis), brachte Alba dem Schmalkaldischen Bund der Protestanten 1547 bei Mühlberg die entscheidende Niederlage bei. 1552 übernahm er das Kommando über das kaiserliche Heer, das Frankreich erobern sollte, belagerte dabei allerdings einige Monate erfolglos Metz. Vom Kaiser wegen der französischen Erfolge in Italien auf die Apenninenhalbinsel versetzt, kämpfte Alba dort bis 1557. Er eroberte das süditalienische Kampanien sowie den Kirchenstaat und stand somit vor den Toren Roms. Auf Befehl des spanischen Königs Philipps II. zwang er Papst Paul IV., den Gegner der spanisch-habsburgischen Machtpolitik, zum Friedensschluss. 1567, ein Jahr nach Nostradamus’ Tod, wurde Alba zum Statthalter der spanischen Niederlande ernannt. Unglücklich und mit großer Härte bekämpfte Alba dort den sich aubreitenden Protestantismus und die politische Widerstandsbewegung bis er 1573 vom spanischen König abberufen wurde. Nachdem er wegen dieses Misserfolges kurze Zeit in Ungnade gefallen war, eroberte er 1580 für Philipp II. Portugal und starb 1582 als Generalgouverneur in Lissabon.
          Die Alba-Leute aus 4/98/1, 5/46/4, 5/91/4 und 8/94/3 ("Alban(n)ois") bzw. 8/40/4 ("Albanins") dürften wahrscheinlich Gefolgsleute des Herzogs von Alba sein, von dem Nostradamus spricht. "Albaner" (Skipetaren) im heutigen Sinne wären allerdings ebenfalls denkbar, da bereits 1272-1368 ein kurzlebiges "Regnum Albaniae" (Königreich Albanien) - begründet von Karl I. von Anjou (1227-1285) - existierte. Im südlichen Italien lebten zudem seit dem Mittelalter albanische Minderheiten, die Arbëresh.
          Denkbar wäre schließlich noch, dass Nostradamus an einen italienischen Akteur gedacht hat, den er mit dem von Rom einst zerstörten Alba Longa vergleicht. Da Alba Longa die führende Stadt des Latinerbundes war, könnten die Alba-Leute unseres Sehers etwa für eine (nichtrömische) Macht im Latium oder Mittelitalien stehen.
3) Wie im Lateinischen oder auch Deutschen kann "Väter" (Plural) im Mittelfranzösischen mit "Vorfahren, Ahnen" übersetzt werden.
4) Lat. "tradere" (u. a. verraten, preisgeben), davon "tradimentum". Vgl. auch it. "tradimento".
5) Oder auch nur: "aus Guise". Ort in Nordfrankreich an der Oise, etwa 25 km nordöstlich von Saint-Quentin. Bedeutender als der eigentliche Ort war aber jedoch das dazugehörende Herzogtum (ca. 950-1417 Herrschaft, 1417-1528 Grafschaft, 1528-1830 Herzogtum). Bis zur Zeit des Nostradamus gab es mehrere bedeutende Persönlichkeiten, die den Titel "von Guise" trugen. Zu nennen sind etwa Ludwig I. von Anjou, Sohn d. franz. Königs, 1360-1384; René I. von Anjou, "René der Gute", 1417-1425 oder König Ludwig XI. von Frankreich, 1481-1483.
          Im Frankreich des 16. Jh. gehörten die Herzöge von Guise zu den vehementesten Verteidigern der katholischen Sache. Der erste Herzog von Guise, Claude von Lothringen (1496-1550), zeichnete sich u. a. in der Schlacht bei Marignano gegen die Schweizer aus (1515). Acht Jahre später besiegte er die kaiserlichen Truppen, die das Burgund und die Champagne besetzt hielten und wurde zum Gouverneur der beiden französischen Provinzen ernannt. 1528 machte ihn der König von Frankreich zum Herzog von Guise. Nostradamus hat beim "Großen von Guise" aber wohl in erster Linie an Claudes Sohn, Herzog Franz I. von Guise (1519-1563) gedacht. Franz verteidigte 1552 das von den kaiserlichen Truppen belagerte Metz und kämpfte 1556/57 in Italien, wo er erfolglos versuchte, Neapel von den Spaniern zurückzuerobern. Wieder in Frankreich zurück, entriss er den Engländern 1558 Calais. Während der Regierungszeit des jugendlichen Königs Franz II. (1559-1560) waren Franz I. von Guise und sein Bruder Kardinal Karl von Lothringen-Guise faktisch die Machthaber Frankreichs. Bei Beginn der Hugenottenkriege 1562 übernahm Franz I. von Guise die Führung der katholischen Truppen. Während der Belagerung von Orléans wurde Franz 1563 von einem Protestanten ermordet. Sein Sohn und Nachfolger, Heinrich I. von Lothringen, Herzog von Guise, war beim Tod des Nostradamus erst 16 Jahre alt.
          Das Herzogtum und der dazugehörende Titel sind 1830 erloschen. Im Haus Orléans, das von 1830-1848 in der "Julimonarchie" den Monarchen gestellt hatte (Louis-Philippe I.) führte zuletzt der Thronprätendent Jean d’Orléans (1874-1940) den Titel des Herzogs von Guise. Der aktuelle (2017) orléanistische Thronprätendent ist Henri d’Orléans (geb. 1933), der den Titel allerdings nicht trägt.
6) Eine ähnliche Formulierung finden wir in 3/43/3: "fera trophée dresser".
Ein neuer Herzog von Alba, der tatsächlich ein Nachfahre des Eisernen Herzogs ist, wird gegen die Kirche und/oder Spanien kämpfen. Ein neuer Franz I. von Guise wird ihn zum Schluss jedoch besiegen und gefangen nehmen. Zum Gedenken an diesen Sieg wird man ein Denkmal errichten.

In Zeile eins spricht Nostradamus von einem "großen Herzog von Alba". Damit ruft er dem Leser sicher Fernando Álvarez de Toledo (1507-1582), den "Eisernen Herzog" ins Gedächtnis. Es wäre allerdings voreilig, den nostradamischen Herzog von Alba einfach mit dem historischen Fernando Álvarez de Toledo gleichzusetzen. Dazu passen nämlich die anderen Strophen des Alba-Themas nicht.

Fernando Álvarez de Toledo
Fernando Álvarez de Toledo (1507-1582), Herzog von Alba
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/...
(Abgerufen am 04.10.2017)

Fernando Álvarez de Toledo war ein großer Vorkämpfer der katholischen Sache und - wie seine Vorgänger - der spanischen Interessen. Laut Zeile zwei wird Nostradamus’ "großer Herzog von Alba" Verrat begehen. Und zwar an seinen Vorfahren. Geht man von der These aus, dass wir es bei den Zenturienstrophen mit Prophezeiungen künftiger Ereignisse zu tun haben, müsste unser Seher von einem (mindestens zu seiner Zeit) noch nicht erschienenen Albaherzog sprechen, zu dessen Vorfahren bzw. Vorgängern auch sein Zeitgenosse Fernando Álvarez de Toledo gehört. Somit müsste der kommende "Herzog von Alba" die katholische Sache, Spanien oder beide verraten.

Besiegt werden wird der neue "Herzog von Alba" von jemandem, den Nostradamus als "Großen von Guise" bezeichnet (dritte Zeile). Als Vorbild kommt hier wohl in erster Linie Herzog Franz I. von Guise (1519-1563) in Betracht. Dieser verteidigte 1552 Metz erfolgreich gegen den historischen Eisernen Herzog von Alba.

Franz I. von Guise
Franz I. von Lothringen (1519-1563), Herzog von Guise
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/...
(Abgerufen am 04.10.2017)

Neu ist bei Nostradamus, dass - mit Blick auf Zeile vier - der besiegte künftige "Herzog von Alba" gefangen genommen und zur Erinnerung an den Sieg des "Großen von Guise" ein Denkmal erichtet werden wird. Der historische Eiserne Herzog von Alba ging dagegen nie in Kriegsgefangenschaft.


9/22

[1] Roy & sa court au lieu de langue1) halbe2),
[2] Dedans le temple vis à vis du palais3)
[3] Dans le iardin4) Duc de Mantor & d’Albe5),   
[4] Albe & Mantor poignard6) langue & palais7).

[1] [Der] König und sein Hof [befinden sich] im Ort des Volkes1) von Alba2),
[2] im Tempel direkt gegenüber dem Palast3).
[3] Im Garten4) [befinden sich die] Herzöge von Mantua und von Alba5).
[4] Alba und Mantua erdolchen6) Volk und Palast7).

1) Das mittelfranzösische "langue" kann neben "Zunge, Sprache" u. a. auch "Volk, Nation" bedeuten.
2) Lies wohl: "d’Albe". Vgl. 7/29, Anmerkung 2.
3) Das mittelfranzösische "palais" bezeichnet ein großes, prächtiges Gebäude, besonders einer wichtigen Persönlichkeit. Daneben aber auch einfach ein zentrales Regierungsgebäude, einen Amtssitz, in dem politische Entscheidungen getroffen werden oder in dem die Gerichte angesiedelt sind. In 9/22/1 ist von einem Alba die Rede, wo es offenbar einen Palast bzw. zentralen Amtssitz und eine direkt gegenüber liegende Kirche ("Tempel") gibt. Das spricht aber gegen Alba de Tormes in Spanien, denn der mögliche Palast (die - ehemalige - Burg der Herzöge von Alba) liegt dort nicht neben einer Kirche. Doch wie sieht es im piemontesischen Alba aus? Hier würde die Beschreibung passen.
Zentrum von Alba (Piemont)
Quelle: https://rolfinalba.files.wordpress.com/2010/03/carta-
turistica.pdf
(Abgerufen am 09.09.2017)
Auf obigem Kartenausschnitt sehen wir das historische Zentrum von Alba im Piemont. Das gelbe Gebäude bei Nummer 1 ist der Palazzo Comunale, der "Stadtpalast", der auf das 13. Jh. zurückgeht. Bei der Nummer 2 finden wir die Kathedrale San Lorenzo. Deren älteste Spuren reichen in das 5. Jh., der heutige Bau (2017) geht allerdings auf die Spätgotik des 12. bis 15. Jh. und verschiedene Renovationen (v. a. im 19. Jh.) zurück. Beide Gebäude liegen an der zentralen Piazza Risorgimento, höchstens einige Dutzend Meter voneinander entfernt.
          Und was ist mit Alba Longa? Gemäß LIVIUS 1,33 wurden die besiegten Albaner auf dem Caelius-Hügel in Rom angesiedelt, der seinerseits in das Stadtgebiet integriert wurde (Ebd., 1,30). Zudem errichtete Tullus, der römische Sieger über Alba Longa, seinen Palast auf besagtem Hügel (Ebd.). Somit wäre es denkbar, dass Nostradamus mit dem "Ort des Volkes von Alba" (9/22/1) den Caelius gemeint hat. Doch gab es zur Zeit unseres Sehers dort bereits einen "Tempel" (Kirche), der einem Palast gegenüber lag? Die Villa Celimontana (Villa Mattei) käme als Palast durchaus infrage. Und unweit dieser Anlage finden wir auch Kirchengebäude, etwa die Basilika Santa Maria in Domnica, deren Ursprünge bis ins 7. Jh. zurückreichen. Die Villa Celimontana wurde aber erst 1581 gebaut.
           Es wird vermutet, dass das Castel Gandolfo, die Sommerresidenz der Päpste, am Ort des alten Alba Longa steht. Zur Zeit des Nostradamus existierte das Castel noch nicht. An seiner Stelle stand die Villa Kaiser Domitians (81-96), die im Mittelalter als Massa Caesariana den Grafen von Tusculum gehörte. 1221 erwarb die italienische Adelsfamilie Savelli die Villa und baute sie zu ihrer Burg um. In den Besitz der Kurie gelagte das später zum Castel Gandolfo umgebaute Anwesen nach wechselhafter Geschichte erst 1596. Einige Meter südlich des päpstlichen Palastes finden wir heute auch eine Kirche ("Tempel"), die Collegiata San Tommaso di Villanova, die jedoch erst 1658-1661 errichtet wurde. Außerdem ist mindestens unsicher, dass Nostradamus in der Lage gewesen wäre, die Lage des alten Alba Longa so genau zu bestimmen.
          Unser Seher konnte aber bereits die Stadt Albano Laziale kennen, die nur rund drei Kilometer südöstlich von Castel Gandolfo liegt. Es kann durchaus vermutet werden, dass Nostradamus Albano Laziale schon aufgrund von Namen und Lage im "ager  albanus" (= Albanerland) mit dem alten Alba Longa identifiziert hat. Und für Albano Laziale würde die Beschreibung aus 9/22/2 ebenfalls passen.
Albano Laziale Zentrum
Quelle: https://www.google.de/ma... (Abgerufen am 06.10.2017).
Bearbeitet von Jean-Claude Pfändler am 07.10.2017
Auf obigem Bild sehen wir das historische Zentrum der Stadt Albano Laziale. Bei Nummer 1 finden wir den Palazzo Savelli, einen Palast aus dem 13. Jh., der von der namensgebenen Familie Savelli errichtet wurde und in dem sich heute u. a. das Rathaus befindet. Nur wenige Dutzend Meter davon entfernt steht die Kirche ("Tempel") San Pietro (Nummer 2), die auf das 4. Jh. zurückgeht. Zwischen den beiden Gebäuden befinden sich die Piazza San Pietro (= Sankt-Peters-Platz) sowie der Corso Giacomo Matteotti (= Giacomo-Matteotti-Straße).
4) In den Zenturienstrophen taucht der Begriff "iardin" (Garten; schöne Landschaft, schöne Gegend) zwei Mal auf, in 9/22/3 und 10/49/1. In 10/49/1 ist mit dem "Garten der Welt" ("iardin du monde") Kampanien, die Region um Neapel gemeint. Sollte dies auch hier zutreffen, ist auf den dritten Herzog von Alba (Fernando Álvarez de Toledo, 1507-1582) zu verweisen, der von 1555-1558 Vizekönig, Gouverneur und Generalkapitän von Neapel war. Sein Nachfolger, der allerdings nur kurz im Jahr 1558 dieses Amt bekleidete, war sein Sohn Fadrique Álvarez de Toledo (1537-1583). Zu erwähnen ist noch, dass ein Onkel des dritten Herzogs von Alba (Pedro Álvarez de Toledo, 1480-1553) von 1532-1553 für die Spanier das Königreich Neapel beherrschte.
5) Die erste Frage, die sich hier stellt ist die, ob nur von einem Herzog ("duc") - dem Herzog von "Mantor" und Alba - die Rede ist oder von zweien ("ducs"), dem Herzog von "Mantor" und dem Herzog von Alba. Obwohl in allen Ausgaben von 1568 die Einzahl verwendet wird, ist die Mehrzahl durchaus möglich, da beide Formen gleich ausgesprochen werden, was bei der Drucklegung (bzw. dem Vorlesen der Vorlage) leicht untergegangen sein könnte. Da in der vierten Zeile die Reihenfolge von "Mantor" und Alba zu Alba und "Mantor" verändert wird, halte ich es für wahrscheinlicher, dass hier von zwei Personen gesprochen wird. Möglicherweise hat Nostradamus die veränderte Reihenfolge sogar deshalb gewählt, um dies zu verdeutlichen. Mit dem Herzog von Alba ist wohl ein Angehöriger des spanischen Hauses Alba gemeint, vgl. Anmerkung 2.
          Doch was bedeutet "Mantor"? In der Pariser 1568er-Ausgabe steht an dieser Stelle (wohl fälschlicherweise) "Montor". In Spanien (Andalusien) existiert tatsächlich ein Herzogtum Montoro, das jedoch erst 1660 errichtet wurde und das unser Seher auf natürlichem Weg nicht hat kennen können. Interessanterweise gehört der Titel jedoch seit dem 18. Jh. dem Haus Alba. Die naheliegendste Lösung für "Mantor" ist wahrscheinlich Mantua (franz. "Mantoue", lombard. "Mantoa"), vgl. auch CLÉBERT, S. 976f. Das Herzogtum Mantua wurde 1530 geschaffen, existierte also zur Zeit des Nostradamus bereits. "Mantor" ist dabei wahrscheinlich einfach ein Druckfehler. Allenfalls könnte ein Bezug zu Manto hergestellt werden. Manto war die Mutter des Ocnus (Oknos, Ognus), des sagenhaften Gründers von Mantua, der die Stadt nach seiner Mutter benannt habe. Sein Vater soll - je nach Überlieferung - der Flussgott Tiberinus gewesen sein oder Tiberinus Silvius, der König von Alba Longa (der Mutterstadt Roms), der im Fluss Albula ertrank, der seitdem den Namen Tiber trägt.
          Das Herzogtum Mantua existierte bis 1708, als es von den Habsburgern mit dem Herzogtum Mailand vereinigt wurde. Bis zur Zeit des Nostradamus existierten aus dem Hause Gonzaga ab 1328 ein Stadtherr, drei Grafen, vier Markgrafen und drei Herzöge von Mantua. Unter diesen elf finden wir etliche Heerführer, die auch für andere Fürsten und Staaten als Condottieri (Söldnerführer) in den Krieg zogen. Als mögliche Vorbilder für Nostradamus kommen dabei Gianfrancesco II. (1466-1519) und Federico II. (1500-1540) in die engere Wahl. Gianfrancesco II., der mehrfach seine Dienstherren wechselte, war 1503 kurz Generalstatthalter des französischen Königs in Neapel. Auch Federico II. wechselte mehrfach die Seiten. 1527 ließ er die kaiserlichen Truppen sein Territorium durchqueren und ermöglichte so indirekt die Einnahme Roms, den Sacco di Roma.
6) Da es sich nach meinem Dafürhalten um zwei Personen handelt, müsste hier "poignardent" stehen.
7) CLÉBERT, S. 976f. weist daraufhin, dass das mittelfranzösische "palais" neben "Palast" auch "Gaumen" (und im übertragenen Sinne "Mund") bedeuten kann, vgl. lat. "palatum". Ein Wortspiel, das mit Blick auf das benachbarte "langue" (u. a. auch "Zunge") verlockend erscheint. Mit dem "Volk" ("langue") und "Palast" aus 9/22/4 könnten jedoch einfach die Region der Langhe und der Palast in Alba (oder die Stadt als solche) aus 9/22/1 gemeint sein. Sollten die beiden Herzöge allerdings von Kampanien aus aufbrechen, ist "Volk und Palast" ("langue & palais") aus Gründen der geografischen Nähe vielleicht auch als lat. "populus curiaque" zu verstehen, wobei das lat. "curia" neben einem Rathaus (vgl. Anmerkung 3) oder konkret dem Tagungsgebäude des römischen Senats auch den römischen Senat als solchen bezeichnet. Dann erhielten wir das gleichbedeutende "populus senatusque" bzw. das umgestellte "senatus populusque". Und in diesem Fall stünde "langue & palais" wohl für ein römisches Staatswesen bzw. die Stadt Rom. Andererseits kann mit der "curia" seit dem Mittelalter auch die römische Kurie, die päpstlichen Zentrale der römisch-katholischen Kirche gemeint sein. In diesem Fall stünde das "Volk" am ehesten für das Volk von Rom bzw. die Stadt und der "Palast" für die Kirchenleitung in der Ewigen Stadt.
Ein König und sein Hof befinden sich in einer Kirche von Albano Laziale (oder Alba im Piemont). Der neue Herzog von Alba und ein neuer Heerführer aus Mantua stehen in Kampanien. Sie werden von dort aus Rom und die Kurie hinterrücks angreifen.

In den ersten beiden Zeilen erfahren wir, dass sich ein König mit seinem Hof im "Ort des Volkes von Alba" aufhalten wird. Und zwar in der Kirche ("Tempel"), die direkt dem Regierungsgebäude ("Palast") gegenüber liegt. Diese Beschreibung passt auf das piemontesische Alba, aber auch auf Albano Laziale, das auf dem historischen Territorium (ager albanus) des alten Alba Longa steht, vgl. Anmerkung 3. Um welchen König es sich handelt und ob er in diesem Ort residiert oder sich nur kurzfristig aufhält, erfahren wir nicht. Und was geschieht in der Kirche? Hat man sich zu einer Krönung versammelt? Zu einer Hochzeit? Oder einem Trauergottesdienst?

Der dritten Zeile ist wohl zu entnehmen, dass sich die Herzöge von Alba und von Mantua in einem "Garten" aufhalten werden. Beim Herzog von Alba handelt es sich wahrscheinlich um einen echten Träger dieses Titels, vgl. 7/29, Anmerkung 2. Da das Herzogtum Mantua dagegen nicht mehr existiert, könnte Nostradamus einfach einen Machthaber oder Feldherren (ebenfalls "duc") gemeint haben, den er mit einem der historischen Vorbilder vergleicht, konkret vielleicht mit Gianfrancesco II., vgl. 9/22, Anmerkung 5.

Gianfrancesco II. Markgraf von Mantua
Gianfrancesco II. (1466-1519), Markgraf von Mantua
Quelle: https://de.wikipedia.org/... (Abgerufen am 10.10.2017)

Doch was ist mit dem "Garten" gemeint? Wie in Anmerkung 4 ausgeführt, wird in den Zenturienstrophen der Begriff nur zwei Mal verwendet, in 9/22/3 und 10/49/1. Im zweiten Fall als Bezeichnung für Kampanien (die Region von Neapel). Da zudem sowohl über den "Eisernen Herzog" von Alba wie auch über den Markgrafen von Mantua Gianfrancesco II. eine Verbindung nach Neapel besteht, ist es durchaus denkbar, dass Nostradamus hier von Kampanien spricht.

Mit Blick auf die restlichen Alba-Strophen könnte Kampanien dabei als Ausgangspunkt für den Angriff auf Rom dienen.

Karte zu 9/22
Leere Karte: http://www.histgeo.ac-aix-marseille.fr/webphp/carte.php?num_car=1675&lang=fr (Abgerufen am 10.10.2017). Bearbeitet von Jean-Claude Pfändler am 11.10.2017.

Laut Zeile vier werden die Herzöge von Alba und Mantua (bzw. der Herzog von Alba und der Heerführer von Mantua, vgl. 7/29, Anmerkung 1) "Volk und Palast" erdolchen. Mit "Volk und Palast" könnten das Volk von Rom (oder einfach die Stadt) sowie die in der Ewigen Stadt ansässige Kurie gemeint sein, vgl. Anmerkung 7. Interessant ist, dass Nostradamus hier von "erdolchen" spricht. Der Dolch ist eine Nahkampfwaffe, die etwa auch bei heimtückischen Angriffen etwa in Form von Attentaten verwendet wurde. Und genau um dieses Element der Heimtücke könnte es unserem Seher gegangen sein. Ein Element, zu dem auch der Verrat des künftigen Herzogs von Alba (vgl. 7/29/2) passen würde.







5/46

[1] Par chapeaux rouges querelles & nouveaux scismes
[2] Quant1) on aura esleu le Sabinois2):
[3] On produira contre luy grans sophismes3),
[4] Et sera Rome lesee par Albanois4).

[1] Durch [die] roten Hüte [brechen] Streitereien und neue Schismen [aus],
[2] wenn1) man den Sabiner2) gewählt haben wird.
[3] Man wird gegen ihn große Scheinargumente3) vorbringen.
[4] Und Rom wird von den Alba-Leuten4) beschädigt [werden].

1) Lies: "quand", vgl. auch die 1568er-Ausgaben von Gregorio und Paris.
2) Die Sabiner bewohnten das mittelitalienische Gebirgsland nordöstlich von Rom. Das heutige Rieti liegt in ihrem Gebiet. Der (sagenhafte) zweite König Roms, Numa Pompilius, stammte etwa aus dem Sabinerland. Während seiner friedlichen Herrschaft organisierte er das römische Volk neu, reformierte den Kalender und ordnete das römische Sakralwesen. Sollte Nostradamus diesen Papst hier vielleicht mit dem religiösen Numa Pompilius vergleichen? Einen anderen Anknüpfungspunkt könnte die Erwähnung von Langres in 4/98/2 liefern. Langres war der Hauptort der gallischen Lingonen, eines mit Julius Caesar verbündeten Volkes. Im Jahr 70 n. Chr. schlossen sich die Lingonen aber unter der Führung ihres Stammesfürsten Julius Sabinus (= "Sabiner") dem Aufstand der westgermanischen Bataver gegen Rom an. Sabinus glaubte, ein illegitimer Nachkomme Julius Caesars zu sein und plante, ein gallorömisches Sonderreich unter seiner Herrschaft zu errichten. Sein Aufstand scheiterte jedoch. Sabinus versteckte sich nach seiner Niederlage neun Jahre lang in einer Grotte nahe der Marne-Quelle, ehe er gefasst und nach Rom gebracht wurde. Dort wurde er zusammen mit seiner Frau hingerichtet.
3) Oder auch: "Scheinlehren, Spitzfindigkeiten, Trugschlüsse".
4) Vgl. 7/29, Anmerkung 2.
Durch die Kardinäle brechen in der Kirche Streitigkeiten und neue Glaubensspaltungen auf, nachdem man einen Sabiner zum Papst gewählt haben wird. Man wird gegen den neuen Pontifex große Scheinargumente vorbringen. Rom wird zu dieser Zeit von den Alba-Leuten heimgesucht werden.

In der vierten Zeile erfahren wir, dass Rom von den Alba-Leuten "beschädigt" werden wird. Somit dürfte der neue Herzog von Alba als Oberkommandierender mindestens sein Augenmerk nicht mehr ausschließlich auf Kampanien (vgl. 9/22) gerichtet haben. Vielleicht begleitet er seine Leute (Truppen) sogar nach Rom. Weiter werden die Alba-Leute die Ewige Stadt nicht etwa vollständig zerstören sondern nur "beschädigen".

Doch zu dieser Zeit, bzw. schon vorher, gibt es noch andere Konflikte. In der ersten Zeile ist zu lesen, dass durch die "roten Hüte" Streitereien und neue Schismen (Glaubensspaltungen) ausbrechen werden. Da von "neuen" Schismen die Rede ist, muss es solche also schon zuvor gegeben haben. Mit den "roten Hüten" sind Kardinäle gemeint, die bereits zur Zeit des Nostradamus rote Kopfbedeckungen getragen haben, vgl. CLÉBERT, S. 621f. Ein Kardinal wiederum ist ein hoher kirchlicher Würdenträger, der an der Papstwahl teilnehmen darf, was auf die zweite Zeile der Strophe verweist.

Zeile zwei ist zu entnehmen, dass die Streitereien und neuen Schismen unter den Kardinälen ausbrechen werden, wenn man einen Sabiner gewählt haben wird. Da Kardinäle den Papst wählen dürfen, ist hier wohl von einem Pontifex die Rede. Ob und gegebenenfalls wie das neue Kirchenoberhaupt für die Konflikte unter den Purpurträgern verantwortlich sein wird, erfahren wir nicht. Dem Text ist nur zu entnehmen, dass der neue Papst ein "Sabiner" sein wird. Führt er vielleicht als ein neuer Numa Pompilius Reformen in der Kirche durch? Oder stammt er aus Langres, und könnte diese Herkunft für die Auseinandersetzungen unter den Kardinälen verantwortlich sein (vgl. Anmerkung 2)?

05-046 Sabiner Papst
Leere Karte: http://www.schulatlas.com/2014/menue/stummekarte/eu/EUR_ACD.pdf (Abgerufen am 08.01.2017). Bearbeitet von Jean-Claude Pfändler am 17.10.2017.

In der dritten Zeile erfahren wir, dass man mit "Scheinlehren" gegen den neuen Papst kämpfen wird. Das passt zu 5/91/1f. Man wird ihn also auf theologisch-philosophischem Gebiet angreifen. Doch wieso? Weil er sich im politischen bzw. kirchenpolitischen Bereich nichts zuschulden kommen lässt? Oder weil er theologisch relevante aber umstrittene Änderungen bewirkt? Und wie passt Albas Angriff auf Rom zu diesem innerkirchlichen Konflikt? Kommt er dem Sabinerpapst zu Hilfe? Und wenn ja, wieso?


5/91

[1] Au grand marché1) qu’on dict3) des mensongiers2),
[2] Du tout4) Torrent5) & champ6) Athenien7):
[3] Seront surprins par les cheuaux legiers8),
[4] Par Albanois9) Mars, Leo, Sat. vn10) versien.

[1] Auf dem großen Marktplatz1), von wo aus man Lügen2) verbreitet3),
[2] [Lügen, die aus] dem ganzen4) Wortschwall5) und Bereich6) [der] Hochschule7) [stammen],
[3] [dort] wird [man] überraschend von leichten Kavalleristen8) angegriffen [werden].
[4] [Und zwar] von [solchen der] Alba-Leute9). Mars [steht dann im] Löwen [und] Sat[urn wird] einer10) [vom] Wassermann [sein].

1) Als "großer Marktplatz" ("Forum magnum") wurde das Forum Romanum in Rom bezeichnet, vgl. schon CASSIUS DIO 43,22,2 ("megale agora"). Bei Nostradamus’ "großem Marktplatz" könnte es sich um den eigentlichen Platz als solchen handeln. Oder vermutlich eher um die römische Öffentlichkeit (vgl. lat. "forum" = u. a. Marktplatz, öffentliches Leben) bzw. einfach die Stadt Rom. Mit Blick auf das griech. "agora" (u. a. Versammlung, Marktplatz) käme vielleicht auch eine Ratsversammlung infrage.
2) Das mittelfranzösische "mensongier" bedeutet "Lügner" oder auch "Lügnerisches, Illusorisches".
3) Die Stelle "qu’on dict" kann unterschiedlich verstanden werden. Entweder "von wo aus man [etwas] sagt/verkündet" oder "den man nennt". Sollte letzteres gemeint sein und wir somit einen "Markt der Lügner" vor uns haben, stellt sich die Frage, wo sich dieser Markt befunden hätte. Dass dem Arzt bzw. Heiler Nostradamus die Schriften des HIPPOKRATES und dessen Kommentators GALEN bekannt gewesen sind, ist längst nachgewiesen, vgl. etwa GRUBER, S. 131f. und CLÉBERT, S. 667. HIPPOKRATES erwähnt nun im Epidemion 3,2,8 und Ebd. 3,2,12 tatsächlich eine "pseudeon agora", einen "Markt der Lügner". Bei GALEN finden wir diese als "forum mendacium" wieder bei: In Hippocratis epidemiorum librum tertium commentarius I, IV (= KÜHNE, Band 17, S. 499); commentarius II, V (= KÜHNE, Band 17, S. 614); commentarius II, VII (= KÜHNE, Band 17, S. 632) und commentarius II, IX (= KÜHNE, Band 17, S. 641). Wo die von HIPPOKRATES geschilderten und von GALEN kommentierten Fälle im Epidemion 3 aufgetreten sind, ist leider nicht immer klar. In den beiden Texten Epidemion 1 und Epidemion 3 tauchen verschiedene Orte in Griechenland und im Ägäisraum auf (u. a. Thasos, Larissa, Abdera, Kyzikos), oder es fehlt die Ortsangabe. So gerade auch bei den hier interessierenden Fällen in Epidemion 3,2,8 und 3,2,12. In Athen gab es einst eine "agora kerkopon", einen "Markt der Kerkopen (= Markt der Diebe/Spitzbuben)". Ob dieser jedoch mit der "pseudeon agora" einfach gleichzusetzen ist (siehe GRUBER, S. 131), ist nach meinem Dafürhalten sehr fraglich. Auch wenn bei Nostradamus in 5/91/2 die griechische Hauptstadt erwähnt zu werden scheint. PRÉVOST, S. 114, schlägt das Lügenfeld (franz. Champs du Mensonge, lat. campus mendacii oder campus mentius) bei Colmar vor, wo im Jahr 833 Kaiser Ludwig der Fromme seinen Söhnen plötzlich ohne Heer gegenüber stand, nachdem die Gefolgsleute des Kaisers die Seiten gewechselt und somit ihre Treueeide gebrochen (= "gelogen") hatten. Doch ein offenes Feld ist nicht dasselbe wie ein Markt.
4) Die beiden 1557er-Ausgaben sowie die 1568er von Grasse und Stockholm schreiben hier "bout", der Rest "tout". "Bout" bedeutet "Schlag; Stück; Ende, Spitze, Ecke, Zipfel; Rand". "Tout" hingegen "alles, ganz", was mir hier inhaltlich passender erscheint.
5) Das mittelfranzösische "torrent" bedeutet "Gebirgsbach, Sturzbach". Das lat. "torrens" ebenso, daneben aber auch "Strom" oder sinnbildlich "Wortschwall".
6) Die 1557er-Ausgabe aus Utrecht hat "camp". "Champ" bedeutet u. a. "Feld, Landschaft". Das lat. "campus" ebenso, daneben aber im übertragenen Sinne auch "Betätigungsfeld, Spielplatz für eine Tätigkeit".
7) Das Adjektiv "athenien" bedeutet "athenisch". In Verbindung mit dem "champs" hätten wir somit die Landschaft von Athen, die Attika vor uns. Deren großer Fluss bzw. Strom wäre der Kifisos. Allerdings verweist die zweite Hälfte der Strophe meines Erachtens auf Rom, womit für das "Athenische" eine andere Erklärung gefunden werden müsste. Das griech. "athenaion" bedeutet "athenisch, zur Athene gehörig" aber auch "Tempel der Athene". Die lat. Entsprechung lautet "athenaeum". Als "Athenaeum" wurden aber auch verschieden Universitäten bzw. Hochschulen in Antike und Mittelalter bezeichnet. So die Universität in Konstantinopel (ab 425) oder in Rom das Athenaeum, das von Kaiser Hadrian (117-138) schon um etwa 135 gegründet wurde. Eine Akademie, in der Philosophie und Rhetorik, Grammatik und Jurisprudenz gelehrt wurden. Somit ließe sich "athenien" wohl auch als "athenisch" in Bezug auf das (römische) Athenaeum - also eigentlich "athenäisch" - verstehen. Und zwar wohl gleichbedeutend mit "universitär, gelehrt". In Rom gibt es an Hochschulen u. a. die heute staatliche Universität La Sapienzia, die 1303 von Papst Bonifatius VIII. gegründet und die Päpstliche Universität Gregoriana, die 1551 durch Ignatius von Loyola als Collegio Romano ins Leben gerufen wurde.
8) Die "cheuaux legiers" (leichten Kavalleristen) finden wir auch in 7/7/1. Die leichte Kavallerie war, im Gegensatz etwa zu den Rittern oder der schweren Kavallerie der frühen Neuzeit, nicht oder nur leicht gepanzert, was ihr große Wendigkeit verlieh. Ihre Hauptwaffe war in der Antike und im Mittelalter der Pfeilbogen, mit dem der Feind aus großer Entfernung angegriffen werden konnte. Hunnen, Ungarn und Mongolen kämpften hauptsächlich mit leichter Kavallerie, aber auch das Osmanische Reich besaß derartige Truppen (Sipahis). In der frühen Neuzeit war die leichte Kavallerie zunächst mit Lanzen bewaffnet.
9) Vgl. 7/29, Anmerkung 2.
10) GRUBER, S. 131, schlägt hier "en" vor, womit die Stelle einfach mit "Sat[urn] im Wassermann" zu übersetzen wäre.
Auf dem Forum Romanum, d. h. in Rom, wird man Lügen verbreiten - wohl die Scheinargumente bzw. Scheinlehren gegen den Papst aus 5/46. Lügen, die ursprünglich aus dem Bereich der Hochschulen stammen. Dort, auf dem Forum Romanum bzw. in der Ewigen Stadt, wird man dann überraschend von der leichten Kavallerie des Herzogs von Alba angegriffen. Der Mars wird zu diesem Zeitpunkt im Löwen stehen und der Saturn im Wassermann.

In Zeile vier werden wieder die Leute des neuen Herzogs von Alba erwähnt, die wir bereits kennen. In Verbindung mit Zeile drei wird klar, dass es sich dabei um Truppen (leichte Kavallerie) handelt. Und diese Verbände greifen überraschend an. Doch wann und wo?

Gemäß Zeile drei wird Mars dann im Löwen und Saturn im Wassermann stehen. Aber von welchem geografischen Raum ist die Rede? Interessanterweise steht bei PTOLEMÄUS (Tetrabiblos 2,3) der Löwe u. a. auch für Italien. D. h. der Krieg (der Kriegsgott Mars) könnte in Italien zu finden sein - so ließe sich die Angabe in 5/91/4 jedenfalls auch verstehen. Zum Ort des Geschehens äußert sich unser Seher in den ersten beiden Zeilen der Strophe.

In Zeile eins dürfte vom Forum Romanum bzw. der Stadt Rom die Rede sein, vgl. Anmerkung 1. Somit wird der schnelle Angriff der Alba-Leute der Ewigen Stadt gelten, eine Parallele zu 5/46/4, 6/68/3f. und 4/98/1.

In 5/91/1f. erfahren wir, dass auf dem Forum Romanum (bzw. in Rom) Lügen verbreitet werden. Lügen, die ursprünglich aus dem Bereich der Hochschulen stammen. Diese "Lügen" schlagen wiederum einen Bogen zu den großen Scheinargumenten aus 5/46/3, die man gegen den Sabiner Papst vorbringen wird.


6/68

[1] Lors que souldartz fureur seditieuse,
[2] Contre leur chef feront de nuict fer1) luire:
[3] Ennemy d’Albe2) soir3) par main4) furieuse,
[4] Lors vexer Rome & principaux5) seduire6).

[1] Wenn [die] Soldaten [in] aufrührerischer Wut
[2] gegen ihren Anführer nachts [die] Waffe[n]1) glänzen lassen,
[3] [dann wird der] Feind von Alba2) abends3) mit rasender Gewalt4)
[4] Rom heimsuchen und [dessen] wichtigste Personen5) entfernen6).

1) "Fer" bedeutet im Mittelfranzösischen neben "Eisen" u. a. auch "(eiserne) Waffe".
2) Vgl. 7/29, Anmerkung 2.
3) In den beiden 1557er-Ausgaben steht "soir" (Abend), in den restlichen "soit" (es sei). Der Abend würde zu 7/7/3 passen, wo von einer Nacht die Rede ist. Sollte es "soit" heißen, könnte die Zeile vielleicht mit "[dann, so] sei [es, wird der] Feind von Alba mit rasender Gewalt" übersetzt werden.
4) "Hand" ("main") ist hier wohl im Sinne des lat. "manus" (u. a. Kraft, Gewalt) bzw. des griech. "cheir" (u. a. Macht, Gewalttätigkeit) zu verstehen.
5) Das mittelfranzösische "principaux" bedeutet "die Wichtigsten, die Obersten, die Ersten, die Fürstlichen". Vermutlich hat Nostradamus hier auf das lat. "cardinales" anspielen wollen, das sowohl "die Wichtigsten" als auch "Kardinäle" bedeutet.
6) Vgl. lat. "seducere" (u. a. entfernen, wegführen). Das mittelfranzösische "seduire" bedeutet "verführen, täuschen, korrumpieren, verderben".
Der neue Herzog von Alba wird eines abends mit rasender Gewalt Rom angreifen. Dabei wird er die wichtigsten Personen (wohl die Kardinäle) gefangen nehmen und sie verschleppen. Zu dieser Zeit werden Soldaten in einer Nacht gewaltsam gegen ihren Anführer oder ihr Oberhaupt revoltieren.

In der dritten Zeile ist vom "Feind von Alba" die Rede, womit mit Blick auf den Gesamtkontext wohl der neue Herzog von Alba gemeint ist, den wir bereits kennen. Wir erfahren, dass er mit rasender Gewalt eines abends angreifen wird. Falls "rasend" als "schnell" zu verstehen ist, würde dies zum überraschenden Vorstoß der leichten Kavallerie in 5/91/3 passen. Von einer Nacht ist in 7/7/3 die Rede, womit 6/68 jener Strophe vorausgehen müsste.

Zeile vier ist zu entnehmen, dass das Ziel des Vorstoßes Rom sein wird, was zu 5/46/4 und 4/98/1 passt. Wir erfahren weiter, dass Alba die "wichtigsten Personen" wegführen wird, womit wohl Kardinäle gemeint sein dürften, vgl. Anmerkung 5. Wohin, erfahren wir nicht. In 7/7/4 ist diesbezüglich nur von einem "tiefen Graben" die Rede, in dem sie letztlich später in der Nacht ihr Ende finden werden.

Die ersten beiden Zeilen berichten von einer militärischen Revolte gegen einen Anführer (oder Oberhaupt). Diese wird dann in einer Nacht stattfinden, wenn der Angriff der Alba-Leute auf Rom erfolgt. Ob die beiden Geschehnisse in einem Zusammenhang zueinander stehen, ist nicht ersichtlich. In 5/71 ist ebenfalls von einer in Bewegung oder Aufruhr versetzten Armee die Rede.





4/98

[1] Les Albanois1) passeront dedans Rome,
[2] Moyennant Langres2) de miples3) affublés4),
[3] Marquis5) & Duc6) ne pardonner8) à homme7),
[4] Feu, sang, morbilles9) point d’eau, faillir les blés10).

[1] Die Alba-Leute1) werden in Rom umherziehen.
[2] Mit Hilfe [von] Langres2) [werden unter den] mit Mitren3) Bedeckten4)
[3] [der] Markgraf5) und [der] Herzog6) niemanden7) verschonen8).
[4] [Man wird unter] Feuer, Blut [und] Masern9) [zu leiden haben. Es wird] überhaupt kein Wasser [mehr geben, und] die Getreide10) werden fehlen.

1) Vgl. 7/29, Anmerkung 2.
2) Langres wird in 1/22/3, 2/50/2, 3/51/4, 4/98/2, 5/82/3, 6/47/3 und 7/4/1 genannt. Die Stadt Langres liegt in Ostfrankreich, 64 km nordöstlich von Dijon auf dem Plateau von Langres, wo wichtige Flüsse entspringen (etwa Seine, Marne und Maas). Die Stadt war seit dem vierten Jahrhundert Bischofssitz und kam 1284 zu Frankreich. Die dortigen Bischöfe waren Pairs von Frankreich (Hochadlige) und trugen seit 1385 den Titel Herzog von Langres. Aufgrund ihrer strategischen Lage nahe Lothringen und Burgund wurde die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert zu einer mächtigen Festung ausgebaut. Während der Renaissance erlebte Langres eine Zeit größter Blüte.
3) Lies wohl: "de mitres". Die 1557er-Ausgabe aus Budapest/Moskau schreibt "de miples". Die Utrechter 1557er sowie die 1568er aus Grasse und Stockholm zeigen "demiples", alle anderen "demipler". CLÉBERT, S. 568, sieht hier "de niples" (= "de nippes") gemeint, aber der Begriff "nippes" (alte Kleider, Lumpen) ist erst rund vier Jahrzehnte nach Nostradamus’ Tod nachgewiesen. Anders "mitre" (Mitra, spitz zulaufende Kopfbedeckung), das aus dem Lateinischen ("mitra") stammt. Die Mitra wird von Bischöfen und somit auch von Kardinälen und Päpsten getragen.
4) "Affubler" bedeutet u. a. "bedeckt, bekleidet sein" (besonders was den Kopf angeht).
5) Von einem Markgraf ist in 4/98/3 und 7/24/4 die Rede. In 7/24 anscheinend vom Markgraf von Pont-à-Mousson. Pont-à-Mousson (Mussenbrück) liegt 25 km südwestlich von Metz. Ein Markgraf war ein Graf, der zur Verteidigung einer Grenzprovinz bevollmächtigt war. In der Adelshierachie stand er zwischen Graf und Herzog.
6) Neben "Herzog" kann "duc" im Mittelfranzösischen auch "Anführer, Feldherr" bedeuten, vgl. lat. "dux".
7) Die beiden 1568er-Ausgaben aus Dresden und Paris schreiben "à l’homme". Im Mittelfranzösischen entspricht "homme" im negierenden Sinne dem heutigen "personne" (niemand).
8) Die beiden 1557er-Ausgaben sowie die 1568er aus Grasse schreiben "pardonner", der Rest "pardonnes". Neben "verzeihen" kann "pardonner" auch "verschonen" bedeuten.
9) Oder auch: "Röteln". LEONI, S. 248, übersetzt hier "Pocken". Die Masern kennen wir heute als meistens eher harmlose Kinderkrankheit, gegen die man in der Regel sogar geschützt (geimpft) ist. Im 16. Jh. gab es jedoch noch keine Impfung, und die Bevölkerung war zudem durch unzureichende Ernährung und mangelnde Hygiene oft geschwächt. So konnten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Masernepidemien gravierendere Auswirkungen haben als heute. Masern, Röteln und Pocken wurden weiter lange miteinander verwechselt oder gleichgesetzt, so dass es durchaus möglich ist, dass unser Seher hier an die letztgenannten gedacht hat. Und der Ausbruch der Pocken (Blattern) wäre auch heute noch problematisch.
10) Das mittelfranzösische "blé" bezeichnet das Getreide im Allgemeinen, speziell den Weizen. Denkbar wäre auch die Übersetzung als "Getreideernten".
Die Leute des Herzogs von Alba werden in Rom umherziehen. Mit Hilfe von Langres - oder jemandem aus Langres (dem Papst?) - werden der Herzog von Alba und der neue "Markgraf von Mantua" die Kardinäle aufspüren und dabei niemanden verschonen. Zu dieser Zeit wird man irgendwo auch von Krieg und Gewalt, Seuchen sowie Dürre und Hunger heimgesucht.

In der ersten Zeile finden wir wieder die Leute des neuen Herzogs von Alba, die in Rom eindringen und durch die Stadt ziehen (vgl. 9/22, 5/46, 5/91 und 6/68).

Von einem Markgrafen und einem Herzog ist in Zeile drei die Rede. Wir erfahren in Zeile zwei und drei, dass die beiden unter den Mitrenträgern wüten und niemanden verschonen werden. Mit den Mitrenträgern dürften hier Kardinäle gemeint sein, vgl. Anmerkung 3. Das Duo bestehend aus Markgraf und Herzog verweist uns auf 9/22/4, wo von Alba und Mantua gesprochen wird. Der Herzog aus 4/98/3 entspricht dabei wohl dem neuen Eisernen Herzog von Alba, dessen Truppen in der ersten Zeile in Rom eindringen. Der Markgraf wäre dagegen ein neuer "Markgraf von Mantua", vielleicht ein Doppelgänger des historischen Feldherrn Gianfrancesco II. (1466-1519).

Doch in Zeile zwei ist zu lesen, dass die beiden Hilfe beim Massaker unter den Kardinälen erhalten werden. Und zwar von Langres. Doch Hilfe in welcher Form? Militärischer Art? Andernorts (5.53) ist zu erfahren, dass in Langres künftig ein regionales Machtzentrum entsteht, das auch in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt sein wird. Somit wäre militärische Hilfe grundsätzlich möglich, allerdings bliebe dann die Frage, wie Truppen des ostfranzösischen Langres in oder bei Rom eingreifen könnten. Im Rahmen eines großen Krieges?

Langres war und ist aber auch ein geistliches Zentrum, der Sitz eines Bischofs. Da es in den Strophen des Alba-Themas auch um innerkirchliche Konflikte geht, wäre es nun durchaus denkbar, dass mit Langres nicht eine militärisch-territoriale Macht sondern eine einzelne Person gemeint ist - der dortige Bischof. Ein Bischof, der vielleicht den Kardinalspurpur trägt und sich deshalb in Rom aufhält. Möglicherweise ein Bischof aus Langres, der sogar zum Papst aufgestiegen ist. Jedenfalls würde die Benennung "Sabiner" (Sabinus) aus 5/46/2 dazu passen, vgl. ebd. In diesem Fall wären Alba und Mantua Verbündete des Papstes im Kampf gegen die rebellischen Kardinäle. Und das Kirchenoberhaupt würde die Angreifer bei der Verfolgung der Kardinäle aktiv unterstützen, vielleicht indem es ihnen hilft, diese in Rom aufzuspüren.

Die vierte Zeile schließlich berichtet von Krieg und Gewalt ("Feuer" und "Blut"), Seuchen ("Masern" bzw. "Pocken") sowie Trockenheit und Hunger ("fehlende Getreide"). Doch welche Gegenden werden von diesen Geißeln heimgesucht? Italien? Und gibt es vielleicht einen Zusammenhang mit den Konflikten in und um Rom?


7/7

[1] Sur le combat des grans1) cheuaux legiers2),
[2] On criera le grand croissant3) confond.
[3] De nuict ruer5) monts4), habits de bergiers6),
[4] Abismes7) rouges dans le fossé8) profond.

[1] Während des Kampfes der großen1) leichten Kavalleristen2)
[2] wird man verkünden, [dass] die große Mondsichel3) vernichtet [ist].
[3] In der Nacht [werden die] Haufen4) [sie] angreifen5), [die] Kleider der Schäfer6).
[4] Versunken7) [sein werden die] Roten im tiefen Graben8).

1) Das "grans" fehlt in der 1557er-Ausgabe aus Budapest/Moskau. Im Mittelfranzösischen kann das Attribut "grand" (groß) u. a. auch "effizient, wirkungsvoll" bedeuten.
2) Die "cheuaux legiers" (leichten Kavalleristen) finden wir auch in 5/91/3. Die leichte Kavallerie war, im Gegensatz etwa zu den Rittern oder der schweren Kavallerie der frühen Neuzeit, nicht oder nur leicht gepanzert, was ihr große Wendigkeit verlieh. Ihre Hauptwaffe war in der Antike und im Mittelalter der Pfeilbogen, mit dem der Feind aus großer Entfernung angegriffen werden konnte. Hunnen, Ungarn und Mongolen kämpften hauptsächlich mit leichter Kavallerie, aber auch das Osmanische Reich besaß derartige Truppen (Sipahis). In der frühen Neuzeit war die leichte Kavallerie zunächst mit Lanzen bewaffnet.
3) Der Begriff "croissant" (Mondsichel, Halbmond; der Anwachsende, der Aufsteigende) taucht in 6/27/2, 6/78/1, 7/7/2, 7/25/4 und 10/95/3 auf. Doch was symbolisiert die Mondsichel bei Nostradamus? Die Antwort dürften wir wohl in 10/95 finden. Dort lesen wir, dass ein spanischer König die Mondsichel wird niedersinken lassen und den Leuten des Freitags (den Muslimen) die Flügel stutzen wird. Somit steht die Mondsichel wohl für den Islam oder eine islamische Macht. Hat somit Muhammads Religion bei unserem Seher neben der Venus (dem Freitagsgestirn, vgl. dazu 5/24/1) ein zweites Symbol bekommen? Ja und Nein. Die Mondsichel entwickelte sich erst Jahrhunderte nach Muhammads Tod zum Zeichen seines Glaubens. In der Antike wurde das damalige Byzanz u. a. durch die Mondsichel der Hekate (Selene) versinnbildlicht, nachdem die Göttin die Stadt vor der Eroberung durch Philipp II. von Makedonien (340/339 v. Chr.) beschützt haben soll. Ein Symbol, das nach der Eroberung der Stadt durch die Osmanen 1453 auf deren Reich übergegangen ist. So zeigte die Fahne des Europa bedrohenden Osmanischen Reiches zur Zeit des Nostradamus die altvertraute Mondsichel der Hekate bzw. Selene. Wenn Nostradamus also die Mondsichel verwendet, dürfte nicht der Islam als theologische Lehre an sich gemeint sein, - dafür steht wohl die Venus. Sondern die Mondsichel verkörpert wahrscheinlich eher eine islamische Macht (oder die islamische Welt) zu einem bestimmten Zeitpunkt. Möglicherweise ein neuerstandenes Osmanisches Reich oder ein vergleichbares Staatsgebilde.
4) Das mittelfranzösische "mont" (Berg, Hügel) bedeutet u. a. auch "Haufen, große Menge", womit hier konkret "Heerhaufen" oder "Menschenmengen" gemeint sein könnten. Im Griechischen gäbe es weiter noch die Möglichkeit, über "kolone" bzw. "kolonos" (Hügel, Anhöhe, Grabhügel) eine Anspielung auf die Colonna zu sehen. Von den Colonna ist in 5.35, 5.46 und 5.281 die Rede.
5) Die beiden 1557er-Ausgaben sowie die 1568er von Grasse schreiben "ruer" (u. a. werfen, schleudern, schmeißen; ein Durcheinander verursachen; schlagen, zuschlagen; angreifen; sich stürzen auf; hingehen; niederschlagen, niederwerfen), alle anderen "tuer" (töten).
6) Mit den "Schäfern" oder "Schafhirten" dürften Geistliche gemeint sein, die die "Schafe Christi" (die Gläubigen) leiten. Allerdings spricht Nostradamus hier nur von den "Kleidern" (Amtstrachten) dieser Hirten. Das könnte vielleicht so verstanden werden, dass diese Kleriker ihre Aufgaben nicht oder nur schlecht erfüllt haben und deswegen ihre Habite das einzige sind, was sie mit guten Hirten der Kirche gemeinsam haben.
7) Lies wohl: "abismés" (versunken, verschluckt, untergegangen).
8) Oder: "Loch", vgl. auch lat. "fossa". Mit dem "fossé profond" könnte Nostradamus möglicherweise eine "basse fosse" (unterirdisches Verlies, Oubliette) gemeint haben, obwohl diese im Gegensatz zum Graben ("fossé") weiblich wäre. Die in solchen Verliesen Inhaftierten sollten ihr Gefängnis nicht mehr lebend verlassen, konnten also "vergessen" werden (franz. "oublier"). Oder mit dem "Graben" hat unser Seher einfach das Grab gemeint, vgl. das sich anbietende griech. Wortspiel mit "taphe/taphos" (Begräbnis, Grab) und "taphre/taphros" (Graben, Grube).
Dann, wenn die leichte Kavallerie des Herzogs von Alba Rom abends angreift, wird ein islamisches Araberreich, das in etwa dem Osmanischen Reich des 16. Jh. entspricht, endgültig zerstört sein. In der Nacht nach Albas Angriff werden Menschenmengen die Kardinäle in der Ewigen Stadt ergreifen und ins Massengrab werfen. 

In der ersten Zeile erwähnt Nostradamus "große leichte Kavalleristen". Dies schlägt die Brücke zu 5/91/3, wo wir erfahren, dass die leichte Kavallerie des Herzogs von Alba abends (vgl. 6/68) überraschend in Rom angreifen wird.

7/7/2 enthält für die chronologische Einordnung der Geschehnisse in Rom einen wichtigen Querverweis. Wir erfahren, dass zu dieser Zeit die "große Mondsichel" vernichtet werden wird. Mit dieser "großen Mondsichel" ist dabei wohl eine arabische islamische Macht gemeint, die in ihrer Bedeutung etwa dem Osmanischen Reich des 16. Jh. entspricht. 5.16 ist dabei zu entnehmen, dass ein spanischer König, den unser Seher mit dem antiken Philipp II. von Makedonien vergleicht, dieses Reich zurückdrängt. Ob er es aber auch endgültig zerstören wird, ist mindestens unsicher.

In der dritten Zeile erfahren wir, dass "Haufen" - konkret wohl Menschenhaufen - die "Kleider der Schäfer" in der Nacht angreifen werden. Da Rom abends bereits von der leichten Kavallerie des Herzogs von Alba angegriffen wird, könnten diese Reiter später auch Teil der "Haufen" sein. Doch meines Erachtens passt die Bezeichnung "Haufen" weniger zu Reiter- denn zu Fußtruppen. Es wäre etwa denkbar, dass diese "Haufen" v. a. aus Leuten von Langres (vielleicht Anhänger des Papstes, vgl. 4/98?) bestehen.

Mit den "Kleidern der Schäfer" müssten die Kärdinäle gemeint sein, die den Angreifern zum Opfer fallen. Als Priester sind sie die Hirten der Schafe Christi. Doch warum sollten nur die Kleider (Habite) dieser Kirchenfürsten angegriffen werden? Möglicherweise könnte Nostradamus damit ausdrücken wollen, dass es sich bei den papstfeindlichen Kardinälen nicht um echte Hirten der Gläubigen handelt sondern in erster Linie um Amtsträger ("leere Amtstrachten"), für die andere Anliegen - vielleicht Pfründe, Macht und Privilegien - im Zentrum des Interesses stehen.

In Zeile vier erwähnt Nostradamus die "Roten", womit recht eindeutig Kardinäle mit rotem Ornat bzw. roter Kopfbedeckung gemeint sein dürften, vgl. den Kommentar zu 5/46. Weiter erfahren wir, dass diese "Roten" im "tiefen Graben" versunken sein werden. Wie in Anmerkung 8 ausgeführt, könnte hier einfach gemeint sein, dass sie nach der Gefangennahme getötet und ihr Ende im Massengrab finden werden.






8/40

[1] Le sang1) du Iuste par Taurer la daurade2),
[2] Pour se venger contre les Saturnins3)
[3] Au nouueau lac4) plongeront la maynade5),
[4] Puis marcheront contre les Albanins6).

[1] Das Blut1) des Gerechten von [Notre-Dame-du-]Taur [und Notre-Dame-de-]la-Daurade2),
[2] [wird,] um sich zu rächen, gegen die Saturnleute3) [vorgehen].
[3] In die neue Grube4) werden [sie die] Familie5) werfen [und]
[4] dann gegen die Alba-Leute6) marschieren.

1) Im Lateinischen wie Mittelfranzösischen kann "Blut" u. a. auch "Geschlecht, Abkömmlinge" bedeuten. Hier sind wohl die Toulouser gemeint, das Volk des heiligen Saturninus (ca. 250), der als erster Bischof der Stadt den Märtyrertod starb (vgl. Anmerkung 2) und heute der Schutzpatron von Toulouse ist. Saturninus ist jedoch auch Patron von Pamplona, Navarra, Cagliari und Sardinien.
2) Lies: "Taur & la Dorade", vgl. auch die beiden 1568er-Ausgaben aus Dresden und Paris. Diese beiden Kirchen stehen in Toulouse. Notre-Dame-du-Taur befindet sich laut Überlieferung an jenem Ort, wo der Körper des heiligen Saturninus zu liegen kam, nachdem ihn ein Stier zu Tode geschleift hatte ("Taur" = Stier). Notre-Dame-de-la-Daurade (oder: Sainte-Marie-de-la-Daurade) steht am Ufer der Garonne und war einst mit goldenen Mosaiksteinchen bedeckt, was der Kirche ihren Namen gab ("la Daurade" = die Goldbedeckte).
3) Saturn (griech. Kronos) war der Gott des Ackerbaus. Selber ein Sohn des Uranus, wurde er von seinem eigenen Sohn Jupiter gestürzt und floh daraufhin ins Latium, wo er die Menschen den Ackerbau lehrte. Sein Tag war der Samstag (lat. "dies Saturni"), weshalb er bei Nostradamus auch für das Judentum steht. CLÉBERT, S. 596f., führt aus, dass die Zuordnung Saturn-Judentum bereits bei der hl. Birgitta von Schweden (1524) existiert. Alternativ könnten damit aber auch die Italiener bzw. Römer (vgl. lat. "Saturnia gens" = Latiner, Italer) gemeint sein.
4) Im Mittelfranzösischen kann "lac" (in erster Linie "See") nach antikem Vorbild u. a. auch "Grube" bedeuten. Vgl. lat. "lacus" (u. a. auch Grube, Kalkgrube) und griech. "lakkos" (Wasserloch, Grube, Zisterne). Zwar können auch Seen neu entstehen bzw. geschaffen werden, aber umständlicher als bloße Gruben. Zudem passt die Grube zu den Geschehnissen in und um Rom, die wir aus 7/7/4 kennen.
5) Provenz. "mainado, meinado" (Familie, Kinder; Bande, Horde). CLÉBERT, S. 886, führt alternativ die Mänade (franz. "ménade") als Erklärung an. Mänaden waren mythische Begleiterinnen oder Kultanhängerinnen des Dionysos (Bacchus).
6) Vgl. 7/29, Anmerkung 2.
Die Toulouser werden nach Rom marschieren und als Rache für die getöteten Kardinäle gegen die Juden der Ewigen Stadt vorgehen. Die dabei getöteten Juden werden sie in eine Grube werfen und dann gegen die Alba-Leute marschieren.

Laut Zeile zwei wird jemand gegen die "Saturnleute" vorgehen. Mit den "Saturnleuten" dürften die Juden gemeint sein, deren Feiertag der Samstag ist, vgl. Anmerkung 3. Der Grund für die Verfolgung der Juden ist das Verlangen nach Rache.

Doch wer will sich in 8/40 rächen? Die Antwort finden wir in Zeile eins. Es dürften die Toulouser sein, da in er ersten Zeile zwei Kirchen aus ihrer Stadt namentlich genannt werden. Ob die Toulouser allerdings nur für die eigentliche Stadt stehen oder vielleicht für ein Staatsgebilde, dessen Hauptstadt Toulouse ist, ist unklar. Da nach meinem Dafürhalten aber im Weiteren von Ereignissen in und um das weit entfernte Rom die Rede ist, dürfte wohl eher letzteres zutreffen.

Die nächste Frage ist, weshalb sich die Toulouser an den Juden rächen wollen. Die naheliegendste Erklärung wäre, dass die Juden ihnen tatsächlich etwas antun werden - doch was könnte das sein? Die zweite Möglichkeit ist, dass die Juden wieder einmal als ideale Sündenböcke für irgendeinen Missstand herzuhalten haben und wissentlich oder unwissentlich falsch beschuldigt werden. Oder vielleicht geht es den Toulousern gar nicht um die Juden als solche. Es könnte sein, dass die Juden die Protektion oder Gunst einer Macht genießen, gegen die die Toulouser nicht direkt vorgehen wollen oder können. Also greift man die Israeliten an, um die dahinter stehende Macht zu treffen. Von einer Judenverfolgung durch die Toulouser könnte auch in 6/17 die Rede sein.

In Zeile drei ist zu lesen, dass "sie" - die Toulouser - die "Familie" in eine neue Grube werfen werden, vgl. Anmerkung 4. Somit müssten mit der "Familie" die Juden gemeint sein. Dass Nostradamus die Juden als "Familie" bezeichnet, würde insofern Sinn ergeben, als dass er (bzw. seine Familie) selber jüdischer Herkunft war. Mit dieser "neuen Grube" könnte weiter der tiefe Graben aus 7/7/4 gemeint sein, in dem bereits die toten Kardinäle liegen. Oder die Toulouser nehmen diesen tiefen Graben zum Vorbild und heben nun ihrerseits eine neue Grube aus, um sich der Leichen der getöteten Juden - konkret der römischen Juden - zu entledigen. Als Erklärung für die "Familie" käme als Alternative allerdings noch die "Familia Pontificia" (die päpstliche Familie), d. h. der Hofstaat des Papstes infrage.

Zeile vier ist zu entnehmen, dass die Toulouser nach dem Judenmord in Rom gegen die Truppen des neuen Herzogs von Alba marschieren werden. Somit liegt es nahe, dass die römischen Juden und Alba auf derselben Seite stehen werden. Anders gesagt: die Toulouser stehen im Konflikt zwischen Papst und den Kardinälen auf der Seite der Kardinäle, deren Tod sie jetzt rächen werden. Doch welche Rolle spielen die Juden im Konflikt Papst - Kardinäle genau? Genießen sie die spezielle Gunst des Papstes? Und wenn ja, warum?



8/94

[1] Deuant1) le lac2) où plus cher3) fut getté4)
[2] De sept mois, & son ost desconfit5)
[3] Seront Hyspans6) par Albannois7) gastez
[4] Par delay8) perte en donnant le conflict.

[1] Vor1) der Grube2), wo [das] Teuerste3) hineingeworfen wurde,4)
[2] vor sieben Monaten, und [wo] seine Armee aufgerieben5) wurde,
[3] werden [die] Spanier6) von [den] Alba-Leuten7) vernichtet werden.
[4] [Die] Niederlage [erfolgt] wegen [der] Verspätung8), wenn man sich den Kampf liefert.

1) Im Mittelfranzösischen kann "devant" u. a. auch "vorher, zuvor" bedeuten.
2) Vgl. 8/40, Anmerkung 4.
3) Auch: "[das] Beste" im Sinne von "[das] Wertvollste". Zudem: "[das] Geliebteste, Geschätzteste". Denkbar wäre aber auch die abwertende Bedeutung von "[das] Kostspieligste". Die Stelle erinnert ohne Zweifel an das Aurum Tolosanum, vgl. CLÉBERT, S. 945. Es handelt sich dabei laut Legende um einen Schatz (= etwas sehr Wertvolles), das von den Kelten einst aus dem Apollo-Orakel von Delphi geraubt und später zur Sühne in einem See oder Sumpf nahe des damaligen Toulouse versenkt wurde (vgl. CLÉBERT, S. 870-872). In einem See oder Sumpf, der später trockengelegt wurde und an dessen Stelle heute die Toulouser Basilika Saint-Sernin steht. Ich sehe hier aber eher die Verbindung zu 8/40.
4) Oder auch möglich: "Vor der Grube, wo [das] Teuerste niedergeworfen wurde".
5) Oder auch einfach: "besiegt".
6) Vgl. lat. "hispani" (Spanier).
7) Vgl. 7/29, Anmerkung 3.
8) Oder auch: "Aufschub, Verzögerung".
Der künftige Herzog von Alba wird gegen die Spanier kämpfen, sie vernichten und so seine spanischen Vorfahren verraten. Die Schlacht wird in der Nähe der Grube stattfinden, wo sieben Monate zuvor die Toulouser Truppen die ermordeten römischen Juden verscharrt haben. In der Nähe dieser Grube fand nach dem Judenmord schon einmal eine Schlacht statt. Und zwar jene zwischen dem Heer der Toulouser und den Truppen des Herzogs von Alba, vgl. 8/40. Dabei wurden die Toulouser Verbände besiegt und vernichtet.

In 7/29/2 nennt Nostradamus den neuen Herzog von Alba einen Verräter an seinen großen (spanischen) Vorfahren. Dazu passt die dritte Zeile von 8/94. Wir erfahren hier, dass die Spanier von den Leuten bzw. Truppen des neuen Herzogs von Alba vernichtet werden.

Die ersten beiden Zeilen beschreiben den Ort der Schlacht. Es scheint sich dabei um die Gegend bei ("vor") der Grube zu handeln, in die gemäß 8/40 die getöteten römischen Juden geworfen werden. Ein Geschehen, das sich sieben Monate zuvor ereignen wird. Dort wird auch eine Armee aufgerieben. Doch welche Armee?

Dass die römischen Juden eine eigene Streitmacht haben sollen, scheint mir mindestens zweifelhaft zu sein. Ich vermute eher, es geht um die Armee der Toulouser, die nach der Rache an den Juden gegen die Alba-Leute kämpfen wird, vgl. 8/40/4. In diesem Fall könnte 8/94/1 doppelt zu verstehen sein. Erstens wie oben ausgeführt als Angabe, wo die Schlacht zwischen den Spaniern und den Alba-Truppen stattfinden wird. Zweitens als Aussage, dass es dort zuvor (vgl. Anmerkung 1!) noch eine andere Schlacht geben wird. Und zwar eine Schlacht, bei dem die Truppen einer Seite aufgerieben werden. Doch die Truppen welcher Seite? Ich vermute, die Stelle "der See (vgl Anmerkung 2!), wo das Teuerste (oder: der Schatz, vgl. Anmerkung 3) hineingeworfen wurde" ist auch als "Toulouse" zu verstehen, der Ort, wo das Aurum Tolosanum versenkt wurde. Somit hätten wir die Toulouser Armee vor uns (das "seine" aus 8/94/2 ist zu lesen als "des Ortes mit dem See, wo das Aurum Tolosanum versenkt wurde"), die nach dem Mord an den Juden selber vernichtet wird. Doch von wem? Vermutlich von den Streitkräften des Herzogs von Alba. Denn gegen diese werden die Toulouser gemäß 8/40 ja kämpfen. Und der Sachverhalt, dass die Alba-Truppen in 8/94 immer noch so erfolgreich gegen die Spanier ins Feld ziehen können macht nur dann Sinn, wenn sie bei ihrem ersten Kampf - gegen die Toulouser - einen so triumphalen (und für den Feind vernichtenden) Sieg erringen, dass ihre eigene Kampfkraft kaum geschmälert wird.

In 8/94/4 erfahren wir noch, wieso die Spanier gegen Albas Truppen den Kürzeren ziehen werden. Es dürfte eine Verspätung oder Verzögerung sein, die die Iberer auf die Verliererstraße zwingt. Über die Hintergründe, weshalb und wofür die Spanier in Italien überhaupt kämpfen werden, gibt die Strophe jedoch keine Auskunft.


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(Letzte Änderung dieser Seite: 07.12.2017)