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Transition
Zur Qualifikation und Rekrutierung von
Lehrlingen im Kanton
Basel-Stadt
Diese Untersuchung beschäftigt sich mit den Problemen des Übergangs von
der Sekundarstufe I in eine Berufslehre im Kanton Basel-Stadt, wo 50%
der Schulabgänger aus dem Sekundarschulzug mit Grundanforderungen (WBS)
in ein Brückenangebot vom Typ zehntes Schuljahr wechseln. Wie wählen die
Betriebe ihre Lehrlinge aus? Welchen Anforderungen müssen sie genügen?
Werden die Lehrlinge von der Schule genügend auf eine Lehre vorbereitet?
Ziehen die Betriebe Lehrlinge aus dem anforderungsreicheren
Sekundarstufentyp vor? Welche Kriterien geben den Ausschlag bei der
Entscheidung, mit einem Jugendlichen einen Lehrvertrag abzuschliessen?
Nach Antworten auf Fragen dieser Art suchte man mit Hilfe einer
schriftlichen Befragung bei 1484 in der Lehrlingsausbildung aktiven
Firmen und mit vertiefenden qualitativen Interviews.
Die Ergebnisse lassen unter anderem erkennen, dass die Betriebe in der
Regel nichts tun müssen, um Lehrlinge zu finden; interessierte
Jugendliche melden sich aus eigener Initiative, auch ohne dass die freie
Lehrstelle irgendwo ausgeschrieben würde. In der grossen Mehrzahl der
Fälle ist die Anzahl der Kandidaturen deutlich höher als die Anzahl der
verfügbaren Lehrstellen. Die meisten Unternehmen folgen einem
traditionellen Rekrutierungsmodell mit Bewerbungsschreiben, Zeugnissen
und Bewerbungsgespräch. Hinzu kommt meist eine in der Regel einwöchige
Schnupperlehre; diese wird in 80% der Betriebe verlangt. Diente diese
Woche ursprünglich den Jugendlichen dazu, Einblick in verschiedene
Berufsfelder zu gewinnen, ist sie mittlerweile zu einem zentralen
Selektionselement geworden. Und selbst zu einer Schnupperlehre findet
man heute gewöhnlich keinen Zugang mehr, ohne schon erfolgreich ein
Selektionsverfahren durchlaufen zu haben.
Für den definitiven Zustellungsentscheid verlassen sich die meisten
Betriebe auf das persönliche Urteil, das während der Schnupperlehre und
anlässlich des Bewerbungsgesprächs gebildet wird. An zweiter Stelle
folgen schulische Leistungszeugnisse. Dabei beeinflusst ein vielleicht
unerwartetes Element den Prozess in entscheidendem Mass: die
unentschuldigten Absenzen. Wer in der Schule zu oft unentschuldigt
fehlte, wird grosse Mühe haben, eine Lehrstelle zu finden. Der Wert, der
den Schulnoten und dem besuchten Typ Sekundarschule beigemessen wird,
variiert je nach Anspruchsniveau der betreffenden Berufslehre.
Allgemein
beklagen die Lehrlingsverantwortlichen, die Sekundarlehrer wüssten oder
kümmerten sich zu wenig um die Anforderungen, welche in der beruflichen
Ausbildung an die Jugendlichen gestellt würden. Insbesondere die
Kenntnisse der Schullabgänger in Deutsch und in Mathematik werden als
ungenügend beurteilt.
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