5.37  Ein Usurpator gelangt auf den englischen Thron; ein arabisch-muslimischer "Emathion" erobert Spanien und Teile Italiens und stößt nach Frankreich vor. Vom französischen "Herkules" wird "Emathion" aber besiegt.
 

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Zusammenfassung

8/37: Hier könnte Folgendes beschrieben sein: In einem innerenglischen Konflikt oder Bürgerkrieg verliert der König alles und steht kurz davor, im Kampf zu fallen. Er kann sich mit knapper Not in eine Festung nahe der Themse retten, in der er allerdings von feindlichen Kräften eingeschlossen wird. Um welche Festung oder Ortschaft es sich dabei handelt, ist allerdings unklar. Nostradamus umschreibt sie als "(neben der) Brücke". Jedenfalls wird diese Festung keinen dauerhaften Schutz bieten, denn sie wird fallen. Zu dieser Zeit tobt in Belgien ein Krieg oder Bürgerkrieg, wie aus 9/49 zu entnehmen ist. Der gleiche Vers berichtet weiter von den Ereignissen in England. Der König wird von seinen Gegnern aus dem "Senat von London" getötet. Ob bei der Eroberung der Festung aus 8/37 oder später, bleibt hier offen. 9/49 könnte besagen, dass Frankreich (oder vielleicht Ereignisse in Frankreich?) eine entscheidende Rolle in diesem englischen Bürgerkrieg spielen. Es scheint, dass sich Frankreich auf die Seite des Londoner Senats und gegen den König stellt. Auf die Seite derer also, die England ins Chaos stürzen.

In 10/66 ist der englische Bürgerkrieg nun endgültig entschieden. Vom alten König ist gar nicht mehr die Rede und der Staatschef von London (wohl der Premierminister des gestürzten Königs) ist in Amerika, von wo er (theoretisch) noch England regiert. Es wäre aber auch möglich, diese Stelle so zu verstehen, dass der Premierminister des neuen Königs in Abhängigkeit von Amerika regiert. Das würde dann wohl heißen, dass Amerika auch beim Bürgerkrieg zuvor seine Finger im Spiel gehabt hat. Der neue König der Rebellen wird als hinterhältiger Antichrist beschrieben, der alle in den Krieg führen wird. Nachdem aber der englische Bürgerkrieg beendet zu sein scheint, müsste das bedeuten, dass der Rebellenkönig in anderen Ländern militärisch eingreifen wird. Zur Zeit der Machergreifung des neuen Königs wird Schottland von der "Kälte" abgekühlt werden. Entweder ist dies ein simpler Hinweis darauf, dass der Rebellenkönig im Winter den Thron besteigen wird, oder Schottland wird unter dem neuen Herrscher besonders zu leiden haben (es wird vor Entsetzen erschaudern wie man bei großer Kälte erschaudert). Ist vielleicht Schottland zu dieser Zeit ein unabhängiger Staat und der englische Rebellenkönig versucht nun, dieses Land mit unglaublicher Grausamkeit zu erobern? Das wäre dann einer der oben angesprochenen Kriege im Ausland.

5/55: Ein muslimischer Herrscher, den Nostradamus "Emathion" nennt, wird aus dem Jemen oder den angrenzenden Gebieten stammen. Er wird Spanien angreifen und mindestens Teile Andalusiens (Granada) erobern. Noch heftiger wird er Ligurien angreifen.

10/7: In Nancy wird der große Konflikt vorbereitet, in dessen Verlauf "Emathion" über die Pyrenäen vorstoßen wird. Doch was geschieht in Nancy? Wird z.B. ein verhängnisvoller Vertrag geschlossen? Jedenfalls beschließt "Emathion", der vor dem Konflikt wahrscheinlich schon die iberische Halbinsel besitzt, weiter vorzudringen und "alles" zu unterwerfen. Das dürfte mindestens ganz Frankreich meinen. England ist über die Ereignisse in Frankreich besorgt. Bezieht sich das aber auf den Vormarsch des "Emathion" oder ist es bereits vorher beunruhigt? Noch unklar ist, wer Metz gegen wen nicht lange halten wird können.

2/1 und 5/34 schildern eine englische Invasion in Südwestfrankreich. Diese dürfte in einem Winterhalbjahr stattfinden, wenn noch Regen und Fröste (2/1) zu erwarten sind. 5/34 berichtet, von wo die englischen Truppen kommen werden: aus Amerika, wo sich der vertriebene Staatschef aus London aufhält (vgl. 10/66)! Hier muss aber wieder die schon oben aufgeworfene Frage gestellt werden, ob Amerika das Exil des alten Premierministers ist, oder ob vielmehr Amerika die Schutzmacht des neuen englischen Königs ist. Von der Antwort auf diese Frage hängt auch der Beweggrund ab, weshalb Engländer in Südwestfrankreich einmarschieren. Wollen sie "Emathion" entgegentreten? Oder geht es vielmehr gegen die französischen Kräfte, die den englischen Rebellenkönig und seine Sache unterstützt haben?

9/64: "Emathion" dringt über die Pyrenäen nach Frankreich vor und Narbonne ergibt sich dabei kampflos. Interessant ist aber der zweite Teil dieses Verses. Hier ist nämlich von Italien die Rede, in dem der große "Emathion" ebenfalls Krieg führt. Seine militärischen Erfolge gefährden den Papst, was wohl heißt, dass der Araber Süditalien inklusive Rom erobert. 3/62 besagt, dass "Emathion" aus zwei Richtungen kommen wird, um Süd(west)frankreich anzugreifen: aus Spanien und vom Tyrrhenischen Meer. Das wiederum dürfte bedeuten, dass er zuerst Süd- und Mittelitalien erobern wird, um dann von diesen gesicherten Gebieten aus über das Meer nach Frankreich zu fahren. Was den Angriff von Spanien aus angeht, so schreibt Nostradamus, dass "Emathion" aus der Gegend des Duero aufbrechen wird. Vielleicht soll das bedeuten, dass bis zum Angriff auf Frankreich im Norden der Iberischen Halbinsel noch unbesetzte Gebiete existieren. Über deren weiteres Schicksal erfahren wir hier allerdings nichts. Jedenfalls stößt "Emathion" sehr schnell bis nach Carcassonne vor. Und dies vielleicht dank einer List. Wie wir aus 5/55 entnehmen können, greift Emathion aus dem Tyrrhenischen Meer nicht nur Frankreich, sondern auch Ligurien heftig an. Kommt er in Italien auf dem Landweg nicht mehr weiter? Gibt es im nördlichen Italien einen Staat oder eine Macht, die ihn erfolgreich am Vormarsch hindert?

10/58: Frankreich und die katholische Kirche ("Boot (des Petrus)") werden zu dieser Zeit erschüttert, d.h. durchleben schwere Zeiten. Frankreich erleidet u.a. eine arabische Invasion und in Italien muss der Papst fliehen. Wahrscheinlich leiden zudem die katholischen Gläubigen und Priester in den muslimisch besetzten Gebieten Italiens und Spaniens. Doch "Emathion" stößt auch auf Widerstand. Ein "katzenartiger" Herrscher stellt sich ihm in der "Zeit der Trauer" entgegen. Mit dieser "Zeit der Trauer" könnte die Karwoche gemeint sein. Der "katzenartige" Herrscher dürfte wohl der Herrscher der Engländer sein, denn zu Zeiten des Nostradamus war der Leopard ein Symbol für England und die Engländer. Wahrscheinlich meint Nostradamus hier aber nicht den Rebellenkönig in London sondern den nach Amerika geflohenen Premierminister, der, wie wir oben gesehen haben, in Südwestfrankreich eine Invasion durchführen wird. In diesem Vers erfahren wir übrigens, dass es sich bei "Emathion" um einen noch jungen Herrscher handelt.

9/38: Der englischen Invasion scheint aber nur beschränkter Erfolg beschieden zu sein. "Emathion" stößt nach Norden über die Gironde vor und besiegt dabei die Engländer und Kräfte aus La Rochelle. In 10/58 erfahren wir bereits, dass Marseille ein Vermittlungsversuch in diesem Krieg startet. In 9/38 erfahren wir nun auch zwischen welchen Parteien. Zum einen zwischen den Arabern unter "Emathion" und dem "Gallier", einem französischen Machthaber oder Kriegsherren. Die Konferenz wird bei Agen stattfinden, aber die Resultate werden Narbonne enttäuschen. Narbonne hatte sich ja bei der arabischen Invasion kampflos ergeben (siehe oben) und nun vielleicht gehofft, unter der Herrschaft des "Emathion" deswegen irgendwelche Vorteile zu erhalten.

9/93 und 8/49 gehören zum Ende dieses Krieges. Was nach der gescheiterten Konferenz bei Agen noch alles geschieht, erfahren wir hier nicht. In 9/93 wird Bourges (in Zentralfrankreich) erobert. Von wem und wieso ist hier allerdings nicht ersichtlich (vielleicht aber von den Franzosen). Zu dieser Zeit besiegt "Herkules" den "Emathion" (genau wie im antiken Mythos). Wie aus anderen Versen hervorgeht, ist "Herkules" dabei ein großer französischer Feldherr und Fürst und zugleich ein Gefolgsmann des noch größeren Franzosen "Chyren", der die Muslime besiegen und Europa vereinen wird. 8/49 könnte sogar den Tod des "Emathion" prophezeien, nachdem Nordfranzosen aus dem Tardenois bei Bruges nahe Bordeaux einen großen Durchbruch geschafft haben. Der Barbarenanführer (Araberanführer) wäre dann "Emathion" selber. Die "Barbaren" stehen bei Nostradamus übrigens öfters für die Araber (aus "arabes" lässt sich durch Verdopplung des "r" und des "b" leicht "barbares" bilden). Der Anführer der Araber stirbt an einem 6. Februar (nach julianischem Kalender). Nach unserem (gregorianischen) Kalender wäre das der 19. Februar, falls das Ereignis bis zum Jahr 2100 n. Chr. stattfindet. Bis zum Jahr 2200 n.Chr. wäre es der 20 Februar.
 

Quellen
 

8/37
 
La forteresse aupres de la Tamise Die Festung nahe der Themse wird fallen,
Cherra par lors le Roy dedans serré, wenn der König dort drinnen eingesperrt [wird].
Aupres du pont sera veu en chemise1) Neben der Brücke wird [er] im Hemd1) gesehen.
Vn deuant mort, puis dans le fort barré. [Er ist] einer, [der] vor [dem] Tod [steht] und danach in der Festung eingeschlossen [sein wird].
1) D.h. der König ist hier aller seiner Güter oder Getreuen beraubt und steht somit fast "nackt" da, vgl. die Wendung "mettre qqn en chemise."
 

9/49
 
Gand1) & Bruceles marcheront contre Enuers2) Gent1) und Brüssel werden gegen Antwerpen2) marschieren.
Senat3) de Londres mettront à mort leur roy [Die vom] Senat3) von London werden ihren König töten.
Le sel & vin4) luy seront à l’enuers5), Das Salz und [der] Wein4) werden [für] ihn gegenteilig sein5).
Pour eux auoir le regne en desarroy.6) Sie, die dazu bestimmt sind, das Land ins Chaos zu stürzen.6)
1) Stadt im Norwesten Belgiens.
2) Antwerpen liegt nordöstlich von Gent.
3) „Senat“ bezeichnet eine Versammlung im weitesten Sinne.
4) Unklar. Vielleicht ist hier einfach Frankreich gemeint. Dann stünde der "Wein" für die angevinischen Gebiete, die im Mittelalter zu England gehörten (franz. "angevin" als "vin des anges" - Wein der Engel - verstanden) und das Salz für den Rest Frankreichs, der dem salischen Gesetz entsprechend französisch also "salisch" blieb (aus lat. "salicus" kann man "sal" - Salz - herauslesen).
5) D.h. „gegen ihn sein“. Oder sie könnten sich auch untereinander nicht einig sein.
6) Unklare Zeile, die auch anders übersetzt werden könnte.
 

10/66
 
Le chef de Londres par2) regne l’Americh1), Der Staatschef von London regiert von Amerika1) aus2).
L’isle3) d’Escosse tempiera5) par gellee4): Die Insel3) von Schottland wird von [der] Kälte4) abgekühlt5) werden.
Roy Reb6) auront vn si faux7) antechrist, [Als] König werden [die] Reb[ellen]6) einen sehr falschen7) Antichristen haben,
Que les mettra trestous dans la meslee. der jeden Einzelnen ins Kampfgetümmel führen wird.
1) Damit dürfte tatsächlich Amerika gemeint sein. 1507 wurde die Neue Welt vom deutschen Kartographen M. Waldseemüller erstmals „America“ genannt, so daß Nostradamus rund ein halbes Jahrhundert später diesen Namen hat kennen können. Allerdings ist der Reim von „Americh“ (lies: „Americ“) auf das „antechrist“ der dritten Zeile alles andere als überzeugend, so daß das letzte Wort hier noch nicht gesprochen ist.
2) Oder: „durch (d.h. in Abhängigkeit von) Amerika“.
3) Schottland ist eine Halbinsel, keine Insel. Entweder ist das damit gemeint (vgl. griech. "nesos"), oder vielleicht eine Insel in der Nähe von Schottland. Denkbar, wenn auch nicht unbedingt zwingend, wäre die Idee, dass damit die gesamte britische Insel gemeint ist, die von England, Wales und Schottland gebildet wird. Die gleiche Formulierung finden wir übrigens auch in 5/93.
4) Auch: „Frost, Eis“, hier wohl auch im Sinne von: "Schauder, Entsetzen", vgl. lat. "frigus".
5) Oder auch: „regiert“, vgl. lat. „temperare“.
6) Mit LEONI neige ich zur Auffassung, daß mit „Reb“ „Rebelles“ (die Rebellen) gemeint sind.
7) „Falsch“ v.a. im Sinne von „betrügerisch, heuchlerisch, lügnerisch“.
 

5/55
 
De la felice Arabie1) contrade, In der Gegend der Arabia Felix1)
Naistra puissant de loy Mahometique: wird [ein] Mächtiger des mohammedanischen Gesetzes geboren werden,
Vexer l’Espaigne conquester la Grenades2) [der] Spanien quälen [und] Granada2) erobern,
Et plus par mer à la gent Lygustique3). und noch heftiger vom Meer aus das ligurische3) Volk [angreifen wird].
1) Die Arabia Felix (das „Glückliche Arabien“) war eine Region im Süden der arabischen   Halbinsel. Von dort, oder aus dieser Region, soll dieser islamische Machthaber kommen. Folgende Staaten liegen in oder bei der antiken Arabia Felix: Dschibuti, Eritrea, Jemen, Oman, Saudi-Arabien, Somalia. Das geographische Zentrum ist dabei der Jemen.
2) Stadt in Südspanien, die als letzte islamische Bastion 1492 fiel.
3) Lat. „ligusticus“ (ligurisch). Damit ist die Region um Genua gemeint.
 

10/7
 
Le grand conflit qu’on appreste à Nancy, [Es ist] der große Konflikt, den man in Nancy vorbereitet.
L’Æmathien1) dira tout ie soubmetz, Der Emathion1) wird sagen: Ich unterwerfe alles.
L’isle Britanne par vin, sel en solcy, Die britannische Insel [wird] wegen [dem] Wein [und dem] Salz besorgt [sein].
Hem.mi. deux Phi.2)long temps ne tiêdra Metz. „Hem.mi. zwei Phi.“2) wird Metz nicht lange halten.
1) Emathion war im antiken Mythos ein König von Arabien oder Äthiopien (Bezeichung für verschiedene Gebiete in Nordostafrika), der von Herkules erschlagen wurde.
2) Bisher nicht gelöst. Es scheint sich dabei aber um einen Akteur zu handeln, der etwas kompliziert umschrieben wird. Vielleicht: „Hem[athien] mi[né par] deux Phi[locteta]“ (Emathion, bedroht von Philocteta dem Zweiten)? Philocteta war u.a. ein Begleiter von Herkules. Zudem ein berühmter Bogenschütze, der im Trojanischen Krieg Paris tötete. Da Herkules an anderer Stelle Emathion schlägt (9/93), wäre es nicht abwegig, daß hier zuvor ein Gefolgsmann des Herkules den Emathion nach kurzer Zeit aus Metz vertreibt. Dieser „zweite Philocteta“ wäre dann wahrscheinlich ein Feldherr.
 

2/1
 
VERS Aquitaine1) par insults Britanniques, Bei Aquitanien1), [das] von britannischen Angriffen [heimgesucht wird],
De par eux mesmes grandes incursions. [erfolgen] von ihrer Seite sogar große Einfälle.
Pluies, gelées ferõt terroirs iniques, Regenfälle [und] Fröste machen das Gelände ungünstig.
Port Selyn2) fortes fera inuasions. [Vom] Mondhafen2) [aus] erfolgen große Invasionen.
1) „Aquitanien“ bezeichnete in der Antike ein wechselnd großes Gebiet in Südwestfrankreich.
2) „Selyn“ leitet sich von der Mondgöttin Selene ab, die bei Nostradamus für den Islam steht.
 

5/34
 
Du plus profond de l’occident Anglois. Aus [der] innersten Tiefe des Westens [wird der] Engländer [kommen].
Où est le chef1) de l’isle Britannique: Von dort, wo das Oberhaupt1) der britannischen Insel sich befindet.
Entrera classe2) dans Gyronde3) par4) Blois5), [Seine] Streitkräfte2) werden in [die] Gironde3) [und] nach4) Blois5) vordringen,
Par vin & sel, feux6) cachez aux barriques. wegen [dem] Wein und [dem] Salz. [Die] Feuer6) [werden dabei] in den Fässern versteckt [sein].
1) „Chef“ kann im Mittelfranzösischen zudem auch „Haupstadt“ bedeuten.
2) Lat. „classis“ (Flotte, Heer).
3) Das ist die auffällige Flußmündung (Ästuar) bei Bordeaux.
4) Da „par“ im Mittelfranzösischen weit mehr Bedeutungen hat als heute, wäre es rein   sprachlich durchaus möglich, daß hier die Engländer zuerst nach Blois und dann von dort   aus in Richtung Gironde vorstoßen.
5) Stadt an der Loire, etwa auf halbem Weg zwischen Tours und Orléans.
6) „Feu“ bezeichnet im Mittelfranzösischen auch ein Kriegsgerät, eine Waffe.
 

9/64
 
L’Aemathion passer montz Pyrennees, Der Emathion [wird die] Berge [der] Pyrenäen überqueren.
En Mars1) Narbon2) ne fera resistance, Im Krieg1) wird Narbonne2) keinen Widerstand leisten.
Par mer & terre fera si grand menee3). Zur See und [zu] Land wird [er einen] sehr großen Schrecken3) verbreiten.
Cap.4) n’ayant terre seure pour demeurance. [Das] Ornat4) wird keinen sicheren Boden [mehr] für [seinen] Aufenthalt haben.

1) Oder: „März“.
2) Stadt in Südwestfrankreich, nahe der Mittelmeerküste.
3) Lat. „minae“ (Schrecken). Oder hier sind die Intrigen aus 3/62 gemeint, was auch den fehlenden Widerstand in Narbonne erklären könnte.
4) „Cap.“ steht hier, anders als in 9/20, wohl für „cap(p)e“. Damit wird im Mittelfranzösischen das Ornat eines Geistlichen bezeichnet, das über den Rang seines Trägers Auskunft gibt. Ich vermute, im vorliegenden Fall ist nicht von irgend einem Kleriker, sondern vom Papst  höchstpersönlich die Rede.
 

3/62
 
Proche del duero1) par mer Tyrrene close2) Aus der Nähe des Duero1), über das umschlossene2) Tyrrhenische Meer,
Viendra percer les grands monts Pyrenées. wird er kommen, um die großen Berge der Pyrenäen zu überqueren.
La main plus courte3) & sa percée gloze, Die Hand [ist] sehr kurz,3) und sein Durchbruch gelangt zum Abschluß,
A Carcassonne4) conduira ses menées5). nach Carcassonne4) wird [er] seine geheimen Machenschaften5) bringen.
1) Spanisch-portugiesischer Fluß, der in Altkastilien entspringt und bei Porto in den Atlantik mündet. Will Nostradamus mit der Verwendung des spanischen „del“ andeuten, daß hier vom spanischen Teil des Duero gesprochen wird?
2) Das kann sich auf die geographischen Gegebenheiten beziehen oder ein Hinweis auf eine Abschließung, Einkesselung dieses Meeres durch Menschen sein.
3) Unklar, was hier gemeint sein könnte. Es gibt im Mittelfranzösischen die Wendung „par longue main“ (während langer Zeit). Vielleicht ist diese hier etwas spielerisch ins Gegenteil verkehrt worden und soll so nun eine kurze Zeitdauer umschreiben?
4) Südwestfranzösische Stadt an der Aude im östlichen Pyrenäenvorland.
5) Oder: „Intrigen, Ränke; geheime Praktiken“.
 

10/58
 
Au temps du dueil que le felin monarque, In der Zeit der Trauer [wird es geschehen], daß der katzenartige Herrscher
Guerroyera le ieune Æmathien: den jungen Emathion bekriegen wird.
Gaule bransler, perecliter1) la barque, Gallien [wird] erschüttert [und] das Boot geprüft1),
Tenter Phossens2) au Ponant entretien. [die] Phokäer2) werden im Westen [ein] Gespräch versuchen.
1) Oder auch „untergehen“.
2) Die Phokäer waren die griechischen Gründer Marseilles. Hier ist wohl Marseille gemeint.
 

9/38
 
L’entree de Blaye1) par Rochelle2) & l’Anglois, [Über] den Zugang von Blaye1), [der] von La Rochelle2) und dem Engländer [gehalten wird],
Passera outre le grand Aemathien, wird der große Emathion vorstoßen.
Non loing d’Agen3) attendra le Gaulois,4) Nicht weit von Agen3) [entfernt] wird [er] den Gallier erwarten.4)
Secours Narbonne5) deceu par entretien.6) Narbonne5) [wird] von [der] Hilfe [der] Unterhaltung enttäuscht [sein].6)
1) Ort an der Küste der Gironde, etwa 30 km nordwestlich von Bordeaux. Es gäbe noch ein Blaye-les-Mines, etwa 15 km nördlich von Albi in Südwestfrankreich.
2) Hafenstadt an der zentralen Atlantikküste Frankreichs.
3) Stadt in Südwestfrankreich an der Garonne, etwa auf halbem Weg zwischen Bordeaux und   Toulouse.
4) Oder auch möglich: „Nicht weit von Agen [entfernt] wird der Gallier warten.“
5) Stadt in Südwestfrankreich, nahe der Mittelmeerküste.
6) Unklare Zeile. Auch möglich: „Hilfe [kommt], Narbonne [wird] von [der] Unterhaltung enttäuscht [sein].“
 

9/93
 
Les ennemis du fort bien eslongnez, Die Feinde [sind] von der Festung weit entfernt.
Par chariots conduitc le bastion, Von Wagen [wird] das Bollwerk herangeführt [werden],
Par sur les murs de Bourges1) esgrongnez2) während die Mauern von Bourges1) zu Staub zerfallen2)
Quand Hercules battra l’Hæmathion. [und] wenn Herkules den Emathion schlagen wird.
1) Stadt in Zentralfrankreich, etwa 230 km südlich von Paris.
2) Nach LE PELLETIER vom provenzalischen „esgruné“ (pulverisiert).
 

8/49
 
Satur. au beuf ioue en l’eau, Mars en fleiche,1) Satur[n steht] im Rind [und] spielt im Wasser, Mars [steht] im Pfeil.1)
Six de Feurier mortalité donra, [Der] sechste [Tag] des Februars wird [die] Sterblichkeit bringen.
Ceux de Tardaigne2) à Bruge3) si grand breche, Die aus [dem] Tardenois2) [werden] in „Bruge[s]“3) [einen] dermaßen großen Durchbruch [schaffen],
Qu’à Ponteroso4) chef Barbarin mourra. daß bei „Ponteroso“4) [der] Barbarenanführer sterben wird.
1) Also: Saturn steht im Zeichen Stier, und zwar zwischen dem 18. Januar und 14. Februar (die  Zeit des Wassermannes nach mittelalterlicher Auffassung). Gleichzeitig steht der Mars im Schützen.
2) Tardenois ist ein kleines Gebiet in Nordfrankreich, etwas südöstlich von Soisson.
3) „Bruges“ bezeichnet entweder das nordwestbelgische Brugge oder Bruges bei Bordeaux.
4) Bisher ungeklärter Begriff. Ich sehe darin eine typisch nostradamische Wortkonstruktion.   Und zwar aus lat. „pontus“ (Meer) und lat. „erosus“ (abgenagt, zerfressen). Damit müßte,  wenn „Bruge“ aus der dritten Zeile Bruges bei Bordeaux entspricht, das Ästuar der Garonne, die Gironde, gemeint sein. Ein solches Ästuar ensteht nähmlich dadurch, daß die starken Gezeitenunterschiede eine Flußmündung erweitern, die Ufer also gewissermaßen „vom Meer zerfressen“ werden. Eine sehr interessante Lösung bietet GRUBER, S. 133, an. Er sieht hier eine beeindruckende Brücke auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, die Puente Fitero (auch Puente de la Mula genannt), die früher den Namen Ponteroso trug. Dieses Bauwerk liegt beim nordspanischen Itero de la Vega (ca. 50 km westlich von Burgos).
 

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