5.167  Die Ermordung des Tyrannen von Padua.
 

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Zusammenfassung 

 
In diesem Vierzeiler geht es um einen Tyrannenmord. Nachdem der Tyrann sein Leben ausgehaucht hat, wird das Volk - wohl aus Dankbarkeit - seine Gebete zum Himmel ("zu den Göttern") schicken (vierte Zeile). Das von Nostradamus vorhergesagte Attentat wird offenbar blutig vonstatten gehen (dritte Zeile). D. h. der Tyrann wird vielleicht erstochen oder erschossen aber nicht etwa erdrosselt oder vergiftet werden. In den ersten beiden Zeilen scheint Nostradamus ein Omen zu beschreiben, das den Tod des Tyrannen ankünden wird: eine Krähe wird auf einem Backsteinturm sieben Stunden lang krähen. Wie in Anmerkung 3 ausgeführt, erinnert dieses Vorzeichen an eine Begebenheit, die uns Sueton in Zusammenhang mit der Ermordung Kaiser Domitians überliefert hat. Interessant ist dabei, dass laut Sueton der Hauptattentäter auf Domitians Leben einen verletzten linken Arm vorgetäuscht hat, um im Verband um diesen einen Dolch verstecken zu können (Sueton: De vita caesarum, Domitianus, 17, 1). Etwas Ähnliches berichtet Nostradamus über die Ermordung des Tyrannen von Padua (siehe 5.77). Auch dort täuscht einer der Attentäter vor, einen verletzten Arm zu haben. Dem Tyrannen von Padua wird dabei die Kehle durchschnitten werden, wobei auch Blut fließt (8/45, 5.77). Ereignen wird sich dieser Mord zu Ostern in einer Kirche. An einem Ort also, wo es sicher auch Statuen gibt, die vom Blut des Tyrannen befleckt werden könnten (dritte Zeile). Zu klären bliebe jetzt noch, warum Nostradamus die Krähe genau sieben Stunden krähen lässt und ob er in der ersten Zeile an einen bestimmten Turm (in Padua) gedacht hat.
 

Quellen
 

4/55
 
Quant la corneille sur tout1) de brique ioincte2),
Wenn die Krähe auf [dem] Turm1) aus gutem2) Backstein
Durant sept heures ne fera que crier:3)
während sieben Stunden nichts anderes tun wird als krähen.3)
Mort presagee de sang statue taincte,4)
[Dann wird der] vorhergesagte Tod [eintreten, und die] Statue [wird] mit Blut befleckt [sein].4)
Tyran meurtri, aux Dieux peuple prier.
[Der] Tyrann [wird] ermordet [werden]. [Das] Volk [wird] zu den Göttern beten.
1) "Tout" (alles) dürfte eine Verschreibung von "tour" sein, vgl. LE PELLETIER.
2) Oder auch: "elegant, graziös". Die Zeile ließe sich dann auch etwa so übersetzen: "Wenn die Krähe auf [dem] eleganten Backsteintum [...]".
3) Dieses Vorzeichen einer krähenden Krähe erinnert tatsächlich an eine Begebenheit, die uns Sueton in Bezug auf die Ermordung Domitians (96 n. Chr.) mitteilt (vgl. GRUBER, S. 164). Einige Monate vor dem Attentat auf den tyrannischen Domitian soll ein Rabe auf dem Kapitol in Rom gesessen und "alles wird gut werden" gerufen haben (Sueton: De vita caesarum, Domitianus, 23, 2).
4) Rein sprachlich wäre auch die Übersetzung möglich: "[Dann wird der] von [der] blutbefleckten Statue vorhergesagte Tod [eintreten]". Die mit Blut befleckte Statue könnte neben der Krähe ein weiteres Omen für das Attentat auf den Tyrannen aus der vierten Zeile sein. Oder der Tyrann stirbt bei dieser Statue und befleckt sie dabei mit seinem Blut. Sollte dies gemeint sein, hat Nostradamus vielleicht an das Ende von Julius Cäsar gedacht, der bei der Statue des Pompeius gestorben ist, allerdings ohne sie mit seinem Blut zu beflecken (Appian: Bella civilia, 2, 493). Eine ganz andere Erklärung wäre, dass es nicht "statue" (Statue) sondern "stature"(Körper, körperliche Erscheinung, Statur) heißen sollte. Dann ließe sich die Zeile etwa folgendermaßen übersetzen: "[Dann wird beim] vorhergesagten Tod [sein] Körper mit Blut bedeckt [sein]."


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