Entstehung der Erzgänge Prospektion Abbautechniken Verhüttung Mineralführung, Beispiele

Bergbau und Bergbauspuren im Schwarzwald

Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über frühere Prospektion, Abbautechniken und weitere wissenswerte Details über den Schwarzwälder Bergbau.

Viele Flur- und Ortsnamen sowie Bauwerke im Schwarzwald lassen sich direkt oder indirekt auf frühere bergmännische Tätigkeiten zurückführen. So erinnern die Namen Erzingen, Erzkasten (Schauinsland), Erzlöcher, Löcherberg, Silberberg, Silberbrünnle, Kupferberg, Stollenbach, Reichenbach, Schmelzplatz, Erzwäsche, Erzenbach usw. unmißverständlich an einstige Erzvorkommen. Aber auch z.B. der Strassenname “Pochgasse” in Freiburg-Zähringen läßt sich auf ehemalige Bergbautätigkeiten zurückführen. Mit Poche wird der Ort der Zerkleinerung des Erzes, also einem Teil der Verhüttung umschrieben. Der Name Reichenbach kann einerseits für das reiche Vorkommen an Erzen, andererseits für den durch die Erze erworbenen Reichtum der Bewohner stehen. Das Freiburger Münster konnte nur durch die reichen Silbervorkommen des Schauinslandes und bei Todtnau gebaut werden. Der rasche Aufstieg dieser Zährigerstadt beruht nach der Gründung im Jahr 1120 auf dem Etrag aus dem Bergbau ("Bergsegen"). Das Freiburger Münster, einziger noch im Mittelalter vollendeter Dom, ist ein eindrucksvolles Zeugnis der wirtschaftlichen Bedeutung des historischen Bergbaus am Schauinsland. Der Schwarzwald hat nicht die Erzmengen geliefert, wie sie im Harz oder im Erzgebirge zutage gefördert wurden. Viele Gruben waren für deren Gewerken/Besitzer Zuschussbetriebe ohne Rendite. Einzelne Lagerstätten haben jedoch beträchtliche Mengen erbracht. Auch für die Landschaftsentwicklung war der Bergbau von großer Bedeutung. Als besonders holzintensive Industrie drängte sie den Wald auf entlegene und steilste Gebiete zurück und in manchen Bereichen beruht die heutige Verteilung von Wald und Flur noch auf der ehemaligen Holznutzung durch den Bergbau. Im Gelände können bei aufmerksamer Beobachtung die Spuren der ehemaligen Bergleute entdeckt werden. Das geschulte Auge sieht in manchen Unebenheiten im Wald und auf den Wiesen die Spuren einer mehr oder weniger intensiven Suche nach Erzen.

Gesuchte Rohstoffe:

Zu verschiedenen Zeiten waren unterschiedliche Rohstoffe gefragt, die oft durch Abbaue unter Tage gewonnen wurden:

Der älteste Bergbau im Umfeld des Scharzwaldes besteht im Jaspisbergbau bei Istein. Hier wurde in der jüngeren Steinzeit als Jaspisknollen der Rohstoff für Werkzeuge wie Steinbeile, Faustkeile, Jaspismesser und dergleichen gewonnen. Im hintersten Sulzburger Tal wurde Hämatit, der zerrieben ein intensiv rot färbendes Pulver ergibt, mittels Kieselsteinen, die vom Rhein hierher gebracht wurden, abgebaut. Es wurde wohl zu “kosmetischen” Zwecken verwendet. Die Gewinnung von Erzen, aber auch von Salz aus Solquellen ist für die Bronze- und Eisenzeit erwiesen. Die Goldwäscherei an beiden Ufern des Rheins wird bereits von römischen Schriftstellern im 1. Jhdt. v. Chr. erwähnt. Bei Badenweiler und Sulzburg konnten die Archäologen römischen Bergbau auf Blei und Silber nachweisen. Auf dem Schlossberg bei Freiburg wurden römische Baryt-Mosaiksteine gefunden, die von Suggental (nördlich von Freiburg) stammen. Ob sie Abfallprodukt eines bereits damals existierenden Metallbergbaues sind oder wegen ihrer extrem weißen Farbe gewonnen wurden, ist (noch) nicht bekannt. Bei Pforzheim fanden sich die Reste einer römischen Eisenschmelze. Im frühen Mittelalter galt das Interesse hauptsächlich den im Grundgebirge aufsitzenden Erzgängen mit silberführendem Bleiglanz. Die Bergleute des Mittelalters waren nur am silberhaltigen Bleiglanz, an Fahlerzen und lokal auch an Kupfer interessiert und warfen z.B. Zinkblende und Fluorit auf die Halden oder bauten “Versatzmauern” innerhalb der Stollen und Abbaue im Berg. Später interessierte man sich auch für diese Rohstoffe und die alten Halden, wenn genügend Erze darin waren. Letztere wurden durchgekuttet (durchsucht), der Versatz innerhalb der Abbaue wurde, ohne daß man irgendwelchen Sprengstoff benötigte, billig gefördert. Bis zur Entdeckung Amerikas war das Silber das wichtigste Bergbauprodukt und es war in der Zeit des sich ausweitenden Handels als Münzmetall sehr gesucht. Diese Epoche endete gegen 1630. Danach verlor das Silber durch die Lieferungen von Übersee extrem an Wert und viele Gruben mußten den Betrieb einstellen. Später trat das Blei an die erste Stelle. Es wurde von Hafnern verwendet, diente aber auch für Verglasungen und zur Herstellung von Bleirohren für Wasserleitungen. Mit dem Aufkommen von Feuerwaffen wurde Blei auch zu Gewehr- und Kanonenkugeln gegossen. Die Blütezeit des Bleibergbaues kann auf die Zeit von 1700-1865 festgelegt werden, die Blütezeit des Eisenerzbergbaues erreichte während des 17. Jahrhunderts seinen Höhepunkt. Eisen wurde auch später, im 17. und 18 Jhdt. abgebaut, so im Bereich Auggen / Schliengen / Liehl / Tannenkirch als sog. Bohnerze. Bei Pforzheim war es der braune Glaskopf, der das Eisenerz lieferte. Die Kobalt-Wismut-Vererzungen zogen hauptsächlich im 18. Jhdt das Interesse der Bergleute auf sich. Während des zweiten Weltkrieges baute man das kalkhaltige Doggereisenerz ab: bei Ringsheim am Schönberg bei Freiburg (1937), bei Badenweiler-Lipburg und Rintel. Es war als Rüstungsmaterial gefragt und wurde als kalkreicher Zuschlagstoff zusammen mit reicheren Erzen im Ruhrgebiet verhüttet. Gips wurde unter anderem in Badenweiler, Sulzburg, Au bei Freiburg und Herten (bei Grenzach-Wyhlen) als Düngegips unter Tage gewonnen. Bei Buggingen förderte man aus bis zu einem Kilometer tiefen Schächten Salz. Am Klosterweiher bei Horbach wurde Nickel abgebaut und in Gersbach suchte man Pyrit zur Herstellung von Salpeter. Bei Diersburg-Berghaupten in der Nähe von Offenburg wurde noch in diesem Jahrhundert wenig erfolgreich Steinkohle abgebaut. Nach 1850 und bis in dieses Jahrhundert hinein galt das Interesse aber vor allem dem Fluorit und dem Baryt. Nur im Schauinsland, der Grube Wenzel im Frohnbach (bei Wolfach) und in der Grube Friedrich-Christian bei Wildschapbach galt das Interesse praktisch nur den Schwermetallen. In den anderen, bis in die Siebziger Jahre dieses Jahrhunderts existierenden Gruben, traten die Schwermetalle in den Hintergrund und wurden allenfalls nur als Nebenprodukt gewonnen. Zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren dieses Jahrhunderts untersuchte man einige Erzgänge auf Uranerz. Bei Baden Baden und bei Menzenschwand kam es sogar zur eingeschränkten Förderung solcher Erze. Sie wurden probeweise bei Birkenfeld in der Pfalz verhüttet. Heute steht im Schwarzwald nur noch die Grube Clara bei Oberwolfach auf Fluorit und Baryt in Förderung, die Grube Käfersteige bei Pforzheim hat vor wenigen Jahren den Abbau auf Fluorit eingestellt. Die billigeren Exporte aus Fernost waren auf dem Markt konkurrenzfähiger.

Die Mineraliensammler, die sich auf Schwarzwälder Mineralien spezialisiert haben, interessieren vor allem die Relikte des Bergbaues auf den Erzlagerstätten des Schwarzwaldes. Mit wenigen Ausnahmen liegen diese als sog. Erzgänge vor. Hierauf wollen wir uns hier auch beschränken.

Enstehung der Erzgänge
Prospektion
Abbautechniken
Verhüttung
Einige Erzgänge und ihre Mineralführung

zurück zur Startseite