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Tages Anzeiger 22.10.96: Die Polybahn nimmt nach Erneuerung den Betrieb auf.

Tages Anzeiger 13.09.96: Zürcher Künstler erwarb Polybähnchen kurz vor der Sezierung

Tages Anzeiger 29.06.96: 106 Jahre später: Die zwei roten Polybähnli werden ausrangiert

Tages Anzeiger 28.03.96: Polybähnli-Konzession bis 2026 verlängert

PRESSEMITTEILUNG Bundesrat verlängert die Konzession der Zürcher Polybahn

Tages Anzeiger 23.03.96: Umbau der Polybahn

Tages Anzeiger 23.01.96: Letzte Fahrt der alten Polybahn im Juni?

Tages Anzeiger 16.01.96: Polybahn aufs Abstellgleis?


sources of these articles:

Tages Anzeiger






Publikations-Datum: 19961022
Seite: 19


Stadt Zürich

Bereit für weitere 30 Jahre

Die Polybahn nimmt nach Erneuerung den Betrieb auf

Zu feierlichen Klängen gleitet die Polybahn auf ihrer Jungfernfahrt zum Central hinunter.

BILD WOLFGANG STRÄULI

Die Polybahn ist wieder im Gleis: Vier Monate nach Betriebseinstellung sind die alten Wagen ersetzt, die Bahnanlage erneuert und 5,7 Millionen Franken ausgegeben - die 107jährige Bahn ist für weitere 30 Jahre gerüstet.

Auf den ersten Blick glaubt man, die alten Polybähnchen vor sich zu sehen - gleiche Form, gleiche Farbe und die offene Plattform ist auch noch da. Aber diese hier, so sagte Verkehrsexperte Professor Heinrich Brändli an der gestrigen Medienorientierung, seien sicherer, komfortabler und rascher.

Vor allem sicherer: Für die Bahn wurde ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept erstellt. Nur ein Beispiel: Tritt ein Fahrgast, bevor der Wagen zum Stillstand gekommen ist, zu nah ans Perron, fordert ihn eine Stimme aus dem Lautsprecher auf, zurückzutreten, und die Geschwindigkeit der Wagen verlangsamt sich automatisch. Wollten nun alle Fahrgäste diesen Mechanismus testen, müssten sie lange auf die Bahn warten. Dieses weitgehende Konzept entwickelten die Verantwortlichen jedoch nicht aus eigenem Antrieb: Bei einem automatischen Betrieb, wie er bei der Polybahn nach den ersten drei Betriebsmonaten vorgesehen ist, wären keine offenen Plattformen zugelassen. Sie hoffen aber, dass das Bundesamt für Verkehr dank diesen - teuren - Vorkehrungen eine Sonderbewilligung erteilt.

Sofern die Fahrgäste ihrem Spieltrieb nicht nachgeben, ist die neue Polybahn auch schneller (zweieinhalb Meter pro Sekunde), effizienter (sie fasst dank ausgebauter Bremserkabine 50 statt 40 Personen) und komfortabler (sie gleitet). Das Authentische aber ist weg - und lässt sich auch nicht mit den nostalgischen Leuchten an der Decke wiederbringen.

(jho)

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Publikations-Datum: 19960913
Seite: 19

Stadt Zürich

Hofkunst rettete Bahnkunst

Zürcher Künstler erwarb Polybähnchen kurz vor der Sezierung

Die Polybahn um die Jahrhundertwende.

BILD BAUGESCHICHTLICHES ARCHIV DER STADT ZÜRICH

Zürichs bewegte Wahrzeichen wurden die 106 Jahre alten Polybähnchen genannt. Ende Juni wurden sie ausrangiert. Eines landete im Schredder, das andere in der Fabrikhalle von Lukas Hofkunst.

Autor: VON JANINE HOSP

Die beiden neuen Wagen - Imitationen - stehen für ihren ersten Einsatz im Oktober schon bereit. Nur, was ist mit den alten geschehen? Sie endeten nicht sehr würdevoll, wie der "Tages-Anzeiger" herausfand. Der eine Wagen wurde seziert, zerlegt und ausgenommen. Seine Eingeweide, beispielsweise die Fangbremse, werden nun in der Bergstation der Polybahn zur Anschauung ausgestellt. Die Überreste des Wagens wurden kurzerhand durch den Schredder gelassen.

Nur ein schmückendes Element

Der Zwillingswagen konnte jedoch dem Schredder entkommen: Als dem Künstler Lukas Hofkunst zu Ohren kam, dass dem Wagen die Verschrottung drohe, sagte er zu sich: "De muess ane." Er war zwar nur zweimal mit der Polybahn gefahren, aber das rumplige Gefährt ist ihm als "herziges Teil" in Erinnerung geblieben. Jetzt steht der rote Wagen in einer alten Fabrikhalle in Oerlikon - Hofkunsts Ausstellungsraum -, aufgeschient wie zu seinen aktiven Zeiten, nur fahren tut er nicht mehr. Künftig dient er bei Vernissagen als Bar und überdies als schmückendes Element: "Der Wagen wirkt gut in der Fabrikhalle, er verleiht ihr Atmosphäre", sagt Hofkunst.

Degradiert, ausgenommen und verschrottet - die beiden Polybähnchen haben offenbar nichts Besseres verdient: Sie sind zwar alle drei Minuten, 230 Mal am Tag, während 106 Jahren hinauf und hinunter gefahren - "aber sie sind nicht mehr als zwei Kistchen auf Rollen", sagt man selbst bei den Verkehrsbetrieben ganz nüchtern. Trotzdem versuchten die VBZ einen Platz für sie zu finden, beim Luzerner Verkehrshaus, beim Zürcher Tram-Museum und beim Winterthurer Technorama, aber nirgends wollte man sich der Gefährte annehmen: "Platzmangel", hiess es überall.

Ein Kampf um Plätze

"Bei uns herrscht ein grosses Gerangel um die Ausstellungsplätze", begründet This Oberhänsli vom Verkehrshaus. Die BLS, die RhB, die SBB, alle wollten einen Platz für ihre alten Gefährte. "Die Polybähnchen sind aber nicht einmalig. Ihre historische Substanz ist nach einigen Modernisierungen klein." Im Gegensatz zum Berner Marzili-Bähnchen etwa verfügten die Polybähnchen nicht mehr über die Wassertanks; mit einem vollen Tank konnte der abwärtsfahrende Wagen den aufwärtsfahrenden hinaufziehen.

"Weil an den Bähnchen nicht mehr alles alt war, mussten wir nicht handeln, als sie ausrangiert wurden" sagt Oberhänsli und fügt an: "Auch wenn es zuinnerst im Herzen weh tut." Er sei nämlich, erklärt er, mit dem Polybähnchen bestens vertraut: Er gehörte, wie viele Konservatoren in Luzern, zu den unzähligen Studenten, die die Bahn jeden Tag "den Stutz hinauf" zur ETH brachte.

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Publikations-Datum: 19960629
Seite: 15

Stadt Zürich

Fertiggerumpelt

106 Jahre später: Die zwei roten Polybähnli werden ausrangiert

Heute verabschiedet sich Zürich von seinem "bewegten Wahrzeichen": Die beiden alten Polybahn-Wagen rumpeln zum letzten Mal zum "Polytechnikum" hinauf.

Autor: VON JANINE HOSP

Seit ein paar Tagen finden die Polybähnler keine Ruhe mehr: Fotografen, ja ganze Filmequipen steigen leichtsinnig dem alten Bähnchen nach; Grossväter, mit kleinen Enkeln an der Hand, besetzen die Abteile; und aus ganz Europa rufen Leute an, die wissen wollen: "Wie lange fährt die alte Polybahn noch?"

Mit Ächzen und Quietschen

"Die Polybahn ist eben eine alte Grossmutter", sagt Heinz Loeliger, der im Schalterhäuschen sitzt. "Mit der muss man fein umgehen, sonst verjagt es sie." Dieses Risiko wollte das Bundesamt für Verkehr nicht eingehen und liess die Konzession für den Bahnbetrieb auf den 30. Juni auslaufen. Die Bahn muss nun renoviert werden: Die Gleisanlagen und die Antriebstechnik werden erneuert und die beiden 106jährigen Wagen aus dem Verkehr gezogen.

Recht hat das Bundesamt, denn die beiden Wagen sind durch das ständige Auf und Ab während all der Jahre völlig abgetakelt. Der rote Kasten setzt sich nur noch schwerfällig in Bewegung und rumpelt dann gemächlich den Stutz hinauf: Die Schiebetüren lottern, die Räder rumoren, ein Ächzen und Quietschen begleitet die ganze Fahrt. Und das Innere! Holzbänke, nackte Glühbirnen, abgeschmirgelte Holzleisten. Nur noch unter den Bänken ist ein Rest der hellgrauen Farbe übrig.

Würde ein Tram in diesem Zustand vorfahren, man würde sich umgehend beschweren. Das Polybähnli aber darf das. "Es ist so gemütlich", sagt ein Stammgast, "cosy", eine Gruppe von Japanern, und ein Hobby-Eisenbähnler meint: "Es hat etwas Nostalgisches." 90 Sekunden Nostalgietrip für einen Franken: Man steht auf dem Balkon des Bähnli, geniesst den Fahrtwind und tut so, als müsse man gar nicht zur Vorlesung. "Die Leute sind hier ganz anders", bemerkt Polybähnler Rudolf Jörg. "Man redet miteinander."

Das Polybähnli ist aber nicht nur ein Relikt aus einer besseren Zeit, es ist - und das bringt ihm so viele Sympathien ein - auch leistungsfähig: Die zwei alten Wagen befördern jährlich 1,7 Millionen Fahrgäste. Alle drei Minuten, 230mal pro Tag, fährt es hinauf und hinunter. Im Jahr 106 nach Inbetriebnahme zeigt der Zähler in der Bergstation 1 386 523 Fahrten an.

In den Stosszeiten oder wenn ein Tram ausfalle, könne es innert einer halben Stunde sogar 780 Personen transportieren, sagen die Bähnler. Vielleicht traut man dem Bähnchen wegen solcher Spitzenleistungen noch viel mehr zu: "Eine Gruppe von Japanern wollte einmal mit der Polybahn bis auf das Jungfraujoch hinauf", sagt Rudolf Jörg kopfschüttelnd.

Eine Katastrophe!

Als im vergangenen Januar bekanntwurde, dass die alten Wagen ausrangiert und im Oktober durch eine vollautomatische Bahn ersetzt werden sollen, war das Entsetzen entsprechend gross: "Eine Katastrophe", entrüstete sich der städtische Heimatschutz, stellvertretend für viele. Das bewegte Wahrzeichen Zürichs, dieses Merkmal überlieferter Vertraulichkeit, dürfe nicht verschwinden.

Man will es nicht wahrhaben, denkt, dass es die alten Wagen, erbaut aus solidem Material, noch ein paar Jahre tun werden. "Die Polybahn wurde zwar aus massivem Holz und schwerem Guss erschaffen, sie hat aber in all den Jahren Rost angesetzt", sagt Heinz Loeliger. "Die Bahn ist am Ende." Was mit den Wagen geschehen wird, ist nach Auskunft der Besitzerin, der Schweizerischen Bankgesellschaft, ungewiss.

Ab Oktober ein neues Fahrgefühl: Die alten Wagen werden nachgebaut.

BILD DOMINIC BÜTTNER

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Publikations-Datum: 19960328
Seite: 19

Stadt Zürich

IN KÜRZE

Polybähnli-Konzession bis 2026 verlängert

Der Bundesrat hat die Konzession für den Betrieb der Polybahn in Zürich um dreissig Jahre verlängert. Mit der Sanierung der Bahn kann Mitte 1996 begonnen werden, wie das Eidgenössische Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement mitteilt. Die Standseilbahn hat in den Jahren 1992 bis 1994 jährlich durchschnittlich 1,6 Millionen Passagiere transportiert. Das Umbau- und Sanierungsprojekt der SBG Polybahn AG hat das Bundesamt für Verkehr bereits am 15. Januar genehmigt. Gegen die Plangenehmigungsverfügung sind keine Beschwerden eingegangen, sie ist mittlerweile rechtskräftig.

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Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft

Archiv der Pressemitteilungen
März 1996

Bundesrat verlängert die Konzession der Zürcher Polybahn

PRESSEMITTEILUNG

Bundesrat verlängert die Konzession der Zürcher Polybahn

Der Bundesrat hat die am 30. Juni 1996 ablaufende Konzession der Polybahn in Zürich um 30 Jahre verlängert. Mit der Realisierung des Umbau- und Sanierungsprojektes, das vom Bundesamt für Verkehr bereits am 15. Januar 1996 genehmigt wurde, soll Mitte 1996 begonnen werden.

Die Standseilbahn vom Limmatquai zur Eidg. Technischen Hochschule wurde 1976 von der Schweizerischen Bankgesellschafft Polybahn AG übernommen. Sie wird seither in deren Auftrag von den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) betrieben. Die damals erteilte Konzession war auf 20 Jahre befristet und läuft am 30. Juni 1996 aus. Am 19. Juni 1995 stellte die SBG Polybahn AG ein Gesuch um Verlängerung dieser Konzession bis zum 30. Juni 2026. Der Bundesrat hat mit seinem Entscheid diesem Begehren vollumfänglich entsprochen. Die Polybahn ist heute vollständig im Zürcher Verkehrsverbund integriert und transportierte in den Jahren 1992 bis 1994 ca. je 1,6 Mio Passagiere.

Bauliche Erneuerungen notwendig

Nachdem die Bahn letztmals vor zwanzig Jahren erneuert wurde, drängen sich heute umfassende Sanierungsmassnahmen auf. Die SBG Polybahn AG hat Projektvorschläge ausarbeiten lassen, die vom Bundesamt für Verkehr bereits am 15. Januar 1996 genehmigt wurden. Gegen diese Plangenehmigungsverfügung gingen keine Beschwerden ein, so dass diese mittlerweile in Rechtskraft erwachsen ist. Mit den geplanten Umbau- und Sanierungsarbeiten soll ca. Mitte 1996 begonnen werden.

3.96

Eidgenössisches Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement Pressedienst

Auskunftsstelle: Bundesamt für Verkehr, Stabsstelle Kommunikation, Tel.: 031/322 36 43

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[Stadt Zürich]

Eine Imitation

Umbau der Polybahn

Die Polybahn wird um- und neu gebaut: Ab Oktober werden zwei neu-alte Wagen zwischen Central und Hochschule pendeln: Imitationen.

Alles hatte man in Betracht gezogen: Eine Rolltreppe statt der Polybahn, eine Imitation, nur noch Museumsfahrten - aber auch den Abbruch der Bahn. Soviel stand jedoch fest: Am 30. Juni dieses Jahres läuft die Konzession aus. Die Besitzerin der Bahn, die Schweizerische Bankgesellschaft, entschied sich zusammen mit den VBZ und dem Denkmalschutz für eine Imitation. Inzwischen hat das Bundesamt für Verkehr eine Betriebskonzession für 30 Jahre erteilt, wie an der gestrigen Orientierung gesagt wurde.

"Die Brücke und die beiden Stationen sind inventarisierte Schutzobjekte; ein Abbruch oder Neubau fiel deshalb weg", sagte Heinrich Brändli, Vizepräsident der Polybahn. Auch die Idee, das Gefährt nur noch zu musealen Zwecken in Gang zu setzen, wurde bald einmal fallengelassen, denn die Bahn wird gebraucht: von über 1,6 Millionen Fahrgästen jährlich.

Künftig automatisch

Somit wird die Polybahn diesen Sommer für 5,7 Millionen Franken um- und neu gebaut. 2,5 Millionen davon berappt die SBG, 3,2 Millionen der Verkehrsverbund. Gleise, Antrieb und Fahrzeuge werden neu gebaut, die beiden Stationen und die Brücke renoviert. Angesichts der hohen Kosten wird die Bahn künftig automatisch betrieben, überwacht durch die VBZ-Leitstelle. Der offene "Balkon" der Wagen wäre dabei eigentlich nicht mehr zulässig gewesen, nach Verhandlungen mit dem Bundesamt kann er doch beibehalten werden.

Für die vier Angestellten wird bei den VBZ nach einem Arbeitsplatz gesucht. Die beiden Originalwagen werden wahrscheinlich ins Verkehrsmuseum Luzern kommen. (jho)

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Publikations-Datum: 19960123
Seite: 16

Stadt Zürich

IN KÜRZE

Letzte Fahrt der alten Polybahn im Juni?

Wer noch mit dem nostalgischen Polybähnli fahren will, wie es jetzt nahezu 100 Jahre lang zwischen Central und ETH-Terrasse gependelt ist, muss sich bald sputen: Am 29. Juni, einen Tag bevor die Konzession ausläuft, soll die Standseilbahn letztmals in ihrer jetzigen Form verkehren. Die Plangenehmigungsverfügung des Bundesamts für Verkehr (BAV) ist bei der Besitzerin der Bahn, der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG), eingetroffen. Die Verfügung gibt gemäss Pressesprecher Robert Vogler für das Umbauprojekt grünes Licht, sowohl die Auflagen an die technische Sicherheit als auch die Heimatschutzbestimmungen würden laut BAV erfüllt. Die Erteilung der Konzession durch den Bundesrat sei nur noch eine Formsache. Unter kommunalem Schutz stehen Tal- und Bergstation sowie die Brücke über Seiler- und Hirschengraben, erneuert werden sollen aber nur die beiden Wagen und die Gleisanlage. Dem Stadtzürcher Heimatschutz, der sich gegen einen vollautomatischen "Attrappenbetrieb" zur Wehr setzt, spricht die SBG jede Rekursberechtigung ab, eine Einsprache (Frist bis 15. Februar) müsste vom Schweizerischen Heimatschutz oder von der Stadt Zürich eingereicht werden.

Autor: (has)

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Publikations-Datum: 19960116
Seite: 19

Zürich und Region

Autor: VON ERWIN HAAS

Polybahn aufs Abstellgleis?

Das nostalgische Bähnli soll automatisiert werden

"Automatische Geisterbahn" statt "historisches Monument"? Die SBG-Polybahn AG will ihre Bahnanlage modernisieren, die alten Wagen entsorgen, das Trassee erneuern. Das sei aus Gründen der Sicherheit nötig. Der Heimatschutz ist entrüstet und setzt sich zur Wehr.

Falls sich die Befürchtungen der Heimatschützer bestätigen, wird das "altehrwürdige" Polybähnli durch eine "anonyme Bahnanlage" ersetzt. Für Nostalgiefreunde eine Schreckensvision, die nicht wahr werden darf: Es soll "klammheimlich ein geschütztes Objekt verschwinden, ohne dass wir und die Ÿffentlichkeit über neue Planungsabsichten informiert wurden", teilt Peter Angst-Obi, Präsident des Stadtzürcher Heimatschutzes, der Presse mit.

Ein zweites Rigiblickbähnli?

Angst zitiert AndrĜ Brechbühl, einst stellvertretender VBZ-Direktor und Projektleiter Polybahn. Laut telefonischer Auskunft von Brechbühl vom 23. Dezember verlange das Bundesamt für Verkehr aufgrund "neuer Sicherheitsbestimmungen bei steigenden Verkehrsfrequenzen, üblicher Fahrgastbequemlichkeit usw." eine moderne, automatische Bahnanlage wie beim Rigiblickbähnli in Oberstrass. Die Konzession sei geklärt, die Bewilligung werde erwartet. Bereits seien neue Wagen mit Türen auf beiden Seiten in Auftrag gegeben worden, der Zugang zu den Wagen soll sicherer gemacht, die Gleisanlage umgebaut werden. Und die vier Arbeitsplätze an Billettschaltern und Maschine sollen entfallen.

Die Bahn, für jährlich 450 000 Fahrgäste (das Aufkommen im ersten Betriebsjahr) konzipiert und am 8. Januar 1889 eröffnet, hat 1994 1,6 Millionen Passagiere befördert. Vor 20 Jahren, als die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) die Bahn übernahm und die SBG-Polybahn AG gründete, wurde die Anlage einer gründlichen Revision unterzogen. Das Verkehrsmittel, betrieben von der VBZ, erfreut sich nicht nur in den Kreisen der Studierenden grösster Beliebtheit. Die Schalterbeamten sind noch für einen Schwatz zu haben, die Fahrgäste schätzen, wie ein Augenschein zeigt, nicht nur den Transport und das gemächliche Fahrgefühl, sondern das ganze Drum und Dran einer einzigartigen Bähnlistimmung, die mit der kurzen Reise zur Leonhardstrasse hinauf oder zum Central hinunter auch eine Reise in eine andere, längst vergangene Zeit ermöglicht.

"Das wird nicht anders werden", sagt SBG-Pressesprecher Robert Vogler, "die Bahn soll in ihren historischen Dimensionen erhalten bleiben." Doch die Erneuerung der Seilbahnkonzession, die am kommenden 30. Juni abläuft, bedinge auch die Erfüllung der gestiegenen Ansprüche an die Verkehrssicherheit und der aktuellen Bestimmungen der Seilbahnverordnung. So sind gemäss Vogler zum Beispiel freie Perrons, "von denen man hinunterfallen kann", nicht erlaubt, sie müssten durch einen schleusenartigen Zugang zu den Bahnwagen ungefährlich gemacht werden. Ein Sicherheitsgutachten ist vom ETH-Institut für Verkehrsplanung, Transporttechnik, Strassen- und Eisenbahnbau erstellt worden unter der Leitung von Prof. Heinrich Brändli, der auch Vize-Verwaltungsratspräsident der SBG-Polybahn AG ist.

"Die Sicherheitsmängel dürfen nicht zugunsten von Heimatschutzinteressen vernachlässigt werden", sagt Heinz Schöni, Pressesprecher des Bundesamts für Verkehr. Das Konzessionsgesuch sei bei ihnen "durch". Welchen Antrag das Amt dem Bundesrat stellt, wollte Schöni nicht verraten. Jedenfalls liegen die Akten jetzt beim Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement, dem der Zürcher Moritz Leuenberger vorsteht. Der Gesamtbundesrat wird demnächst über das Gesuch zu entscheiden haben.

Widerstand der Denkmalpfleger

Das Umbauprojekt und die Angst vor Nostalgieverlust haben nicht nur den Heimatschutz auf den Plan gerufen. Auch die Kantonale Denkmalschutzkommission (KDK) macht sich für die Erhaltung der roten Bahn stark, die laut Verkehrsvereinsdirektorin Edith Strub "einfach zum Stadtbild gehört und von Touristen häufig fotografiert wird". KDK-Präsidentin Isabell Hermann: "Wir möchten das Bähnli unbedingt so erhalten, wie es ist. Man darf nicht mit auf alt gemachten Wagen 'degliiche tue' , als wäre alles beim alten" - eine Ansicht, der sich die städtische Denkmalpflege angeschlossen hat.

Die Kopien für die historischen Polybahn-Wagen sind schon bestellt.

BILD DOMINIC BÜTTNER

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