5.159  Der französische "Löwe" und der französische "Hahn" werden einander beistehen, wenn sie bedroht werden. Die Franzosen unter dem "Löwen" und dem "Adler" werden in Italien einmarschieren, wenn ein Brite Papst sein wird. Nach einem Angriff von Castulo wird Frankreich lange von Kriegen heimgesucht werden. Dabei werden der "Adler", der "Hahn" und der "Löwe" einen unsicheren Sieg davontragen. Der "Löwe" wird in Saint-Paul-de-Mausole sterben und begraben werden. Drei Verbündete des übrig gebliebenen "Hahns" und des "Adlers" werden dann in den innerfranzösischen Krieg eingreifen.
 

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1/93 - 5/99 - 7/31 - 1/31 - 8/34 - 8/46

1/93  

Terre Italique pres des monts tremblera,
Lyon1) & coq2) non trop confederés,
En lieu de3) peur l’un l’autre saidera4)
Seul Castulon5) & Celtes6) moderés7).

[Das] italische Land wird in der Nähe der Berge zittern.
[Der] Löwe1) und [der] Hahn2) [werden] nicht eng verbündet [sein].
Im Zustand der3) Angst wird der eine dem anderen helfen4).
Nur Castulo5) und [die] Kelten6) [werden] gemäßigt7) [sein].
1) Unklar, welche Macht hinter dem "Löwen" stehen, bzw. an welchen historischen "Löwen" Nostradamus hier als Vorbild gedacht haben könnte. In Frage kommen etwa Ludwig VIII. der Löwe (König von Frankreich 1223 - 1226), Heinrich der Löwe (Herzog von Sachsen 1142 - 1180 und Bayern 1156 - 1180) oder Richard Löwenherz (König von England 1189 - 1199, sowie Herzog der Normandie und Aquitaniens und Graf von Maine und Anjou). Da von einem Bündnis des "Hahns" die Rede ist, scheint eher eine nichtfranzösische (z. B. deutsche oder englische) Lösung in Frage zu kommen. Es sei denn, Frankreich wäre beispielsweise in mehrere Teilstaaten aufgeteilt. Dann wäre etwa ein Pakt zwischen einem neuen Ludwig VIII. ("Löwe") als Oberhaupt eines französischen Staates mit dem "Hahn" (einem anderen französischen Staat) durchaus denkbar. Möglich wäre auch, dass hier die Stadt Lyon gemeint ist. Lyon war das Zentrum des römischen Galliens und Geburtsort der Kaiser Claudius und Caracalla. Als Wappentier lässt sich der Löwe u. a. England und Venedig zuordnen.
2) Mit dem "Hahn" dürfte Frankreich oder ein französischer Machthaber gemeint sein, vgl. lat. "gallus" ("Hahn" und "Gallier"). Der "Hahn" taucht auch in 1/31, 2/42 (5.129), 3/52 (5.34), (4/4 (5.47)), 5/14 (5.47), 5/68 (5.169), 6/28 (5.103), 6/54, 8/4 (5.209), 8/5, 8/6 (5.212), 8/9 (5.16), 8/46 und 8/61 (5.211) auf. Gemäß 8/5 wird der "Hahn" im Sarg liegen, was eher auf eine Person denn ein Land hindeutet.
3) Oder auch: "Anstatt".
4) Oder auch: "wird sich der eine des anderen bedienen".
5) Castulo war eine antike Stadt in Andalusien, nahe des Oberlaufes des Guadalquivir, wenige Kilometer vom heutigen Linares entfernt. BRIND’AMOUR, S. 178, liest "Seul Castulon" als "Sault Castulon" (lat. "Saltus Castulonensis"), vgl. 8/48/3, was der heutigen Sierra Morena entspräche, in der auch Castulo lag.
6) Die "Kelten" dürften die Gallier und somit die Franzosen meinen.
7) Oder auch: "wohlwollend, herabgesetzt".


Italien wird bedroht werden. Der "Löwe" und der "Hahn" werden nur locker verbündet sein, sich aber gegenseitig helfen, wenn sie Angst haben. Nur Castulo und die Franzosen werden gemäßigt sein.

Italien wird in der Nähe der Berge (Alpen?) erzittern, wie wir in der ersten Zeile erfahren. Falls damit nicht ein Erdbeben gemeint ist, dürfte das bedeuten, dass das Land bedroht wird. Doch von wem?

In Zeile zwei erfahren wir, dass der "Löwe" (gemäß 8/34 und 8/46 offensichtlich eine Person) und der "Hahn" (entweder Frankreich oder ein Franzose, vgl. Anmerkung 2) in einem nur lockeren Bündnis vereint sein werden.

"Löwe" und "Hahn" werden sich aber dann gegenseitig helfen, wenn sie Angst haben (dritte Zeile). Leider erfahren wir nicht, wovor sich die beiden fürchten werden.

In der vierten Zeile tauchen zwei weitere Akteure auf, Castulo (Südspanien) und die "Kelten" (wohl Franzosen). Die beiden werden als "gemäßigt" oder sogar "wohlwollend" (vgl. Anmerkung 7) beschrieben, dürften also den "Löwen" und den "Hahn" wahrscheinlich nicht bedrohen.

Interessant ist, dass in 1/93 von einem "Hahn" und "Kelten" die Rede ist, die sich aber wohl beide auf Frankreich beziehen dürften. Somit könnte der "Hahn" z. B. der Anführer der "Kelten" sein oder Frankreich ist zu dieser Zeit in mehrere Teilstaaten oder Lager gespalten.







5/99  

Milan, Ferrare1), Turin, & Aquilleye2),
Capne3) Brundis4) vexés par gent5) Celtique:
Par le Lyon6) & phalange7) aquilee8)
Quant Rome aura le chef vieux Britannique.

Mailand, Ferrara1), Turin und Aquileia2)
[sowie] Capua3) [und] Brundisium4) [werden] von keltischem Volk5) heimgesucht
[werden].
Vom Löwen6) und [dem] Heer7) des Adlers8),
wenn Rom das alte britannische Oberhaupt haben wird.
1) Stadt beim Po, etwa 50 km von der Adriaküste entfernt.
2) Lies: "Aquilee". Stadt in der Nähe des Golfes von Triest, etwa 40 km nordwestlich von Triest, eines der Zentren des frühen Christentums.
3) Lies: "Capue". Capua liegt etwa 25 km nordwestlich von Neapel.
4) Das heutige Brindisi am Absatz des italienischen Stiefels.
5) Auch im Sinne von Kriegsvolk, Truppen.
6) Unklar, welche Macht hinter dem "Löwen" stehen, bzw. an welchen historischen "Löwen" Nostradamus hier als Vorbild gedacht haben könnte. In Frage kommen etwa Ludwig VIII. der Löwe (König von Frankreich 1223 - 1226), Heinrich der Löwe (Herzog von Sachsen 1142 - 1180 und Bayern 1156 - 1180) oder Richard Löwenherz (König von England 1189 - 1199, sowie Herzog der Normandie und Aquitaniens und Graf von Maine und Anjou). Möglich wäre auch, dass hier die Stadt Lyon gemeint ist. Lyon war das Zentrum des römischen Galliens und Geburtsort der Kaiser Claudius und Caracalla. Als Wappentier lässt sich der Löwe u. a. England und Venedig zuordnen.
7) Eine Phalanx ist eine Schlachtanordnung, im übertragenen Sinne einfach ein Heer. Das griech. "phalagx" bedeutet ursprünglich "Baumstamm, Stück Holz, runder Block" aber auch "Gelenk" und "Spinne".
8) Lat. "aquilus" (schwärzlich, dunkelbraun). Mit "aquilee" könnte Nostradamus hier aber das lat. "aquilae" (des Adlers) gemeint haben. Man beachte im Weiteren auch die lat. "aquilonalis", "aquilonius" (nördlich) oder "aquilinus" (zum Adler gehörig). Der französische* "Adler" taucht auch in 1/23 (5.113), 1/31, 1/38 (5.113), 2/44, 2/85* (5.34), 3/37 und 5/81 (beide 5.31), 3/52 (5.34), 4/70 (5.130), 5/42 (5.182), 6/46 (5.190), 6/78 (5.193), 8/4 (5.209), 8/8 (5.203), 8/9 (5.16), 8/46*, 10/27 (5.225) und 5.200 auf. Konkret könnte damit ein französischer Feldherr oder Machthaber gemeint sein, der dem historischen Aëtius (ca. 390 - 454) ähnelt, vgl. griech. "aetos" und "aietos" (Adler). Flavius Aëtius (römischer Feldherr und mehrfacher Konsul) kämpfte gegen die Westgoten, Franken und Burgunder und besiegte 451 die Hunnen auf den Katalaunischen Feldern bei Châlons-en-Champagne. 454 wurde Aëtius von Kaiser Valentinian getötet.


Die Franzosen unter dem "Löwen" und dem "Adler" werden in Italien einmarschieren, wenn ein Brite Papst sein wird.

In 1/93/1 haben wir erfahren, dass Italien in der Nähe der Berge zittern wird. In der ersten Zeile von 5/99 dürften wir auch erfahren wieso. "Keltisches" (französisches) Kriegsvolk wird das den Alpen benachbarte Norditalien mit Städten wie Turin, Mailand, Ferrara und Aquileia heimsuchen.

Doch die Franzosen werden auch nach Süditalien vorstoßen, mindestens bis Capua und Brindisi (zweite Zeile).

Interessant ist Zeile drei. Hier erfahren wir Näheres über die französischen Angreifer. Es scheint, als würden "Löwe" und "Adler" zusammen kämpfen. Falls der "Löwe" nicht bloß ein mitmarschierender Verbündeter der Franzosen sein sollte, hieße das aber, dass es sich bei ihm ebenfalls um einen Franzosen handelt.

In der vierten Zeile gibt Nostradamus eine zeitliche Präzisierung: dieser Italienfeldzug wird dann stattfinden, wenn Rom ein "altes britannisches Oberhaupt" haben wird. Damit könnte der Papst aus 6/20/4 (5.8) gemeint sein.



7/31  

De Languedoc1), & Guienne2) plus de dix,
Mille voudront les Alpes repasser:
Grans3) Allobroges4) marcher contre Brundis5)
Aquin6) & Bresse7) les viendront recasser8).

Aus [dem] Languedoc1) und [der] Guyenne2) werden mehr als zehn[-]
tausend die Alpen nochmals überqueren wollen.
[Die] großen3) Allobroger4) [werden] gegen Brundisium5) marschieren.
Aquino6) und Brescia7) werden kommen, um sie zurückzutreiben8).
1) Region in Südwestfrankreich zwischen den Pyrenäen und der Rhone.
2) Region in Südwestfrankreich mit der Hauptstadt Bordeaux.
3) Das mittelfranzösische "grand" bedeutet u. a. auch "viel, zahlreich", was hier ebenfalls gemeint sein könnte.
4) Die keltischen Allobroger lebten im südöstlichen Frankreich zwischen Alpen, Genfer See, Rhone und Isère.
5) Das heutige Brindisi am Absatz des italienischen Stiefels.
6) Aquino ist ein Ort im südlichen Latium. Der römische Dichter Juvenal wurde in und der Kirchenlehrer Thomas von Aquin nahe dieser Stadt geboren.
7) Bresse ist eine Landschaft in Ostfrankreich zwischen der Saône und dem Jura, vgl. 5.12, 5.53 und 5.214. Mit Blick auf den Kontext dürfte hier jedoch eher eine italienische Lösung ins Auge zu fassen sein. An erster Stelle ist dabei wohl an Brescia zu denken (vgl. CLÉBERT, S. 817f.), das auf Lombardisch "Brèsa" und "Brèssa" genannt wird. Das norditalienische Brescia liegt etwa 20 km westlich des Gardasees. Die Stadt gehörte seit 1426 zu Venedig, war allerdings von 1512 bis 1520 französisch besetzt. Weitere italienische Lösungen wären Bresso (12 km nördlich von Mailand), Bressana Bottarone (15 km südlich von Pavia), Bressanvido (17 km nordöstlich von Vicenza) oder vielleicht noch Bressanone (Brixen in Südtirol).
8) Oder auch: "vernichten". CLÉBERT, S. 817f., liest hier "rechasser" (zurückdrängen).


Südwestfranzosen werden nach Italien marschieren. Savoyarden stoßen nach Brindisi vor, werden aber von Aquino und Brescia vertrieben.

In 5/99/2 haben wir erfahren, dass nicht nur Norditalien sondern auch der Süden (Capua und Brindisi) von den Franzosen heimgesucht werden wird. Es werden dabei offenbar Allobroger (Savoyarden) sein, die nach Brindisi vorstoßen, wie der dritten Zeile von 7/31 zu entnehmen ist.

Die Allobroger werden sich aber nicht halten können. Gemäß Zeile vier werden sie von Kräften aus dem südlichen Latium (Aquino) und der Lombardei (Brescia) vertrieben oder sogar vernichtet.

Wie den ersten beiden Zeilen zu entnehmen ist, werden die Allobroger nicht die einzigen Franzosen sein, die nach Italien marschieren. Nostradamus spricht von mehr als zehntausend, die aus Südwestfrankreich (Languedoc und Guyenne) kommend die Alpen erneut werden überqueren wollen.

Unklar ist, auf welchen früheren Vorstoß der Südwestfranzosen unser Seher sich hier bezieht. CLÉBERT, S. 817f., sieht hier den Italienkrieg des französischen Königs Franz I. gemeint, der mit seinen "légions provinciales" in den Kampf zog. In den erwähnten "légions" dienten u. a. Südwestfranzosen als Söldner.









1/31  

Tant d’ans les guerres en Gaule dureront,
Oultre1) la course2) du Castulon3) monarque,
Victoire incerte trois grands couronneront4)
Aigle5), coq6), lune, lyon7), soleil en marque8).9)

So viele Jahre werden die Kriege in Gallien dauern,
nach1) dem Angriff2) des Herrschers von Castulo3).
[Einen] unsicheren Sieg werden drei Große krönen4):
Adler5), Hahn6) [und] Löwe7). Mond [und] Sonne [werden] im Zeichen8) [des Löwen
stehen].9)
1) Im Sinne von "über ... hinaus". Oder auch: "trotz".
2) Oder auch: "Invasion".
3) Castulo war eine antike Stadt in Andalusien, nahe des Oberlaufes des Guadalquivir, wenige Kilometer vom heutigen Linares entfernt. BRIND’AMOUR, S. 93f., sieht hier Kaiser Karl V. (1519 - 1556) gemeint, dessen Wahlspruch "plus ultra" (immer weiter) lautete. Nostradamus hat wohl tatsächlich an diesen Wahlspruch gedacht, als er die Stelle "oultre la course" formuliert hat. Meines Erachtens allerdings mit dem Ziel, eine falsche Fährte zu legen.
4) Wohl im Sinne von "vollenden, erreichen". CLÉBERT, S. 101, versteht hier "krönen" als "feiern".
5) Der französische* "Adler" taucht auch in 1/23 (5.113), 1/38 (5.113), 2/44, 2/85* (5.34), 3/37 und 5/81 (beide 5.31), 3/52 (5.34), 4/70 (5.130), 5/42 (5.182), 6/46 (5.190), 6/78 (5.193), 8/4 (5.209), 8/8 (5.203), 8/9 (5.16), 8/46, 10/27 (5.225) und 5.200 auf. Konkret könnte damit ein französischer Feldherr oder Machthaber gemeint sein, der dem historischen Aëtius (ca. 390 - 454) ähnelt, vgl. griech. "aetos" und "aietos" (Adler). Flavius Aëtius (römischer Feldherr und mehrfacher Konsul) kämpfte gegen die Westgoten, Franken und Burgunder und besiegte 451 die Hunnen auf den Katalaunischen Feldern bei Châlons-en-Champagne. 454 wurde Aëtius von Kaiser Valentinian getötet.
6) Mit dem "Hahn" dürfte Frankreich oder ein französischer Machthaber gemeint sein, vgl. lat. "gallus" ("Hahn" und "Gallier"). Der "Hahn" taucht auch in 1/93, 2/42 (5.129), 3/52 (5.34), (4/4 (5.47)), 5/14 (5.47), 5/68 (5.169), 6/28 (5.103), 6/54, 8/4 (5.209), 8/5, 8/6 (5.212), 8/9 (5.16), 8/46 und 8/61 (5.211) auf. Gemäß 8/5 wird der "Hahn" im Sarg liegen, was eher auf eine Person denn ein Land hindeutet.
7) Unklar, welche Macht hinter dem "Löwen" stehen, bzw. an welchen historischen "Löwen" Nostradamus hier als Vorbild gedacht haben könnte. In Frage kommen etwa Ludwig VIII. der Löwe (König von Frankreich 1223 - 1226), Heinrich der Löwe (Herzog von Sachsen 1142 - 1180 und Bayern 1156 - 1180) oder Richard Löwenherz (König von England 1189 - 1199, sowie Herzog der Normandie und Aquitaniens und Graf von Maine und Anjou). Möglich wäre auch, dass hier die Stadt Lyon gemeint ist. Lyon war das Zentrum des römischen Galliens und Geburtsort der Kaiser Claudius und Caracalla. Als Wappentier lässt sich der Löwe u. a. England und Venedig zuordnen.
8) Oder: "Repressalien" (marques). Die lat. Entsprechung "signum" (Zeichen) bedeutet u. a. auch "Sternzeichen" und "Feldzeichen".
9) Die letzte Zeile bereitet beim Verständnis einige Probleme, die u. a. aus der Wortstellung resultieren. In Zeile drei ist von drei Großen die Rede. Damit könnten "Adler", "Hahn" und "Löwe" gemeint sein, die wir auch aus anderen Stellen kennen (vgl. Anmerkungen 5, 6 und 7). Doch warum ist dann im Original in Zeile vier von "Adler, Hahn, Mond, Löwe, Sonne" in eben dieser Reihenfolge die Rede? Die einfachste und nicht unwahrscheinlichste Erklärung ist, dass hier ganz einfach ein Fehler des Setzers vorliegt, der "Mond" (lune) und "Löwe" (lyon) vertauscht hat. In der Apokalypse (vgl. 5.48) steht der "Mond" für das zweite Tier (etwa in 1/56 und 1/84). Ein "Löwe" taucht ebenfalls in der Endzeit auf (10/99), dort aber wohl als biblisches Zitat. Der "Adler" scheint allerdings nicht zur Apokalypse sondern zum Kampf gegen den Islam zu gehören (vgl. 5.193: 6/78). Als Symbol verstanden, wäre die "Sonne" wohl mit dem Christentum zu identifizieren, dessen Feiertag der Sonntag ist. Doch neben der symbolischen gibt es in Zeile vier auch eine astronomisch-astrologische Ebene, zu der neben Mond und Sonne wohl auch der Löwe gehören dürfte. Es würde jedenfalls gut zu Nostradamus passen, dass verschiedene Deutungsebenen vermischt werden oder sich überlappen (in 8/34/1 spielt unser Seher ebenfalls mit der Mehrfachbedeutung des Begriffes "Löwe"). So kann Zeile vier wahrscheinlich so verstanden werden, dass "Adler", "Hahn" und "Löwe" dann einen unsicheren Sieg krönen werden, wenn Sonne und Mond im Sternzeichen Löwe stehen.


Nach einem Angriff von Castulo werden die Kriege in Frankreich viele Jahre andauern. Einen unsicheren Sieg werden dabei der "Adler", der "Hahn" und der "Löwe" davontragen.

In der vierten Zeile tauchen wieder die drei Franzosen "Adler", "Hahn" und "Löwe" auf. Doch dieses Mal geht es nicht um einen Feldzug nach Italien sondern offensichtlich um Kriege in Frankreich ("Gallien") selber. Diese innerfranzösischen Kämpfe werden viele Jahre andauern (erste Zeile).

Laut Zeile zwei werden die Kriege in Frankreich nach dem Angriff des Herrschers von Castulo beginnen. Das kann so verstanden werden, dass diese Attacke die Auseinandersetzungen auslösen wird oder auch, dass Castulo Frankreich oder ein anderes Land angreift und dieser Angriff bloß der zeitlichen Einordnung der Geschehnisse dient. Jedenfalls wird diese südspanische Macht nicht mehr so "gemäßigt" sein, wie sie noch in 1/93/4 beschrieben wurde.

In diesen innerfranzösischen Kriegen werden sich drei Große durchsetzen: der "Adler", der "Hahn" und der "Löwe". Und zwar dann, wenn Mond und Sonne im Sternzeichen Löwen stehen werden (vierte Zeile). Allerdings wird der Sieg dieses Trios als "unsicher" charakterisiert (dritte Zeile). Das könnte so zu verstehen sein, dass die drei Gewinner ihre Stellung auch nachher gegen einzelne Angriffe zu verteidigen haben werden, sie also ihre Macht nicht "in Ruhe" auskosten können.









8/34  

Apres victoire du Lyon1) au Lyon2)
Sus3) la montaigne de IVRA4) Secatombe5)
Delues6) & brodes7) septieme million
Lyon, Vlme à Mausol8) mort & tombe.

Nach [dem] Sieg des Löwen1) im [Sternzeichen] Löwen2)
[wird] beim3) Gebirge des JURA4) [ein] Massaker5) [stattfinden],
[dem] "Delves"6) und Allobroger7) [zum] siebten [Teil einer] Million
[anheimfallen werden].
[Der] Löwe [wird bei der] Ulme in Saint-Paul-de-Mausole8) Tod und Grab [finden].
1) Unklar, welche Macht hinter dem "Löwen" stehen, bzw. an welchen historischen "Löwen" Nostradamus hier als Vorbild gedacht haben könnte. In Frage kommen etwa Ludwig VIII. der Löwe (König von Frankreich 1223 - 1226), Heinrich der Löwe (Herzog von Sachsen 1142 - 1180 und Bayern 1156 - 1180) oder Richard Löwenherz (König von England 1189 - 1199, sowie Herzog der Normandie und Aquitaniens und Graf von Maine und Anjou). Möglich wäre auch, dass hier die Stadt Lyon gemeint ist. Lyon war das Zentrum des römischen Galliens und Geburtsort der Kaiser Claudius und Caracalla. Als Wappentier lässt sich der Löwe u. a. England und Venedig zuordnen.
2) Nach mittelalterlicher Auffassung vom 18. Juli bis 17. August. Mit dem "Löwen" könnte hier aber vielleicht auch ein Land, ein Staat gemeint sein. Also wohl v. a. England oder Venedig. Mit Blick auf den südfranzösischen Kontext der letzten Zeile (Saint-Paul-de-Mausole) verweist CLÉBERT, S. 879, auf eine weitere Möglichkeit: den Mont Gaussier unweit von Saint-Paul-de-Mausole, der aufgrund seiner optischen Erscheinung auch "Löwe von Arles" genannt wird. Die Stelle "au Lyon" ("beim Löwen") könnte sich aber, um im erwähnten geografischen Umfeld zu bleiben, auch auf die Stadt Arles selbst beziehen, die in ihrem Wappen einen Löwen trägt.
3) Oder auch: "auf dem".
4) Oder auch: "Berg des Jura". Der Jura beginnt beim französischen Voreppe (14 km nordwestlich von Grenoble bzw. 81 km südöstlich von Lyon), erstreckt sich bogenförmig entlang der französisch-schweizerischen Grenze in die Nordschweiz hinein und endet bei Dielsdorf (nordwestlich von Zürich). Falls ein bestimmter Berg des Jurabogens gemeint sein sollte, gäbe es etliche Möglichkeiten. Z. B. den markanten Dent de Vaulion etwas östlich der Schweizer Grenze und etwa 22 km südwestlich von Yverdon-les-Bains gelegen. Der Name Vaulion entspricht dabei dem lat. "Vallis Leonis", was sich als "Tal des Löwen" verstehen lässt.
5) Lies: "hecatombe". Die Hekatombe war in der Antike ursprünglich ein Opfer von 100 Ochsen oder Stieren zu Ehren der Götter. Im übertragenen Sinne kann damit aber auch ein Massaker gemeint sein (vgl. 5.48: 10/74).
6) Die Identität dieser "Delues" oder "Delves" ist noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt im Mittelfranzösischen den Begriff "delvis" als Nebenform von "derviche" (Derwisch). Derwische sind Angehörige eines islamischen Bettelordens. Da die "Delves" aber zusammen mit den gallischen Allobrogern erwähnt werden (vgl. Anmerkung 7), sind erstere wohl ebenfalls in diesem Bereich zu suchen. Zu den aussichtsreichen Kandidaten gehören dabei wohl die Helvii ("Helves"), die im Vivarais (Département Ardèche, im südlichen Rhonetal zwischen Avignon und Valence) lebten. Aber auch die nördlichen Nachbarn der Allobroger, die Helvetii in der heutigen Schweiz dürften in Betracht kommen ("Helvetes"). CLÉBERT, S. 879, sieht hier die Leute der Dauphiné gemeint, lat. Delphinatii ("Delphes"). Die frühere Provinz Dauphiné lag zwischen Rhone und Alpen sowie zwischen Savoyen und der Provence.
7) Altfranzösisch "brode“ (braun, schwarz; schwach, dekadent). LE PELLETIER vermutet hier die Brodiontii. Die Brodiontii (oder Bodiontici) waren einer der keltisch-ligurischen Volksstämme in den Alpen, die von Augustus unterworfen wurden. Auf ihrem Siedlungsgebiet gründeten die Römer die Stadt Dinia, das heutige Digne-les-Bains, ein Kurort in den südlichen Westalpen, etwa 100 km nordöstlich von Marseille. CLÉBERT, S. 446, zitiert jedoch eine Stelle in Cäsar Nostradamus’ Werk über die Geschichte der Provence aus dem Jahr 1614, die wahrscheinlich die "brodes" identifizieren dürfte: "Les Allobroges que les Provençaux par corruption et syncope appellent Brodes". "Brodes" scheint in der Provence also eine Verkürzte und veränderte Form von "Allobroges" gewesen zu sein: Allobroges - Broges - Brodes! Die Allobroger lebten im südöstlichen Frankreich zwischen Alpen, Genfer See, Rhone und Isère.
8) Saint-Paul-de-Mausole (auch: Saint-Pol-de-Mausole) ist ein ehemaliges Kloster bei Saint-Rémy-de-Provence, dem Geburtsort des Nostradamus. Mit der "Ulme" (lat. "ulmus") ist wohl eine Pforte des ehemaligen Klosters gemeint, die "Pforte der Ulme" geheißen hat (GRUBER, S. 33). Die Ulme ist übrigens schon seit den alten Griechen ein Sinnbild für Trauer und Tod und gilt zudem als ein Unglücksbaum.


Nach dem Sieg des "Löwen" erleiden Südostfranzosen im Jura eine verheerende Niederlage. Der "Löwe" wird in Saint-Paul-de-Mausole sterben und begraben werden.

In 1/31 war von innerfranzösischen Kriegen die Rede. 8/34 dürfte sich auf diese Konflikte beziehen.

Zunächst berichtet die erste Zeile von einem Sieg des "Löwen". Dieser Sieg über einen ungenannten Feind wird in der Zeit des Sternzeichens Löwe (Juli/August) oder im Raum Arles erfochten werden, vgl. Anmerkung 2.

Doch Frankreich wird auch nach dem Sieg des "Löwen" nicht zur Ruhe kommen. Die Zeilen zwei und drei sprechen von einem Massaker im Jura, dem rund 140000 Südostfranzosen (vgl. Anmerkungen 6 und 7) zum Opfer fallen werden. Dabei wird es sich vermutlich um vernichtete Streitkräfte handeln. Doch wer ist der Sieger? Der "Löwe"?

Vom französischen "Löwen" ist jedenfalls wieder in der letzten Zeile die Rede. Wir erfahren, dass er in Saint-Paul-de-Mausole - im Großraum Arles, vgl. oben -  sterben und begraben werden wird. Über die näheren Umstände seines Todes ist dem Text allerdings nichts zu entnehmen.

Der französische König Ludwig VIII. (vgl. Anmerkung 1) starb 1226 während eines Feldzuges an einer Krankheit. Richard Löwenherz erlag 1199 in Chinon den Folgen einer Verwundung, die er sich bei der Belagerung der Burg Chalus (bei Limoges) zugezogen hatte.








8/46  

Pol mensolee mourra trois lieuës1) de rosne,2)
Fuis les deux prochains tarasc3) destrois4):
Car Mars fera le plus horrible trosne,
De coq6) & d’aigle7) de France freres5) trois.

[In] Saint-Paul-de-Mausole: [dort] wird [er] drei Leugen1) von der Rhone entfernt
sterben.2)
Fliehe die beiden Tarascon3) nahen Flussübergänge4)!
Weil Mars den schrecklichsten Thron errichten wird,
[werden] drei Brüder5) des Hahns6) und des Adlers7) von Frankreich [erscheinen].
1) Eine "leuga" (auch: "leuca") ist ein ursprünglich gallisches bzw. gallorömisches Längenmaß. In Frankreich wurden verschieden lange Leugen verwendet, so die lieue terrestre (etwa 4,5 km) oder die ancienne lieue de Paris (etwa 3,3 km). Drei lieues terrestres entsprechen ungefähr der Entfernung von Saint-Paul-de-Mausole zur Rhone (Tarascon).
2) Rein sprachlich gesehen könnte man die Zeile auch so verstehen, dass nicht jemand in sondern Saint-Paul-de-Mausole als solches sterben wird.
3) Tarascon liegt an der Rhone, etwa auf gleicher Höhe wie Saint-Rémy-de-Provence.
4) "Destroit" bedeutet u. a. "Region, Land", aber v. a. "enge Passage, Enge; Gefahr, schwierige Situation". Die Rhone zwischen Tarascon und Beaucaire wird von einer langgestreckten Insel zweigeteilt, so dass dort zwei Übergänge existieren, die hier gemeint sein könnten.
5) "Bruder" kann im Mittelfranzösischen wie im Lateinischen auch "Bundesgenosse", "Bündnispartner" bedeuten.
6) Mit dem "Hahn" dürfte Frankreich oder ein französischer Machthaber gemeint sein, vgl. lat. "gallus" ("Hahn" und "Gallier"). Der "Hahn" taucht auch in 1/31, 1/93, 2/42 (5.129), 3/52 (5.34), (4/4 (5.47)), 5/14 (5.47), 5/68 (5.169), 6/28 (5.103), 6/54, 8/4 (5.209), 8/5, 8/6 (5.212), 8/9 (5.16) und 8/61 (5.211) auf. Gemäß 8/5 wird der "Hahn" im Sarg liegen, was eher auf eine Person denn ein Land hindeutet.
7) Der französische* "Adler" taucht auch in 1/23 (5.113), 1/31, 1/38 (5.113), 2/44, 2/85* (5.34), 3/37 und 5/81 (beide 5.31), 3/52 (5.34), 4/70 (5.130), 5/42 (5.182), 6/46 (5.190), 6/78 (5.193), 8/4 (5.209), 8/8 (5.203), 8/9 (5.16), 10/27 (5.225) und 5.200 auf. Konkret könnte damit ein französischer Feldherr oder Machthaber gemeint sein, der dem historischen Aëtius (ca. 390 - 454) ähnelt, vgl. griech. "aetos" und "aietos" (Adler). Flavius Aëtius (römischer Feldherr und mehrfacher Konsul) kämpfte gegen die Westgoten, Franken und Burgunder und besiegte 451 die Hunnen auf den Katalaunischen Feldern bei Châlons-en-Champagne. 454 wurde Aëtius von Kaiser Valentinian getötet.


Der "Löwe" wird in Saint-Paul-de-Mausole sterben. Es herrscht Krieg, und drei Verbündete des "Hahns" und des "Adlers" werden eingreifen.

In der ersten Zeile erfahren wir, dass jemand drei Leugen von der Rhone entfernt (vgl. Anmerkung 1) in Saint-Paul-de-Mausole sterben wird. Hier dürfte an 8/34/4 angeknüpft werden, wo der "Löwe" an besagtem Ort stirbt. Den Grund für den Tod erfahren wir allerdings auch hier nicht.

In Zeile zwei wird jemand aufgefordert, aus dem Gebiet bei Tarascon zu fliehen. Diese Warnung könnte an den oben erwähnten "Löwen" gerichtet sein. In diesem Fall könnte der "Löwe" beispielsweise im Rahmen eines gewaltsamen Konfliktes sterben. Vgl. dazu den Kommentar bei 8/34 bzgl. des Todes von Ludwig VIII. und Richard Löwenherz.

Dass Krieg herrschen wird, ist der dritten Zeile zu entnehmen (Kriegsgott Mars errichtet seine schrecklichste Herrschaft bzw. seinen schrecklichsten Thron).

Dieser Krieg ist der Grund dafür, weshalb drei Verbündete des französischen "Hahns" und des ebenfalls französischen "Adlers" in Aktion treten werden (Zeile vier). Über die drei Verbündeten erfahren wir nichts. Auch nicht, ob sie alle auf der gleichen Seite in den Konflikt eingreifen werden. Es ist jedoch zu vermuten, dass es sich bei diesem Krieg um eine innerfranzösische Auseinandersetzung handeln wird.









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